Dienstag, 29. Mai 2012

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Medium

Ein Medium (lat.: medium = Mitte, Mittelpunkt, von altgr. μέσov méson: das Mittlere; auch Öffentlichkeit, Gemeinwohl, öffentlicher Weg) ist nach neuerem Verständnis ein Vermittelndes im ganz allgemeinen Sinn.

Der Plural Medien wird etwa seit den 1980er-Jahren für die Gesamtheit aller Kommunikationsmittel und Kommunikationsorganisationen verwendet und regt mit Schlagworten wie Medienkultur zu interdisziplinären Fragestellungen zwischen technischen, wirtschaftlichen, juristischen, sozialen oder psychologischen Sachverhalten an.

Begriffsgeschichte

In der Begriffsgeschichte kann man drei deutlich verschiedene Bedeutungen unterscheiden:

Der ältere vorwissenschaftliche Medienbegriff bis etwa zum Ende des 18. Jahrhunderts bezieht sich auf magische Vermittlung (oder nüchterner gesagt: Vermittlung, die auf einer nicht nachvollziehbaren Macht oder Kompetenz beruht): Ein Medium als Person stellt einen Kontakt zu unerreichbaren Welten her. Der im 19. Jahrhundert entstehende technische Medienbegriff bezeichnet die Gesamtheit aller Träger physikalischer und chemischer Vorgänge. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert bildet sich der Begriff Massenmedium für technische Kommunikationsmittel wie Phonograph, Rundfunk, Kinematograph und später das Fernsehen unter Berücksichtigung ihrer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aspekte.

Die neuste Entwicklung, die mit der Digitalisierung aller Kommunikation zusammenhängt, integriert diese drei Bedeutungen und macht sie zu einem dominanten Konzept der Kulturwissenschaften.[1]

Allgemeines

Zwei Verwendungen des Begriffs sind unterscheidbar:

  • Medium als stofflicher Vermittler: Ein Medium ist zunächst ein zwischen individuellen Körpern befindlicher raumerfüllender Stoff mit bestimmten Eigenschaften. Meist ist ein solcher Stoff ein chemischer Stoff. Das Medium eines Schwimmbeckens ist beispielsweise Wasser, jenes einer Sauna Luft oder Dampf. Weil Stoffe Impuls und Energie übertragen, können sie auch Information übermitteln. Die Übertragung von Schall benötigt z. B. einen vermittelnden Stoff wie Luft.
  • Medium als Übermittler von Informationen: Ausgehend von der stofflich vermittelten Informationsübertragung ergibt sich eine Verallgemeinerung, bei der die stoffliche Qualität eines Mediums in den Hintergrund tritt. Der Begriff Medium kann auch ein Kommunikationsmittel beliebiger Art zwischen Sender und Empfänger bedeuten. Verwandte Bedeutungen treten in der Philosophie und Soziologie auf. So werden auch Personen, die behaupten, mit geistigen Wesen kommunizieren zu können, als „Medium“ oder „medial“ bezeichnet. Heute werden alle technischen Massenkommunikationsmittel zwischen Menschen allgemein als „Medien“ bezeichnet, etwa der Rundfunk, die Printmedien, das Internet etc.

Der Begriff Medium hat darüber hinaus eine sehr wechselhafte Geschichte und wurde etwa in der Ästhetik, der Physik (etwa bei Aristoteles oder Newton), der Physiologie oder der Rechtsprechung in unterschiedlichen Hinsichten verwendet. Gemeinsam ist diesen Verwendungsweisen die Beschreibung einer Konstellation mehrere Elemente, zwischen denen ein Wechselspiel stattfindet, welches auch mit dem Begriff Kommunikation beschrieben wurde. (Hoffmann[2]) Aus begriffsgeschichtlicher Sicht kann deshalb in Frage gestellt werden, ob eine Definition dem Potential der Geschichte des Begriffs gerecht werden kann, oder ob sie nicht die Fülle seiner Bezüge zu verlieren droht.

Die medienphilosophische Perspektive differenziert, im Gegensatz zu den obigen Definitionen, bereits zwischen den Begriffen Vermittlung, Mittel und Medium, wobei das Medium nach Georg Rückriem lediglich ein Raum ist, innerhalb dessen die durch Mittel vermittelte Beziehung möglich wird.[3] "Mittel" bedeutet dann in diesem Zusammenhang, ein Instrument um einen Zweck zwischen 2 Größen zu ergeben. Dies ist oftmals optional zum Zwecke der Nutzenmaximierung. Damit wäre dem Beispiel oben folgend die Zeitung als stoffliches Medium nicht als solches, sondern als Mittel zu bezeichnen.

Definitionen

  • „Vermittlungsträger von Informationen“ (Horn/Kerner[4])
  • „Informationsvermittler zwischen Quelle und Senke“ (Fluckiger[5])
  • „Medien sind Mittler und bilden eine Sphäre der Vermittlung“ (Winkler[6])
  • „komplexe, institutionalisierte Systeme um organisierte Kommunikationskanäle von spezifischem Leistungsvermögen“ (Saxer[7])
  • „Praktischer Therapeut (Medium) zwischen "Guru"-Therapeut (Supervisor) und Zielperson (target)“[8]
  • „unsichtbare, nicht materialisierbare Informations- und Kommunikationssysteme" (Rückriem[3])
  • „vermittelndes Element“ (Duden) [9]

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Medium – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Medium – Zitate

Einzelnachweise

  1. Helmut Schanze (Hrsg.): Metzler-Lexikon Medientheorie Medienwissenschaft. Metzler, Stuttgart/ Weimar 2002, ISBN 3-476-01761-3, S. 199–201.
  2. Stefan Hoffmann: Geschichte des Medienbegriffs. Meiner, Hamburg 2002.
  3. ab G. Rückriem: Mittel, Vermittlung, Medium. Bemerkungen zu einer wesentlichen Differenz. Vortrag am Seminar für Grundschulpädagogik der Universität Potsdam Golm, 30. Oktober 2010 (online) Zugriff am 31. Oktober 2011
  4. Christian Horn, Immo Kerner u. a. (Hrsg.): Lehr- und Übungsbuch Informatik. Hanser, München 1995.
  5. Francois Fluckiger: Multimedia im Netz. Prentice Hall, München 1996.
  6. Hartmut Winkler: Basiswissen Medien. Fischer, Frankfurt/M. 2008.
  7. Ulrich Saxer: Einführung in die Publizistikwissenschaft. Univ. Zürich, Zürich 1994.
  8. vgl. Tharp&Wetzel: Behavior Therapy in its natural environnement.
  9. Duden Online
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
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Diese Seite wurde zuletzt am 16. Mai 2012 um 13:20 Uhr geändert.

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