Dienstag, 29. Mai 2012

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Mobilität

Mobilität (lat.: mobilitas, Beweglichkeit) bezeichnet im Allgemeinen die Beweglichkeit, also die Eigenschaft, bewegt werden zu können (passive Bewegungsfähigkeit). Dabei wird der gemeinte Begriff meist mit der Bezeichnung eines weiteren Merkmals genauer bestimmt. Die Fähigkeit zur aktiven Bewegung wird dagegen als Motilität bezeichnet.

In einigen Bereichen wird der Ausdruck Mobilität auch synonym zu Motilität verwendet (siehe unten).

Verschiedene Merkmale

Der Begriff Mobilität wird mithilfe folgender Attribute genauer definiert:

Mobilität in der Verkehrsplanung

Da Mobilität eine grundlegende Funktion des Wirtschafts- als auch des Privatlebens ist, ist dieser Bereich entsprechend umfangreich in Praxis und Wissenschaft abgebildet.

Die Verkehrsplanung befasst sich mit den physischen Ortsveränderungen von Personen und Gütern. Personenmobilität lässt sich weiter aufteilen in

  • Zirkuläre Mobilität: Regelmäßige Bewegung, bei der man zum Wohnsitz zurückkehrt (z. B. Berufspendler).
  • Residenzielle Mobilität: Wechsel des Wohnsitzes.

Die Verkehrsplanung befasst sich lange Zeit nur mit physischen Raumveränderungen, öffnet sich nun auch einem weiteren Verständnis von Mobilität, das dem Menschen ein Mobilitätsbedürfnis zuordnet. Damit entsteht im ökonomischen Sinn ein Markt mit einem Bedarf, der bedient und auch gemanagt werden kann. Dem wird durch den neuen Begriff Mobilitätsmanagement Rechnung getragen.

Mobilität in den Sozialwissenschaften

  • Soziale Mobilität, Bewegungen zwischen sozialen Positionen.
    • Vertikale soziale Mobilität, Auf- und Abstieg von Personen(gruppen) zwischen verschiedenen sozialen Positionen oder Ständen.
      • Intragenerationale Mobilität, gesellschaftlicher Auf- und Abstieg während eines Lebens.
      • Intergenerationale Mobilität, gesellschaftlicher Auf- und Abstieg von der Eltern- zur Kindgeneration.
    • Horizontale soziale Mobilität, Veränderungen der eigenen Position (Beruf, Einkommen), die nicht zwingend zu einer veränderten Schichtzugehörigkeit führen.
  • Ökonomische Mobilität bezeichnet den Grad an Veränderung, den eine Person in einer bestimmten Gesellschaft im Laufe ihres Lebens an ihrem sozioökonomischen Status erfährt.

Das sozialwissenschaftliche und sozialhistorische Interesse an Mobilitätsprozessen setzte im Zeitalter der Industrialisierung und Urbanisierung ein, als sich die Berufsstruktur grundlegend wandelte und die Arbeitsteilung komplexer wurde. Forschungsleitende Fragestellungen waren die nach den Zusammenhängen zwischen Mobilität und politischem Verhalten, Chancengleichheit bzw. -ungleichheit, Elitenbildung bzw. Oligarchisierung, Landflucht und Verstädterung (Urbanisierung). Heute steht der Zusammenhang zwischen Migration und sozialer Mobilität im Zentrum der Forschung.

Die Mobilitätsforschung war einer der ersten Zweige der Soziologie bzw. Sozialgeschichte, in der mit quantifizierenden Verfahren gearbeitet wurde.[1]

Wanderarbeiter und Pendler praktizieren räumliche Mobilität.

Mobilität in der Medizin

Im medizinischen und pflegerischen Bereich kann Mobilität die aktive Bewegung von Personen oder passiv die Beweglichkeit von Körperteilen oder Organen bezeichnen. Die Bewegungsfähigkeit wird in pflegerischen Konzepten auch eine grundlegende Aktivität des täglichen Lebens genannt.

Fähigkeit zur Eigenbewegung von Personen

Die Fähigkeit umfasst verschiedene Steuerungsvorgänge und Bewegungsabläufe:

  • mentale Steuerung (Willen, Entschluss, Koordination der Muskelbewegung)
  • Positionsveränderungen im Liegen oder Sitzen aus eigener Kraft
  • Transfer, den Übergang von einer solchen Position in eine andere oder in eine kontinuierliche Bewegung (z. B. vom Bett auf den daneben stehenden Stuhl)
  • Gehen (auch Krabbeln, Rutschen, Kriechen)
  • Stehen oder Halten einer gebeugten Position (Gleichgewicht, Belastung aushalten, auch Sich Stützen)
  • Fortbewegung (auch mit Hilfsmitteln wie Fahren im Rollstuhl oder mit einem individuell angepassten PKW, Gehen mit Unterarmgehstütze, Rollator, Gehwagen etc.)

Grad der Eigenbewegungen

Ein Ausdruck für die Fähigkeit zur Eigenbewegung in der Rehabilitationsmedizin oder der Orthopädietechnik sind die Mobilitätsgrade. Mobilitätsgrade werden (nicht einheitlich) fünffach abgestuft von Null bis Vier, sie sind Funktionsbeschreibungen, besonders auch im Umgang mit Hilfsmitteln oder Beinprothesen (Unterschenkel- oder Bein-).

0 - die Fähigkeit zur Bewegung vom Platz weg fehlt (z. B. beinamputierte Person)
  1. - die Fähigkeit, ein Hilfsmittel für den Transfer oder zur Fortbewegung auf ebenen Böden mit geringer Geschwindigkeit zu nutzen. Gehdauer und Gehstrecke ebenso wie die Stehfähigkeit sind stark begrenzt (wenige Meter). Auch als Innenbereichsgeher bezeichnet.
  2. - man kann mit dem Hilfsmittel wie der Prothese mit geringer Geschwindigkeit gehen und niedrige Umwelthindernisse, wie Bordsteine, einzelne Stufen oder unebene Böden, überwinden. Auch als eingeschränkter Außenbereichsgeher bezeichnet.
  3. - man kann sich (evtl. mit Hilfsmittel) in mittlerer bis hoher, auch veränderlicher, Gehgeschwindigkeit fortbewegen und dabei die meisten, üblichen Umwelthindernisse überwinden (Klettern wäre nicht üblich). Auch als uneingeschränkter Außenbereichsgeher mit durchschnittlichen Aktivitäten bezeichnet.
  4. - der Patient kann sich wie der uneingeschränkte Außenbereichsgeher fortbewegen. Gehdauer und Gehstrecke sind jedoch nicht limitiert. Auch als uneingeschränkter Außenbereichsgeher mit besonders hohen Ansprüchen oder als hochaktiv bezeichnet.

Mobilisation in der Krankengymnastik oder Pflege

Planmäßige Anregung und Hilfestellung zur Bewegung von Personen (Mobilisierung) z.B. durch Physiotherapie, gezielten Muskelaufbau und Training von Bewegungsabläufen. Gegenbegriffe sind immobiler oder bettlägeriger Patient.

Beweglichkeit

Die passive Beweglichkeit von Gelenken (Streck- und Beugbarkeit, z.B. hypermobile Lendenwirbelsäule bei Trisomie 21), die Verschiebbarkeit von Organen, Tumoren, Implantaten u. ä. in Bezug auf das umgebende Gewebe. In einer Therapie oder Operation können z. B. fest angewachsene Organe etc. mobilisiert werden.

Einzelnachweise

  1. H. Kaelble (1978), Historische Mobilitätsforschung. Darmstadt, S. 4 ff.

Siehe auch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
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Diese Seite wurde zuletzt am 12. Mai 2012 um 08:33 Uhr geändert.

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