Москви́ч (russisch für Moskauer) war eine sowjetische, später russische Automarke. Im Deutschen wurde der Name auf mindestens zwei verschiedene Weisen transliteriert:
1. Moskwitsch, diese Schreibweise lässt sich bis zum Modell 412 nachweisen; auf der Abbildung findet sich auch die später in Deutschland verwendete Schreibweise am Kennzeichen des abgebildeten Wagens[1][2]
2. Moskwich, diese Schreibweise tragen spätere Modelle ab Herstellerwerk an der Heckklappe[3]
Eine weitere Schreibweise ist Moskwitch, eine Transliteration des Herstellerwerkes.[4]
Im November 1930 wurde in Moskau das Staatliche Moskauer Automobil Montagewerk „KIM“ gegründet, was im Dezember 1930 den Namen Moskauer Automobil-Werk „KIM“ (russisch: Московский автосборочный завод имени „КИМ“) bekam. Die Abkürzung KIM stand in Anlehnung an die Kommunistische Jugendinternationale. Zunächst begann in dem Werk mit der Montage in Lizenznahme von Ford der Typen Pkw-Ford A (Modell A (1928–1931 und ab 1933 als GAZ A) und des LKWs Ford AA (ab 1933 als GAZ-AA), der dort bis 1939 produziert wurde. Ab 1933 wurde das Moskauer Werk eine Niederlassung des Gorkowski Awtomobilny Sawod (russisch Горьковский автомобильный завод ГАЗ, deutsch: Gorkier Automobilwerk) mit Hauptsitz in Nischni Nowgorod. 1939 wurde der Moskauer GAZ-Zweigbetrieb wieder unabhängig unter seinen Namen „Moskauer Automobilwerk KIM“. Zu gleicher Zeit begann man, die KIM-10 Pkw-Typen basierend auf der Grundlage vom Ford Prefect zu entwickeln und ab 1940 wurde im Moskauer Automobilwerk die Produktion dieses Automobiltypes gestartet.[5] Dazu baute man parallel verschiedene Modifikationen: KIM-10-51 als Kabriolett -und KIM-10-52 als viertürige Limousine. Es wurden dabei relativ hohe Produktionszahlen angestrebt, um die Motorisierung des Landes voranzutreiben. Jedoch mit den Eintritt der Sowjetunion in den Zweiten Weltkrieges musste kriegsbedingt der Automobilbau vor Beginn der Serienproduktion des KIM-10 eingestellt werden und es wurden dadurch nur in etwa 500 Exemplare gefertigt. Mit Beginn des Großen Vaterländischen Krieges wurden die Werke komplett für militärische Produktionen genutzt.
Im Mai 1945 verabschiedete der Rat der Volkskommissare der Sowjetunion eine Resolution zur Wiederaufnahme des Automobilbaues im Moskauer Automobilwerk und sowie für die Entwicklung und Produktion eines Kleinwagens mit dem Namen „Moskwitsch“. Gleichzeitig wurde das Automobil-Werk in Moskauer Fabrik für kleinmotorige Automobile umbenannt, russisch: Московский завод малолитражных автомобилей (Moskowskij Sawod Malolitraschnich Awtomobilej).
Mitte 1946 wurden die gesamten Fertigungsanlagen des Opel-Kadett (Modell K38 = Modellstand 1938) als Reparationsleistung von Rüsselsheim nach Moskau gebracht.[6] Zuvor gab es bereits Versuche, den Kadett zu kopieren. Die Modelle KIM 10-50 (Limousine) und KIM 10-51 (Cabriolet) basierten jedoch auf dem Ford Prefect.[7][8]
Die Moskauer Firma MZMA (Moskowskij Sawod Malolitraschnich Awtomobilej – Moskauer Fabrik für kleinmotorige Automobile) wurde nun beauftragt, auf der Basis des Kadett ein Automobil zu bauen, das auf dem sowjetischen und internationalen Markt angeboten werden konnte. Im Jahre 1947 liefen die ersten Exemplare des Moskwitsch 400 vom Band. Weitere Typen waren der Moskwitsch 401 und der 402, die aber nur in der Sowjetunion angeboten wurden. Der Export begann erst 1950 mit der Lieferung des Modells 400 nach Finnland.
Mitte der 1960er Jahre wurde die MZMA in AZLK (Awtomobilnij Sawod imeni Leninskogo Komsomola – Automobilfabrik „Leninscher Komsomol“) umbenannt. Gleichzeitig erfolgte eine äußerliche Modernisierung des Moskwitsch, der nun unter der Modellbezeichnung 408 mit einer Viergang-Schaltung, größeren Fensterflächen, höheren Front- und Heckscheiben sowie 13- oder 15-Zoll-Rädern ausgestattet wurde. Einen weiteren technischen Sprung machte das Moskauer Automobilwerk mit dem Typ 412, der einen 1,5-Liter-OHC-Leichtmetallmotor und eine Knüppelschaltung erhielt. 1975 bekam der Typ 412 neben einer äußerlichen Modernisierung eine verbesserte Bremsanlage und hieß dann Typ 2140.
In der DDR hatte sich der preislich etwas unterhalb des Wartburg angesiedelte Moskwitsch bereits Mitte der 1970er Jahre einen ausgezeichneten Ruf als Taxi, Fahrschul- und Dienstfahrzeug erworben und wurde vielfach eingesetzt. Anfang 1970 gab es in der DDR für Privatleute kaum ein besser motorisiertes Fahrzeug als den Moskwitsch 412 mit seinem 1500-cm³-Motor und der Leistung von 75 PS. Größere Motoren waren zu dieser Zeit nur beim Wolga zu finden, der in der Regel aber für Privatleute nicht erhältlich war. Erst Mitte der 1970er Jahre kam in Form des Lada 2103 (Lada 1500) ein vergleichbar motorisiertes Fahrzeug in die DDR, abgesehen von wenigen Polski-Fiat-Modellen. Ab dieser Zeit kam der Lada in der Käufergunst durch seine gefälligere Karosserie und seine modernere Bauweise besser weg. Trotzdem blieb der Moskwitsch ein begehrtes Auto, bis ab dem Jahr 1979 die Sowjetunion keine Fahrzeuge des Typs mehr an die DDR lieferte. Auch alle späteren Modelle wurden in die DDR nicht mehr eingeführt. In der Nachwendezeit konnte sich der „Mossi“ in der DDR bzw. den neuen Bundesländern, der zumindest in dieser Zeit im Volksmund auch „Rostquietsch“ genannt wurde, nicht mehr gegen westliche Gebrauchtwagen behaupten.[9]
Für den West-Export wurde mit Beginn der 1980er Jahre die Luxusvariante des 2140, der Typ 1500 SL, eingeführt. Weil aber Lada eine wesentlich überzeugendere Produktpalette anbieten konnte, sahen nur wenige Käufer einen Sinn darin, den inzwischen technisch veralteten Moskwitsch zu kaufen. Der Export von Moskwitsch-Fahrzeugen beschränkte sich nicht nur auf (west-)europäische Staaten. So sind selbst nach 30 Jahren noch Modelle vom Typ 412 oder 2140 im Irak, in der Mongolei, in afrikanischen Staaten und auf Kuba im Verkehr anzutreffen.
Moskwitsch versuchte den Absatz mit dem AZLK 2141 Aleko wieder anzukurbeln, jedoch kamen von diesem Modell nur etwa 400 Stück nach Deutschland. Der Aleko war so schlecht verarbeitet und rostanfällig, dass es heute so gut wie keine Fahrzeuge dieses Typs mehr gibt.
Mit Schulden von rund 700 Millionen Euro wurde Moskwitsch im Frühjahr 2006 endgültig von einem russischen Gericht für insolvent erklärt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Hersteller mehr als vier Millionen Fahrzeuge produziert.
Beginn: Die Automobilfertigung in Moskauer Automobil-Werk KIM:
Erste Generation: Der erste Moskwitsch war ein Nachbau des Opel Kadett der Jahre 1937 bis 1940. Die erforderlichen Produktionsanlagen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg als Reparationsleistungen von Rüsselsheim nach Moskau verbracht.
Zweite Generation: 1956 bekam der Moskwitsch eine neue Karosserie in Pontonform.
Dritte Generation: Eine modernere Karosserie mit Heckflossen. Der 408 behielt den bisherigen Motor, der 412 bekam einen völlig neuen Motor mit 1500 cm³ und 75 PS.
Vierte Generation: Kein völlig neues Modell, nur eine Überarbeitung des 408/412.
Fünfte Generation: Der Moskwitsch 2141 ist ein neu entwickeltes Fahrzeug mit Frontantrieb und einer Schrägheckkarosserie, das weitgehend vom Simca 1307 inspiriert wurde. Der Motor ist längs vor der Vorderachse eingebaut.
Seit 1966 wurde der Moskwitsch 408 auch im Zweigwerk Ischmasch in Ischewsk gefertigt. Ab 1967 produzierte Ischmasch den Moskwitsch 412 unter dem Markennamen Iž in teilweise abweichenden Karosserie- und Ausstattungsvarianten und anderer Nummerierung. Vom Moskwitsch 412 wurden in Ischewsk folgende Varianten und Ableitungen hergestellt:
Später stellte das Ischmasch-Werk mit dem Modell 2126 und seinen Ableitungen einen eigenen Pkw her. Dieser basierte mechanisch teilweise auf dem Moskwitsch 2140, hatte aber eine modernere Karosserie. Als Markenname wurde jetzt außerhalb der Sowjetunion die englische Transkription IZH benutzt.
Ab 1967 wurde der Moskwitsch 408 auch in Bulgarien montiert und trug dort die Bezeichnung Rila 1400. Später wurden die Typen 412 und 2140 gefertigt, die teilweise unter der Bezeichnung Rila 1500 ausgeliefert wurden. Der Typ 2138 lief als Rila 1360 vom Band. Ein Teil der Fahrzeuge wurde mit in Lizenz gefertigten britischen Perkins-Dieselmotoren ausgestattet, ansonsten entsprachen die Rila-Pkw ihren sowjetischen Originalen.[10]
Auch in Belgien wurden Moskwitsch-Varianten komplettiert und teilweise mit Perkins-Dieselmotoren ausgestattet. Diese Fahrzeuge wurden als Moskvich elite oder Scaldia vertrieben. Der in Belgien komplettierte Moskwitsch 408 wurde als Scaldia 1300 angeboten.[11] Kurzfristig wurde auch der AZLK 2141 Aleko bei Scaldia-Volga AS in Belgien montiert und mit einem Dieselmotor von Ford ausgestattet.
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