Motorenbenzin ist ein komplexes Gemisch aus über 100[5] verschiedenen, überwiegend leichten Kohlenwasserstoffen, deren Siedebereich zwischen dem von Butan und Kerosin/Petroleum liegt. Es wird hauptsächlich aus veredelten Komponenten aus der Erdölraffination hergestellt und als Kraftstoff eingesetzt.
Motorenbenzin wird (meist zu „Benzin“ abgekürzt) oft ungenau auch Ottokraftstoff genannt, obwohl es auch andere Ottokraftstoffe gibt. Daneben finden geringe Mengen Motorbenzin auch als Brennstoff Verwendung (Benzin-Campingkocher).
Der ursprüngliche Name stammt von dem arabischen Wort von Benzoeharz, luban dschawi – „Weihrauch aus Java“. Dieser Ausdruck gelangte durch arabische Handelsbeziehungen mit Katalonien nach Europa. Mit dem Wegfall der ersten Silbe und der Änderung des ersten a zu e entstand im Italienischen benjuì, im Mittellateinischen benzoë, woraus sich das deutsche Wort Benzol entwickelte.
1825 entdeckte Faraday die später Benzol genannte Verbindung in geleerten Gasflaschen, er nannte sie damals bicarbure d’hydrogène, bevor sie von Eilhard Mitscherlich in Benzin umbenannt wurde. Er bezeichnete damit allerdings unser heutiges Benzol. Mitscherlich benannte den Stoff nach dem von ihm benutzten Ausgangsstoff, dem Benzoeharz. Die Zuordnung zu unserem heutigen Benzin geschah durch Justus von Liebig.
Die Bezeichnung Benzin steht demnach nicht, wie teilweise irrtümlich angenommen wird, in Zusammenhang mit dem Motorenbauer Carl Benz.
Es gibt verschiedene Sorten von Benzinen, die sich in ihrer Klopffestigkeit und zur Erreichung derer auch in der Art der Gemisch-Zusammensetzung der Kohlenwasserstoffe unterscheiden.
Die PKW-Hersteller schreiben für ihre Motoren eine Mindestoktanzahl vor; bei Sorten mit niedrigerer Oktanzahl können durch Klopfen Schäden auftreten, es sei denn, dass der Motor sich mit Hilfe eines Klopfsensors durch Verstellung des Zündzeitpunkts in gewissen Grenzen und unter geringfügigem Leistungsverlust darauf einzustellen vermag. Bei Sorten mit höherer Oktanzahl dagegen sind dementsprechend auch geringfügige Leistungssteigerungen möglich. Da die Verstellgrenze allerdings herstellerseits meist für eine bestimmte in der Bedienungsanleitung angegebene Oktanzahl ausgelegt ist, können viele Motoren die neuen 100-Oktan-Benzine dennoch nicht nutzen.[6]
In Deutschland wurde seit November 2007 der Preis des Normalbenzins an das Superbenzin angeglichen. Vertreter von Automobilclubs äußerten die Vermutung, dass die Mineralölunternehmen mittelfristig Normal abschaffen wollten, um mehr Erlöse und weniger Kosten zu haben, was 2007 von Mineralölunternehmen noch als unbegründet zurückgewiesen wurde.[7][8] Mitte September 2008 nahm Shell als erster großer Mineralölkonzern das Normalbenzin komplett aus seinem Angebot, da es kaum noch gekauft würde.[9]
Außer der Unterscheidung nach Klopffestigkeit gibt es noch die Unterscheidung in Sommerbenzin, Winterbenzin und Übergangsware (siehe unten, Herstellung).
Die Hauptbestandteile des Benzins sind vorwiegend Alkane, Alkene, Cycloalkane und aromatische Kohlenwasserstoffe mit 4 bis 11 Kohlenstoff-Atomen pro Molekül und einem Siedebereich zwischen 25 °C und ~210 °C. Daneben werden in das Roh-Benzin noch diverse Ether (wie MTBE, ETBE) und Alkohole (Ethanol, sehr selten noch Methanol) eingeblendet. Die Ether bzw. das Ethanol erhöhen die Klopffestigkeit des fertigen Benzins.
Die Kohlenwasserstoffe werden im ersten Schritt durch fraktionierte Destillation aus Erdöl gewonnen. Nach ggf. mehreren Veredelungsschritten erhält man folgende (zumeist entschwefelte) Komponenten[10] (Auswahl):
Folgende Komponenten stammen nicht aus der obengenannten Raffinerieproduktion, sondern werden bei der Abmischung der einzelnen Komponenten dem Benzin zugegeben:
Natürlich wird in einer bestimmten Raffinerie nur eine kleine Auswahl dieser Komponenten hergestellt. Ether und Ethanol werden meist zugekauft.
Die Komponenten werden (meist) separat in Tanks gelagert und von dort über eine sogenannte Blending-Station zur Fertigware aufgemischt. Je nach Sorte unterscheiden sich die Mischungsverhältnisse (siehe Blenden). Z. B. werden in hochoktanige Sorten auch verstärkt hochoktanige Komponenten zugemischt. Einige Spezifikationen (DVPE, E70) variieren in Abhängigkeit von der Jahreszeit. Es wird zwischen Sommer-, Übergangs- und Winterware[2] unterschieden. Um im Sommer der Dampfblasenbildung vorzubeugen, werden weniger leichtsiedende Anteile (Butan, Isopentan) im Blend verwendet. Ein Anteil von mehr leichtsiedenden Bestandteilen im Winterbenzin erleichtert dagegen den Kaltstart.
Neben der wichtigsten Qualität Oktanzahl (ROZ und MOZ) haben folgende Spezifikationen[2] (s. u.) wesentlichen Einfluss auf den Blend:
Der Blend muss möglichst ökonomisch gestaltet werden, d. h. ROZ oder MOZ, DVPE und Aromatenanteil sollten möglichst „angefahren“ werden. Natürlich sind solche Kriterien von Raffinerie zu Raffinerie verschieden. Auch die Preisstruktur des Produktumfeldes (Jet-Preis, MTBE-Preis, Naphtha-Preis) beeinflusst die Blendingstrategie.
Der Grundkraftstoff unterscheidet sich bei den verschiedenen Mineralölkonzernen nicht, er stammt häufig sogar aus derselben Raffinerie. Ihm wird, meist durch eine sogenannte „Endpunktdosierung“ direkt vor der Tankwagenverladung, ein Additivpaket beigemischt, das spezifisch für den jeweils belieferten Konzern ist. Zu diesen Additiven gehören Oxidationsinhibitoren, Korrosionsschutzmittel, Detergentien (Schutz vor Ablagerungen im Einspritzsystem) und Vergaservereisungs-Inhibitoren.
In Deutschland wurden 2007 ca. 24,3 Millionen Tonnen Motorenbenzin hergestellt.[11]
Seit 2000 ist verbleites Motorenbenzin in der EU verboten (siehe Entwicklung der Ottokraftstoffe). Lediglich Flugbenzin darf noch verbleit werden. Der Zusatz „bleifrei“ wird in den Sortenbezeichnungen aber noch mitgeführt.
Benzin wurde in Deutschland seit den 1920er Jahren bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wegen Erdölmangels auch durch Kohleverflüssigung aus Kohle gewonnen (Synthetisches Benzin). Der hohe Energieaufwand und der hohe CO2-Ausstoß machen das Verfahren heute meist unwirtschaftlich, wenn billigeres Erdgas oder Erdöl zur Verfügung steht. Jedoch werden auch heute noch in Südafrika solche Anlagen betrieben und weitere in der Welt geplant (siehe Kohleverflüssigung – Anwendungen in der Gegenwart).
Die wichtigsten Benzinarten sind in der Norm EN 228 (siehe Kasten rechts) festgelegt.[12]
| DIN EN 228 | |
|---|---|
| Bereich | Kraftstoffe für Kraftfahrzeuge |
| Titel | Unverbleite Ottokraftstoffe – Anforderungen und Prüfverfahren |
| Kurzbeschreibung: | Festlegungen zu Mindestanforderungen und Prüfungen an Ottokraftstoff |
| Letzte Ausgabe | 11.2008 |
| ISO | - |
Neben der (Mindest-)Oktanzahl (siehe Infobox) sind noch folgende wichtige Spezifikationen zu erfüllen:
Nach § 13 der 10. BImSchV sind im geschäftlichen Verkehr die gewährleisteten Qualitäten an den Zapfsäulen sowie an der Tankstelle „deutlich sichtbar zu machen“. In Deutschland findet man deshalb an allen Benzin-Zapfsäulen die in der 10. BImSchV (Anlagen 1a-c und 2a) geforderten runden Aufkleber mit dem Text:
Auf Grund von EU-Vorschriften kommt seit dem 1. Januar 2011 zunehmend Super E10 mit einem Zusatz von bis zu 10 % Bioethanol auf den deutschen Markt. Für diesen Kraftstoff schreibt die 10. BImSchV zusätzliche Warnhinweise auf die E10-Verträglichkeit der Fahrzeuge vor [13][14]. Siehe hierzu auch: 10. BImSchV: Auszeichnung an Zapfsäulen.
In Deutschland wurden 2007 ca. 21,3 Millionen Tonnen Motorenbenzin verbraucht[11][15] (davon 5,6 Millionen Tonnen Normalbenzin). Der Produktionsüberschuss (siehe Herstellung) wird exportiert (vorwiegend Schweiz und USA).
Die Preise für Motorenbenzin (Handelsbezeichnung: Regular=ROZ 91, Premium=ROZ 95, Premium Plus=ROZ 98) orientieren sich am Rotterdamer Markt. Benzin wird in US-Dollar je 1.000 kg (US-$/t) gehandelt. Verschiedene Publikationsorgane berichten (zum Teil täglich) über aktuelle Handelspreise und Volumina.[16][17][18] Die im Handel verwendete Referenzdichte (um den Preis einer aktuellen Charge mit einer gegebenen Dichte in Relation zu der Notierung zu setzen) ist 0,745 kg/dm³ für Regular und 0,755 kg/dm³ für alle Premiumsorten. Weiterhin müssen noch Transportkosten und Marge des Kraftstoffhandels berücksichtigt werden (siehe auch: [18]).
Zusätzlich zu den oben genannten Preisbeiträgen kommen noch Steuern und Abgaben. In Deutschland[19] gehören dazu die Umlage für die Beiträge zum Erdölbevorratungsverband mit ca. 4,10 €/1000 dm³, die Energiesteuer[20] von 654,50 €/1000 dm³ (Schwefelanteil: 10 ppm) und – auf die Summe aller aufgeführten Preisbeiträge – 19 % Mehrwertsteuer. Daraus allein ergibt sich unabhängig vom Verkaufspreis bereits ein Steueranteil von ca. 0,78 € je Liter Ottokraftstoff, zu dem dann noch der auf den Nettopreis entfallende Mehrwertsteueranteil hinzuzurechnen ist.[21] Bei einem Verkaufspreis von zum Beispiel 1,40 € beträgt deswegen die gesamte Steuerbelastung 0,88213 €.
Zum Vergleich: Der Steueranteil für Dieselkraftstoff mit einem Schwefelanteil von 10 ppm beträgt 470,40 €/1000 dm³, daraus ergibt sich unabhängig vom Verkaufspreis bereits ein Steueranteil von ca. 0,56 € je Liter Dieselkraftstoff, zu dem ebenfalls der auf den Nettopreis entfallende Mehrwertsteueranteil hinzukommt.
In der Schweiz kommen die Kosten für die Mineralölsteuer, für den Klimarappen, die Importgebühr für Pflichtlager und die Mehrwertsteuer hinzu.[22]
Benzinpreise in Euro/Liter für Bleifrei 95 Oktan in deutschsprachigen Gebieten und den umliegenden Ländern, nach Erhebung des Touring Club Schweiz[23]:
| Land | Dez 2004 | Mai 2005 | Juli 2007 | April 2008 | Jan 2009 | Mär 2010 | Feb 2011 | Mär 2012 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Belgien | 1,10 | 1,24 | 1,41 | 1,50 | 1,11 | 1,35 | 1,56 | 1,74 |
| Dänemark | 1,26 | 1,23 | 1,38 | 1,40 | 1,00 | 1,45 | 1,60 | 1,80 |
| Deutschland | 1,19 | 1,18 | 1,37 | 1,43 | 1,09 | 1,35 | 1,50 | 1,73 |
| Frankreich | 1,05 | 1,15 | 1,31 | 1,38 | 1,07 | 1,35 | 1,53 | 1,63 |
| Italien | 1,10 | 1,23 | 1,35 | 1,39 | 1,10 | 1,34 | 1,46 | 1,81 |
| Luxemburg | 0,92 | 0,99 | 1,18 | 1,19 | 0,91 | 1,13 | 1,25 | 1,42 |
| Niederlande | 1,26 | 1,33 | 1,51 | 1,56 | 1,25 | 1,54 | 1,66 | 1,83 |
| Österreich | 0,94 | 1,00 | 1,13 | 1,22 | 0,91 | 1,11 | 1,29 | 1,45 |
| Polen | 0,80 | 0,92 | 1,15 | 1,23 | 0,82 | 1,12 | 1,26 | 1,38 |
| Schweiz | 0,92 | 0,98 | 1,06 | 1,14 | 0,88 | 1,12 | 1,29 | 1,51 |
| Slowakei | 0,90 | 1,11 | 1,21 | 1,05 | 1,18 | 1,38 | 1,54 | |
| Slowenien | 0,90 | 1,11 | 1,07 | 0,83 | 1,15 | 1,28 | 1,46 | |
| Tschechien | 0,87 | 0,92 | 1,03 | 1,21 | 0,92 | 1,19 | 1,38 | 1,49 |
| Ungarn | 1,00 | 1,01 | 1,13 | 1,13 | 0,86 | 1,22 | 1,32 | 1,49 |
Angegeben werden die Jahresdurchschnittswerte an der Zapfsäule für den am weitesten verbreiteten Benzinkraftstoff. Die Werte wurden von nationaler Währung in US-Dollar umgerechnet. Dieser Indikator ist in den World Development Indicators enthalten und basiert auf Daten der Weltbank.[24]
| Land | Preis in USD/ℓ |
|---|---|
| 1,36 | |
| 1,24 | |
| 1,50 | |
| 1,13 | |
| 1,28 | |
| 1,54 | |
| 1,56 | |
| 1,18 | |
| 1,57 | |
| 1,52 | |
| 1,23 | |
| 1,56 | |
| 1,15 | |
| 1,57 | |
| 1,27 | |
| 1,12 | |
| 1,30 | |
| 1,13 | |
| 1,40 | |
| 1,66 | |
| 1,15 | |
| 1,20 | |
| 1,64 | |
| 1,27 | |
| 1,68 | |
| 1,63 | |
| 1,37 | |
| 1,43 | |
| 1,61 | |
| 1,11 | |
| 0,89 | |
| 1,38 | |
| 1,30 | |
| 1,29 | |
| 1,57 | |
| 1,18 | |
| 1,23 | |
| 1,37 | |
| 1,87 | |
| 0,88 | |
| 1,27 | |
| 1,44 | |
| 1,33 |
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