Als Nakba oder an-Nakba (arabisch النكبة), deutsch Katastrophe oder Unglück, wird im arabischen Sprachgebrauch die Flucht und Vertreibung von etwa 700.000 arabischen Palästinensern aus dem früheren britischen Mandatsgebiets Palästina, das am 14. Mai 1948 als Staat Israel seine Unabhängigkeit erlangte, bezeichnet. Der Exodus der arabischen Bevölkerung aus dem im UNO-Teilungsplan für Palästina als Teil des zu schaffenden jüdischen Staates, der mehr als die Hälfte des Mandatsgebiets ausmachte, begann während des arabisch-jüdischen Bürgerkriegs, der der Annahme des UNO-Teilungsplans im November 1947 folgte und setzte sich im von den arabischen Staaten unmittelbar nach der Erklärung der Unabhängigkeit des Staates Israel begonnen arabisch-israelischen Krieg fort. Aus israelisch-jüdischer Sicht, der sich die meisten christlichen Staaten angeschlossen haben, werden die Kriege als „israelischer Unabhängigkeitskrieg“ bezeichnet. Die Gründe, die zur Flucht von rund der Hälfte der arabischen Bevölkerung des seinerzeitigen britischen Mandatsgebietes Palästina führten, sind umstritten.
Palästinenser gedenken der Nakba jährlich am 15. Mai, dem Tag nach der israelischen Unabhängigkeitserklärung, als „Tag der Nakba“, während in Israel und in vielen jüdischen Gemeinden der Diaspora das gleiche Ereignis nach dem jüdischen Kalender als „Jom Ha'atzmaut“, als Nationalfeiertag Israels, gefeiert wird.
In Anlehnung an die Nakba wird jüdischerseits die zwangsweise erfolgte Emigration von Juden aus arabischen Ländern, größtenteils nach Israel, manchmal als jüdische Nakba bezeichnet.
Geprägt wurde der Ausdruck Nakba von Constantine Zurayk, einem Geschichtsprofessor an der Amerikanischen Universität Beirut. Er verwendete ihn erstmals in seinem 1948 erschienenen Buch Ma'nā an-Nakba, deutsch: die Bedeutung des Unglücks. Zusammen mit Nadschi Alis Hanzala (dem barfußlaufenden Kind, das immer von hinten gezeichnet ist) und dem symbolischen Schlüssel zum Haus in ihrer alten Heimat, den viele palästinensische Flüchtlinge noch immer aufbewahren, ist die Nakba vielleicht das wichtigste Symbol des palästinensischen Diskurses.[1]
Nach Angaben der UNRWA von 2010 machen palästinensische Flüchtlinge etwa 40 % der gesamten Bevölkerung der israelisch besetzten Gebiete sowie 2/3 der Bewohner Gazas aus. Unter den Palästinensern seien sie im stärkeren Ausmaß von Armut, Arbeitslosigkeit und Lebensmittelmangel betroffen.[2]
Der „Tag der Nakba“ (15. Mai) hat im palästinensischen Kalender eine besondere Stellung als Gedenktag. An ihm soll die Geschichte Palästinas thematisiert und vergegenwärtigt werden und der historischen Ereignisse gedacht werden.[3][4]
Im Jahre 2002 wurde in Israel ein Verein mit dem Namen „Zochrot“, deutsch erinnern in der weiblichen Form, gegründet, der sich zum Ziel gesetzt hat, der jüdischen Bevölkerung Israels die Problematik der Nakba näherzubringen. Hierzu gibt der Verein eine Zeitschrift mit dem Titel „Sedek“ (deutsch: Riss) heraus, veranstaltet Führungen zu ehemals palästinensischen Dörfern und Stadtquartieren und informiert mit Veranstaltungen zum Thema der Nakba.[5] Des Weiteren verteilt er Unterrichtsmaterial über die Nakba an interessierte Lehrer und Hochschulreferenten.[6]
Rechtsgerichteten Israelis sind die Gedenkfeiern arabischer Israelis ein Dorn im Auge, da diese nun selbst israelische Staatsbürger sind. Im März 2011 beschloss die Knesset daher ein kontroverses Gesetz, dass zwar nicht das Gedenken verbietet, aber jene Institutionen bestraft, die solche Gedenkfeiern abhalten oder unterstützen. Das Nakba-Gesetz, das im Januar 2012 vom OGH bestätigt wurde, erlaubt es dem Finanzministerium, staatliche Föderungen für soche Institutionen zu kürzen. Betroffen ist auch, wer Israel nicht als "jüdischen Staat" anerkennen will.[7]
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