Unter dem Netzedistrikt verstand man von 1772 bis 1807 den im Zuge der Ersten Teilung Polens von Preußen annektierten Teil Polens, der der Länge nach von der Netze durchströmt wird. Er umfasste 9350 km² mit 180.000 Einwohnern.
Die Grenzen wurden 1776 durch eine preußisch-polnische Kommission berichtigt und 1777 endgültig festgelegt. Der Bezirk wurde in folgende vier (adlige) landrätliche Kreise eingeteilt:
Der kleiner Teil des Netzedistrikts zwischen den Flüssen Netze, Küddow und Drage hatte im 14. und 15. Jahrhundert zur Neumark gehört. Darin liegen u. a. die Städte Tietz (Tuczno), Deutsch Krone, Friedland, Filehne, Schloppe und Zempelburg. Das von Preußen 1772 annektierte Gebiet gehörte dagegen seit 1466 zum Königreich Polen.
1776 lagen noch die beiden neumärkischen adligen Güter Petzenick und Prochno mitten im landrätlichen Kreis Deutsch Krone. Ein anderes Stück des Netzedistrikts zwischen Pommerellen, der Küddow und der Netze bis nach Nakel und von dort bis zur Weichsel (Wisła) hatte im 13. Jahrhundert zu Pommerellen gehört.
Der Netzedistrikt wurde zunächst als eigene preußische Verwaltungseinheit behandelt, dann aber 1775 zu Westpreußen geschlagen und damit dem Königreich Preußen einverleibt. Der Adel des Netzedistrikts hat 1786 zusammen mit dem westpreußischen Adel in Königsberg die Huldigung gegenüber König Friedrich Wilhelm II. geleistet.
Durch die Elbinger Konvention, die dem Frieden von Tilsit folgte, musste Preußen fast den gesamten Netzedistrikt an das neugebildete Herzogtum Warschau wieder abgeben, erhielt es aber auf dem Wiener Kongress durch den am 3. Mai 1815 in Wien mit Russland geschlossenen Vertrag zurück. Der größere Teil wurde 1815 zum Regierungsbezirk Bromberg, der kleinere Teil zum Regierungsbezirk Marienwerder geschlagen.
1920 wurde der größte Teil des Netzedistrikts wieder polnisch. Bei der Grenzmark Posen-Westpreußen blieben lediglich der Netzekreis, die Kreise Flatow, Deutsch Krone und der später gegründete Stadtkreis Schneidemühl.
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