Das Projekt Neu-Ulm 21 ist, neben Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm, ein Teil der Neu- und Ausbaustrecke Stuttgart–Augsburg der Deutschen Bahn AG. Im Rahmen des Projekts wurden die durch die Innenstadt von Neu-Ulm führenden Gleise der bestehenden Bahnstrecke Augsburg–Ulm und der Illertalbahn tiefer gelegt und der Bahnhof Neu-Ulm durch einen Neubau ersetzt. Die dadurch freiwerdenden Flächen (18 Hektar[1]) ermöglichen eine städtebauliche Neuentwicklung in Neu-Ulm. Das Projekt geht auf einen Vorschlag des Verkehrswissenschaftlers Gerhard Heimerl aus dem Jahr 1988 zurück[2] und ist eines der Bahnhof-21-Projekte.
Nachdem das Projekt am 24. November 2007 offiziell abgeschlossen wurde, wurde in den folgenden Monaten ein Teil der bisher für den Eisenbahnverkehr genutzten Flächen in der Neu-Ulmer Innenstadt für die bayerische Landesgartenschau 2008 umgestaltet. Außerdem wird es neue Wohneinheiten und ein Einkaufszentrum geben.
Kernstück von Neu-Ulm 21 ist der Umbau des Bahnhofs Neu-Ulm. Dabei wurde die Zahl der Bahngleise im Innenstadtbereich von 16 auf vier reduziert. Die Gleisanlagen wurden auf einer Länge von etwa vier Kilometern tiefer gelegt und um etwa 100 Meter verschoben[1]. Im Innenstadtbereich verlaufen die Gleise jetzt in einem teilweise überdeckelten Trogbauwerk. Die Länge des Troges ist 1.483 m, die lichte Weite beträgt zwischen 21,5 m und 32,6 m[3]. Auf dem westlichen Deckel des Trogs befinden sich das neue Empfangsgebäude und der Zentrale Umsteigepunkt (Busbahnhof). Auf dem östlichen Deckel des Trogs entstand ein Park-and-ride-Parkplatz[4].
Bestandteil von Neu-Ulm 21 war die Verlegung des Containerbahnhofs aus der Innenstadt Neu-Ulm in den Ulmer Norden sowie der Rückbau von nicht mehr benötigten Gleisanschlüssen.[5] Die Strecke aus Augsburg wurde teilweise viergleisig ausgebaut. Die beiden nördlichen Gleise dienen dabei dem Fernverkehr, die beiden südlichen dem Regionalverkehr. Zudem wurde die Bahnstrecke nach Memmingen bis Höhe Europastraße zweigleisig ausgebaut. Dies machte einen Umbau des Haltepunkts Finninger Straße erforderlich.[4] Verschiedene Industriegleisanschlüsse wurden angepasst[6].
Gleichzeitig mit Neu-Ulm 21, aber als eigenständiges Projekt, wurde der Ausbau der Donaubrücke von zwei auf vier Gleise realisiert. Dieser ist planungsrechtlich noch Teil der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm (Abschnitt 2.5a2). Die Brücke ist Mitte November 2007 in Betrieb genommen worden. Der auf Neu-Ulmer Seite an die Donaubrücke anschließende Bahndamm wurde auf vier nebeneinander liegende Gleise verbreitert. Dazu mussten die Eisenbahnüberführungen über die Schützenstraße und den Philosophenweg bei laufendem Betrieb umgebaut werden.
Im Zuge des Projekts wurden die Gleisanlagen auf einer Länge von rund 3,6 km tiefergelegt.[7]
Das Raumordnungsverfahren für den Bereich zwischen Wendlingen, Ulm und Neu-Ulm lief von 1995 und 1997. 1996 wurde ein erstes städtebauliches Konzept für Neu-Ulm 21 vorgelegt.[7]
Ende 1997 unterzeichneten die Bundesrepublik Deutschland, der Freistaat Bayern, die Stadt Neu-Ulm und die Deutsche Bahn AG eine Rahmenvereinbarung über das Projekt. Das 300 Millionen D-Mark umfassende Projekt sollte demnach bis 2003 umgesetzt werden. Davon sollten 177 Mio. DM durch den Bund, 55 Mio. DM durch den Freistaat, 36 Mio. DM durch die Stadt und 31 Mio. DM durch die Deutsche Bahn AG aufgebracht werden. Die Planfeststellungsunterlagen sollten ab Mitte 1998 beim Eisenbahn-Bundesamt eingereicht werden.[8]
1998 wurde ein städtebauliches Gutachterverfahren durchgeführt. Im November 1998 beschloss der Neu-Ulmer Stadtrat den städtebaulichen Rahmenplan für das Projekt. Im März 1999 wurde das Planfeststellungsverfahren eingeleitet, im Dezember gleichen Jahres wurde das Anhörungsverfahren abgeschlossen.[7]
Mitte Februar 2001 einigten der Bund und die Länder Bayern und Baden-Württemberg auf eine Vorfinanzierung des Projekts Stuttgart 21, der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm und Neu-Ulm 21. Die Gesamtkosten der Vorfinanzierung der beiden Projekte wurde mit 1,26 Milliarden DM angegeben. Das Land Bayern übernahm dabei die Kosten für den Bereich von Neu-Ulm. Der Landesanteil von Baden-Württemberg wurde auf knapp über eine Milliarde DM beziffert. Der Bund verpflichtete sich, seinen Anteil ab 2011 über acht Jahre hinweg zu leisten.[9]
Erster Spatenstich für das Projekt Neu-Ulm 21 war am 18. September 2003. Bei Kosten von fast 160 Millionen Euro wurde mit der Fertigstellung für Anfang 2008 gerechnet.[10] Aufgrund einer Vorfinanzierung durch das Land Bayern war Neu-Ulm 21 das einzige bayerische Schienenwegeprojekt, das nicht aufgrund rückläufiger Bundesmittel verzögert oder eingestellt werden musste.[11]
Insgesamt wurden 6,2 km Kilometer Strecke neu gebaut, darunter 2,2 km auf der Strecke Richtung Kempten.[10] Rund 600.000 m³ Aushubmassen wurden ausgehoben und weitgehend baustellennah wieder eingebaut.[4]
Am 18. März 2007 ist der Tiefbahnhof mit den Regionalgleisen in Betrieb gegangen. Seitdem verläuft der gesamte Zugverkehr auf den neuen Gleisen im Trog.
Die Gesamtkosten für den Umbau von Gleisen und Bahnhof beliefen sich auf 160 Millionen Euro.[1]
Die „Sowieso-Kosten“ für den Ausbau den Streckenausbau im Bereich des Projekts Neu-Ulm 21 hätten laut Angaben der Stadt Neu-Ulm 61,8 Millionen Euro betragen. Diese Mittel wurden nach dem Bundesschienenwegeausbaugesetz bereitgestellt. Der Finanzierungsanteil der Deutschen Bahn habe sich darüber hinaus nach den betrieblichen Vorteilen aus dem Projekt orientiert.[7]
2002 wurden 159 Millionen Euro angegeben. Davon sollten der Bund 93, der Freistaat Bayern 29, die Stadt Neu-Ulm 38 und die Deutsche Bahn AG 34 Millionen Euro tragen.[12]
48.39310.004
Koordinaten: 48° 23′ 34,8″ N, 10° 0′ 14,4″ O
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