In der Elementarteilchenphysik sind Neutralinos hypothetische Elementarteilchen, die in supersymmetrischen Theorien auftreten. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass jedem (Quanten-)Feld ein Partnerfeld zugeordnet wird, das sich im Spin vom Original um den Betrag 1/2 unterscheidet. Da die Ausgangsfelder hier Bosonen sind (ganzzahliger Spin), müssen die Neutralinos selbst somit Fermionen sein (halbzahliger Spin). Insbesondere sind Neutralinos Majorana-Fermionen, d.h. sie haben keine elektrische Ladung und unterscheiden sich daher nicht von ihren Antiteilchen.
Neutralinos sind Überlagerungszustände (Mischungen, Linearkombinationen) aus Superpartnern sowohl elektrisch als auch farbneutraler Eich-[1] und Higgsfelder. Bei ersteren handelt es sich um die Gauginos
(Wino, Partner des W0) und
(Bino, Partner des B0), bei letzteren um die Higgsinos
und
(Partner der hypothetischen Higgs-Bosonen
und
).
Eine direkte Identifikation eines Neutralinos mit einem Partnerfeld eines Eich- oder Higgsfelds ist im Allgemeinen nicht möglich, da diese meist keine definierte Masse haben. Üblicherweise werden die in einem Modell vorhandenen Neutralinos aufsteigend nach ihrer Masse benannt. Im minimalen supersymmetrischen Standardmodell (MSSM) sind dies Neutralino 1 bis 4, abgekürzt mit
(manchmal auch
).
Die postulierten Neutralinos können auch als Superposition der ungeladenen Konstrukte Photino
und Zino
(anstelle von Wino
und Bino
) mit den ungeladenen Higgsinos ausgedrückt werden.
Photino
und Zino
sind nämlich selbst bereits Linearkombinationen von
und
, in derselben Weise wie nach dem Standardmodell Photon
und Z0-Boson, die elektrisch neutralen Eichbosonen der elektroschwachen Wechselwirkung, aus den neutralen Eichfeldern W
und B0 hervorgehen:
![]()
Dabei ist
der Weinbergwinkel und
die Wellenfunktion.
Wegen der noch unberücksichtigten Mischung der Felder
und
mit den ungeladenen Higgsinos sind Photino und Zino im Allgemeinen keine Kandidaten für beobachtbare Teilchen.
Moortgat-Pick und Fraas[2] haben für die beiden leichteren Neutralinos
und
drei verschiedene Szenarien untersucht. Dabei unterscheiden sich jeweils die Stärken der Anteile Photino
, Zino
und Higgsinos
und
an der Mischung, wodurch unterschiedliche Identifizierungen der beiden Neutralinos mit einzelnen Anteilen nahegelegt oder auch unmöglich gemacht werden:
| Neutralino | ||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Mischungs- anteil | ||||||||
| Szenario A | +0.94 | -0.32 | -0.08 | -0.07 | +0.34 | -0.90 | -0.16 | -0.23 |
| Szenario B | +0.67 | -0.63 | -0.13 | -0.09 | +0.65 | -0.75 | -0.18 | -0.10 |
| Szenario C | +0.10 | -0.17 | -0.19 | -0.96 | +0.06 | -0.31 | -0.92 | -0.24 |
Von besonderer Bedeutung ist das leichteste Neutralino. In vielen Modellen ist es stabil, hat eine Masse von einigen hundert GeV/c² (Protonmasse zum Vergleich: 0,94 GeV/c²) und aufgrund seiner fehlenden elektrischen Ladung eine geringe Wechselwirkung mit Licht. Daher wäre es als leichtestes supersymmetrisches Teilchen (LSP) ein vielversprechender Kandidat für Dunkle Materie, ein sogenanntes WIMP. Die Particle Data Group gab 2006 als experimentelle untere Grenze für die Neutralinomasse 46 GeV/c² an[3].
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