Der Begriff Ostdeutschland kann sowohl geographisch, politisch als auch sozio-kulturell verstanden werden, ist aber schwer abgrenzbar. Er wird im politischen Sinn definiert als Synonym für die neuen Bundesländer und wurde vor 1990 auch zur Bezeichnung der DDR verwendet. Die Abgrenzung war hierbei identisch mit der innerdeutsche Grenze, die Deutschland in einen west- und einen ostdeutschen Staat teilte.[1] Als Konsequenz der deutschen Teilung kann auch von einer ostdeutschen Kultur gesprochen werden.
Geographisch und meteorologisch sind auch andere Räume mit dem Begriff zu bezeichnen. So befindet sich alles etwa östlich einer gedachten Linie Lübeck–Wolfsburg–Erfurt–Nürnberg–München im geographischen Ostdeutschland.[2][3]
Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Begriff „Ostdeutschland“ relativ selten verwendet, Oberbegriffe waren eher in nordsüdlicher Richtung gebräuchlich, insbesondere Norddeutschland und Süddeutschland. In aller Regel wurde darunter die Region östlich der Elbe (gelegentlich auch der Oder) verstanden (Germania Slavica), die im Norden vornehmlich unter Preußens Einfluss stand. Durch den preußischen Landadel war sie protestantisch und konservativ geprägt (Ostelbien), siehe auch Junker. Der Ostteil von Obersachsen zählte aber nicht zu Ostelbien, sondern war und ist im Wesentlichen die Oberlausitz.
Nach 1945 und speziell nach der deutschen Teilung 1949 wandelte sich der Sprachgebrauch, und in Westdeutschland wurde das Wort auf die Ostgebiete des Deutschen Reiches angewendet. Offiziell versuchte man den Begriff „Ostdeutschland“ auf die – anfangs noch nicht verloren geglaubten – deutschen Ostgebiete zu beschränken und die Anwendung auf die DDR zu vermeiden, was auch staats- und völkerrechtliche Gründe hatte. Auf bundesdeutscher Seite gab es deswegen die Begriffe Sowjetische Besatzungszone (SBZ) und später auch Mitteldeutschland, häufiger aber Zone, „Drüben“, Sowjetzone, Ostzone, „DDR“ beziehungsweise „sogenannte DDR“ (kabarettistisch: „Gänsefüßchen-DDR“ oder auch „die so genannte Sogenannte“). Erst mit der neuen Ostpolitik und den Verträgen mit Polen (u. a. zur Oder-Neiße-Grenze) wandelte sich auch die Bezeichnung von Ostzone zu DDR und Deutsche Demokratische Republik, in offizieller Verwendung nicht aber zu Ostdeutschland.
Seit der deutschen Wiedervereinigung 1990 wird das ehemalige Staatsgebiet der DDR als neue Länder, fünf neue Bundesländer oder ehemalige DDR (Ex-DDR) bezeichnet. Vorwiegend in den 1990er Jahren wurde mit Blick auf den Einigungsvertrag amtlich vom Beitrittsgebiet gesprochen, das nicht nur das heutige Gebiet der fünf neuen Länder umfasst, sondern auch Ost-Berlin und den westlichen Teil von Berlin-Staaken sowie weiterhin den Ortsteil Bleckede-Wendischthun der Stadt Bleckede und die heutige Gemeinde Amt Neuhaus in Niedersachsen, die bis September 1993 ein mecklenburgisches Amt bildete, beinhaltet.
Der Begriff Ostdeutschland für die „Neuen Bundesländer“[4] wird in der Tagesschau und in Statistiken unter anderem der Wirtschaft verwendet, trotz Tendenzen, auf Basis der gemeinsamen Geschichte sowie Sprache und Kultur, Mecklenburg als „Nord-“ und Thüringen neben Teilen Sachsen-Anhalts und auch überwiegend Sachsen (und/oder Hessen) als „Mitteldeutschland“ davon zu trennen. Diese Tendenzen werden behindert z. B. vom unterschiedlichen Tarifsystem, das durch weniger Lohn in den neuen Ländern einen wirtschaftlichen Standortvorteil bieten will, dabei aber eine wichtige Gemeinsamkeit unter der Bezeichnung „Ostdeutschland“, „Ost“ oder „Neue Bundesländer“ schafft.
Insbesondere in Thüringen und zuweilen auch in Sachsen-Anhalt stößt es auf Unverständnis, wenn die Bewohner von den Medien als „Ostdeutsche“ bezeichnet werden – mit dem Verweis auf die geographische Lage in der Mitte Deutschlands. So liegt beispielsweise Erfurt westlicher als Regensburg und München, außerdem auch Eisenach westlich des geographischen Mittelpunktes Deutschlands und rund 220 Kilometer weiter westlich als Passau. Bewohner der einzelnen Gebiete empfinden sich insofern mehr als Zugehörige zu einer bestimmten, geographisch umrissenen und historisch gewachsenen Region, statt als Angehörige von zwei ehemals durch den „Eisernen Vorhang“ getrennten Teilen Deutschlands. Der Sprachgebrauch Ostdeutschland wird von ihnen auch als Zeichen eines natürlichen Prozesses des Zusammenwachsens von ehemals zwei Staaten gesehen. Aus diesem Grund bezieht sich der Begriff im Sprachgebrauch besonders bei der älteren Bevölkerung auf die politische Ebene des wiedervereinigten Deutschlands.
Anlehnend an den (inzwischen im RBB aufgegangenen) Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB) wird gelegentlich nur das Gebiet der Länder Brandenburg, Berlin (und zum Teil Mecklenburg-Vorpommern und Teile Sachsen-Anhalts) als (Nord-)Ostdeutschland angesehen.
Auch der Begriff Mitteldeutschland ist in Gebrauch. Korrekt erscheint dieser Begriff in der Orientierung erstrangig auf die sprachlichen Unterschiede in Nord-Süd-Richtung (zum Beispiel oberdeutscher, mitteldeutscher und niederdeutscher Sprachraum) sowie historisch wirtschaftlich in alle Himmelsrichtungen (Mitteldeutsches Chemiedreieck, heute Metropolregion Sachsendreieck). Der Mitteldeutsche Rundfunk hat sich in diesem Sinne benannt. In rechtsextremen Kreisen ersetzt „Mitteldeutschland“ in der Regel den Begriff „Ostdeutschland“, um so auf die Ansprüche auf die ehemaligen deutschen Oder-Neiße-Gebiete hinzuweisen, die von dieser Seite her geltend gemacht werden.
Im englischen Sprachraum ist die Bezeichnung „Eastern Germany“ üblich, wohingegen „East Germany“ die DDR und „former eastern territories of Germany“ oder „the historical Eastern Germany“ die heute zu Polen beziehungsweise zu Russland gehörenden Gebiete (Schlesien, Hinterpommern, Ostbrandenburg, Westpreußen, Ostpreußen, Danzig sowie Posen) bezeichnet.
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