Der Begriff Oval (lat. ovum = Ei) bezeichnet eine ebene rundliche konvexe Figur, die im weitesten Sinne dem Profil eines Vogeleis ähnelt. Sie umfasst Kreise und Ellipsen als Spezialfälle, wobei ein beliebiges Oval im Gegensatz zu diesen keine Symmetrieachse besitzen muss.
Die Verwendung des Begriffes ist nicht immer ganz einheitlich, gelegentlich wird er auch rein beschreibend verwandt. In der Analysis lässt er sich jedoch formal mit Hilfe ebener Kurven definieren, in diesem Zusammenhang spricht man dann auch von Eikurven oder Eilinien.
Ein dreidimensionaler rundlicher konvexer Körper (allgemeiner auch eine abgeschlossene konvexe Teilmenge des
) wird als Ovoid bezeichnet.[1] In diesem Sinne ist ein Oval mit seinem Inneren dann ein zweidimensionales Ovoid.
→ In der synthetischen Geometrie werden die Begriffe Oval und Ovoid als Bezeichnung für bestimmte quadratische Mengen in beliebigen projektiven Geometrien definiert. Ein Oval bzw. Ovoid wie es im vorliegenden Artikel erläutert wird, ist im projektiven Abschluss der reellen Ebene bzw. des reellen Raumes stets ein Oval bzw. Ovoid im Sinne der synthetischen Definition. Siehe dazu Quadratische Menge#Ovoid.
Die rundliche Form eines Ovals erhält man, indem man für eine geschlossene Kurve Glattheit und Konvexität verlangt. Dies führt dann zu der folgenden Definition:
Diese Definition erfasst jedoch nicht alle geometrischen Figuren, die gelegentlich als Ovale bezeichnet werden. So erfüllen zum Beispiel Ovale, die aus unterschiedlichen Kreisbögen zusammengesetzt sind, diese Definition nicht, da ihre zweite Ableitung nicht auf der gesamten Kurve existiert. Möchte man auch solche Fälle erfassen, so muss man Abstriche an die Glattheit der Kurve machen (
oder
statt
). Gelegentlich wird daher auch nur die Konvexität gefordert.[5][6] Dies hat jedoch den Nachteil, dass die Definition dann auch Figuren umfasst, die man normalerweise kaum als "eiförmig" empfindet, wie zum Beispiel konvexe Polygone.
Ein Oval im Sinne der obigen Definition besitzt die folgenden Eigenschaften:
Ovale können mit völlig unterschiedlichen Verfahren konstruiert werden. Eine Reihe von Konstruktionsverfahren erhält man aus den verschiedenen Konstruktionensverfahren für Ellipsen, die man an einer Stelle leicht modifiziert. Man kann eine Ellipse erzeugen indem man eine Ebene mit einem Kegel schneidet (siehe Kegelschnitte). Verwendet man nun statt des Kegels bestimmte andere Rotationskörper, wie zum Beispiel eine rotierte Hyperbel, so erhält man auch von Ellipsen verschiedene Ovale. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die konstanten Parameter a und b (Längen der Halbachsen) in der Parameterform (
) oder in der algebraischen Gleichung (
) durch Funktionen zu ersetzen.
Man kann eine Ellipse als die Menge der Punkte P definieren, für die die Summe der Abstände zu den beiden Brennpunkten F1 und F1 konstant ist (
). Ersetzt man nun diese Summe der Abstände durch eine gewichtete Summe (
), so bildet die Punktmenge ein Oval, das nur noch eine Symmetrieachse besitzt, auf der je ein spitzes und ein stumpfes Ende liegen. Ein solches Oval wird auch als Kartesisches Oval bezeichnet.
Das Konstruktionsverfahren von de La Hire erzeugt eine Ellipse mit Hilfe zweier konzentrischer Kreise. Verschiebt man nun den Mittelpunkt des äußeren Kreises ein wenig und behält sonst aber die restlichen Schritte des Konstruktionsverfahren bei, dann erhält man ein (neues) Oval. Dieses besitzt eine Symmetrieachse, wenn man den Mittelpunkt des äußeren Kreises entlang der Ellipsenachsen verschiebt. Verschiebt man den Mittelpunkt außerhalb der Achsen, dann entsteht ein Oval ohne Symmetrieachsen.
Die Lösungsmenge einer Gleichung mit 2 Unbekannten beziehungsweise bestimmte Teilmengen von ihr lassen sich oft als Kurven in der Ebene auffassen. Bei einer geeigneten Gleichung erhält man dabei ein Oval. Wenn eine solche Lösungskurve kein Oval ist, dafür aber eine konvexe Schlaufe besitzt, so kann durch Hinzufügen eines Korrekturterms aus der Schlaufe ein Oval erzeugt werden.
Ovale lassen sich auch aus Kreisbögen und Geradenstücken zusammensetzen. Allerdings besitzen solche Ovale eine geringere Glattheit als in der obigen Definition gefordert, da sie lediglich in
und nicht in
liegen. Sie sind damit zwar noch glatt im Sinne einer stetigen Ableitung, besitzen jedoch keine stetige Krümmung mehr. Die Krümmung ist stattdessen auf den Teilabschnitten konstant und besitzt an den Nahtstellen der Kreisbögen bzw. Geradenstücke eine Unstetigkeitsstelle.
| Ovale zusammengesetzt aus Kreisbögen und Geradenstücken | |||
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