Patriarchalbasilika (lateinisch patriarchalis basilica) heißen Basiliken lateinischer Bischöfe mit Patriarchentitel. Seit 2006 gibt es noch drei Basiliken, die das Attribut patriarchal im Namen führen.
Im 4. Jahrhundert wurden, neben dem Sitz des Papstes, Bischofs von Rom für die Patriarchen des Frühchristentums einzelne Kirchen Roms als patriarchalis basilicae reserviert, falls diese in Rom weilen[1] (der Ausdruck basilica, zu griechisch oikos basileos königliches Gebäude, wurde zu dieser Zeit synonym zu Ecclesia, „Kirche“ und „Kirchengebäude“ verwendet).[2] Dabei handelte es sich anfangs um die drei wichtigsten Zentren der Urkirche: Rom, Antiochia und Alexandria. Die herausragende Stellung dieser Bischofssitze war auf dem Ersten Konzil von Nicaea 325 festgelegt worden.[3] Bis 451 kamen die Patriarchate Konstantinopel und Jerusalem hinzu[4] (451 wurde Konstantinopel/Ostrom eigenständig und Jerusalem aus Antiochia herausgelöst).
Diese Kirchen, die römische Patriarchalbasiliken genannt wurden, waren:[5]
Wie auch bei anderen Zuweisungen einer Kirche zu einem hohen Amt hatte der Patriarch nach dem Scheitern der Kreuzzüge einen ständigen Sitz in Rom, an dem nur mit seiner Zustimmung Gottesdienst gehalten (und auch gepredigt) werden durfte, und mit seinem Vertreter (Pfarrvikar) einen von nur von ihm bestimmten ständigen Abgesandten in der Nähe des heiligen Stuhls. Schon Simplicius bestimmte um 480, dass auch Priester der Region unter der Woche dort Gottesdienst hielten,[7] diese Funktion wurde später, als sie ihren ursprünglichen Zweck verloren hatten, an die Kardinalpriester übertragen)[8]
Weitere Patriarchensitze fanden sich, bedingt durch den Dreikapitelstreit, ab 567 in Aquileia und ab 575, als Gegenpatriarchat, in Grado. Die dortigen Patriarchensitze Sanctæ Mariæ Assunta in Aquileia und Sanctæ Eufemiæ in Grado in den Rang einer Patriarchalbasilika kamen, der auch nach dem 150-jährigen Schisma von Aquileia (Beendigung Synode von Aquileia 700) titular beibehalten wurde.
Im Großes Schisma von 1054 erklärte sich dann das Patriarchat von Konstantinopel selbstständig, und bildete mit den anderen Patriaten die heute Ostkirche. Die Patriarchate von Jerusalem, Antiochia und Alexandria waren diversen Spaltungen und Gegenpatriarchaten unterworfen. Auch hierbei wurde die Titel der Kirchen beibehalten, auch, um die nominellen Ansprüche an die Einheit der Kirche aufrecht zu erhalten. Die Lateinischen Patriarchen des Ostens wurden dann ab Ende des 11. Jahrhunderts in den Rückerroberungen der Kreuzzüge für Rom restauriert (1098 Antiochia, 1099 Jerusalem, 1204 Konstantinopel, 1215/1219 Alexandria nur titular), und die Patriarchalbasiliken wiederbesetzt. Damit war der Einheitsanspruch der Kirche anhand der frühchristlichen Pentarchie wieder dargestellt (kurzfristige Einung am Konzil von Lyon 1274).[9] Bis 1302 gingen aber alle diese Gebiete wieder verlustig, und die alten römischen Patriarchalbasiliken wurden nurmehr im Sinne der Titelkirchen (für untergegangene Bistümer) beibehalten, um seinen Herrschaftsanspruch über die Ostkirche zu unterstreichen. der Papst behielt für das Patriarchat des Westens die Lateranbasilika in dessen unmittelbarer Nähe sich auch sein Wohnsitz, der Lateranpalast, befand.[5]
1445 wurde das Patriarchat von Grado nach Venedig, dem Haupt der aufstrebenden Großmacht der Republik Venedig, verlegt, und 1457 aufgelöst, und der Titel der Kirche für das Patriarchat von Venedig (Titulatur formal unter Benedikt XIV. 1751) auf San Marco in Venetia übertragen. Aquilea, Grado und Venedig waren aber nie wirklich juridisch souveräne Patriarchate innerhalb der Westkirche.[3] Später entstanden noch einige weitere kurzzeitige Patriarchatstitel, so Lyon, Bourges, Canterbury, Toledo, oder Pisa.[3] Im Laufe der Jahrhunderte wurden noch weitere Patriarchate installiert, um den neu kolonialisierten und missionierten Gebieten, und neu geschaffenen weltlichen Würden und Territorien zu genügen, und auch die mittelalterlichen Patriarchate teils von der Ostkirche wieder Rom uniert, teils im Bereich der lateinischen Kirchen angesiedelt. Allen diesen Patriarchaten wurde aber nie im alten Sinne eine Kirche in Rom zugeteilt.[4]
Es wurden aber 1756 der San Francesco in Assisi für die Franziskanischen Orden und 1909 Santa Maria degli Angeli in Assisi für die Minderen Brüder der Franziskaner der Titel der Basilica (maior) verliehen, womit sie Basiliken des Patriarchats des Westens waren. 1889 wurde das (Lateinische) Patriarchat von Jerusalem wiedererrichtet und von San Lorenzo fuori le mura auf Ss. Sepulchris, die Grabeskirche zu Jerusalem, übertragen (Sitz ist aber die Konkathedrale Sanctissimi Nome Jesu, da die Grabeskirche ökumenisch geführt wird).
1964, nach den 2. Vatikanum, verzichtete die katholische Kirche auf ihre Ansprüche auf die drei Patriarchensitze Antiochien, Alexandria und Konstantinopel im Dienste der Wiederaussöhnung mit der Ostkirche. Der Titel für die vier Kirchen jedoch beibehalten, die bisher den Titularpatriarchen vorbehaltenen Privilegien wurden dem Papst übertragen, womit – für Rom und Assisi – seit damals „Patriarchalbasilika“ und „Papstbasilika“ dieselben Kirchen sieben Kirchen meinte, die sechs Basilicae maiores (vier in Rom und die beiden Kirchen in Assisi), und San Lorenzo vor den Mauern. Mit 2006 legte Papst Benedikt XVI. auch den Titel des Patriarchen des Westens nieder,[10] und diese Kirchen wurden von Patriarchalbasilika in Papstbasilika umtituliert.
Damit gibt es heute drei patriarchale Basiliken:
Die beiden[11] anderen heutigen Patriarchensitze der lateinischen Kirchen, Santa Maria Maior in Lisboa für das Patriarchat Lissabon seit 1716, und Santa Catarina in Goa für das Patriarchat Ostindien seit 1886 (Goanesisches Schisma) sind keine Basiliken, und nennen sich Patriarchatskathedrale.
| Kirche | Stadt | Staat / Region | Patriarchat(heutiges Bistum) | Erhebung (– Auflassung; + Baudaten) | Titel(Besonderheiten) | Bild | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| × | [Ss. Salvatore e] Santi Giovanni [Battista ed Evangelista] (Lateranbasilika) | Rom | Italien, Latium | Westen(Rom) | 4. Jh.–2006(Weihe 4. Jh.) | Erzbasilika, Haupt- und Mutterkirche aller Kirchen der Stadt und des Weltkreises, Basilika maior, Papstbasilika, Kathedrale des Bistums Rom(UNESCO-Welterbe) | |
| × | San Paolo fuori le mura | Rom | Italien, Latium | Alexandria(Rom) | 4. Jh.−1054, 1215/9−1964 Lat. Patr. titular, 1964–2006 titular(Weihe um 324, bis 20. Jh.) | Basilika maior, Papstbasilika(UNESCO-Welterbe) | |
| × | Santa Maria Maggiore | Rom | Italien, Latium | Antiochia(Rom) | 4. Jh.−1054, 1098–1268 Lat. Patr. im Fst. Antioch., 1268−1964 Lat. Patr. titular, 1964–2006 titular(Weihe 5. Jahrhundert) | Basilika maior, Papstbasilika(UNESCO-Welterbe) | |
| × | San Pietro (Vatikanbasilika, Petersdom) | Rom | Vatikan | Konstantinopel(Rom) | 451–1054, 1054−1964 Lat. Patr. titular, 1964–2006 titular(Weihe um 324, heutige Kirche 1506–1626) | Basilika maior, Papstbasilika(UNESCO-Welterbe, eine der größten Kirchen der Welt) | |
| × | San Lorenzo fuori le Mura | Rom | Italien, Latium | Jerusalem(Rom) | 451–1054, 1099–1291 Lat. Patr. im Kgr. Jerus. (ab 1187 in Akko), 1291–1889 Patr. titular (bis 1374 in Zypern)(Kirche gegr. 3/4. Jh.) | Papstbasilika, Basilica minor, genannt Die Altehrwürdige Basilka | |
| Santa Maria Assunta in Cielo [e Santi Ermagora e Fortunato] | Aquileia | Italien, Friaul – Julisch Venetien | Aquileia(Gorizia) | 567(5. Jh., heute Taufkapelle, Kirche 1021–31) | Patriarchalbasilika, Basilica minor, ehemalige Kathedrale(UNESCO-Welterbe) | ||
| × | Sant’Eufemia | Grado | Italien, Friaul – Julisch Venetien | Grado(Gorizia) | 575–1445(4./5. Jh.) | Basilica minor, ehemalige Kathedrale | |
| San Marco (Markusdom) | Venedig | Italien, Venetien | Venedig(Venedig) | 1457(1063–1617) | Patriarchalbasilika, Basilica minor, Kathedrale des Patriarchats Venedig(UNESCO-Welterbe) | ||
| × | San Francesco | Assisi | Italien, Umbrien | Westen(Assisi – Nocera Umbra − Gualdo Tadino) | 1756–2006(Weihe 1253) | Basilika maior, Papstbasilika(UNESCO-Welterbe) | |
| Ss. Sepulchris (Grabeskirche) | Jerusalem | Israel, Jerusalem | Jerusalem(immediat) | 1889(Urbau Weihe 335, Wiederaufbau vor 1055) | Patriarchalbasilika, Basilica minor, Patriacrhalkathedrale des griech.-orth. Patriarchats von Jerusalem, des melkit.-gr. Patriarchats von Antiochia und dem ganzen Orient, u. des armen. Patriarchat von Jerusalem, u.a.(Ökumenische Kirche) | ||
| × | Santa Maria degli Angeli | Assisi | Italien, Umbrien | Westen(Assisi – Nocera Umbra − Gualdo Tadino) | 1909–2006(1569–1679) | Basilika maior, Papstbasilika(UNESCO-Welterbe) |
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