Paul Schrader (* 22. Juli 1946 in Grand Rapids, Michigan) ist ein US-amerikanischer Filmregisseur, Drehbuchautor und Filmkritiker.
Als Sohn streng calvinistischer Eltern studierte Paul Schrader am Calvin College in Grand Rapids, anschließend, protegiert von Pauline Kael, an der University of California, Los Angeles. Er schrieb Filmkritiken für die Zeitschriften Los Angeles Free Press, Film Quarterly und Film Comment, und gab Anfang der 1970er Jahre das Magazin Cinema heraus. Seine eher intellektuelle als emotionale Herangehensweise an Filme und das Filmemachen führt Schrader auf seine Jugend zurück, in der ihm der Kinobesuch verboten war. Seinen ersten Kinofilm, Der verrückte Professor, sah Schrader mit 17 Jahren, der ihn noch „unbeeindruckt“ ließ.[1]
In seinem Aufsatz Transcendental Style in Film: Ozu, Bresson, Dreyer (1972) untersuchte er Gemeinsamkeiten der Regisseure Ozu Yasujirō, Robert Bresson und Carl Theodor Dreyer. Im selben Jahr erschien sein in Fachliteratur zum Film Noir häufig zitierter Artikel Notes on Film Noir. Neben Bresson beeindruckten und beeinflussten Schrader Filmemacher wie John Ford, Jean Renoir, Roberto Rossellini, Alfred Hitchcock und Sam Peckinpah. Renoirs Die Spielregel nannte Schrader die „Quintessenz“ des Kinos. Weitere favorisierte Filme, auf die er wiederholt verwies, sind Vertigo – Aus dem Reich der Toten und Der schwarze Falke.[1]
Schraders frühe Karriere war von wiederholten Brüchen mit Weggefährten gezeichnet. Wegen seines Verrisses von Easy Rider überwarf er sich mit den Herausgebern der Los Angeles Free Press, ein Stipendium am AFI Conservatory musste er wegen eines Disputs mit dessen Direktor George Stevens junior vorzeitig beenden. Seine Entscheidung gegen ein von Pauline Kael vermitteltes Jobangebot als Kritiker zugunsten des professionellen Drehbuchschreibens führte zum Bruch mit seiner Förderin.[1]
Sein erstes verfilmtes Drehbuch, Yakuza (1974, Regie: Sydney Pollack), verfasste Schrader gemeinsam mit seinem Bruder Leonard Schrader (das später von Robert Towne überarbeitet wurde). Darauf folgten die Drehbücher für Martin Scorseses Taxi Driver und Brian de Palmas Schwarzer Engel (beide 1976). Ein Mitte der 1970er Jahre entstandener, früher Drehbuchentwurf für Unheimliche Begegnung der dritten Art (1977) missfiel Regisseur Steven Spielberg derart, dass er auf die Entfernung von Schraders Namen aus dem Abspann drängte. Schraders Script für Der Mann mit der Stahlkralle (1977) wurde ohne sein Zutun umgeschrieben, und der Autor distanzierte sich von dem fertigen Film, den er als „faschistisch“ bezeichnete.[1]
Der Erfolg von Taxi Driver ermöglichte es Schrader 1978, seine erste Regiearbeit, Blue Collar, zu realisieren. Bei seinem zweiten Film, dem autobiografisch gefärbten Hardcore – Ein Vater sieht rot (1979), fungierte John Milius als ausführender Produzent. Für Scorseses Wie ein wilder Stier (1980) schrieb Paul Schrader das Drehbuch zusammen mit Mardik Martin (Hexenkessel). Schrader verfasste noch zwei weitere Drehbücher für Scorsese, Die letzte Versuchung Christi (1988) und Bringing out the Dead (1999).
Größere Bekanntheit erlangte Schraders 1980 gedrehter Film Ein Mann für gewisse Stunden. Es folgten weitere Filme, zu denen er mehrheitlich selbst das Drehbuch schrieb, darunter der von Francis Ford Coppola und George Lucas produzierte Mishima – Ein Leben in vier Kapiteln (1985), eine filmische Biografie des gleichnamigen japanischen Autors, und das Oscar-prämierte Drama Der Gejagte (1997). Das Drehbuch zu der Filmbiografie Auto Focus (2002), die das Leben des 1978 ermordeten US-Schauspielers Bob Crane nachzeichnet, stammte wiederum von Michael Gerbosi.
Bei dem Film Exorcist: Dominion (2005, Arbeitstitel) wurde Schrader die künstlerische Kontrolle entzogen, Regisseur Renny Harlin drehte große Teile des Films neu. Da Harlins Version (unter dem Titel Exorzist: Der Anfang) an der Kinokasse scheiterte, stellte die Produktionsfirma Morgan Creek Productions Schrader ein begrenztes Budget zur Verfügung, um seine ursprüngliche Version des Films fertigzustellen, die als Dominion: Exorzist – Der Anfang des Bösen auf Festivals und im kleinen Rahmen in den Kinos lief.[2]Dominion: Exorzist – Der Anfang des Bösen ist – neben seinem Katzenmenschen-Remake (1982) – der einzige Film Schraders, der direkt an einen Film eines anderen Regisseurs anknüpft.
Neben Yakuza entstanden auch die Drehbücher für Blue Collar, Diane und Mishima unter Mitwirkung seines Bruders Leonard Schrader (Der Kuss der Spinnenfrau). Obwohl einige der Filme, an denen Paul Schrader beteiligt war, Oscar-Nominierungen oder -Auszeichnungen erhielten, wurden diese nie Schraders Regie oder Drehbuch zuerkannt. Die Drehbücher für Taxi Driver und Wie ein wilder Stier wurden für den Golden Globe nominiert, gingen aber leer aus. – Als eigenen Favoriten unter seinen Drehbüchern nannte Schrader Taxi Driver, unter seinen Regiearbeiten Mishima.[1]Light Sleeper bezeichnete er als seinen persönlichsten Film.[3]
1995 hatte Schraders Theaterstück The Cleopatra Club in Poughkeepsie, New York, Premiere, 2011 wurde erstmals eine deutschsprachige Fassung im Wiener stadtTheater walfischgasse gespielt. Sein bereits in den 1980er Jahren entstandenes Stück Berlinale wurde dagegen nie aufgeführt.[1][4][5] 1998 war Schrader Jurymitglied des Sundance Film Festivals, 2007 leitete er die Jury der Berlinale. Auch hielt er wiederholt Vorlesungen in Filmklassen, so an der New York Film Academy und der Film Society of Lincoln Center.
Schrader ist in zweiter Ehe mit Mary Beth Hurt verheiratet, die in Light Sleeper, Der Gejagte und The Walker kleinere Rollen übernahm.
Eine Gemeinsamkeit vieler Drehbücher und Filme Schraders ist das Porträt von Charakteren, die einen selbstzerstörerischen Weg eingeschlagen haben oder deren Handlungen ihnen selbst schaden. Oft steht am Schluss seiner Filme ein Erlösungserlebnis, das sich erst nach einem schmerzhaften Weg dorthin einstellt. Nicht selten ist dieses mit einer Selbstopferung oder einem kathartischen Gewaltakt verbunden.[6] Einige Handlungsgerüste lotete Schrader wiederholt aus, so die Sinnsuche des einsamen, nachtaktiven Protagonisten in Taxi Driver, Light Sleeper und Bringing out the Dead (der nach einer Romanvorlage entstand), oder den Abstieg des oberflächlichen Frauen- bzw. Society-Lieblings, der nach einem Initialerlebnis sein soziales Umfeld verliert aber zu sich selbst findet, in Ein Mann für gewisse Stunden und The Walker.
Schrader bezeichnete Taxi Driver, Ein Mann für gewisse Stunden, Light Sleeper und The Walker als zusammenhängende Tetralogie unter dem Begriff „Man in a room“-Filme („ein Mann in einem Raum“), die mit The Walker abgeschlossen sei. Die Hauptfigur entwickele sich von einem erst wütenden, dann narzisstischen, später von Sorgen geplagten Charakter zu einem Mann, der sich hinter einer Maske der Oberflächlichkeit versteckt.[1][7][8]
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