Das Globale Ölfördermaximum ist die maximale Förderrate der weltweiten Erdölproduktion. Mit dem englischen Begriff peak oil oder auch Hubbert Peak wird der Zeitpunkt bezeichnet, zu dem das globale Ölfördermaximum erreicht ist.[1][2]
Die These geht auf Arbeiten des Shell-Ölexperten und Anhängers der Technokratischen Bewegung Marion King Hubbert aus den 1950er Jahren zurück. 2005 wurde ein baldiges Eintreten des Öldfördermximums angenommen. Demgegenüber sind die Preise für Rohöl im Vergleich aktuell (2012) niedriger und die projektierten Ressourcen steigen weiter an.
Marion King Hubbert, damals leitender Ölexperte bei Shell und ein bekanntes Mitglied der Technokratischen Bewegung, prägte den Begriff 1956. Hubbert kannte den Verlauf der Ölförderung bei einzelnen Quellen und kleineren Ölfeldern, der sich grob einer logistischen Verteilung angleicht, und übertrug dies auf die nordamerikanische wie globale Förderung. Mit der so erhaltenen richtigen Prognose des Ölfördermaximums für die USA erregte Hubbert Aufsehen. Das globale Ölfördermaximum prognostizierte Hubbert (1974) für das Jahr 1995, was durch die reale Entwicklung der Fördermenge widerlegt wurde.
1998 schlossen sich Geologen, Physiker, Energieberater und Publizisten, die sich mit dem Fördermaximum beschäftigen, in der vom Geologen Colin J. Campbell gegründeten Association for the Study of Peak Oil and Gas (ASPO) zusammen. Im ersten Jahrzehnt seit der Jahrtausendwende wurde ein weltweites Ölfördermaximum und eine danach drohende exponentielle Verringerung der Ölförderung und deren Folgen in der Öffentlichkeit diskutiert. Die entscheidenden Erdölproduzenten weltweit könnten ihre Produktion kaum ausweiten. Auch seien die offiziellen Zahlen ihrer Reserven höchstwahrscheinlich stark übertrieben. Seit Jahrzehnten seien die Funde von billigem, konventionellem Öl stark zurückgegangen und seien geringer als die im gleichen Zeitraum verbrauchte Menge. Es werden verschiedene Szenarien diskutiert. Einige dieser Fachleute prognostizierten unter großer öffentlicher Aufmerksamkeit etwa zwischen 2010 und 2020 wegen abfallender Produktionsmöglichkeiten eine drohende globale Ölverknappung sowie erhebliche Preissteigerungen. In anderen, optimistischeren Szenarien wird zunächst ein Plateau mit einem engen, aber nicht abrupt fallenden Ölangebot angenommen.[4] Das prognostizierte stagnierende oder fallende Ölangebot wurde und wird teilweise mit der Forderung nach einer Energiewende verbunden.
Seit 2008 thematisierte auch die Internationale Energieagentur das globale Ölfördermaximum. Sie sah das Fördermaximum von konventionellem Erdöl bereits 2006 eingetreten[5] und betrachtet das Fördermaximum als möglichen Treiber für Ölpreissteigerungen.[6] Nach Zahlen von BP ging die weltweite Ölproduktion 2009 um 2,6 % zurück, das heißt um zwei Millionen pro Tag geförderte Barrel. Die weltweite Produktion ging deutlich stärker zurück als der weltweite Verbrauch (1,7 %, 1,2 Millionen Barrel pro Tag).[7]
Andere Fachleute und führende Vertreter der Mineralölunternehmen halten das Konzept des Ölfördermaximums und davon abgeleitete zeitliche Prognosen im globalen Maßstab für unbrauchbar. Die komplexen Verläufe der Förderung einzelner Länder seien nicht durch eine einzige Summenkurve mit einem einzelnen Peak zu beschreiben. Es ergebe sich ein Plateau beziehungsweise komplexere Kurvenverläufe und damit auch genug Zeit, um andere Energieträger aufzubauen und technische Innovationen einzuführen. In den OPEC-Ländern wird das Thema gänzlich ausgeblendet und behauptet, es wäre auch bei den derzeitigen Förderraten noch genug Öl für etliche Jahrzehnte vorhanden. Ebenso wird von einigen Wirtschaftswissenschaftlern mit Hinweis auf technologische Neuentwicklungen wie auch die Historie der Rohstoffwirtschaft insgesamt in Frage gestellt, inwieweit endliche Ressourcen generell ein dauerhaftes Problem darstellten.
Die Frage nach dem Zeitpunkt des Ölfördermaximums eines Landes oder der Welt ist in der historischen Nachschau einfach - in der Prognose dagegen schwieriger. Bei genauer Kenntnis der Förderprofile aller Ölfelder des entsprechenden Gebiets (oder weltweit) ist die Prognose relativ treffsicher zu leisten. Allerdings sind diese Daten zumeist nicht offen verfügbar, da sie von den entsprechenden Ländern als Staatsgeheimnis behandelt werden. Dies gilt insbesondere für die wichtigen OPEC-Länder, die einen sehr hohen Anteil an der globalen Ölförderung haben. Statistisch werden neben konventionellen Ölvorkommen auch unkonventionelle Rohstoffe wie Ölsand, Ölschiefer, Schweröl, Tiefseeöl, Polaröl, Flüssiggas erfasst. Der Abbau dieser Rohstoffe ist jedoch nicht so einfach wie bei den bisherigen Ölvorkommen (das "easy oil") und großteils mit höheren finanziellen, energetischen und ökologischen Kosten verbunden als die Förderung von konventionellem Rohöl. Zudem ist die tägliche Produktionsmenge solcher unkonventionellen Quellen meist nicht so leicht steigerbar wie die Förderung von konventionellem Öl.
Entsprechend weit auseinander gehen die verschiedenen Zahlen zum Ölfördermaximum. So wurde laut einem Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) von 2010 bei leicht förderbarem, konventionellem Erdöl das Fördermaximum bereits 2006 erreicht mit 70 Megabarrel pro Tag.[8] 2011 wurde ein Maximum der Förderung aller Ölsorten[9] mit 89 Millionen Barrel/Tag erreicht. Das absolute Fördermaximum sieht die IEA erst in den 2020er oder 2030er Jahren bei 96 Megabarrel pro Tag vorher.[10] Die geologischen Fachbehörden verschiedener Länder und der Brancheninformationsdienst CERA beziehen ebenso die unkonventionellen Rohstoffe mit ein, wenn etwa davon die Rede ist, vor 2030 werde kein Ölfördermaximum eintreten.[11]
Die weltweite Ölförderung stieg (nach ersten Krisen und Zweifeln am unbegrenzten Fortgang der Förderung um 1920) zwischen 1930 und 1972 ungefähr exponentiell an. Abb. 3 zeigt diese Entwicklung. Mit den politisch begründeten Ölkrisen 1973 und 1979/83 setzte das exponentielle Wachstum aus, die Ölförderung ging etwas zurück und stieg im weiteren langsamer und nur noch linear an. Deutliche Nachfragerückgänge gab es auch nach der Asienkrise und nach dem Platzen der Dotcom-Blase. Die Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA drückten hingegen nur kurzfristig die Nachfrage nach Flugtreibstoff.
Mit der Erholung der Weltwirtschaft nach der Dotcom-Blase stieg die globale Förderung bis Mitte 2004 an, um dann trotz anhaltend starken Wirtschaftswachstums vor allem in der Volksrepublik China und Indien zu stagnieren, was zu einem starken Preisanstieg führte. Erst seit Ende 2007 steigt die Förderung wieder langsam an, die bislang höchste monatliche Ölförderung wurde nach Zahlen der Statistikabteilung des US-Energieministeriums EIA im Februar 2008 mit 85,8 Millionen Barrel pro Tag erreicht.[13] Der Rückgang der Förderung zwischen 2004 und 2007 um ca. 200.000 Barrel pro Tag, wird von der Ölindustrie auf einen durch die niedrigen Ölpreise der 1990er bedingten Investitionsrückstand zurückgeführt. Allerdings hielten sich die Ölunternehmen zu Beginn der Hochpreisphase mit dem Kauf neuer Ausrüstung zurück und investierten bevorzugt in Aktienrückkäufe.[14]
Das sich seit 2004 abzeichnende Plateau wird von Meldungen begleitet, wonach im Frühjahr 2006 einige sehr große Ölfelder die Phase der Förderabnahme erreicht hätten oder sich schon darin befänden:
Im Juni 2008 stellt eine BP-Studie fest, dass im Jahr 2007 die weltweite Ölförderung im Vergleich zum Vorjahr um 0,2 % gesunken und gleichzeitig der weltweite Ölverbrauch um 1,1 % gestiegen sei.[19]
Allerdings wurde im Jahr 2008 wieder mehr Öl gefördert als im Jahr 2006 und damit auch mehr als je zuvor, was wohl vor allem mit dem hohen Ölpreis in der ersten Jahreshälfte zusammenhing. 2009 wurde wegen einer weltweiten Rezession und Bankenkrise deutlich weniger Öl gefördert als 2008.
Im November 2011 erreichte das weltweite Gesamtölangebot erstmals 90,0 Megabarrel pro Tag.[20]
Reservenangaben geben üblicherweise nicht die absolute Gesamtmenge des Öls im Boden an, sondern die Menge, die auch gefördert werden kann. Diese Menge hängt sowohl von den geologischen Voraussetzungen (Porosität und Permeabilität des Speichergesteins) ab als auch von der eingesetzten Fördertechnik und vom Ölpreis. Je höher der Ölpreis, desto teurere Technik lässt sich rentabel einsetzen. Die Grenze ist jedoch die energetische Kosten-Nutzen-Rechnung; sobald für die Ölsuche, die Förderung und den Transport mehr Energie aufgewendet werden muss, als im geförderten Öl enthalten ist, wird diese Förderung als Energiequelle unrentabel ("ERoEI" Energy Return on Energy invested)).
Der Anteil des förderbaren Öls an der Menge im Boden beträgt selbst beim Einsatz hochmoderner Technik nur etwa 35–45 % einer Lagerstätte.[21][22] Die stärkste Auswirkung auf die Förderrate hat zum einen die Geologie (hoch permeable Lagerstätten ermöglichen hohe Förderraten), zum anderen der Einsatz der sogenannten Sekundär-Fördertechnik (zumeist das Einpumpen von Wasser unter das Ölfeld). Die maximale Ausbeutung eines Ölfeldes – also die Erhöhung des Anteils an förderbarem Öl – wird vor allem durch hochpräzises Anbohren auch der kleinen Taschen eines Ölfeldes erreicht. Bohrungen können heute horizontal erfolgen, mit einer Genauigkeit von wenigen Metern auch sehr schmale ölführende Schichten erreichen und so den Entölungsgrad steigern.
Interpretationsspielräume werden von den ölproduzierenden Staaten oft genutzt, um ihre Reserven zu manipulieren. So entschieden 1985 die OPEC-Förderländer, die länderspezifischen Förderraten an die jeweiligen Reserven zu koppeln; wer hohe Reserven aufweisen konnte, durfte mehr fördern und umgekehrt. Wie in Abb. 4 deutlich zu sehen ist, provozierte diese Entscheidung eine allgemeine künstliche Anhebung der Reserven der einzelnen Mitgliedsstaaten, da jeder Staat höhere Förderraten bei hohem Preis zugeteilt haben wollte.
Um weiterhin Erdöl zu fördern, müssen neue Ölquellen entdeckt werden. Abb. 5 zeigt die Ölfunde von 1930 bis 2050 nach Campbell unter Zuhilfenahme der Methode der „Rückdatierung von Ölfunden“,[23][24] wobei die weißen Balken Schätzungen sind. Eingerechnet ist die jährliche Fördermenge. Man erkennt die großen Ölfunde Ende der 1940er Jahre im Persischen Golf und die großen Funde Anfang der 1980er Jahre in der Nordsee. Die meisten Lagerstätten wurden allerdings in den sechziger Jahren gefunden. Laut Campbell nehmen die Funde – von einigen Ausnahmen abgesehen – beständig ab; seit 2003 liegen sie sogar kontinuierlich unter den prognostizierten Werten. Seiner Studie zufolge wird seit Anfang der 1980er Jahre mehr Öl gefördert als neues gefunden.
Branchenexperten zufolge ermögliche ein gestiegener Ölpreis, auch bisher nicht intensiv untersuchte Gebiete (zum Beispiel Sibirien) zu erkunden und unkonventionelle, bislang wirtschaftlich nicht lohnende Lagerstätten auszubeuten. Dazu gehören Ölsande, hier vor allem die großen Vorkommen in Alberta in Kanada, Ölschiefer, Tiefseebohrungen, Sibirien- oder Alaska-Exploration, Bitumen etc. Leonardo Maugerie, ein Angestellter des italienischen Ölkonzerns Eni, sah bereits 2004 einen erheblichen Investitionsstau, da in vielen Ölländern und der Ölindustrie die Erfahrungen mit dem Preisverfall durch Überkapazitäten aus den 1980er Jahren noch nachwirkten.[25]
Die nachfolgende Tabelle zeigt nach Ländern aufgeschlüsselt die aktuelle Fördermenge (2010) in Relation zur maximal erreichten Förderung. Einzeln erfasst sind Länder, die eine Förderung von mehr als 1 Mio Barrel pro Tag erreicht haben. Alle übrigen Länder werden zu Regionen mit den entsprechenden aggregierten Förderraten zusammengefasst. [26]. Die Zahlen umfassen folgende Produktgruppen: Rohöl, Öl aus Sanden und Schiefer, verflüssigtes Erdgas (NGL), nicht dagegen Biokraftstoff und verflüssigte Kohle.
| Land | Jahr der Höchstförderung | Fördermaximum Barrel/Tag | Förderung 2010 Barrel/Tag | Förderung 2010 in Prozent des Fördermaximums | Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|---|
| Russland | 1987 | 11.484.000 | 10.270.000 | 89 | Für die nächsten Jahre wird Förderplateau erwartet, s.u. |
| Saudi-Arabien | 2005 | 11.114.000 | 10.007.000 | 90 | Fördermaximum noch nicht erreicht; derzeitige Förderkapazität nach eigenen Angaben 13,5 Mio Barrel/Tag |
| USA | 1970 | 11.297.000 | 7.513.000 | 67 | Förderung seit 3 Jahren wieder ansteigend |
| Iran | 1974 | 6.060.000 | 4.245.000 | 70 | Förderung durch die politischen Verhältnisse beeinträchtigt |
| China | 2010 | 4.071.000 | 4.071.000 | 100 | |
| Mexiko | 2004 | 3.824.000 | 2.958.000 | 77 | Förderabfall |
| Irak | 1979 | 3.489.000 | 2.460.000 | 71 | Förderung bei stabilen politischen Verhältnissen stark steigerbar |
| Venezuela | 1998 | 3.480.000 | 2.471.000 | 71 | Förderung durch die politischen Verhältnisse beeinträchtigt |
| Norwegen | 2001 | 3.418.000 | 2.137.000 | 63 | Förderabfall |
| Kuwait | 1972 | 3.339.000 | 2.508.000 | 75 | |
| Kanada | 2010 | 3.336.000 | 3.336.000 | 100 | Förderung aus Teersanden; ansteigend |
| VA Emirate | 2006 | 3.149.000 | 2.849.000 | 90 | |
| Großbritannien | 1999 | 2.909.000 | 1.339.000 | 46 | Förderabfall |
| Nigeria | 2005 | 2.499.000 | 2.402.000 | 96 | Förderung durch die politischen Verhältnisse beeinträchtigt |
| Libyen | 1979 | 2.139.000 | 1.659.000 | 63 | Langsamer Förderabfall |
| Brasilien | 2010 | 2.137.000 | 2.137.000 | 100 | Förderung ansteigend (offshore) |
| Algerien | 2007 | 2.016.000 | 1.809.000 | 90 | möglicherweise permanenter Förderabfall |
| Angola | 2008 | 1.875.000 | 1.851.000 | 99 | Fördermaximum noch nicht erreicht |
| Kasachstan | 2010 | 1.757.000 | 1.757.000 | 100 | Förderung ansteigend |
| Indonesien | 1977 | 1.685.000 | 986.000 | 59 | Förderabfall |
| Qatar | 2010 | 1.569.000 | 1.569.000 | 100 | |
| Aserbaidschan | 2010 | 1.037.000 | 1.037.000 | 100 | Förderung ansteigend |
| Übriges Amerika | 1999 | 2.440.000 | 2.381.000 | 98 | |
| Übriges Europa | 2003 | 1.484.000 | 1.121.000 | 76 | Förderabfall |
| Übriger Naher Osten | 2001 | 2.044.000 | 1.551.000 | 76 | Förderabfall |
| Übriges Afrika | 2008 | 2.403.000 | 2.377.000 | 99 | |
| Übriges Asien/Pazifik | 2010 | 3.292.000 | 3.292.000 | 100 | |
| Welt | 2009 | 82.278.000 | 82.093.000 | 100 |
Über zehn Prozent des weltweit geförderten Erdöls kommt aus Saudi-Arabien. Ein Großteil der saudischen Produktion wiederum stammt aus wenigen Riesenölfeldern, die schon vor Jahrzehnten in Betrieb genommen wurden und sich möglicherweise bereits in der Phase des Förderabfalls befinden. Zuverlässige Angaben hierzu sind nicht verfügbar, da die Produktionsdaten Staatsgeheimnis sind und keine unabhängigen Experten in Saudi-Arabien zugelassen werden.
Die saudische Ölförderung in den letzten 10 Jahren schwankte zwischen 8,9 Mio Barrel/Tag im Jahr 2002 und 11,1 Mio Barrel/Tag im Jahr 2005.[27]. Gegenwärtig (November 2011) liegt sie bei 9,75 Mio Barrel/Tag[28]. Diese Produktionszahlen reflektieren jedoch keine geologischen Begrenzungen, d.h. es sind nicht die maximal möglichen Förderraten. Vielmehr ist Saudi-Arabien als einer der wenigen noch verbliebenen Ausgleichsproduzenten ("swing producers") in der Lage, seine Produktionszahlen aktuellen politischen und wirtschaftlichen Erfordernissen anzupassen.
Die derzeitige maximale dauerhafte Produktionskapazität an Rohöl liegt lt. IEA bei ca. 12 Mio Barrel/Tag. Diese Produktionskapazität kann voraussichtlich zumindest bis 2016 gehalten werden. Hinzu kommen 1,55 Mio Barrel pro Tag an flüssigem Erdgas (NGL) (erweitert auf 1,8 Mio Barrel/Tag bis 2016)[29]. Flüssiges Erdgas ist ein Substitut für Rohöl als flüssiger Brennstoff, wenn auch mit etwas geringerem Energiegehalt pro Volumeneinheit.
Ende 2011 gab Saudi-Arabien bekannt, dass ein Investitionsprogramm in Höhe von 100 Mrd. Dollar zur Ausweitung der Rohöl-Förderkapazität auf 15 Mio Barrel/Tag bis 2020 eingestellt wurde. Als Begründung wurden die erwartete Steigerung der Ölproduktion in Irak und die zunehmende Ölgewinnung aus Teersanden und Schiefer sowie schwächere Ölnachfrage genannt.[30] Aus derselben Quelle geht hervor, das Saudi-Arabien derzeit ein Ölpreisniveau von mindestens 92$/Barrel (gegenüber 60$ in 2008) benötigt, um seine stark gestiegenen Staatsausgaben bestreiten zu können und dieses Preisniveau gegebenenfalls durch Fördereinschränkungen verteidigen wird.
Der Inlandsverbrauch an Rohöl und flüssigem Erdgas stieg in den letzten 10 Jahren stark an. Er betrug im Jahr 2010 2,812 Mio Barrel/Tag gegenüber 1,578 Mio Barrel im Jahr 2000. Von 2009 auf 2010 betrug die Steigerungsrate 7,1% (188 Tsd Barrel/Tag absolut).[31] Bleibt dieser Trend ungebrochen, muss Saudi-Arabien seine Fördermenge Jahr für Jahr steigern, schon um den zunehmenden Inlandsverbrauch abzudecken und seine Exportmenge konstant halten zu können.
Russland war im Jahr 2010 der größte Erdölproduzent der Erde, knapp vor Saudi-Arabien. Gefördert wurden durchschnittlich 10 270 000 Barrel pro Tag ( 505,1 Mio Tonnen pro Jahr). Damit konnte die Produktion gegenüber 2009 um 2,2 % gesteigert werden und erreichte ein Allzeithoch. Die aktuellsten Zahlen weisen für September 2011 eine Tagesproduktion von 10,3 Mio Barrel aus.[32]. Ein vor wenigen Jahren befürchteter baldiger Förderrückgang[33] ist bislang nicht eingetreten.
Die Internationale Energieagentur (IEA) hat Anfang November 2011 Prognosen zur weiteren Entwicklung der russischen Ölförderung veröffentlicht. Demnach wird bei etwa 10,5 Mio Barrel/Tag ein Plateau erreicht, welches etwa bis zum Ende dieses Jahrzehnts gehalten werden kann. Danach soll ein langsamer Förderrückgang einsetzen. Für das Jahr 2035 wird eine Tagesproduktion von 9,7 Mio Barrel erwartet. Voraussetzungen für diesen nur langsamen Produktionsabfall sind verbesserte steuerliche Bedingungen für die Ölgesellschaften sowie erhebliche Investitionen.[34]
Die nachgewiesenen Reserven, also die Reserven, die unter den derzeitigen ökonomischen und technischen Gegebenheiten voraussichtlich gefördert werden können, betragen etwa 10,6 Mrd Tonnen. Wenn diese Reservenangaben zutreffend sind, reichen die russischen Ölvorräte bei gleichbleibender Förderung (statische Reichweite) noch knapp 21 Jahre.[35] Die IEA geht folglich bei ihrer Prognose von einem erheblichen Reservenwachstum durch Exploration und veränderte wirtschaftliche und technische Rahmenbedingungen aus.
Der Inlandsverbrauch in Russland betrug 2010 etwa 3,2 Mio Barrel pro Tag ( 147,6 Mio Tonnen pro Jahr), eine Steigerung von 9,2 % gegenüber dem Vorjahr. Hierbei ist auch Biokraftstoff eingeschlossen.
Der Anteil von FSU- und OPEC-Öl steigt, was diesen Ländern einen vermehrten Einsatz von Förderrate und Preis als politisches Druckmittel erlaubt.
Die Vorkommen der GUS-Staaten im Umfeld des Kaspischen Meeres sind noch in der Erschließung. Erste geologische Gutachten in der Region in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre schätzen allein das sogenannte Kashagan-Feld auf etwa zwei bis vier Milliarden Barrel abbaubarer Reserven. Nach Durchführung von zwei Explorations- und zwei weiteren Bewertungsbohrungen wurden die offiziellen Schätzungen auf ein Volumen von zwischen sieben und neun Milliarden Barrel nach oben korrigiert. Im Februar 2004 hingegen, nach vier weiteren Explorationsbohrungen, lagen die neuen Schätzungen bei 13 Milliarden. Die im weiteren Umfeld zu findenden Ölvorkommen würden laut BP noch erhebliche Reserven bergen.[36]
Die Abb. 7 zeigt die Erdölproduktion außerhalb der OPEC-Staaten; die Daten sind ab 2004 Schätzungen. Der Förderanteil der OPEC macht etwa 50 % der gesamten Förderung aus. Die Grafik zeigt darüber hinaus, dass das Fördermaximum der Ölproduzenten außerhalb der OPEC und der Russischen Föderation bzw. den GUS-Staaten (FSU, Former Soviet Union) im Jahre 2000 überschritten wurde. In den OECD-Europa-Ländern sinkt die Ölförderung um etwa fünf Prozent jährlich. Im Januar 2006 konnten noch etwa 36 % des Bedarfes aus eigenen Quellen gedeckt werden. 2015 steht zu erwarten, dass in der EU bereits 92 % importiert werden müssen.[37]
Die weltweite Nachfrage nach Öl schwankt mit der Konjunktur. Kurzfristige Preisschwankungen bei Öl sind eng mit sicherheits- und regionalpolitischen Entwicklungen und Befürchtungen verbunden. Die Prognosen über die mittelfristige Entwicklung des Ölpreises reichen von 40 bis 250 US-$, von einigen Beobachtern wurden jedoch langfristig auch Preise um 25 US-$ angenommen.[22]
Der historische Ölpreisverlauf zeigt das „goldene Zeitalter“ billigen Öls zwischen dem Ersten Weltkrieg bis zur ersten Ölkrise - davor und danach sind deutliche Preisschwankungen abgebildet. Die inflationsbereinigten Preise Ende 2008 liegen deutlich unter den maximalen Spitzen vor 1900, was mit der längerfristigen Preisentwicklung bei anderen Rohstoffen übereinstimmt.
Seit den 1990er Jahren hat sich der Ölpreis von etwa 25 US-$ je Barrel 2002 deutlich erhöht. Mitte 2008 stiegen die Preise für ein Fass Rohöl kurzzeitig auf knapp 147 $.[38] Absolut und auch inflationsbereinigt war Rohöl nie teurer als zu diesem Zeitpunkt. Ende 2008 sind die Preise wieder, bedingt durch die Weltrezession infolge der Finanzkrise, auf knapp unter 35 US-$ gefallen um dann bis Juni 2009 wieder auf etwa 65-70 US-$ zu steigen. Der Prozess, dass bei sehr hohen Ölpreisen mit negativen makroökonomischen Folgen die Nachfrage zurückgeht, wird als Demand Destruction bezeichnet. Preistheoretisch kann dies durch eine Verschiebung der Angebotskurve und einem veränderten Marktgleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage erklärt werden.
Viele Experten und Finanzfachleute sehen weniger das Ölfördermaximum als Umbrüche in der Ölbranche als ursächlich für schweinezyklusartige größere Preisschwankungenen. Diese hingen demzufolge nicht mit grundsätzlichen Veränderungen des Angebots zusammenhingen (vgl. Spinnwebtheorem). Aufgrund der Erfahrungen mit dem Rückgang der Ölpreise in den 1990er Jahren und der zunehmenden Rolle externer Finanzinvestoren gebe es seit Jahren einen Explorations- und Investitionsstau, der die Preisausschläge ausreichend erkläre.
Da der Preis von Öl stark von der Nachfrage und der gesamtwirtschaftlichen Situation abhängt und andererseits sich ein sehr hoher Ölpreis auf letztere auswirkt, müssen Prognosen der Ölpreisentwicklung Annahmen über die wirtschaftliche Entwicklung treffen. Ein Schlüsselkonzept, das genutzt wird, um die Kopplung zwischen Angebot, Nachfrage und Preis zu beschreiben, ist das der Preiselastizität, die angibt wie stark sich die Nachfrage eines Produktes verändert, wenn der Preis um einen bestimmten Anteil steigt.
Der Internationale Währungsfonds hat hierzu im World Economic Outlook vom April 2011 Szenarien vorgestellt, die eine Verknappung der Ölförderung einbeziehen.[39] Zum einen betrachtet der Bericht die Entwicklung der Ölförderung und kommt zu dem Befund, dass seit etwa 2005 die Ölförderung stagniere.[40]
Für die Prognosen werden Modellrechnungen mit unterschiedlichen Szenarien betrachtet. Beispielsweise wird für ein Szenario eines Fördermaximums mit einer Ölverknappung um durchschnittlich 3.8 % jährlich ein kurzfristiger Anstieg des Ölpreises um 200 % und ein Anstieg um 800 % für einen Zeitraum von 20 Jahren errechnet.[41] Betont wird bei diesen Rechnungen ausdrücklich, dass sie nichtlineare Effekte und wirtschaftliche Rückkopplungen nicht einbeziehen.[42]
Als mögliche Gegenmaßnahme erörtert der Bericht eine vorbeugende Reduktion des Ölverbrauchs, welche die Elastizität der Nachfrage erhöhe:
Wegen der schwierigen Datenlage kann das Ölfördermaximum wohl erst einige Jahre nach dessen Eintreten zweifelsfrei datiert werden. Die von Campbell, dem Begründer der ASPO, vorausgesagten Zeitpunkte für ein globales Ölfördermaximum wurden mehrmals in die Zukunft verschoben und können gegenwärtig nicht zweifelsfrei bestätigt werden. Dies wird unter anderem von Kritikern zum Anlass genommen, die Übertragung des Hubbert peak auf die weltweite Förderung für nicht sinnvoll zu halten. Andererseits revidierte auch die optimistischere Internationale Energieagentur (IEA) ihre Prognosen. In ihrem jährlichen World Energy Outlook senkte sie jedes Mal die prognostizierten Förderraten und Gesamtfördermengen und setzte in der Folge den Zeitpunkt des Globalen Ölfördermaximums immer früher an.
Die ASPO nimmt zudem an, dass auch die Förderrate der OPEC-Staaten nahe an ihrem Maximum liegt und sich derzeit nur im Irak und an der westafrikanischen Küste steigern lässt, das Ölfördermaximum also gegenwärtig zum Tragen komme. Dies gilt insbesondere für die arabischen OPEC-Mitglieder, die einen sehr hohen Anteil an der globalen Ölförderung haben. Zufolge einer Veröffentlichung von WikiLeaks und der britischen Zeitung The Guardian gab der saudi-arabische Ölexperte Sadad al-Husseini, ehemaliger Chefgeologe von Aramco, in den Jahren 2007 und 2009 gegenüber dem Generalkonsul der USA an, dass die Ölreserven Saudi-Arabiens um fast 40 % überschätzt wurden, so dass das Land — entgegen bisheriger Erwartungen — vermutlich keinen Beitrag zur Milderung von globalen Förderengpässen und damit verbundenen Preisspitzen leisten könne.[44]
Eine Gegenposition vertritt unter anderem Leonard Maugerie vom Eni-Konzern. Ihm zufolge ist die Umbruchsituation in der Ölindustrie viel wichtiger als die Diskussion um ein Ölfördermaximum. Er hält das Maximum konventioneller Ölförderung in den OPEC-Staaten und Russland für noch lange nicht erreicht, und die Möglichkeit, unkonventionelle Ölvorkommen zu nutzen, sei dabei noch gar nicht miteinbezogen. Anfang 2006 – bei einem Ölpreis von etwa 60 US-$ – befürchtete er zudem einen Preissturz, der negative Folgen für Investitionen in unkonventionelle Ölquellen und Alternativen für die Treibstoffherstellung haben würde, die aus wirtschaftlichen Gründen einen Ölpreis von mindestens 45 US-$ voraussetzen.[45]
Die Internationale Energieagentur verdringlichte im August 2009 frühere Warnungen: Da sich die Ölförderkapazitäten aufgrund zurückgehender Reserven und ausbleibender Investitionen verringern, könne es aufgrund von massiver Ölknappheit schon ab dem Jahr 2011 zu einer Erschwerung und Verlängerung der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2007 kommen. Die Förderung der bestehenden Ölfelder geht gegenwärtig um jährlich 6,7 Prozent zurück. Um die zurückgehende Förderung erschöpfter Ölvorkommen auszugleichen, wäre erforderlich, bis zum Jahr 2030 das Äquivalent der vierfachen Förderkapazität Saudi-Arabiens neu zu finden.[46][47][48] Im November 2010 hielt die IEA zudem fest, dass die Ära des billigen Öles vorbei sei.[49]
Zur Vorhersage der zukünftigen Ölförderung werden verschiedene Methoden verwendet:
| Geschätzter Zeitpunkt | Datum der Veröffentlichung | Maximale Fördermenge (Mbarrel/Tag) | Autor |
|---|---|---|---|
| 1989 | 1989 | Campbell *[25] | |
| 2020 | 1997 | Edwards | |
| 2003 | 1998 | Campbell | |
| 2007 | 1999 | Duncan und Youngquist | |
| 2008 | 2000 | Marie Plummer Minniear[52] | |
| 2019 | 2000 | Bartlett | |
| 2004 | 2000 | Bartlett | |
| 2005 konv. Öl 2010 inkl. unkonv. Öl *** | 2000 | Campbell[53] | |
| 2003–2008 | 2001 | Deffeyes[54] | |
| 2011–2016 | 2002 | Smith[55] | |
| 2004–2011 | 2002 | Nemesis[56] | |
| ca. 2020 für konv. Öl nicht vor 2030 inkl unkonv. Öl | 2004 | 85 für konv. Öl >120 inkl unkonv. Öl | Internationale Energieagentur[57] |
| 2015–2020 | 2005 | BGR ** | |
| 2005 konv. Öl 2010 inkl. unkonv. Öl *** | 2006 | 66 konv. Öl 90 inkl. unkonv. Öl | Campbell[58] |
| 2006 | 2007 | Energy Watch Group[59] | |
| 2005 konv. Öl 2008 inkl. unkonv. Öl *** | 2008 | 66 konv. Öl 83 inkl. unkonv. Öl | Campbell[60] |
| nicht vor 2030 **** | 2008 | > 105 | Internationale Energieagentur[61] |
| 2022 konv. Öl 2027 inkl. unkonv. Öl | Dez. 2008 | 78 konv. Öl 97 inkl. unkonv. Öl | Trappe[62] |
| wahrscheinlich 2020 | Aug. 2009 | Internationale Energieagentur[47] | |
| 2020 | Dez. 2009 | Internationale Energieagentur[63] | |
| 2014 | 2010 | Ibrahim Sami Nashawi und Adel Malallah (Kuwait University), Mohammed Al-Bisharah (Kuwait Oil Company)[64] | |
| 2010 | 2010 | Zentrum für Transformation der Bundeswehr[65] | |
| 2006 für konventionelles Rohöl | 2010 | 70 | Internationale Energieagentur [66] |
| ab 2035 inkl. schwer förderbares, unkonventionelles Öl*** | 2010 | 96 | Internationale Energieagentur[67] |
| * | Seit 1989 warnt Colin J. Campbell, der Vorsitzende der ASPO, vor einem demnächst bevorstehenden globalen Ölfördermaximum. Seine Thesen werden in Deutschland auch durch Wolfgang Blendinger, Professor für Erdöl- und Erdgasgeologie an der TU Clausthal, vertreten. Er publizierte 1999 die Vorhersage für den Peak-Oil in der Nordsee und äußerte in einem Interview 2006, dass der globale Peak-Oil vermutlich schon überschritten sei.[68] |
| ** | Bei den BGR-Prognosen von Peter Gerling ist zu beachten, dass die Annäherung an das Fördermaximum über einen Bereich von zehn Jahren sehr flach ausfällt. Weltweite Nachfragesteigerungen im bisher gekannten Maß wären so nicht zu decken. |
| *** | Schweröl, Teersande, Ölschiefer, Ölsand, Tiefseeöl, Polaröl, Flüssiggas |
| **** | Die Word Energy Outlook 2008 (WEO)[61] der IEA sieht aber ein Abflachen der Förderrate bis 2030 voraus. Zur Erfüllung dieses Referenzszenarios müssen laut IEA massive Investitionen vorgenommen werden. Die WEO 2008 warnt vor Förderengpässen noch vor 2015 aufgrund von zu geringer Investitionen. Im April 2009 prognostiziert Nobuo Tanaka (IEA Executive Director), dass diese Förderengpässe schon im Jahr 2013 eintreten können.[69] |
Der Kommissar für Energie der Europäischen Union, Günther Oettinger, äußerte im November 2010 die Einschätzung, dass die Menge des weltweit verfügbaren Erdöls wahrscheinlich ihren Gipfelpunkt erreicht habe: "The amount of oil available globally, I think, has already peaked."[70]
Transporte und Landwirtschaft sind besonders von der Verfügbarkeit billigen Öls abhängig. Einige Staaten, etwa die USA, sind in höherem Maß von der Ölverfügbarkeit abhängig als andere. Entsprechend unterschiedlich gestalten sich die Folgen.
Weltweite Transporte beruhen zu 97 % auf Erdöl (Benzin, Diesel, Kerosin) oder Erdgas. 95 % der globalen Handelsströme werden von diesel- und schwerölbetriebenen Fracht- und Containerschiffen auf den Weltmeeren bewältigt. Alternativen müssen preislich im Rahmen bleiben und auch für Fahrzeuge bzw. die weltweit vorhandene Treibstoff-Infrastruktur geeignet sein. Bisher ist es jedoch nicht möglich, fossile Treibstoffe wie Benzin oder Schiffsdiesel im Gütertransport durch bekannte Alternativen, wie zum Beispiel in Akkumulatoren gespeicherte Elektrizität, oder Wasserstofftechnologie zu ersetzen, da die erreichbaren preisbezogenen Energiedichten von etwa 0,01 kWh/€ weit unterhalb jener der fossilen Treibstoffe (bei Benzin ca. sechs Kilowattstunden/Euro) liegen.[71]
Um 1800 lebten 75 % der deutschen Bevölkerung von der Landwirtschaft, und der Anteil an Treibstoffpflanzen (für Nutztiere) war verhältnismäßig hoch. Bis 2006 nahm der Anteil der Beschäftigten in der Landwirtschaft auf zwei bis drei Prozent ab.[72] Diese enorm gesteigerte Produktivität ist charakteristisch für alle entwickelten Industriestaaten und hängt eng mit der Verfügbarkeit von Treibstoffen, Düngemittel, Pflanzenschutz und Landmaschinen zusammen. Seit Beginn der Industrialisierung, vor allem seit der Grünen Revolution in den 1960er Jahren, stieg die weltweite Getreideproduktion um 250 %, ohne dass sich die Anbaufläche änderte (vgl. Abb. 10). Dies ist sehr stark auf den Einsatz fossiler Energieträger in Landwirtschaft und Verteilung zurückzuführen.[73] Neben dem Aspekt schwindender Energiemengen für Viehhaltung und Getreideproduktion kommt der zunehmende Anbau von „Treibstoffpflanzen“ hinzu. Diese werden bei Flächenstilllegungen nicht miteinbezogen. Einer möglichen Reagrarisierung des ländlichen Raumes, in dem wieder mehr Menschen ihr Auskommen finden, steht eine wieder zunehmende Konkurrenz mit der Nahrungsmittelproduktion und der Forstwirtschaft gegenüber.
Besondere Auswirkungen werden in den USA erwartet, die den größten Anteil am weltweiten Ölverbrauch haben (25 % bei einem Weltbevölkerungsanteil von 4,3 %). Der durchschnittliche Benzinverbrauch pro Auto liegt dort bei 10,5 Liter je 100 km (22,4 mpg).[74] Zum Vergleich: Im Jahre 2003 lag der Anteil am weltweiten Ölverbrauch in Europa bei knapp elf Prozent, wobei 6,8 % der Weltbevölkerung in Europa lebten. Der durchschnittliche Benzinverbrauch pro Auto lag in diesem Jahr in Deutschland bei etwa 8,1 Liter auf 100 km.[75] Preisschwankungen bei Mineralölprodukten wirken sich in den USA wegen der Umrechnung in den starken Euro und wegen der in den USA sehr geringen Steuern auf Mineralölprodukte generell stärker aus als in Europa.[45]
Die Nachfrage nach Öl ist eng an die wirtschaftliche Entwicklung gekoppelt und bisher wenig preiselastisch. Erdöl ist heute (2008) sichtbar (als Rohstoff) oder unsichtbar (als Energieträger) in einer Vielzahl von industriell hergestellten Gütern enthalten. Seit 2005 behandeln aktuelle Studien der Internationalen Energieagentur (IEA) – zuletzt am 9. Juli 2007 – das Problem des Fördermaximums. In der ASPO (Association of the Study of Peak Oil and Gas) haben sich seit 2001 weltweit Wissenschaftler zusammengeschlossen, die sich mit dem Erdölfördermaximum befassen.
Die Auswirkungen eines möglichen Ölfördermaximums auf die Gesellschaft werden in den USA schon länger diskutiert – teilweise unter Annahme dramatischer Szenarien. Diesen Worst-case-Szenarien stehen derzeit allerdings kaum echte Verhaltensänderungen oder ein deutlicher Politikwechsel gegenüber. In den USA waren bislang weder höhere Treibstoffsteuern[76] durchzusetzen, noch haben sich die Gewohnheiten der amerikanischen Verbraucher verändert: Spritdurstige SUV-Geländewagen machten zwischen 2000 und 2004 mehr als die Hälfte der verkauften Neuwagen aus.[45]
Da die RRR (reserves recovery rate) seit etwa 1980 negativ ist (es wird mehr Öl gefördert als neu gefunden), ist daher durch den langfristig absehbaren Zwang zur Substitution von Rohölimporten direkt die Energiepolitik betroffen. Der Ausbau regenerativer bzw. alternativer Energien (unter Einschluss der Kernenergie) oder weitere mögliche Ölbohrungen in Alaska werden deswegen in der nordamerikanischen Öffentlichkeit, vom Präsidenten[77] – persönlich, wie auf Bundes- und Staatsebene und von verschiedenen Behörden wie dem GAO[78] und Ministerien wie im sog. „Hirsch Report“ intensiv diskutiert.
Globalisierung beruht prinzipiell auf zwei Säulen: weltweiter Kommunikation und weltweitem, billigem Transport. Daten und Informationen werden insbesondere über stromverbrauchende weltweite Daten- und Kommunikationsnetze versandt. Weltweite Transporte beruhen zu 97 % auf Erdöl (Benzin, Diesel, Kerosin) oder Erdgas. 95 % der globalen Handelsströme werden von diesel- und schwerölbetriebenen Fracht- und Containerschiffen auf den Weltmeeren bewältigt. Alternativen müssen preislich im Rahmen bleiben und auch für Fahrzeuge bzw. die weltweit vorhandene Treibstoff-Infrastruktur geeignet sein. Bisher ist es jedoch nicht möglich, fossile Treibstoffe wie Benzin oder Schiffsdiesel im Gütertransport durch bekannte Alternativen, wie zum Beispiel in Akkumulatoren gespeicherte Elektrizität, oder Wasserstofftechnologie zu ersetzen, da die erreichbaren preisbezogenen Energiedichten von etwa 0,01 kWh/€ weit unterhalb jener der fossilen Treibstoffe (bei Benzin ca. sechs Kilowattstunden/Euro) liegen.[79]
Zur Reduktion des Treibstoffverbrauchs im Seetransport werden inzwischen auch unkonventionelle Systeme wie Zugdrachen (SkySails, Dynaship) erprobt. Ein mögliches Ergebnis peakölbedingter Preiserhöhungen wäre, einzelnen Stimmen zufolge, eine stärkere regionale Produktion.[80] und Deglobalisierung.
Alternative Antriebskonzepte für Kraftfahrzeuge (leistungsfähige Elektromotoren, Druckluftfahrzeuge) sind von Interesse, da viele erneuerbare Energien in erster Linie elektrischen Strom produzieren. Im Unterschied zu Treibstoff kann elektrische Energie aber bisher nur unter sehr hohen Kosten gespeichert werden. In Städten und Ballungszentren könnten beispielsweise Oberleitungsbusse, wie sie heute in Russland und der Schweiz eingesetzt werden, vergleichsweise schnell einen Teil des bisher an fossile Treibstoffe gebundenen Personentransportes übernehmen. Elektroautos können für den urbanen Personentransport eine Alternative darstellen und werden von einer zunehmenden Zahl von Automobilherstellern entwickelt und kommerziell angeboten. Akkumulatorbetriebene Autos können während der Ladezeit auch bei einem geeigneten Lastmanagement als dezentrale, kostengünstige Speicher im Stromnetz fungieren und Fluktuationen bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ausgleichen (Demand Side Management). So kann die schlechtere Speicherbarkeit von Elektrizität gegenüber fossilen Energieträgern teilweise kompensiert werden. Analog wird die Verknüpfung fluktuierender erneuerbaren Energiequellen durch Virtuelle Kraftwerke zum Beispiel in Kühlaggregaten oder Einheiten zur Kraft-Wärme-Kopplung untersucht, wodurch sich der Anteil der nicht als Treibstoff, sondern lediglich zu Heizzwecken genutzten Erdölprodukte stark verringern lässt.
Um 1800 lebten 75 % der deutschen Bevölkerung von der Landwirtschaft, und der Anteil an Treibstoffpflanzen (für Nutztiere) war verhältnismäßig hoch. Bis 2006 nahm der Anteil der Beschäftigten in der Landwirtschaft auf zwei bis drei Prozent ab.[72] Diese enorm gesteigerte Produktivität ist charakteristisch für alle entwickelten Industriestaaten. Seit Beginn der Industrialisierung, vor allem seit der Grünen Revolution in den 1960er Jahren, stieg die weltweite Getreideproduktion um 250 %, ohne dass sich die Anbaufläche änderte (vgl. Abb. 10). Dies ist sehr stark auf den Einsatz fossiler Energieträger in Landwirtschaft und Verteilung zurückzuführen.[73] Ähnliches gilt für Pflanzenschutzmittel und Biozide, ohne deren Einsatz die landwirtschaftlichen Erträge erheblich geschmälert würden. Eine besonders große Rolle für die Landwirtschaft spielt Erdöl bei der Gewinnung von Düngemitteln mit dem Haber-Bosch-Verfahren, wobei der dazu benötigte Wasserstoff prinzipiell auch anders gewonnen werden kann.
Neben dem Aspekt schwindender Energiemengen für Viehhaltung und Getreideproduktion kommt der zunehmende Anbau von „Treibstoffpflanzen“ hinzu. Diese werden bei Flächenstilllegungen nicht miteinbezogen. Eine mögliche Wiederbelebung der arbeitsintensiven Landwirtschaft könnte zu einer Reagrarisierung des ländlichen Raumes führen, in dem zunehmend wieder mehr Menschen ihr Auskommen fänden. Allerdings werden die weltweite Nahrungsproduktion sowie die Weltbevölkerung etwa gleichzeitig ihren zahlenmäßigen Höhepunkt erreichen (siehe auch Bevölkerungsfalle). Tatsächlich sind die Preise für Grundnahrungsmittel, insbesondere die Preise für Reis und Mais, in den Jahren 2007 und 2008 stark angestiegen.
Ein Mangel an Erdöl bedeutet einen Mangel an (i) einer Energiequelle, (ii) einem Energieträger und (iii) einem Rohstoff, wobei der Verlust an Energie schwerwiegender ist als der Mangel des Rohstoffs. Beispielsweise beruhen etwa 40 % des Gesamtenergieverbrauchs in Deutschland auf Erdöl. Die bisher aus Öl gewonnene Energie kann prinzipiell zu einem gewissen Teil durch Energieeinsparung reduziert und zu einem anderen Teil durch alternative Energiequellen ersetzt werden. Dabei muss zusätzlich beachtet werden, dass ein bloßes Ersetzen der Energiemenge nicht alle Probleme löst, denn nicht jeder Energieträger kann für jede Aufgabe eingesetzt werden. Der wichtigste Bereich ist hier der Transportsektor, für den es bisher kaum einen adäquaten und in ausreichendem Umfang bereitstellbaren Ersatz für bisher aus Erdöl gewonnene Treibstoffe gibt.
Globale einseitig technologiebasierte Szenarien werden auch kritisch betrachtet. Zum einen bestehe die Gefahr einer undemokratischen und den regionalen Unterschieden nicht angepassten technokratischen Utopie (wie etwa beim Atlantropa-Projekt).
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| Quelle: | Dubbel 1990[81] |
| Ölkraftwerka) | 2–19 |
| Kohlekraftwerka) | 5–8 |
| Kernkraftwerka) | 3–20 |
| Wasserkraftwerk | 15 |
| Windenergieanlage | 19 |
| Solarturm | 5–16 |
| Photovoltaikanlage | 1,5–12 |
a) Brennstoffeinsatz nicht berücksichtigt
Eine Möglichkeit, Energiequellen zu vergleichen, bietet der Erntefaktor, der das Verhältnis von bereitgestellter Energie zum energetischen Einsatz beschreibt (engl. ERoEI - Energy Returned on Energy Invested). Je größer dieser Wert, desto effizienter ist die Energiewandlung und die Nutzung der Energiequelle. Der energetische Einsatz besteht aus dem Aufwand zum Bau und Betrieb der Anlagen sowie aus dem dabei eingesetzten Brennstoff. Die Werte der Erntefaktoren hängen insbesondere beim Vergleich regenerativer und nicht regenerativer Energieträger stark davon ab, welche Vorstufen der Energiewandlung in die Berechnung einbezogen werden. So wird z.B. bei fossilen Kraftwerken oft der für den Betrieb notwendige Brennstoff nicht berücksichtigt. Da aus den ermittelten Erntefaktoren je nach Zielsetzungen unterschiedliche Energiepolitische Konsequenzen beworben werden können, werden Erntefaktoren und ihre Berechnungsgrundlagen kontrovers erörtert.
Kohle ist de facto der verbreitetste und in der größten Menge vorhandene fossile Energieträger und hat die größte statische Reichweite unter den fossilen Energieträgern. Kohle dient gegenwärtig vor allem der Stromproduktion. In Deutschland wird weltweit die meiste Braunkohle gefördert, und man befand sich lange unter den ersten Zehn der Steinkohleförderländer. Die Bedeutung von Torf, welches am Beginn der Inkohlung steht, hat inzwischen abgenommen. Studien zum Fördermaximum von Kohle sind weitaus seltener als jene zum Ölfördermaximum. Die „Energy Watch Group“ prognostiziert das Kohlefördermaximum für das Jahr 2025.[82] Eine Studie der Universität Texas prognostiziert das Kohlefördermaximum für das Jahr 2011.[83]
Als alternativer Weg zur Gewinnung von Treibstoffen für Kraftfahrzeuge wird die Verflüssigung oder Vergasung von Kohle erörtert (GtL-Kraftstoff, CtL-Kraftstoff). Die Kohlendioxid-Emissionen dieser Verfahren würden allerdings bei Nutzung in größerem Umfang den anthropogenen Treibhauseffekt drastisch verstärken und damit inakzeptabel zur Globalen Erwärmung beitragen.
Erdgas besteht größtenteils aus Methan und ist der umweltfreundlichste fossile Energieträger. Zudem kann Erdgas prinzipiell Öl in einigen Bereichen (ohne Umwandlung) direkt ersetzen, etwa zum Antrieb für Kraftfahrzeuge. Allerdings ist Erdgas nicht in ausreichenden Mengen vorhanden, um Öl zu ersetzen – das Gasfördermaximum wird schon 2025 erwartet. Darüber hinaus nehmen einige Geologen an, dass Russlands Reserven nicht so groß sind wie angegeben.
Zunehmend optimistisch wird in jüngster Zeit die Förderung unkonventioneller Gasreserven eingeschätzt, vor allem von Schiefergas (Shale Gas). Basierend auf Schätzungen, welche einen Ausbau der Förderung um einen Faktor zwischen drei und fünf annehmen, prognostiziert die US-amerikanische Energy Information Administration (EIA), dass die Förderung sich zwischen 2010 und 2030 etwa verdreifachen lasse.[84] Dem wird entgegengehalten, dass die Zunahme der Förderung der eigentlich seit langem bekannten Vorkommen vor allem auf einer drastischen Lockerung der Umweltauflagen basiere. Aufgrund der Charakteristik der Fördertechnik, dem „Hydraulic Fracturing“, sind einzelne Bohrlöcher sehr schnell erschöpft. In Europa prognostiziert CERA um 2030 einen Anteil von rund zwölf Prozent an der heutigen regionalen Gasförderung, der stark rückläufig ist. Zudem müssen bei der Förderung große Mengen an wasserschädlichen und toxischen Substanzen in den Untergrund eingepreßt werden.[85] Die Förderung von Schiefergas mit Hydraulic Fracturing führt zu einem erheblichem Flächenverbrauch und beträchtlichen Umweltbelastungen, die im Konflikt mit Gesetzen zum Schutz des Grundwassers stehen.[86][87]
Methanhydrat besteht aus Methan, das unter erhöhtem Druck und niedrigen Temperaturen als feste Einlagerungsverbindung in Wasser vorkommt. Methanhydrate wurden zunächst als Störfaktor in Gaspipelines und Hindernis bei Erdölbohrungen entdeckt. Natürliche Vorkommen von Methanhydrat wurden 1971 im Schwarzen Meer gefunden. Man schätzt, dass es zwölf Billionen Tonnen Methanhydrat allein an den Kontinentalhängen geben könnte. Diese würden mehr als doppelt so viel Kohlenstoff wie alle bekannten Erdöl-, Erdgas- und Kohlevorräte der Welt enthalten. Wegen großer technischer Schwierigkeiten gibt es aber noch keinen Abbau im großtechnischen Stil.
Kernenergie und Kernfusion können Strom oder Prozesswärme und daraus dann Wasserstoff bzw. Methan oder Methanol erzeugen. Skeptiker verweisen jedoch auf die Kernfusionskonstante (humorvoll in Analogie zur Erdölkonstante). Sie besagt, dass Forscher in den Jahren ab 1950 jeweils annahmen, innerhalb von 30 bis 40 Jahren die Kernfusion technisch nutzen zu können. Die sich momentan abzeichnende Treibstoffproblematik könne damit über Kernfusion nicht gelöst werden. Befürworter halten dem jedoch die im letzten Jahrzehnt stattgefundenen Durchbrüche auf diesem Gebiet entgegen. So plant etwa das National Ignition Facility, Kernfusion mit positiver Energiebilanz schon "innerhalb der nächsten paar Jahre" zu realisieren.[88]
Die Kernenergiegewinnung aus Kernspaltung benötigt als Energieträger angereichertes Uran, was im Kontext einer Atomwaffenproliferation problematisch ist. Seit etwa 1990 wird weltweit mehr Uran verbraucht als gefördert wird. Die Differenz zwischen Verbrauch und Förderung stammt aus gelagertem Uran aus abgerüsteten Atomwaffen. Zurzeit wird etwa 1/3 des Reaktorbedarfs aus Lagerbeständen (hauptsächlich aus ausgemusterten Atomwaffen) gedeckt.[89]
Das bisherige weltweite Maximum der Uranförderung liegt um 1980.[90]
Die gegenwärtige statische Reichweite von Uran beträgt etwa 60 Jahre, was sich im Rahmen des von der IEA und den meisten Staaten der G8 vorgeschlagenen massiven Ausbaus der Kernenergie noch verkürzen wird. Allerdings fallen die Brennstoffkosten bei der Kernenergie deutlich weniger ins Gewicht als bei anderen Energieträgern.
Umstritten ist auch die Frage der Sicherheit von Kernkraftwerken und der Endlagerung von nuklearen Abfällen der Kernenergie. In Spanien, Belgien und Deutschland wurde beschlossen, aus der Kernenergie auszusteigen. Einige Länder wie Finnland, Frankreich, Italien und China bauen oder planen hingegen neue Kernkraftwerke. Planung, Genehmigung und Bau von neuen Kernkraftwerken nehmen einen relativ langen Zeitraum in Anspruch.[91] Auch wenn es möglich wäre, mit Kernenergie mittelfristig fossile Treibstoffe zu ersetzen, wäre eine akute Treibstoffknappheit dadurch nicht zu verhindern.
Diejenigen Energieformen, die nach menschlichen Maßstäben unerschöpflich sind, werden erneuerbare Energien genannt.
Erdöl wird zu einem hohen Anteil als Treibstoff eingesetzt und spielt in der (standortgebundenen) Elektrizitätsgewinnung - mit Ausnahme der USA - nur eine untergeordnete Rolle. Zum direkten Ersatz solcher erdölbasierten Energieträger sind vor allem Energieträger mit Biomasse als Energiequelle geeignet (Biokraftstoffe).
Kraftstoffe mit Biomasse als Energiequelle werden im Allgemeinen nach zwei (nach unterschiedlicher Meinung auch drei) Generationen unterschieden:
Andere erneuerbare Energiequellen wie Wasserkraft, Windenergie, Sonnenenergie (Photovoltaik und Solarthermie), Meeresenergie sowie Geothermie nutzende Heizkraftwerke stellen vor allem Strom und Prozesswärme her.
Diese Energieformen können entweder durch elektrische Speichermedien direkt in Elektroantrieben/-autos genutzt werden oder indirekt über die Herstellung eines sekundären Energieträgers wie Wasserstoff (siehe Abschnitt: "Substitution von Öl als Energieträger"). Zudem kommen sie im elektrifizierten Schienenverkehr zum Einsatz.
Auch Segelschiffe oder mit modernen Kites ausgerüstete Yachten und Frachtschiffe nutzen im eigentlichen Sinn direkt erneuerbare Energien. Nach Angaben des Unternehmens SkySails können so 10-35 % Treibstoff gespart werden, also Öl teilweise direkt durch Windenergie ersetzt werden.
Siehe auch: Artikel Energiewende
Ein Vorteil von Erdöl ist seine hohe Energiedichte, d. h. jene Menge an Energie, welche in einem bestimmten Volumen gespeichert werden kann. Die Energiedichte von Erdöl übertrifft jene von anderen Energieträgern, wie beispielsweise Akkumulatoren bei weitem. Deshalb bietet Erdöl besonders als Energieträger für mobile Anwendungen wie Kraftfahrzeuge starke Vorteile.
Biogen erzeugte flüssige Kraftstoffe kommen im Vergleich zu regenerativ erzeugtem Wasserstoff oder elektrischen Speichermedien mit ihrer Energiedichte und ihrem technologischen Aufwand für deren Nutzung noch recht nahe an Erdöl heran. Diese sind u. a. Ethanol (1. und 2. Generation), Biodiesel (RME, FAME) und Pflanzenöle (1.Gen.), synthetische Kraftstoffe (Synfuel aus BtL-Prozess, 2. Generation).
Die Herstellung solcher Kraftstoffe ist allerdings neben dem Aufwand für Feldbearbeitung und Düngemittel, je nach verwendeter Biomasse unterschiedlich stark auch bei der Erzeugung auf externe Energie angewiesen. Gerade für synthetische Kraftstoffe ist die für den Umwandlungsprozess benötigte externe Energie besonders hoch. Im Hinblick auf das Nach-Erdölzeitalter gibt es jedoch z. B. bei der Bioethanolherstellung die Möglichkeit, die Prozessenergie durch ein gekoppeltes Blockheizkraftwerk mit Restwärmenutzung effektiv aus Biomasse zu erzeugen (Beispiel: Prokon Nord, Bioethanolwerk Stade).
Die großen Erwartungen an eine Wasserstoffwirtschaft haben sich bislang nicht erfüllt. Flüssiger Wasserstoff ist schwierig zu lagern, benötigt im Verhältnis zum Energieinhalt extrem schwere Tanks und hat nur 25 % des Brennwertes von Benzin. Auch liegt der Treibstoffwirkungsgrad von elektrolysiertem Wasserstoff nur bei 25 %. Das Energieäquivalent eines Fasses (entsprechend 159 l) Erdöl, hergestellt aus Windstrom (neun Cent/Kilowattstunde) als flüssiger Wasserstoff, hätte einen Preis pro Fass von 304 US-$ und läge damit bei den Herstellungskosten auf ähnlichem Niveau wie der heutige Kundenpreis an der Tankstelle.
In einer Methan- bzw. Methanolwirtschaft soll Methanol fossile Brennstoffe als sekundären Energieträger ersetzen. 2005 veröffentlichte Nobelpreisträger George A. Olah sein Buch „Beyond Oil and Gas: The Methanol Economy“, in dem Chancen und Möglichkeiten der Methanolwirtschaft diskutiert werden. Er führt Argumente gegen die Wasserstoffwirtschaft an und erläutert Möglichkeiten der Erzeugung des Methanols aus Kohlendioxid oder Methan. Die bestehende Treibstoffinfrastruktur kann dabei weiterverwendet werden. Es bleiben aber Fragen zur Gewinnung des Ausgangsstoffs Kohlenstoffdioxid (Extraktion aus der Luft ist sehr aufwändig) und der Primärenergiequelle, die zur Erzeugung des Methanols genutzt wird (Strom aus Kernenergie oder Solarstrom) offen.
Trotz der enormen Fortschritte bei den elektrischen Speichermedien gelten diese bei mobilen Anwendungen noch als zu teuer und von zu geringer Kapazität. Inwieweit ihr Preis sich zukünftig verändert bleibt unklar. Eine zunehmende technologische Beherrschbarkeit und Großserienfertigung sprechen für eine Preissenkung, andererseits ist eine Verteuerung der nötigen Rohstoffe wie Lithium und der Metalle der Seltenen Erden nicht ausgeschlossen.
Die bisherigen Ersatzstoffe sind somit im Vergleich zu Erdöl mit höheren Kosten und Aufwendungen verbunden und noch nicht in ausreichendem Umfang verfügbar. Auch die Umrüstung der Fahrzeugflotten und der Distributionsketten ist je nach Substitut unterschiedlich technologisch und zeitlich aufwändig und teuer. Je nachdem wie schnell, in welchem Umfang und mit welchen finanziellen Mittel sind verschiedene zukünftige Strategien und deren Ineinandergreifen denk- und machbar.
Mit Kohleverflüssigung könnte Kohle Erdöl sogar direkt ersetzen. Dies würde allerdings verschiedene Probleme mit sich bringen: Erstens würde bei der Verflüssigung ein Teil der Energie verloren gehen. Zweitens wäre der CO2-Ausstoß der verflüssigten Kohle erheblich höher als der von Erdöl und – mit der Verflüssigung – auch höher als der der direkten Nutzung von Kohle. Drittens wären diese Prozesse finanziell aufwändig. Viertens würde dies die bisherige große statische Reichweite von Kohle erheblich reduzieren, da sie hauptsächlich zur Stromerzeugung genutzt wird, die nur etwa 17 % des Primärenergieverbrauchs ausmacht.
Allerdings muss für viele chemische Verwendungen von Erdöl der Ersatz nicht ölartig sein. Viele Produkte können auf alternativen Wegen zum Beispiel direkt aus Biomasse gewonnen werden. In anderen Fällen sind alternative Produkte direkt aus Biomasse möglich, wie zum Beispiel Verpackungsfolien, die direkt aus Stärke hergestellt werden.
Eine Studie der Deutschen Bank untersucht Risiko und Chancen von Peak Oil für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau[93]. Einerseits wird Peak Oil als eine der größten Herausforderungen unserer Zeit eingestuft, da das Risiko einer Energieverknappung bestehe. Knappheit und hohe Energiepreise würden die weitere ökonomische Entwicklung voraussichtlich maßgeblich prägen.
Die Studie kommt außerdem zu dem Schluss, dass aufgrund eines enormen Bedarfs an Investitionen in angepasste Techniken zur Energieerzeugung und -Nutzung neben Risiken auch beachtliche Chancen für Unternehmen bestehen, die als erste energieeffiziente Technologien entwickeln. Hierzu zählten insbesondere eine effizientere Rohstoffproduktion, angepasste Angebote in Bereichen wie Solarthermie, sowie dem Bau hocheffizenter Kraftwerke oder Anlagen zur Gasverflüssigung (GTL-Technologie). Neue Technologien, Werkstoffe und Verfahren würden die Produktion leichterer, erheblich weniger Treibstoff verbrauchender Autos ermöglichen sowie eine kostengünstigere Massenproduktion von Photovoltaik-Modulen. Dem Maschinenbau komme hierbei eine Schlüsselrolle zu. Aufgrund der technologischen Führerschaft und der Exportorientierung vieler deutscher Unternehmen sei der bevorstehende tiefgreifende energieökonomische Strukturwandel daher auch eine große Chance.
„Wir müssen uns keine Sorgen machen. Es sind noch genug Reserven da. […] Saudi-Arabien fördert heute rund zehn Millionen Fass am Tag, und in einigen Jahren schafft es sicher 12,5 Millionen Fass. […] Es ist sehr wahrscheinlich, dass mittelfristig die [Öl]preise ungefähr bei 40 US-$ im Schnitt liegen. Auf ganz lange Sicht sind sogar 25–30 US-$ vorstellbar.“
– Lord John Browne: 1995–2007 Vorstandsvorsitzender von BP[22]
„Über das Ölfördermaximum muss sich die Welt in absehbarer Zeit keine Sorgen machen.“
– Abdullah S. Jum'ah: CEO von Aramco, Anfang 2008[94][95][96]
Diese Position hält eine Übertragung des ölfeldspezifischen Konzepts des Ölfördermaximums auf die globale Förderung für unsinnig. Die Ölversorgung sei auch auf der Basis konventioneller Ölvorkommen bei gegenwärtigem Verbrauch bis ins Jahr 2060 gesichert.[97] Steigende Nachfrage und dadurch ansteigende Preise seien als Mechanismus ausreichend, um rechtzeitig für technische Fortschritte in der Ölförderung wie auch bei Ersatzstoffen und -quellen zu sorgen. Als schlimme Nebenwirkungen der „immer wiederkehrenden Ölpanik“ sehen die Vertreter dieser These falsche politische Entscheidungen und eine weitverbreitete Hysterie an, die „völlig unangebracht“ seien.[25]
Der Wirtschaftswissenschaftler Julian L. Simon bezweifelt aufgrund historischer Studien generell, inwieweit kurzfristige Rohstoffverknappungen in der Lage wären, die industrielle Zivilisation zu gefährden.[98] Solche Wachstumskrisen hätten früher bereits zu neuen Technologien und zur Entdeckung neuer Energieträger geführt, die bereits früher regelmäßig befürchteten Untergangsszenarien seien niemals eingetreten, die angeblich ausgehenden Rohstoffe stehen aktuell in größerem Maße zur Verfügung als jemals zuvor.
Leonardo Maugeri von der italienischen ENI hält das Ölzeitalter, das vom US Geological Survey bereits 1919 totgesagt worden sei, auch heute für noch lange nicht vorbei, und schließt drastische, demnächst bevorstehende Folgen eines Ölfördermaximums aus.[25]
Nach dem Rückgang der Ölpreise Ende 2008 wiederholte der Chefökonom der BP, Christoph Rühl seine skeptische Einstellung gegenüber der Peak-Öl-These[99]
„Physical peak oil, which I have no reason to accept as a valid statement either on theoretical, scientific or ideological grounds, would be insensitive to prices. In fact the whole hypothesis of peak oil – which is that there is a certain amount of oil in the ground, consumed at a certain rate, and then it's finished – does not react to anything. Whereas we believe that whatever can be turned into oil strongly depends on technology and technology depends on prices as well. Therefore there will never be a moment when the world runs out of oil because there will always be a price at which the last drop of oil can clear the market. And you can turn anything into oil into if you are willing to pay the financial and environmental price.“
Viele Regierungen in den Industriestaaten gehen davon aus[100], dass der Ausfall des Erdöls durch die Kombination von drei vom Staat zu fördernde Maßnahmen abzufangen sei: Ein Ersatz des Erdöls wäre angebotsseitig durch erneuerbare Energiequellen möglich, nachfrageseitig ermöglichen technologische Entwicklungen eine wesentlich höhere Energieeffizienz und gesellschaftliche Veränderungen einen Lebensstil mit wesentlich geringerem Energiebedarf.[101] Neue Technologien verbunden mit steigenden Preisen für Ölprodukte erlauben es effizienter Energie zu nutzen und erneuerbare Energiequellen zu erschließen – vorausgesetzt, dass ausreichend Zeit zu ihrer Entwicklung und Anwendung zur Verfügung steht.
„Es gibt weltweit kein ausreichendes Ölangebot (mehr) für ein vollumfängliches Wachstum unserer Wirtschaft oder der Weltwirtschaft.“
– Don Evans: bis 2005 Wirtschaftsminister der Regierung Bush[102]
„Die Unfähigkeit, die Ölproduktion entsprechend dem steigenden Bedarf auszuweiten, wird in der Zukunft zu einem schweren wirtschaftlichen Schock führen.“
– James R. Schlesinger: unter Präs. Carter ehem. US-Energie- und unter Präs. Nixon und Ford US-Verteidigungsminister[103]
„Wenn die Ölproduktion im Irak bis 2015 nicht exponentiell steigt, haben wir ein sehr großes Problem. Und dies, selbst wenn Saudi-Arabien alle seine Zusagen einhält. Die Zahlen sind sehr einfach, dazu muss man kein Experte sein. […] Innerhalb von 5–10 Jahren wird die Nicht-OPEC-Produktion den Gipfel erreichen und beginnen, wegen nicht ausreichender Reserven zurückzugehen. Für diese Tatsache gibt es täglich neue Beweise. Zeitgleich werden wir den Gipfel des chinesischen Wirtschaftswachstums sehen. Beide Ereignisse werden also zusammentreffen: die Explosion des Wachstums der chinesischen Nachfrage und der Rückgang der Ölproduktion der Nicht-Opec-Staaten. Wird unser Ölsystem in der Lage sein, dieser Herausforderung zu begegnen, das ist die Frage.“
– Fatih Birol: Chefökonom der Internationalen Energieagentur (IEA), im Juni 2007[104]
Eine ähnliche alarmierende Position vertritt auch der Physiker David L. Goodstein, Vizepräsident des California Institute of Technology,[105][106]. Goodstein betont, dass sich der genaue Zeitpunkt eines Eintretens von Versorgungskrisen grundsätzlich nicht hinreichend exakt vorhersagen lässt und noch nicht erkennbar ist, welche Energiequellen und Technologien Erdöl in Zukunft ersetzen können. Deswegen sei eine tiefgreifende Energiekrise von historischem Ausmaß und möglicherweise katastrophalen Folgen zu erwarten. Jeremy Leggett prägte für eine solche Situation den Begriff „Energy Famine“, also „energetische Hungersnot“.[107]
Die Internationale Energieagentur warnte wiederholt, so im Juli 2007 und im Februar 2009, dass sich die Ölförderkapazitäten aufgrund zurückgehender Reserven und ausbleibender Investitionen verringern und es schon ab dem Jahr 2013 zu einer globalen Wirtschaftskrise aufgrund von massiver Ölknappheit kommen könne.[108][109] Im August 2009 verschärfte Fatih Birol als führender Ökonom der IEA diese Warnung mit dem Zusatz, dass es schon ab 2011 zu einer Ölkrise kommen könnte: "Selbst wenn die Nachfrage gleich bleibt, würde die Welt das Äquivalent von vier Saudi Arabiens finden müssen, um die Produktion aufrechtzuerhalten, und sechs Saudi Arabiens, um mit dem erwarteten Anstieg der Nachfrage zwischen jetzt und 2030 Schritt zu halten."[47][48] Die IEA gibt weiterhin an, dass die Förderung bestehender Ölfelder jährlich um 6.7 % zurückgeht, womit sie ihre 2007 veröffentlichte Schätzung eines jährlichen Rückgangs von nur 3.7 % korrigiert.
Der Investmentbanker und ehemalige Energieberater des Weißen Hauses, Matthew Simmons, sagte 2005 aufgrund des Ölfördermaximums für 2010 einen Ölpreis von mindestens 200 US-$ pro Fass voraus und hat darauf mit John Tierney, einem Wirtschaftsjournalisten der New York Times eine öffentliche Wette über 10.000 US-$ abgeschlossen. Tierney hält Haussen im Rohstoffbereich – unter Bezugnahme auf Julian L. Simon – für grundsätzlich begrenzt.[110]
Eine Analyse der Deutschen Bundeswehr[111] erklärt, dass durch den Ölförderrückgang, ein Punkt (Tipping Point) erreicht werden kann, ab dem das Wirtschaftssystem kippt. Die schwarz-gelbe Bundesregierung schloss sich 2010 den entsprechenden Folgerungen nicht an und verwies auf das bereits beschlossene Energie und Rohstoffkonzept.
Auslöser kann sein, dass die Marktteilnehmer erkennen, dass die Weltwirtschaft auf unbestimmbare Zeit schrumpfen wird. In diesem – von der Bundesregierung allerdings ausdrücklich nicht geteilten[112] – Szenario bricht mittelfristig das globale Wirtschaftssystem und jede marktwirtschaftlich organisierte Volkswirtschaft zusammen. In einer auf unbestimmte Zeit schrumpfenden Volkswirtschaft werden Ersparnisse nicht investiert, weil Unternehmen keine Gewinne machen. Unternehmen sind auf unbestimmte Zeit nicht mehr in der Lage, Fremdkapitalkosten zu zahlen oder Gewinne an Eigenkapitalgeber auszuschütten. Das Bankensystem, die Börsen und die Finanzmärkte insgesamt brechen zusammen.
Eine politisch unterschiedlich positionierte, bezüglich der ökonomischen Auswirkungen jedoch sehr ähnliche Position vertritt die Veröffentlichung "Tipping Point" vom David Korowicz, Mitarbeiter des "Risk Resilence Network" der irischen Organisation Feasta[113].
Jürgen Wiemann, ehemaliger stellvertretendem Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik, vertritt die Position, dass die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2008 aufgrund der Auswirkungen z. B. auf die für Hypothekenzahlungen verfügbaren Einkommen der amerikanischen Verbraucher durchaus bereits durch den Ansteig der Ölpreise mitverursacht sein könne.[114][115]
Hierzu existiert vom Juli 2010 eine Studie des Dezernats Zukunftsanalyse vom Zentrum für Transformation der Bundeswehr[116]. Sie beschreibt in verschiedenen Abschnitten unter Anderem eine Verschiebung der Rollen von Staaten und privater Wirtschaftakteure, den Weg zu ökonomischen und politischen Krisen beim Übergang zu post-fossilen Gesellschaften, die Überforderung von Akteuren bei der Auswahl von Interventionen sowie ein Systemisches Risiko bei Überschreitung des „Tipping Point“.[117]
Weitere Experten sehen ein Risiko von Ressourcenkriegen. Der Schweizer Historiker und Konfliktforscher Dr. Daniele Ganser schreibt in „Peak Oil: Erdöl im Spannungsfeld von Krieg und Frieden“: Vieles deutet indes darauf hin, dass der Irakkrieg ein klassischer Ressourcenkrieg ist, welcher es den USA erlaubt, vor Erreichen des Peak Oil und dem globalen Förderrückgang wichtige Erdölquellen zu besetzen, um dadurch gegenüber den Konkurrenten China, Europa und Russland eine Machtposition aufzubauen. Alan Greenspan, der frühere Direktor der US Federal Reserve, meinte in diesem Kontext: „Ich finde es bedauerlich, dass es politisch unkorrekt ist, zuzugeben, was alle schon wissen: Beim Irakkrieg geht es um das Erdöl.“[118][119]
Es gibt auch warnende Positionen, welche - pessimistischer als die oben aufgeführten von David Goodstein, Matthew Simmons, oder den Autoren der Studie des Zentrums für Transformation der Bundeswehr - einen möglichen Zusammenbruch der Industriegesellschaft, ausgelöst durch das Überschreiten des Ölfördermaximums, als wahrscheinlich darstellen. Dies wird damit begründet, dass mit fossilen Energiequellen betriebene Arbeitsmaschinen und Transportmittel wie Dampfmaschinen, Schiffe, Motoren und Turbinen so sehr zur Industriellen Revolution beigetragen haben, dass ein Verzicht auf solche Quellen vielen Autoren unmöglich scheint.
Schriftsteller wie James Howard Kunstler, Richard Heinberg oder Andreas Eschbach haben Szenarien entworfen, in denen Treibstoffe als wichtige Grundlage der industriellen Zivilisation nicht mehr in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen und es so zu erheblichen gesellschaftlichen Umbrüchen kommt. Extrem pessimistisch ist die sogenannte Olduvai-These,[120] derzufolge aufgrund des Ölfördermaximums die derzeitige industrielle Zivilisation bis 2030 zusammenbrechen müsse und bis 2050 nur noch etwa zwei Milliarden Menschen auf einem vorindustriellen Energieniveau werden überleben können.[121]
Der Geologe Klaus Bitzer, Mitglied der ASPO, vertritt anlässlich der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko 2010 als Folge der Havarie der Plattform Deepwater Horizon die Position, dass die Erschöpfung der leicht zugänglichen Ölfelder zu einer Vergrößerung der Risiken der Ölförderung und somit auch zu einer größeren Gefahr von Ölkatastrophen beitrage:
Umgekehrt wird die Position vertreten, dass höhere Sicherheitsauflagen bei technisch und ökologisch riskanten Ölförderprojekten als Reaktion auf die Havarie zu Einschränkungen der Förderung und Ausfällen führen könnten. Diese werden von der IEA auf bis zu 300.000 Barrel, von Steffen Bukold bei Einbeziehung weiterer Ölförderregionen auf bis zu 1.000.000 Barrel pro Tag beziffert, da ein sehr großer Anteil von neu zu erschließenden Ölquellen in den OECD Staaten auf Tiefseeförderungen passieren solle. Dass ein derart hoher Anteil allerdings auf realistischen Prognosen beruhe, wird wiederum von Experten wie Klaus Bitzer in Zweifel gezogen, die auch bei Ausbleiben eines Moratoriums einen frühzeitigen Rückgang der Ölförderung befürchten, da sich mit diesen Projekten, wie sie z. B. vor der Küste Brasiliens geplant sind, gewaltige technologische Risiken verbänden. Tatsächlich entspricht die Ölförderung in der Tiefsee ungefähr dem Zuwachs zwischen dem Jahr 2000 und 2009.[123]
Angemessene Reaktionen auf das Risiko eines Rückgangs der Ölförderung erfordern eine Entscheidung unter Unsicherheit im Rahmen eines Risikomanagements, das Szenarien und ihre Eintrittswahrscheinlichkeiten gegeneinander abwägt, wie es ähnlich auch bei Sicherheitsmaßnahmen aller Art, wie etwa zum Beispiel beim Brandschutz oder der Einschätzung der Risiken der Kernenergie, erforderlich ist. Mit dieser Frage beschäftigt sich der sogenannte Hirsch-Report aus dem Jahre 2005, der vom US Department of Energy beauftragt wurde.[124] Dieser zieht den Schluss, dass die beiden Risiken „falscher Alarm“ und „zu späte Maßnahmen“ asymmetrisch sind, da der Auswertung regionaler Fördermaxima zufolge (zum Beispiel desjenigen Großbritanniens) unter Umständen weniger als ein Jahr Vorwarnzeit besteht. Maßnahmen zur Vermeidung schwerwiegender wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Probleme erfordern jedoch zehn bis zwanzig Jahre Vorlaufzeit. Der Hirsch-Report zieht ferner den Schluss, dass die verfügbare (knappe) Zeit es nicht erlaubt, sich auf die Entwicklung völlig neuer Technologien zu stützen, sondern es erforderlich macht, bereits verfügbare Technologien zu nutzen. Vorsorgemaßnahmen werden zudem als ökonomisch wesentlich günstiger angesehen als das Risiko eines unvorbereitet eintreffenden Fördermaximums, welches nach Darstellung des Hirsch Reports sehr schwerwiegende Folgen haben kann. Zu ähnlichen Ergebnissen kommen beispielsweise Planspiele der Heritage Foundation bezüglich einer terroristischen Unterbrechung der Ölversorgung.[125]
Konsequenterweise sind zunächst besonders Maßnahmen sinnvoll, die weitgehend kostenneutral sind, solche die schon heute wirtschaftlichen Nutzen haben, und solche die besonders hohe Teilrisiken mit langer Vorbereitungszeit abfedern. Dazu zählen beispielsweise eine verbesserte Wärmedämmung in Gebäuden, ein Ausbau und verstärkte Elektrifizierung des Eisenbahnnetzes sowie ein Ausbau des ÖPNV in Städten. In der Folge schlägt der Hirsch-Report auch die Nutzung von Verfahren wie Kohleverflüssigung vor, die aufgrund sehr hoher CO2-Emissionen ihrerseits jedoch zusätzliche Umweltbelastungen bedeuten.
Die deutsche Bundesregierung sieht keine Gefahr einer Energiekrise aufgrund einer Verringerung der Ölförderung[112][126]. Deswegen sind auch keine Maßnahmen geplant, einem solchen Ereignis zu begegnen.
Eine vergrößerte Energieeffizienz und Maßnahmen zur Energieeinsparung, so beispielsweise durch verbesserte Wärmedämmung von Gebäuden, sind jedoch Bestandteil des Energiekonzepts der Bundesregierung. Nach diesem Konzept sollen die Erneuerbaren Energien bis 2050 den Hauptteil der Energieversorgung in Deutschland übernehmen.
Das Risiko eines Rückgangs der Ölförderung trug in Schweden zur Ankündigung bei, das Land bis 2020 unabhängig von Erdöl und fossilen Rohstoffen zu machen, welche 2005 von der seinerzeit aus den schwedischen Grünen und der Linkspartei gebildeten Regierung veröffentlicht wurde (Schwedischer Ölausstieg), Die Empfehlungen des zu diesem Ziel gebildeten Expertenkomitees fanden international Beachtung. Ob die seinerzeit geplanten Maßnahmen umgesetzt werden, ist im Zusammenhang mit dem Regierungswechsel von 2006 nicht klar. Offiziell wurden die formulierten Ziele jedoch nicht aufgegeben.
Der Hirsch-Report, der 2005 für das amerikanische Department of Energy angefertigt wurde, befasste sich mit dem Risiko des Fördermaximums. Wie erwähnt, sieht dieser Bericht Peak Oil in erster Linie als Treibstoffproblem und schlägt eine Reihe von sofortigen Maßnahmen vor, wie Einsparungen und Nutzung von elektrischen Fahrzeugen und alternativen Treibstoffen.
„Der Charakter des Peak-Oil-Problems ähnelt dem Killer-Asteroid-Problem. Man muss wirklich sofort mit durchgreifendem Handeln beginnen, weil uns die Zeit davonläuft. Es wird viel Zeit und Mühe bedürfen und muss als ein Sofort-Programm angegangen werden, um die Wirkungen zu verringern. Wenn man das Problem langsam angeht, verschwendet man Zeit. Wenn es uns trifft, dann wird die Tragweite so extrem sein, dass die Menschen zusammenarbeiten und Dinge tun, ja Opfer bringen müssen, die weit über das hinausgehen, an was die meisten von uns im Ernst gedacht haben.“
– Dr. Robert Hirsch in: "Out of Oil - Amerikanische Strategien und Konzepte für die Zeit nach dem Erdöl", Radio-Feature von Paul Nellen, WDR, 18. März 2007 (aus d. Manuskript) [8]
Eine entsprechende Umsetzung von Maßnahmen fand bisher nicht statt.
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