Als Pionen, auch
-Mesonen, werden in der Teilchenphysik die leichtesten Mesonen bezeichnet. Da sie nach dem Standardmodell aus 2 Quarks aufgebaut sind, werden sie meist nicht mehr als Elementarteilchen bezeichnet. Aufgrund dieser Zusammensetzung sind Pionen wie alle Mesonen Bosonen mit ganzzahligem Spin. Weiterhin besitzen Pionen eine negative Parität.
Es gibt ein neutrales Pion
und zwei geladene Pionen:
und sein Antiteilchen
. Alle drei sind instabil und zerfallen unter der schwachen oder elektromagnetischen Kraft.
Das
ist eine Kombination aus einem up-Quark
und einem Anti-down-Quark
(Antiquarks überstrichen dargestellt):
sein Antiteilchen
eine Kombination aus einem down-Quark
und einem Anti-up-Quark
:
Beide haben eine Ruhemasse von 139,6 MeV/c². Die derzeit besten Massemessungen basieren auf Röntgenübergängen in exotischen Atomen, die statt eines Elektrons ein
besitzen. Die Lebensdauer des
beträgt 2,6 · 10−8 s.
Das
ist ein quantenmechanischer Überlagerungszustand einer
- und einer
-Kombination, d.h. zweier Quarkonia. Da es sein eigenes Antiteilchen ist, muss gelten:
Seine Ruhemasse ist mit 135,0 MeV/c² nur geringfügig kleiner als die der geladenen Pionen, hat aber eine deutlich kürzere Lebensdauer von nur 8,4 · 10−17 s.
Aufgrund einer frei wählbaren Phase können die drei Wellenfunktionen auch in der, seltener verwendeten, Form
,
und
geschrieben werden. Dies entspricht dann der Condon-Shortley-Konvention.[2]
Die unterschiedlichen Lebensdauern sind durch die unterschiedlichen Zerfallsprozesse begründet:
die geladenen Pionen zerfallen zu (99,98770±0,00004) % durch die Schwache Wechselwirkung in ein Myon und ein Myon-Neutrino:
(Der eigentlich energetisch günstigere Zerfall in ein Elektron und das dazugehörige Elektron-Neutrino ist aus Helizitätsgründen stark unterdrückt.)
Dagegen findet der Zerfall des neutralen Pions mittels der stärkeren und damit schnelleren elektromagnetischen Wechselwirkung statt. Endprodukte sind hier in der Regel zwei Photonen
:
Öffnungswinkel des Zerfalls
:
Dabei sind
und
die jeweiligen Energien der beiden Photonen.
Annahme: c=1
Das Quadrat des Viererimpulses des Pions ist: (1):
(2):
analaog für
: (3):![]()
Nach der Energie-Impulsbeziehung gilt:
Da die Photonen keine Ruhemasse besitzen gilt weiterhin:
. Woraus folgt das
(4).
Setzen wir nun die Beziehungen (2-4) in Gleichung (1) ein, erhalten wir:
Nun ist nach einem Additionstheorem
. Diese Beziehung setzt man nun oben ein, formt nach
um und erhält die Formel für den Öffnungswinkel der beiden Photonen.
Das
wurde 1947 von Donald H. Perkins in der Höhenstrahlung entdeckt. Den Zerfall des
erklärte Richard Dalitz 1951.
Beim Vergleich der Massen der Pionen, die jeweils aus zwei Quarks bestehen (Mesonen), mit den Massen des Protons und des Neutrons (der Nukleonen), die beide aus jeweils drei Quarks bestehen (Baryonen), fällt auf, dass Proton und Neutron jeweils wesentlich mehr als 50 % schwerer sind als die Pionen; so ist die Protonenmasse gut sechsmal so groß wie die Pionenmasse. Die Masse eines Protons oder eines Neutrons ergibt sich also nicht durch bloßes Addieren der Massen ihrer drei Stromquarks, sondern zusätzlich durch die Anwesenheit der für die Bindung der Quarks zuständigen Gluonen und der sogenannten Seequarks. Diese virtuellen Quark-Antiquark-Paare entstehen und vergehen im Nukleon in den Grenzen der Heisenberg'schen Unschärferelation und tragen zur beobachteten Konstituentenquarkmasse bei.
Die Pionen können die Rolle der Austauschteilchen übernehmen in einer so genannten effektiven Theorie der Starken Wechselwirkung (Sigma-Modell), die die Bindung der Nukleonen im Atomkern beschreibt. (Dies analog zu den Van-der-Waals-Kräften, die zwischen neutralen Molekülen wirken, jedoch selbst auch keine elementare Kraft sind; vielmehr liegt ihnen die elektromagnetische Wechselwirkung zu Grunde.)
Diese zuerst von Hideki Yukawa und Ernst Stueckelberg vorgeschlagene Theorie ist zwar nur innerhalb eines begrenzten Energiebereiches gültig, erlaubt darin aber einfachere Berechnungen und anschaulichere Darstellungen. Beispielsweise kann man die von den Pionen vermittelten Kernkräfte durch das Yukawa-Potential kompakt darstellen: dieses Potential hat bei kleinen Abständen abstoßenden Charakter (hauptsächlich über ω-Mesonen vermittelt), bei mittleren Abständen wirkt es stark anziehend (aufgrund von 2-Mesonen-Austausch, analog zum 2-Photonen-Austausch der Van-der-Waals-Kräfte), und bei großen Abständen zeigt es exponentiell abklingenden Charakter (Austausch einzelner Mesonen).
In diesem Austauschmodell folgt die endliche Reichweite der Wechselwirkung zwischen den Nukleonen aus der endlichen Masse der Pionen. Die maximale Reichweite
der Wechselwirkung kann abgeschätzt werden über:
Sie liegt in der Größenordnung der Compton-Wellenlänge des Austauschteilens. Im Fall der Pionen kommt man auf Werte von wenigen Fermi (10−15 m). Diese im Vergleich zur Kernausdehnung kurze Reichweite spiegelt sich in der konstanten Bindungsenergie pro Nukleon wider, die wiederum Grundlage für das Tröpfchenmodell darstellt.
Als Beispiel soll der Austausch eines geladenes Pions zwischen einem Proton und einem Neutron beschrieben werden:
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