Portugiesische Literatur bezeichnet im weitesten Sinne Literatur, die auf Portugiesisch verfasst wurde. Dazu gehört im Wesentlichen die Literatur Portugals, aber auch die Brasiliens, Angolas und Mosambiks, sowie der anderen portugiesischsprachigen Länder. Die Literatur, hier jedoch vor allem die Lyrik, ist die bedeutendste Kunstgattung Portugals und die einzige, die wirkliche Weltgeltung erlangte. Dieser Artikel behandelt die Literatur Portugals. Für brasilianische Autoren siehe unter Brasilianische Literatur.
Die mittelalterliche portugiesische Literatur stand unter dem Einfluss der altprovenzalischen Literatur, die die zu diesem Zeitpunkt am höchsten entwickelte Literaturtradition besaß. Im 13. Jahrhundert entstand im Nordwesten der Iberischen Halbinsel literarische Werke auf Galizisch-Portugiesisch, der gemeinsamen Vorläuferin des modernen Portugiesischen und Galizischen.
Nach dem Vorbild der südfranzösischen Trobadordichtung entstanden Gedichte, die in folgende Hauptgattungen eingeteilt werden können:
Die Gedichte wurden ab dem Ende des 13. Jh. abgeschrieben und in sogenannten Cancioneiros gesammelt. Drei dieser Gedichtsammlungen sind bis heute erhalten: Cancioneiro da Biblioteca Vaticana (15. Jh., 1205 cantigas, heute im Vatikan), Cancioneiro Colloci-Brancutti (15. Jh., 1664 cantigas, in der portugiesischen Nationalbibliothek in Lissabon) und der Cancioneiro da Ajuda (13. Jh., 310 cantigas de amor, in der Biblioteca da Ajuda in Lissabon).
Daneben gilt auch König Dionysius von Portugal (1279–1325) als ein bedeutender Dichter der Epoche, von ihm sind noch viele Gedichte erhalten.
Die mittelalterliche portugiesische Literatur hatte Anteil an Stoffen, die in ganz Europa verbreitet waren. Dazu gehörte vor allem die Legende des Heiligen Grals als Teil der Artussage. O livro de José de Arimateia (13. Jh.) erzählt die Geschichte von Joseph von Arimathäa, der nach der Grablegung Christi den Gral von Palästina nach England bringt, wo er auf unbestimmte Zeit bleiben soll. In der Demanda do Santo Graal (ebenfalls 13. Jh.) machen sich die Ritter der Tafelrunde auf, um den Gral zu finden.
Das wichtigste erhaltene Dokument religiös-ethischer Prägung ist O Horto do Esposo (Der Garten des Bräutigams). Es handelt sich hierbei um eine Sammlung erbaulicher Erzählungen, in denen Christus als Bräutigam im Paradies dargestellt wird, mit dem sich die Seele des Gläubigen vermählt. Die Sammlung enthält Fabeln, Legenden und Berichte von Wundern zur Bekehrung der Ungläubigen. Die Geschichten vermitteln in erzählerischer Form Lehren für das eigene Handeln. Daneben sind einige Heiligenviten, sowie Wunder- und Märtyrergeschichten erhalten.
Im 15. Jahrhundert entwickelte sich die portugiesische Historiographie. Vor allem der Historiker Fernão Lopes (~1380–1460) integrierte die bereits vorhandenen Crónica Geral de Espanha (1344) und sogenannte Livros de Linhagem (zw. 1270–1345, episch-mythische Geschichten über historische Personen) in seine Crónica Geral do Reino de Portugal (Allgemeine Chronik des Königtums Portugal), die er um die Regierungszeit Dom Pedros I., Dom Fernandos I. und Dom Joãos I. erweiterte.
Im Umkreis des Königshofen entstanden Werke, die der Weitergabe von praktischen Informationen dienten: Das Livro de Falcoaria (Buch der Falknerei) und das Livro da Montaria (Buch der Treibjagd) thematisieren die Jagd, die Ensinança de Bem Cavalgar Toda Sela (Unterweisung, jeden Sattel wohl zu reiten) die Reitkunst. Der Leal Conselheiro (Loyaler Ratgeber) ist eine Art Handbuch für Adlige. O Livro da Virtuosa Benfeitoria (Buch der tugendhaften Wohltat) ist eine politische Theorie über die Frage, welche Aufgaben der König hat. Alle diese Werke entstanden in der Regierungszeit Dom Joãos I. (1383–1433) und Dom Duartes (1433–1438), die möglicherweise Auftraggeber der Werke waren.
Der Nationaldichter Luís de Camões (1524/25–1579/80) verfasste 1572 das Epos Os Lusíadas, in dem er in lyrischer Form die Entdeckungsfahrten der Portugiesen verherrlichte. Nach ihm wurde das Instituto Camões benannt, das – vergleichbar mit dem Goethe-Institut – weltweit die portugiesische Sprache und Kultur fördert.
Der Dichter Francisco de Sá de Miranda (1485–1558) war durch Aufenthalte in Italien stark von italienischen Einflüssen geprägt. Sein Werk hinterließ nachhaltige Spuren in der portugiesischen Dichtung. Er verfasste daneben auch Theaterstücke.
Eine Reihe weiterer Autoren machte die Renaissance in Portugal zum sogenannten "Goldenen Zeitalter" portugiesischer Literatur und Kultur:
Der Barock ist vertreten vor allem durch einen Mann – den Pater António Vieira, dessen Predigten (Sermões) zum Wertvollsten der portugiesischen Prosa gehören und er ist gleichzeitig der bedeutendste Vertreter des portugiesischen Barock. Daneben sind noch bedeutend die Dichter Manuel Maria Barbosa du Bocage und Francisco Rodrigues Lobo.
In diese Zeit fallen auch die Liebesbriefe der portugiesischen Nonne Mariana Alcoforado, die – das weiß man heute – nicht von ihr stammen, die an einen französischen Offizier gerichtet waren und bis heute zu den schönsten Liebesbriefen der Weltliteratur zählen.
Der dritte bedeutende Autor war Francisco Manuel de Melo (1608-1666), der hauptsächlich in spanischer Sprache schrieb und zu den bedeutenden Schriftstellern des 17. Jahrhunderts in Portugal gehörte.
Als Begründer des Realismus bzw. Naturalismus in Portugal gilt der später ermordete Schriftsteller und Gelehrte Manuel Joaquim Pinheiro Chagas (1842–1895). Sein monumentales Werk ist gleichzeitig bedeutend für den portugiesischen Positivismus dieser Zeit.
Der bedeutendste Vertreter des portugiesischen Realismus ist José Maria Eça de Queiroz (1845–1900). Der stark von der französischen Literatur beeinflusste Autor kritisierte die sozialen Umstände seiner Zeit und erlangte mit seinem Roman O primo Basílio Weltruhm.
Bedeutender Intendent und Begründer des Symbolismus in Portugal war der Lyriker und Gelehrte Eugenio de Castro e Almeida.
Der Saudosismo bezeichnet in der portugiesischen Literaturgeschichte eine Bewegung sowohl der Erneuerung der portugiesischen Dichtung als auch der portugiesischen Nation (Renascença Portuguesa) mit Höhepunkt in der zweiten Dekade des 20. Jahrhunderts.
Es handelt sich um einen für Portugal typischen Literaturstil, der vor allem mit Traurigkeit und Melancholie in Verbindung gebracht wird und starke pantheistische Züge trägt. Der Begriff leitet sich von portugiesisch saudade her, was nur ungefähr mit Sehnsucht, Schwermut übersetzt werden kann.
Ihr bedeutendster Vertreter war Teixeira de Pascoaes, aber auch der nach Luís de Camões als bedeutendster Lyriker Portugals geltende Fernando Pessoa (1888-1935) war einige Zeit lang Anhänger dieser Richtung.
Camilo Castelo Branco (1825–1890), war bis zum erscheinen von Eca de Queiros der bedeutendste Romancier, den Portugal hervorgebracht hatte. Unzählige Bücher hatte er geschrieben und sein Leben war so exzentrisch wie sein Werk. Raul Brandão (1867–1930) war der Chronist des alten Portugal, der vornehmlich Fischer und Landarbeiter in seinen Büchern porträtierte und ihnen damit ein Gedächtnis schuf.Aquilino Ribeiro (1885–1963), vielgereister Weltbürger, schuf ein Werk mit heimatlichen Bezügen, dass sich mit der Natur und Landschaft seines Landes auseinandersetzte. José Maria Ferreira de Castro (1898–1974) war ein Reiseschriftsteller in der Hauptsache. Seine Erlebnisse und Erfahrungen in Brasilien verarbeitete er zu Romanen und Erzählungen. Florbela Espanca (1894–1930) war eine sehr melancholische Dichterin. Ihr Werk ist vergleichbar mit dem von Sa-Carneiro. Ihre latente Trauer lässt einen auch an die Saudade denken.
1. Modernismus
In der Portugiesischen Literatur unterscheidet man die Zeiten des ersten und zweiten Modernismus. Der erste Modernismus war der Versuch, sich von überlieferten und veralteten Traditionen der Portugiesischen Literatur und Kultur abzugrenzen. Bedeutende Vertreter waren zum Beispiel Fernando Pessoa, Mario de Sa-Carneiro und Jose Sobral de Almada-Negreiros, hier in seiner Eingeschaft als Schriftsteller. Zeitlich ist er von etwa 1914 bis ca. 1930 einzuordnen.
2. Modernismus
Die Nachfolger von Pessoa und Co. hatten jetzt ein starkes Instrument, die Literaturzeitschrift "Presenca", die das Sprachrohr dieser Bewegung war. Hier waren die Hauptpersonen Joao Gaspar Simoes, Jose Regio und Branquinho da Fonseca. Die Zeit war vor allem die Jahre zwischen 1930 und ca. 1945.
Surrealismus
Auch im Surrealismus versuchten sich diverse Dichter. So waren hier Alexandre O'Neill, Mario Cesariny und Rubem Alfredo Andresen Leitao (1920-1945) die wichtigsten Vertreter.
Erzähler und Romanciers
Die 50er und 60er Jahre brachten große Erzähler hervor: Miguel Torga, ein Arzt aus dem Norden Portugals, der wichtige Werke dazu schrieb und mit "A criacao do mundo" (Die Erschaffung der Welt) eine der großen Erzählungen über die Zeitspanne (s)eines Lebens im Portugal der 20er bis 80er Jahre schrieb.Agustina Bessa-Luís, neben Lidia Jorge bedeutendste weibliche Stimme ihres Landes im 20. Jahrhundert, konnte auf sehr viele Veröffentlichungen zurückblicken, vor allem von Romanen, Erzählungen, Theaterstücken und verfilmten Drehbüchern.
Lyrik
Die wichtigste Gattung der portugiesischen Literatur und Kunst ist die Lyrik. Unzählige Lyriker hat Portugal hervorgebracht. Einige moderne wurden auch über die Grenzen des Landes bekannt. So etwa Antonio Botto (1897-1959), der durch sein offenes Bekenntnis zu seiner Homosexualität einer der wenigen Autoren und Prominenten Portugals war, der sich öffentlich dazu bekannten und dadurch in Schwierigkeiten kam. Eugénio de Andrade (1923–2005),ausgezeichnet mit dem Prémio Camões, 2001, wurde auch in Deutschland gelesen und gilt als einer der bedeutenden Lyriker Portugals im 20. Jahrhundert.
Einer der bedeutendsten Schriftsteller Portugals in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war José Saramago (1922–2010). Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende gelernte Automechaniker erwarb sich durch seine autodidaktischen Fähigkeiten umfangreiche Literaturkenntnisse, die ihn dazu brachten, sich ab 1976 ganz der Schriftstellerei zu widmen. Saramago gelang 1980 mit dem sozialkritischen Roman Levantando do chão (Hoffnung im Alentejo) der nationale Durchbruch. Seitdem verfasste der bekennende Atheist und Kommunist zahlreiche Gedichte, Novellen, Romane und Dramen, in denen er in einer kraftvollen, teilweise surrealistischen Erzählweise die Geschichte und Gesellschaft Portugals aus der Sicht der kleinen Leute porträtiert. Sein Roman O Evangelio Segundo Jesus Cristo (Das Evangelium nach Jesus Christus) von 1991 erregte aufgrund angeblicher Blasphemie den Unmut der katholischen Kirche, was dazu führte, dass Saramagos Nominierung für den Europäischen Kulturpreis durch die portugiesische Regierung zurückgenommen wurde. Aus Protest wanderte Saramago daraufhin nach Spanien aus. Sein Werk wurde mehrfach ausgezeichnet. Er erhielt 1995 den höchsten Preis für portugiesischsprachige Literatur (Prémio Camões) und 1998 den Literaturnobelpreis.
António Lobo Antunes (* 1942) ist ein zeitgenössischer portugiesischer Romancier. Der studierte Mediziner arbeitete zeitweise während der Endphase des Unabhängigkeitskriegs als Militärarzt in Angola. Nach seiner Rückkehr nach Portugal arbeitete er als Psychiater. Seine Erfahrungen während des Kriegs verarbeitete er in dem Roman Os Cus de Judas (Der Judaskuss), mit dem ihm 1979 in Portugal der Durchbruch als Schriftsteller gelang. Heute lebt und arbeitet Antunes als Autor in Lissabon. Er thematisiert in seinen Romanen die Geschichte Portugals, wobei im Zentrum immer das Schicksal normaler Menschen steht. Sein Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem 2007 mit dem Prémio Camões, dem bedeutendsten literarischen Preis Portugals. Antunes gilt als Anwärter auf den Literaturnobelpreis.
Viele portugiesische Autoren wurden in die verschiedensten Sprachen übersetzt, so auch ins Deutsche. Sie hatten mit ihrem Werk Einfluss auf deutsche Literaten:
Die zeitgenössischen Autoren Antonio Lobo Antunes, Jose Saramago und Lídia Jorge unter anderem sind durch zahlreiche Autorenlesungen, Zeitungsartikel und Übersetzungen dem deutschen Publikum bestens bekannt.
Das Portugiesische Theater (Teatro Portugues) umfasst das Theaterwesen in Portugal. Im Gegensatz zum Filmwesen war und ist das Theater in Portugal bedeutend, zumal seine Tradition sehr lang ist und einige Dramatiker und Stücke es zu weltruhm gebracht haben. Als Begründer des portugiesischen Theaters gilt Gil Vicente.
Die Anfänge und Höhepunkte der „Goldenen Zeit“ des Portugiesischen Theaters liegen in der Renaissance und fällt mit dem „Goldenen Zeitalter“ der Literatur dort zusammen. Von etwa 1500 bis 1600 entstanden bedeutende Werke des Renaissance-Theaters, viele wurden jedoch durch die Inquisition verboten und konnten erst in späteren Epochen aufgeführt werden. Die zweite große Epoche des portugiesischen Theaters war die Zeit der portugiesischen Romantik, in der weitere bedeutende Stücke entstanden.
Bedeutende Dramatiker
Renaissance (Goldenes Zeitalter portugiesischen Theaters):
Barock
Romantik
Weitere bedeutende Dramatiker
Dramatiker von Weltgeltung
Bedeutende Stücke
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