Dienstag, 29. Mai 2012

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Prignitz

Mohnfeld bei Kuhbier, westlich von Pritzwalk

Die Prignitz, in älterer Schreibweise auch Priegnitz sowie ehemals als Vormark bezeichnet[1], ist eine historische Landschaft im Nordwesten des Landes Brandenburg. Im Wesentlichen erstreckt sie sich über den Landkreis Prignitz und Teile des Landkreises Ostprignitz-Ruppin. Kleine Teile der historischen Region Prignitz gehören heute auch zu Mecklenburg-Vorpommern (Landkreis Ludwigslust-Parchim) und Sachsen-Anhalt (bei Havelberg).

Allgemeines

Storchendorf Rühstädt an der Elbe

Die Region besteht vor allem aus landwirtschaftlich geprägtem Flachland, Wäldern und Heidelandschaft. Wichtigste Städte sind Wittenberge, Perleberg, Pritzwalk, Wittstock und Kyritz. Auf den Dörfern wird gelegentlich noch Plattdeutsch gesprochen.

Seit dem Mauerfall verliert die Prignitz zunehmend an Einwohnern durch Wegzug in die Großstädte. Mittlerweile (2007) zählt der Landstrich zu den am dünnsten besiedelten Deutschlands. Es wird damit gerechnet, dass diese Entvölkerung noch Jahrzehnte anhalten wird.

Als kulinarische Spezialität der Region gilt der Knieperkohl.

Geografie

Die Prignitz ist eine historische Landschaft zwischen Mecklenburg im Norden, dem Ruppiner Land im Osten, dem Havelland im Süden, der Altmark im Südwesten sowie dem Wendland im Westen. Im Mittelalter unterlagen die Grenzen im Norden und Osten des mit Prignitz bezeichneten Gebietes mit dem Wandel der politischen Verhältnisse wiederholt Veränderungen, während die Südwestgrenze durch den Verlauf der Elbe feststand.

Flüsse

Fischtreppe am Schlatbach

Als größter Fluss der Region markiert die Elbe die Grenze zwischen Wendland und Altmark im Westen und Prignitz im Osten. Sie entwässert die gesamte Prignitz. Im Süden mündet die Havel bei Havelberg in die Elbe.

Durchzogen wird die Prignitz von kleineren Flüssen, die dem Gefälle der Landschaft folgend hauptsächlich von Nordosten nach Südwesten der Elbe und Havel zufließen. Dies sind vor allem die Alte Elde, die Löcknitz, die Stepenitz mit ihren Nebenflüssen Dömnitz und Karthane, die Jäglitz und die Dosse. Im äußersten Osten berührt das Gewässersystem des Rhins die Prignitz.

Seen

Die Prignitz ist im Wesentlichen eine Altmoränenlandschaft. Als solche ist sie verglichen mit anderen Brandenburger Landschaften arm an größeren Seen. Bei Lenzen finden sich der Rudower See und das Rambower Moor, bei Kyritz die Kyritzer Seenkette, bei Wittstock das Gebiet um den Dranser See und den Großen Baalsee. Im äußersten Osten berührt die Prignitz die Mecklenburgische Seenplatte.

An künstlichen Seen sind der Preddöhler und der Sadenbecker Stausee sowie der Dossespeicher Kyritz in der Kyritzer Seenkette zu nennen.

Städte

Die Prignitz ist eine ländlich geprägte Region mit sechs Kleinstädten. Die bevölkerungsreichsten unter ihnen sind Wittenberge und Wittstock/Dosse. Weniger als 15.000 Menschen leben jeweils in den ehemaligen Hansestädten Pritzwalk, Perleberg, Kyritz und Havelberg. Perleberg übt in der Prignitz traditionell eine Verwaltungsfunktion aus – heute ist Perleberg Kreisstadt des Landkreises Prignitz.

Weniger als 5.000 Einwohner weisen die vier Landstädte der Prignitz auf. Meyenburg und Putlitz liegen im Norden der Prignitz. Bad Wilsnack war im Mittelalter eines der bedeutendsten Pilgerziele Mitteleuropas. Lenzen (Elbe) ist einer der ältesten Orte der Prignitz, als Slawenburg 929 urkundlich erwähnt.

Die einstige Stadt Freyenstein ist heute Ortsteil der Stadt Wittstock/Dosse. Teilweise städtische Rechte hatten in der Vergangenheit auch die drei Orte Flecken Zechlin im Osten der Prignitz, heute Ortsteil der Ruppiner Stadt Rheinsberg, sowie im Mittelalter die Städtchen Nitzow, heute Ortsteil von Havelberg, und Dossow, heute Ortsteil von Wittstock/Dosse.

Geschichte

Der früheste Nachweis der Landschaftsbezeichnung Prignitz findet sich in einer Urkunde des falschen Woldemar aus dem Jahr 1349.[2]

Vom Ende des 14. bis ins 16. Jahrhundert führte der Pilgerweg Berlin–Wilsnack durch die Prignitz. Ziel war die Wunderblutkirche in Wilsnack, in der der Priester nach der Brandschatzung des Ortes 1383 durch Raubritter drei mit Blut befleckte Hostien fand. Dieses als Wunder gedeutete Ereignis zog Tausende von Pilgern an.

Verkehrsverbindungen

Fernstraßen

Durch die Prignitz führt die Bundesautobahn 24 von Berlin nach Hamburg. Am Autobahndreieck Wittstock/Dosse zweigt zudem die A 19 nach Rostock ab. Planungen zufolge wird die A 14 die Prignitz zukünftig in Nord-Süd-Richtung durchqueren und bei Wittenberge über die Elbe geführt.[3]

Mehrere Bundesstraßen führen durch die Prignitz:

Bahnstrecken

Tourismus

Die Prignitz gehört zu den am dünnsten besiedelten Landschaften Deutschlands. So ist der Tourismus geprägt von ihrer Natur, der weiten Kulturlandschaft und den historischen Stadtkernen der kleinen Städte. Diesem Charakter entsprechend überwiegen in der Prignitz Formen des sanften Tourismus.

Besonderer Bedeutung für die Region hat das Radwandern. Neben dem Elberadweg, beliebtester Fernradweg Deutschlands[4], und der landesweiten Tour Brandenburg existieren mehrere regionale Routen wie die Gänsetour und die Bischofstour. Zum Jahr 2012 wurde ein Knotenpunktnetz mit 50 Knotenpunkten aufgebaut, das eine individuelle Tourenplanung unterstützt.[5]

Anlaufstellen für Naturfreunde bieten im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe unter anderem das NABU-Besucherzentrum im Europäischen Storchendorf Rühstädt und das BUND-Besucherzentrum in der Burg Lenzen.[6]

Der Pilgerweg Berlin–Wilsnack führt von Berlin zur Wunderblutkirche in Bad Wilsnack. Im Mittelater war Wilsnack als Wallfahrtsort Ziel von Pilgern aus ganz Europa, und damit ein früher touristischer Wirtschaftsfaktor für die Region.[7] Wilsnack verlor seine Bedeutung jedoch nach der Reformation. Mit der Erforschung der Pilgerfahrten gewann der Pilgerweg neue Beliebtheit.[8]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 2. Leipzig 1911., S. 935. [1]
  2. Landkreis Prignitz, der Landrat (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch 2009. Perleberg, Dezember 2010. Seite 7. [2]
  3. Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg halten am Bau der A 14 fest. Pressemitteilung 143/2008. Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft Brandenburg, 24. Juli 2008, abgerufen am 18. Mai 2012. 
  4. Elberadweg. Zwischen Elbflorenz und Wattenmeer. Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e.V., abgerufen am 19. Mai 2012: „Der Elberadweg wurde in Umfragen des ADFC zum 6. Mal in Folge zum beliebtesten Radfernweg gewählt.“ 
  5. Radtouren zwischen Elbe und Müritz. Tourismusverband Prignitz e.V., abgerufen am 19. Mai 2012. 
  6. Naturerlebnis in der Prignitz. Tourismusverband Prignitz e.V., abgerufen am 19. Mai 2012. 
  7. August Höpfner: Perleberg und Wilsnack. (Um 1390). In: Perleberger Reimchronik. Abgerufen am 19. Mai 2012. 
  8. Pilgerwege in der Prignitz. Tourismusverband Prignitz e.V., abgerufen am 19. Mai 2012. 

Literatur

  • Lieselott Enders: Die Prignitz. Geschichte einer kurmärkischen Landschaft vom 12. bis zum 18. Jahrhundert. Berlin, Berliner Wissenschaftsverlag 2000, ISBN 978-3-8305-0191-6.
  • Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I Prignitz / bearbeitet von Lieselott Enders. Weimar: Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger ²2000, ISBN 978-3-7400-1016-4.

Weblinks

 Commons: Prignitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

5312
Koordinaten:
53° 0′ 0″ N, 12° 0′ 0″ O

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Diese Seite wurde zuletzt am 19. Mai 2012 um 16:22 Uhr geändert.

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