| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
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Koordinaten: 47° 36′ N, 12° 54′ O |
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| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Bayern | |
| Regierungsbezirk: | Oberbayern | |
| Landkreis: | Berchtesgadener Land | |
| Höhe: | 670 m ü. NN | |
| Fläche: | 129,18 km² | |
| Einwohner: |
1.800 (31. Dez. 2010)[1] |
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| Bevölkerungsdichte: | 14 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 83486 | |
| Vorwahl: | 08657 | |
| Kfz-Kennzeichen: | BGL | |
| Gemeindeschlüssel: | 09 1 72 129 | |
| Adresse der Gemeindeverwaltung: | Im Tal 2 83486 Ramsau b.Berchtesgaden | |
| Webpräsenz: | ||
| Bürgermeister: | Herbert Gschoßmann (CSU) | |
| Lage der Gemeinde Ramsau b.Berchtesgaden im Landkreis Berchtesgadener Land | ||
Ramsau bei Berchtesgaden (amtlich: Ramsau b. Berchtesgaden) ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Berchtesgadener Land. Der heilklimatische Kurort liegt im Ramsauer Tal, das eingebettet zwischen Watzmann, Hochkalter, Reiter Alm und Lattengebirge innerhalb des Berchtesgadener Talkessels nochmals ein in sich abgeschlossenes Gebiet bildet. In Ramsau wurden insbesondere die Pfarrkirche und der Hintersee als häufig genutzte Motive der Landschaftsmalerei weltbekannt und förderten damit auch die Tourismuswirtschaft der Gemeinde. Der Nationalpark Berchtesgaden nimmt über 82 Prozent der Gemeindefläche ein.
Ramsau gehört zum Regierungsbezirk Oberbayern im Freistaat Bayern. Die Gemeinde ist Teil der hochalpinen Region im südlichen Landkreis Berchtesgadener Land, die nahezu völlig von den Berchtesgadener Alpen und im Südwesten vom österreichischen Bundesland Salzburg umgeben ist. Zum Gemeindegebiet gehört der westliche Teil des Watzmannmassivs, der deutsche Teil des Hochkaltermassivs, der südwestliche Teil des deutschen Teils der Reiter Alm, der südliche Teil des Lattengebirges, sowie das Klausbachtal und das Wimbachtal.
Der Überlauf bzw. Abfluss (Sillersbach) des Hintersees vereinigt sich mit dem Klausbach zur Ramsauer Ache, die in östlicher Richtung durch das Ramsauer Tal nach Berchtesgaden fließt und mit der Preisenklamm den einzigen Talzugang geschaffen hat. Weitere Zugänge sind die Pässe Schwarzbachwacht, Hirschbichl und Hochschwarzeck.
Der Besiedelung beschränkt sich auf das Tal entlang der Ramsauer Ache, rund um den Hintersee und an den Südhängen des Lattengebirges bis auf eine Höhe von 1100 m.
Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Gnotschaften Antenbichl, Au, Schwarzeck, Taubensee und den Ortsteil Hintersee.[2] Aneinander angrenzende Anteile der Gnotschaften Au, Schwarzeck und Taubensee bilden einen im Zusammenhang bebauten Innenbereich, der informell als Dorf Ramsau[3] oder als Ortszentrum[4] bezeichnet wird.
Nachdem ab 1201 dem Klosterstift Berchtesgaden in geistlicher Hinsicht die Pfarrei Berchtesgaden inkorporiert wurde, kam alsbald Ramsau als eine ihrer Filialen hinzu,[5][6] für die jedoch erst 1512 auch die heutige Pfarrkirche St. Sebastian als eigenes Filialkirchengebäude errichtet wurde.[7] In dem ersten Steuerbuch des Berchtesgadener Landes von 1456 wird Ramsau als eine seiner acht „Urgnotschaften“ mit zwei „Gnotschaftsbezirken“ und ihren sie betreuenden „Gnotschaftern“ aufgeführt. Doch als Gnotschaft dürfte sich Ramsau bereits Ende des 14. Jahrhunderts im Zuge des 1377 ausgestellten „Landbriefs“ von Propst Ulrich Wulp herausgebildet haben und hatte als solche wie die anderen bis zur Säkularisation im Jahre 1803 Bestand. → Siehe zu diesem Absatz auch den Abschnitt: Geschichte in Fürstpropstei Berchtesgaden
Die Reformation fand in Ramsau im Gegensatz zu den meisten anderen Gnotschaften des Berchtesgadener Landes nur wenige Anhänger.[8][9] Und nachdem im Zuge der Gegenreformation eine große Anzahl der Protestanten und damit 10 Prozent der Bevölkerung[10] aus dem fürstpröpstlich regierten Herrschaftsgebiet vertrieben waren, wurde noch im Jahr ihres Auszugs (1733) in der Ramsau die Kirche Maria Kunterweg geweiht, in der ein Deckengemälde diese Auswanderung triumphierend dokumentiert. Im unteren Chronogramm zweier Kartuschen ist dazu, aus dem Lateinischen übersetzt, zu lesen:[8]
→ Siehe zu diesem Absatz auch die Abschnitte: Reformation und Gegenreformation, Vertreibungen und Emigration in Fürstpropstei Berchtesgaden
1803 wurde die Fürstpropstei Berchtesgaden aufgelöst und das Berchtesgadener Land verlor damit seine politische Eigenständigkeit. Nach drei kurz hintereinander folgenden Herrschaftswechseln wurden 1810 dessen Gebiet und seine Ortschaften, darunter auch Ramsau, dem Königreich Bayern angegliedert.[11] Unter den Regentschaften des Kurfürstentums Salzburg von 1803 bis 1805 und der des Kaiserreichs Österreich bis 1809 wurde eine Straße über den Hirschbichl in den Pinzgau angelegt, die dem Salztransport und einer engeren wirtschaftlichen Bindung des Territoriums an Österreich dienen sollte.[12] → Siehe zu diesem Absatz auch den Abschnitt: Nach der Säkularisation in Fürstpropstei Berchtesgaden
Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern 1818 wurde Ramsau eine selbständige politische Gemeinde und seine zuvor zwei Gnotschaftsbezirke sind in die vier Gnotschaften Antenbichl, Au, Schwarzeck und Taubensee aufgesplittet worden. Das bayerische Herrscherhaus der Wittelsbacher nutzte die umfangreichen Forstflächen Ramsaus als Hofjagdgebiet.
Am 1. Mai 1885 erfolgte die Einrichtung einer ersten „ortsfesten Post“ bzw. „Postexpedition“ in Ramsau, die jedoch 1998 zugunsten einer „Postagentur“ geschlossen wurde. Seit Aufgabe der „Postagentur“ im Jahr 2003, gibt es in Ramsau keine ortsfeste Poststelle mehr.[13]
Im Zuge der Novemberrevolution wurde Ludwig III. am 7. November 1918 als König von Bayern abgesetzt. Er floh zusammen mit dem restlichen Hofstaat in Automobilen zuerst nach Wildenwart, von dort weiter an den Hintersee. Als auch in Ramsau die Sicherheit des Königs bedroht schien, floh er weiter nach Schloss Anif bei Salzburg in Österreich und entband am 13. November 1918 mit der „Anifer Erklärung“ die bayerischen Beamten und Soldaten von ihrem Treueeid.
Den bereits in den 1920ern erstmals aufkeimenden und von der Berchtesgadener Marktgemeinde schließlich vorgetragenen Bestrebungen, von Ramsau aus den Watzmann mit einer Seilbahn zu erschließen, erteilte der bayerische Ministerpräsident Ludwig Siebert (NSDAP) mit „Zustimmung des Führers und Reichskanzlers“ am 2. Februar 1935 einen abschlägigen Bescheid.[14]
Zwischen 1934 und 1937 wurde die Deutsche Alpenstraße angelegt, die wie später die zwischen 1968 und 1972 erstellte Straßenverbindung über das Hochschwarzeck nach Loipl (Bischofswiesen) Ramsau nicht nur zum „Zielort, sondern in einem nie vorhergesehenen Ausmaß auch Durchgangsgebiet“ werden ließ.[12]
Paul Giesler (1895–1945), erst Gauleiter der NSDAP von Westfalen-Süd und München-Oberbayern, dann bayerischer Ministerpräsident und gemäß Hitlers Testament ab dem 30. April 1945 Nachfolger von Heinrich Himmler als Reichsminister des Innern, hat am 2. Mai 1945 im Zauberwald nahe beim Hintersee seine Frau erschossen. Dem sei angeblich ein mit seiner Frau und seiner Schwiegermutter gemeinschaftlich versuchter Suizid mit Schlafmitteln vorangegangen. Auch ein möglicherweise zweiter Suizidversuch nach der Tötung seiner Frau missriet: Durch einen Kopfschuss schwerverwundet, wurde Giesler in ein Lazarett im Bischofswieser Ortsteil Stanggaß gebracht, wo er einige Tage später laut Sterbebuch der Katholischen Pfarrei Berchtesgaden am 8. Mai 1945 starb. Doch insgesamt sind die Angaben zu Gieslers Todesumständen widersprüchlich und ungesichert.[15][16]
Bereits kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs versuchte der Ramsauer Forstmeister Georg Küßwetter die weitere Ausbreitung des Tourismus in den Ramsauer Bergen zu verhindern. Er veranlasste ab 1946 mehrere Brandstiftungen an Alm- und Berghütten und ließ anschließend die Mauern des ehemaligen Wehrmachtshauses am Blaueis sprengen. Das Landgericht Traunstein führte 1952 gegen ihn als Hauptbeschuldigten den Prozess im königlichen Schloss in Berchtesgaden. Dieses Gerichtsverfahren fand bundesweites Medieninteresse.[17] Er wurde im September 1952 zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.[18]
1968 gründete die Gemeinde Ramsau zusammen mit der Marktgemeinde Berchtesgaden, dem Fremdenverkehrsverband des Berchtesgadener Landes und einigen Privatpersonen die „Watzmannbahn GmbH“ mit dem Ziel, nach dem abschlägigen Bescheid von 1935 einen neuen Anlauf in Sachen Watzmannbahn zu nehmen. Dem folgten juristische Auseinandersetzungen mit Gegnern der touristischen Erschließung des Watzmanns. Und wiewohl der Ramsauer Gemeinderat noch am 13. September 1972 meinte, „der Bau einer Kabinenseilbahn zum Falzköpfl ist für Ramsau ein lebenswichtiges Projekt“, entzogen das Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichts vom 17. Dezember 1969 und der Beschluss der Bayerischen Staatsregierung vom 7. Mai 1974 über die Errichtung des Nationalparks Berchtesgaden schließlich dem Projekt die Grundlage und setzten ihm ein neuerliches Ende.[19]
Auch nach der Gebietsreform in Bayern von 1972 blieb Ramsau (offiziell seither: „Ramsau bei Berchtesgaden“) eine eigenständige Gemeinde.
Am 1. Januar 1984 wurden die gemeindefreien Gebiete Forst Hintersee, Ramsauer Forst und Forst Taubensee aufgelöst und vollständig als eigene Gemarkungen in die Gemeinde Ramsau eingegliedert. Ebenso wurde der südliche Teil des Jettenberger Forsts in die Gemeinde und Gemarkung Ramsau eingegliedert (der größere nördliche Teil ging an die Nachbargemeinde Schneizlreuth). Diese unbewohnten Flächen liegen vollständig im Nationalpark Berchtesgaden, durch ihre Eingliederung vergrößerte sich die Gemeindefläche erheblich von 22,98 km² auf 129,18 km².
Bei der letzten Volkszählung von 1987 wurden für die Ramsau insgesamt 1.694 Einwohner ausgewiesen,[20] am 31. Dezember 2010 zählte die Gemeinde exakt 1.800 Einwohner.[21]
Ramsau liegt in der geomorphologischen Einheit Berchtesgadener Talkessel und der Gebirgsgruppe Berchtesgadener Alpen und ist soziokulturell eine Gemeinde innerhalb der Kulturlandschaft Berchtesgadener Land,[22][23] die sich innerhalb des Landkreises Berchtesgadener Land vom Rupertiwinkel und außerhalb des Landkreises unter anderem vom Chiemgau abgrenzt.[24][25]
Für Ramsau zuständige Gemeindeverbände und Gebietskörperschaften wie der vormalige Landkreis Berchtesgaden und der jetzige Landkreis Berchtesgadener Land gingen und gehen der Fläche wie auch den zugehörigen Gemeinden nach weit über die soziokulturelle Begriffseinheit Berchtesgadener Land hinaus. Es umfasst laut Schöner in „seinen historischen Grenzen Schellenberg bis Hallthurm, Schwarzbachwald und Hirschbichl“[26] beziehungsweise analog zum Berchtesgadener Talkessel lediglich den südlichen Teil des Landkreises mit den Gemeinden Berchtesgaden, Bischofswiesen, Schönau am Königssee, Marktschellenberg und Ramsau, die zusammen, seinerzeit aufgespalten in kleinteiligere Gnotschaften, das Kerngebiet des erst von Stiftspröpsten und zuletzt von Fürstpröpsten regierten Berchtesgadener Landes bildeten.
So hat sich auch der am 26. Januar 1908 gegründete Weihnachtsschützenverein Ramsau[27] 1925 mit den anderen Weihnachtsschützenvereinen der Nachbarorte zu den Vereinigten Weihnachtsschützen des Berchtesgadener Landes und der Gebirgstrachtenerhaltungsverein „D' Achentaler“ mit den 1928 gegründeten Vereinigten Trachtenvereinen im Berchtesgadener Land zusammengeschlossen.[28]
Laut der letzten Volkszählung von 1987 waren in Ramsau von seinerzeit insgesamt 1.694 Einwohnern 1.526 römisch-katholisch und 133 evangelisch, die Religionszugehörigkeit der restlichen 52 Einwohner wurde nicht aufgeschlüsselt. Bis 1987 wurde in den Statistiken der Volkszählungen neben „römisch-katholisch“ und „evangelisch-lutherisch“ stattdessen die Zahl der „Ausländer“ angegeben.[20][29] Von Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften und ihren etwaigen Versammlungsräumen liegen auch aktuell für die Ramsau keine Angaben vor.
Der Gemeinderat setzt sich aus 12 Gemeinderäten und dem Bürgermeister zusammen.
| Bürgermeister der Gemeinde Ramsau | |||
|---|---|---|---|
| ab | Bürgermeister | Partei / Fraktion | Anmerkungen |
| 1945 | Karl Dieterich | -- | Mai 1945 – Juni 1945 |
| 1945 | Karl Graßl | CSU | |
| 1972 | Georg Graßl | CSU | |
| 1984 | Hans Flunk | FWG Ramsauer Wahlblock | |
| 1996 | Hans Datzmann | CSU | |
| 2008 | Herbert Gschoßmann | CSU | |
Seit der Kommunalwahl von 2008 stellt die CSU den Bürgermeister und nimmt acht Sitze, der „Ramsauer Wahlblock“ vier Sitze ein. Die 2 Perioden im Gemeinderat vertretenen unabhängigen Wähler Ramsau (UWR) traten zur Wahl nicht mehr an. Bürgermeister Herbert Gschoßmann und der Gemeinderat Richard Graßl (beide CSU) sind zudem Mitglieder des Kreistages des Berchtesgadener Landes.
Die Gemeinde Ramsau pflegt seit dem Jahr 2000 eine Partnerschaft mit der slowenischen Gemeinde Bohinj.[33] Anknüpfungspunkt sind Gemeinsamkeiten wie die Lage in einem Nationalpark und die Erstbesteigung des in Ramsau gelegenen Watzmanns im Jahr 1800 durch den Slowenen Valentin Stanič.
Ramsau bei Berchtesgaden gehört zum Bundestagswahlkreis Traunstein und zum Stimmkreis Berchtesgadener Land für Landtags- und Bezirkstagswahlen.
Blasonierung: Auf blauem ungeteiltem Feld der Heilige Vinzenz mit weißem Kragen und weißem, gelb gerandetem Chorhemd, darunter ein roter Talar, der den Unterkörper bis auf die Schuhspitzen bedeckt, vom Schildträger aus gesehen in dessen rechter Hand ein von sich wegweisendes Beil, hält die linke einen Sapie.
Vinzenz wird als Patron der Holzknechte verehrt. Der Holzeinschlag zur Versorgung der Saline Berchtesgaden war für Ramsau von großer wirtschaftlicher Bedeutung.
Pfarrkirche St. Sebastian Ramsau
Wimbachklamm in Ramsau
Westlich von Ramsau liegt der Hintersee, den man auch auf einem Weg durch den so genannten Zauberwald erreichen kann. Der Zauberwald ist ein Geotop mit Bergsturztrümmern zwischen den Bäumen, dem eine sich im Namen wiederspiegelnde, romantische Atmosphäre nachgesagt wird.
Der Soleleitungsweg zwischen dem Brunnhaus Söldenköpfl und der Schwarzbachwacht wurde ursprünglich als Trasse der Soleleitung von Berchtesgaden nach Bad Reichenhall angelegt und ist nahezu durchgängig eben. An einem Südhang auf einer Höhe von ca. 900 m gelegen, bietet er einen Panoramablick ins Ramsauer Tal und zu den gegenüberliegenden Gebirgsstöcken, wie Watzmann, Hochkalter und Reiteralpe.
Die Hindenburglinde steht an der Deutschen Ferienroute Alpen-Ostsee (Bundesstraße 305), oberhalb des Tals der Ramsauer Ache.
Der Nationalpark Berchtesgaden liegt mit der Wimbachklamm und dem Wimbachtal als einziger Alpen-Nationalpark Deutschlands zu großen Teilen auf Ramsauer Gemeindegebiet. Am Eingang des Klausbachtals dient das dorthin translozierte historische Klausbachhaus als Nationalpark-Informationsstelle und bildet den Startpunkt für viele Wanderungen und Exkursionen im Nationalparkgebiet.
Da Ramsau trotz der zwischen 1803 und 1809 angelegten Straßenverbindung vom Hirschbichl in den Pinzgau noch bis in die 1930er „eine vom Berchtesgadener Talkessel abgesonderte Welt für sich“[12] war, hatte sich unter den Einwohnern eine eigene, vom „Berchtesgadnerischen“ abweichende Mundart entwickelt.[12][34]
Die traditionelle alpenländisch-bayerische Kultur wird in Ramsau z. B. durch die Ramsauer Sänger als überregional bekannte Volksmusikanten und den Gebirgstrachtenerhaltungsverein „D' Achentaler“ mit der Berchtesgadener Tracht gepflegt.
Nach den Berchtesgadener Weihnachtsschützen (1874) hat sich am 26. Januar 1908 auch der Weihnachtsschützenverein Ramsau gegründet[35] und sich 1925 mit den anderen Weihnachtsschützenvereinen der Nachbarorte zu den Vereinigten Weihnachtsschützen des Berchtesgadener Landes zusammengeschlossen.
Die Musikkapelle Ramsau besteht seit 1909 und spielt zu allen gemeindlichen und kirchlichen Fest- und Feiertagen.[36]
Eine bis ins 16. Jahrhundert reichende und nur noch in der Ramsau ausgeübte kunsthandwerkliche Tradition ist das Schnitzen von Arschpfeifenrössl als Berchtesgadener War.[37][38]
→ Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Ramsau bei Berchtesgaden
Das gemeinsam vom Ramsauer Rathaus und „Haus des Gastes“ genutzte Gebäude wurde an der Stelle des 1888 erbauten „alten Forsthauses“ errichtet.[39]
Das in Klausbachhaus umbenannte Bauernhaus aus dem Jahr 1757 wurde vom Laroslehen in der Unterau in die Ramsau transloziert und bis auf eine Abweichung nach seinem historischen Vorbild wiederhergestellt. Es dient heute als Informationsstelle des Nationalparks Berchtesgaden. Neben einer Lesestube für Kinder auch Ausstellungsräume bietet es u. a. für eine Multivisionsshow oder für das vom 21. bis zum 24. Juni 2012 erstmals veranstalteten „internationalen ExTempore für Bildkunst“.[40][41]
Der Gasthof Auzinger ist ein traditionsreicher, denkmalgeschützter[42]Gasthof nahe dem Hintersee. Im 19. Jahrhundert war es zusammen mit seinen Vorgängerbauten und deren Wirten Herberge und Anlaufstelle von Künstlern einer am Hintersee etablierten Malerkolonie.[43]
Daneben gibt es noch einige weitgehend im Originalzustand erhaltene Bergbauernhöfe, Almkaser und Wirtshäuser.
Die Ramsauer Pfarrkirche St. Sebastian erlangte als bereits von zahlreichen Malern des 19. Jahrhunderts wie später auch auf Post- und Weihnachtskarten genutztes Bildmotiv große Bekanntheit.
Die Wallfahrtskirche Maria Kunterweg gilt als eines der originellsten Werke des bayerischen Rokoko.[44]
Zudem gibt es noch zahlreiche kleinere Kapellen.
Im 19. Jahrhundert hatte sich ab den 1830ern am Hintersee eine bekannte Malerkolonie vor allem aus Vertretern der Münchner und Wiener Schule entwickelt,[43] darunter unter anderem: Wilhelm Busch,[43]Carl Rottmann,[43]Ludwig Richter,[45]Carl Schuch,[45]Karl Hagemeister,[45]Thomas Fearnley,[45]Friedrich Gauermann,[45]Ferdinand Waldmüller[45] und Frederik Christian Kiærskou (1805–1891)[45]. Unter ihnen hat dann u.a. Carl Rottmann auch den See selbst zum Bildmotiv erhoben. Vielen von ihnen dienten der Gasthof Auzinger und seine Vorgängerwirtschaft Hint. See Wirth als Treffpunkt und Herberge.[43]
Die Pfarrkirche St. Sebastian wurde von Malern wie Wilhelm Bendz, Thomas Fearnley, Ferdinand Runk, Ferdinand Laufberger, Wilhelm Busch, Otto Pippel und Will Klinger-Franken auf Skizzen, Zeichnungen und Gemälden festgehalten.[46] Während jedoch zum Beispiel Fearnley (1830) und Loos (1836) noch die Perspektive vom Westen her bzw. vom damaligen Dorfkern beim Gasthof Oberwirt in Richtung Kirche mit dem Göll im Hintergrund wählten, wechselte gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Blickwinkel in die entgegengesetzte Richtung und der heute Malerwinkel genannte Standpunkt mit Ramsauer Ache und Ertlsteg im Vordergrund sowie der Reiter Alpe im Hintergrund setzte sich durch.[47] Im Rahmen des vom 21. bis zum 24. Juni 2012 von der Gemeinde Ramsau erstmals veranstalteten „internationalen ExTempore für Bildkunst“ bildet die Pfarrkirche für die Wettbewerbsteilnehmer eines von zwei zu bearbeitenden Bildmotiven.[40][41] Zudem dient sie noch heute als zentrales Bildmotiv auf Foto- und Ansichtskarten und findet auch auf einem Puzzle Verbreitung.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich der gebürtige Ramsauer Konrad Westermayr (1883-1917) als Maler des Spätimpressionismus auch mit seinem Heimatort in Gemälden auseinandergesetzt.
Am Hintersee wurde im Sommer 2010 unter dem Titel Nationalpark-Festspiele die Martinsklause von Ganghofer als Freilichtaufführung gespielt.[48]
Folgende Filme/Serien wurden (teilweise) in Ramsau gedreht:
Der Skiklub SK Ramsau veranstaltet Sportwettbewerbe auch außerhalb des Skisports und hat u. a. auch eine Triathlonabteilung.[13] 2010 hat sich die Fußballabteilung vom SK Ramsau gelöst und sich als FC Ramsau e.V. neu gegründet.[13] Der Verein spielt derzeit (Stand: Mai 2012) in der B-Klasse Oberbayern Inn/Salzach.
Daneben gibt es noch die Königlich privilegierte Feuerschützengesellschaft Ramsau und den Motorsportclub MSC Ramsau.[49]
Die traditionellen Veranstaltungen sind in Ramsau bis heute stark vom kirchlichen Jahresablauf geprägt. Besonderheiten sind das Ramsauer Holzbier, der Jahrtag der Holzknechte am Rosenmontag und das Patrozinium der Pfarrkirche, der Sebastianitag am 20. Januar (Ramsauer Feiertag), an dem noch heute viele Ramsauer Unternehmen Betriebsruhe halten.[50][51]
Die wirtschaftliche Struktur der Ramsau war früher überwiegend von der Land- und Forstwirtschaft bestimmt, die für die Bewohner nur sehr karge Erträge abwarf. Zeitweise wurden in Ramsau in großem Ausmaß Mühlsteine aus Ramsauer Nagelfluh gewonnen. Im 19. Jahrhundert begann ein grundlegender Strukturwandel, der den Urlauberreiseverkehr zur Existenzgrundlage vieler Einwohner machte. Heute hat Ramsau im Berchtesgadener Land im Verhältnis zur Zahl der Einwohner die höchsten Übernachtungszahlen. Ein deutlich über dem Landkreisdurchschnitt liegender Teil der einheimischen Bevölkerung arbeitet im Baugewerbe, das weit über den örtlichen Bedarf ausgeprägt ist. Darin besteht eine große Ähnlichkeit mit den benachbarten österreichischen Gebirgsgauen.[52] Ergänzt wird die Wirtschaftsstruktur durch Dienstleistungs- und Handelsbetriebe überwiegend für den regionalen Bedarf. Die Landwirtschaft wird hauptsächlich im Nebenerwerb betrieben.
Bereits im 19. Jahrhundert hielten sich regelmäßig Mitglieder der bayerischen Königsfamilie (Wittelsbacher) in Ramsau zur Jagd auf. In den 1870er Jahren wurde in Ramsau ein Verschönerungsverein gegründet, mit dem Ziel, den „Fremdenverkehr“ zu fördern.
→ Für spätere Zeitabschnitte siehe hierzu auch Berchtesgaden (Wirtschaftliche Entwicklung) und den Abschnitt Tourismus unter Berchtesgaden)
Die Hauptverkehrsader ist die Deutsche Alpenstraße B 305; sie führt von Inzell über Schneizlreuth und den Pass Wachterl in die Ramsau und von dort weiter nach Berchtesgaden. Das Dorf Ramsau und der Ortsteil Hintersee werden durch eine von der Deutschen Alpenstraße abzweigende Staatsstraße erschlossen. Eine Besonderheit der Straße nach Berchtesgaden ist das Felsentor, durch das die Bundesstraße führt.
Busse der RVO GmbH verkehren vom Bahnhof Berchtesgaden (teilweise über Schönau) nach Ramsau und weiter zum Hintersee. Vom Hintersee fährt auf der für den Individualverkehr gesperrten Hirschbichlstraße im Sommer der Nationalpark Wanderbus über die Staatsgrenze am Hirschbichl und weiter in den Pinzgau nach Weißbach bei Lofer im Salzburger Land (Österreich). Weitere Busverbindungen existieren entlang der Alpenstraße und zum Hochschwarzeck.
Die Gemeinde Ramsau unterhält einen Bergkurgarten[53] sowie einen 1973 angelegten Sportplatz[39] und eine Turnhalle.[39]
Der örtliche Friedhof mit dem seit 1938 erbauten Leichenhaus[39] ist im Eigentum der römisch-katholischen Kirche und wird auch von ihr verwaltet.
Ein Umsetzer zur besseren Fernsehversorgung der Ramsau wurde 1972 am Kunterwegkogel in Betrieb genommen.[39]
1874 wurde die Freiwillige Feuerwehr Ramsau gegründet. Sie gehört dem Inspektionsbereich Süd der Kreisbrandinspektion Berchtesgadener Land an. Ihr Einsatzgebiet erstreckt sich über das vollständige Gemeindegebiet, und sie unterstützt im Rahmen der Nachbarschaftshilfe die umliegenden Feuerwehren bei größeren Unglücks- und Schadensereignissen.[54] 1980/81 wurden am alten Gemeindehaus das Feuerwehr- und Gerätehaus nebst Wohnungen errichtet.[39]
Für Jugendliche in Ramsau ermöglicht der private Jugend-Treff.5 Förderverein e.V. einen betreuten Treffpunkt.[49]
Ramsau nutzt und finanziert wie die Gemeinden Bischofswiesen und Schönau am Königssee die Kläranlage des Marktes Berchtesgaden und finanziert auch wie die vorgenannten Gemeinden und Marktschellenberg den Schlachthof in Berchtesgaden mit.
Von 1885 bis 1995 gab es in der Ramsau ein eigenständiges Postamt, das nach der Privatisierung der Post und mit der Verlagerung des Zustelldienstes von Ramsau nach Berchtesgaden in eine „Postfiliale“ umgewandelt und 1998 schließlich endgültig aufgegeben wurde. Die bisherigen Aufgaben der Post übernahm eine in einer Drogerie eingerichtete Postagentur, die 2003 ebenfalls aufgegeben wurde. Seither gibt es in Ramsau keine ortsfeste Poststelle mehr.[13]
Ramsau verfügt über eine Grundschule mit insgesamt vier Klassen der Stufen 1 bis 4, die 1999 ein neues Schulgebäude bezogen haben.[55] Zudem unterhält die Gemeinde seit 1985 einen Kindergarten, der 1999 ebenfalls in neue Räumlichkeiten umgezogen ist und 2008 um einen Erweiterungsbau für eine Krippengruppe ergänzt wurde. Neben der Betreuung von Kleinkindern bietet der Kindergarten eine Mittagsbetreuung für Grundschulkinder bis 10 Jahren an.[56]
Auf seinem Weg nach Mariapfarr gelangte Joseph Mohr (1792-1848) auch an den Ramsauer Pfarrhof und wurde auf Bitten des Pfarrers vom 29. August bis 10. Oktober 1815 als Pfarrgehilfe eingesetzt.[57][58] Ein Jahr später verfasste Mohr in Mariapfarr den Text des weltbekannten Weihnachtsliedes Stille Nacht, heilige Nacht.[59]
Das ehemalige inzwischen per Nachqualifizierung denkmalgeschützte Zollhaus in der Hirschbichlstraße 11 wurde 1822 als eingeschossiger Satteldachbau errichtet und 1842 erstmals umgebaut. Knapp 100 Jahre später hatte es Fritz Todt (1891–1942), Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen, SA-Obergruppenführer und Reichsminister für Bewaffnung und Munition, erworben, der es 1940/41 durch Gustav Gsaenger zu einem Wohnhaus umbauen ließ.[60] Der wegen Anstiftung zu Sprengungen und mehrfacher Brandstiftung verurteilte Forstmeister Georg Küßwetter aus der Ramsau (→ siehe hierzu den Abschnitt Geschichte unter Blaueishütte) soll neben den vollendeten Straftaten des Weiteren, wenn auch ohne Erfolg, dazu angestiftet haben, das Haus in der Hirschbichlstraße 11 niederzubrennen, da es nach Todt zu Anfang der Nachkriegszeit in den 1940ern als nächstes von dem Küßwetter „verhassten“ amerikanischen Captain Payton bewohnt wurde.[61]
Der Gemeinderat hat folgende Personen zu Ehrenbürgern ernannt:
Folgende Persönlichkeiten wurden zwar nicht in Ramsau geboren, standen bzw. stehen aber in einer engen Beziehung zu der Gemeinde:
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