Dienstag, 29. Mai 2012

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Religionsfreiheit in den Vereinigten Staaten

Religionsfreiheit: US-amerikanische Briefmarke von 1957

In den Vereinigten Staaten liegt bezüglich der Religionsfreiheit die Betonung auf absoluter Nichteinmischung des Staats in die Angelegenheiten einer Religion (1. Zusatz zur Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika), in Europa liegt die Bedeutung der Religionsfreiheit mehr auf der Nichteinmischung des Staats in die Religionsfreiheit des Individuums, was bis zur vollständigen religiösen Neutralität des Staats gehen kann (Laizismus).

Andererseits schützen die Vereinigten Staaten ebenfalls die Religionsfreiheit des Individuums und die europäischen Staaten vertreten prinzipiell ebenfalls die Nichteinmischung des Staats in die Angelegenheiten einer Religion, wobei es Einschränkungen zugunsten von anderen Rechten geben kann. Ob die völlige Neutralität des Staates tatsächlich verwirklicht ist, ist angesichts der christlich grundierten zivilreligiösen Elemente der amerikanischen Gesellschaft umstritten. Beispielsweise ist auf allen US-Geldzeichen der Satz In God we trust gedruckt bzw. geprägt; bei öffentlichen Vereidigungen wird im Regelfall auf die Bibel geschworen - dies ist zwar nicht kodifiziert, aber als ein islamischer Abgeordneter hierzu den Koran verwendete, war dies öffentlich sehr umstritten.

Geschichte

Die Religionsfreiheit in den USA geht auf die Siedlerzeit zurück. So wurde etwa Neuengland stark von puritanischen Glaubensflüchtlingen besiedelt. In ihren Siedlungsgebieten dominierten sie in der Folge sowohl Staat und Kirche, wobei die entsprechenden Entscheidungsgremien institutionell meistens getrennt waren. Die positive Religionsfreiheit, also das Recht, den eigenen Glauben frei zu äussern, wurde für die Puritaner durch die Besiedelung von Nordamerika gelöst.

Die dominierenden Puritaner waren nun ihrerseits in der Situation, darüber zu bestimmen, welche Konfession und Religion sie auf ihrem Gebiet tolerieren wollten. Toleriert wurden zunächst nur die Anglikaner, weil diese meistens königliche Beamte waren. Hingegen verwehrte Massachusetts Andersgläubigen wie den Quäkern die Niederlassung. 1659 und 1661 wurden sogar insgesamt vier Quäker gehängt, weil sie die Religionsfreiheit in Anspruch nahmen.[1]

Als einer der wichtigen Löser des konfessionellen Konfliktes gilt der Jurist und Geistliche Roger Williams (1603–1683). Dieser wehrte sich in Boston erfolglos gegen die Einmischung des Staates in die Kirche und umgekehrt. Williams war Anhänger der baptistischen Freikirche und Gründer von Rhode Island. 1638 wurde in der heutigen Hauptstadt Providence die baptistische Kirche eingeweiht. 1647 wurde in Rhode Island die staatsunabhängige Glaubensfreiheit und damit die Niederlassungsfreiheit ungeachtet der Konfession eines Siedlers von Beginn Weg konsequent umgesetzt.[2] Der heute in den westlich geprägten Ländern gültige Vorrang der Positiven Glaubensfreiheit und damit der Niederlassungsfreiheit über die Negative Religionsfreiheit wurde erstmals umgesetzt: Das Recht, Andersgläubige im eigenen Territorium nicht dulden zu müssen, wurde definitiv als minderrangig eingestuft.

Ein katholischer Weg, Glaubensfreiheit und religiöse Toleranz umzusetzen, äusserte sich in der Gründung von Maryland unter Lord Baltimore.[3]

Durch die Vormachtstellung der Puritaner in Neu-England lag die systematische protestantische Begründung der Glaubensfreiheit brach. In diese Lücke sprangen die Rationalisten wie zum Beispiel Thomas Jefferson unter Berufung auf John Locke. Wie die Freikirchen sah Jefferson in einer Kirche eine freiwillige Gesellschaft von Menschen.[4]

Noch Ende des 19. Jahrhunderts durften die Gliedstaaten der USA einer Konfession den Vorrang geben, solange die Verfassung dadurch nicht tangiert wurde, also die Glaubensfreiheit der Andersgläubigen nicht eingeschränkt war. Seit dem 20. Jahrhundert sind die Bundesgerichte für die Glaubensfreiheit zuständig.[5]

Die kollektive Negative Religionsfreiheit wurde in Anspruch genommen, als 1962 und 1963 das Oberste Gericht das Gebet und die Bibellesung in den staatlichen Schulen als verfassungswidrig beurteilte.[6]

Literatur

  • Timothy L. Hall: Separating Church and State, Roger Williams and Religious Liberty; University of Illinois Press, Urbana/Chicago 1998.

Einzelnachweise

  1. Markus Loehnert: "Zahlt es sich aus, eine Fundamentalistin zu werden?" Eine religionssoziologische Auseinandersetzung mit dem christlichen Fundamentalismus in den USA bei Frauen vor dem Hintergrund der "Rational Choice Theory". (Graz, Institut für Ethik und Gesellschaftslehre der Karl-Franzens-Universität, Diss., 2011) Graz 2011, S 29f.
  2. William Warren Sweet: Der Weg des Glaubens in den USA. Agentur das Rauhen Hauses, Hamburg s. a. [ca. 1951], S. 76f.
  3. William Warren Sweet: Der Weg des Glaubens in den USA. Agentur das Rauhen Hauses, Hamburg s. a. [ca. 1951], S. 83.
  4. Sidney E. Mead: Das Christentum in Nordamerika. Glaube und Religionsfreiheit in vier Jahrhunderten. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1987, ISBN 3-525-55407-9, S. 76f.
  5. Sidney E. Mead: Das Christentum in Nordamerika. Glaube und Religionsfreiheit in vier Jahrhunderten. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1987, ISBN 3-525-55407-9, S. 77f.
  6. Klaus Penzel: Die 'nach-protestantische Ära': Ein Rückblick auf das letzte halbe Jahrhundert. In: Sidney E. Mead: Das Christentum in Nordamerika. Glaube und Religionsfreiheit in vier Jahrhunderten. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1987, ISBN 3-525-55407-9, S. 199f.
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Diese Seite wurde zuletzt am 15. Februar 2012 um 11:00 Uhr geändert.

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