Der Right Livelihood Award (RLA, englisch für etwa Preis für die richtige Lebensweise), häufig Alternativer Nobelpreis genannt, ist eine Auszeichnung „für die Gestaltung einer besseren Welt“. Er wird jährlich von der Stiftung Right Livelihood Award Foundation vergeben und durch Spenden finanziert.
Die Bezeichnung Alternativer Nobelpreis entstand in den ersten Jahren des Preises in der Öffentlichkeit, ist aber nicht die offizielle Bezeichnung des Preises und wird von der Vergabeinstitution nur in Anführungszeichen verwendet. Im englischen Sprachraum wird der Begriff Alternativer Nobelpreis für die Auszeichnung seltener gebraucht als im Deutschen. Eine institutionelle Verbindung des Preises zum Nobelpreis besteht nicht.
Jakob von Uexküll reiste in den 1970er Jahren durch die Welt und sah Armut und Umweltzerstörung.[1] 1980 schlug der damals 35-jährige Philatelist und Journalist der Nobelstiftung vor, weitere Nobelpreise zu stiften. Für von Uexküll waren die Kategorien der Nobelpreise zu eng gefasst,[2] und sie stellen für ihn die „höchsten Auszeichnungen innerhalb der bestehenden Weltordnung“ dar, weswegen er die Schaffung eines neuen Preises „speziell ausgerichtet auf die Bedürfnisse der Mehrheit der Menschheit in der Dritten Welt“ und der gesamten Erde vorschlug.[3] Nach Angaben der Right Livelihood Foundation schlug er die Schaffung zweier Nobelpreise vor, einen für Ökologie und einen im Zusammenhang mit der Armut.[2] Er wollte sich an diesen Preisen auch finanziell beteiligen.[2]
Der Vorschlag wurde von der Nobelstiftung abgelehnt. Als Grund wurde unter anderem ins Feld geführt, dass von Seiten der Nobelstiftung nach der Stiftung des Preises für Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank im Gedenken an Alfred Nobel und der darauf folgenden Kritik keine weiteren Preise den ursprünglichen Nobelpreisen hinzugefügt werden sollten. Allerdings erlauben auch die Statuten des Nobelpreises nicht einfach die Einrichtung eines neuen Preises, da das von Alfred Nobel gestiftete Vermögen nur für den ursprünglichen Nobelpreis verwendet werden darf. Der Wirtschaftspreis wurde über einen Anhang an die Statuten eingerichtet, wobei die Gelder von der Schwedischen Reichsbank zur Verfügung gestellt werden. Von Uexkülls Preis hätte ebenso einer solchen externen Finanzierung bedurft. Er versprach jedoch lediglich eine finanzielle Beteiligung.
Von Uexküll gründete daraufhin 1980 selbst einen entsprechenden Preis, den Right Livelihood Award. Zu dessen Finanzierung verkaufte er wertvolle Briefmarken und erzielte einen Erlös von einer Million US-Dollar,[2] anderen Quellen zufolge nur eine halbe Million US-Dollar.[4] Von Uexküll gab seinen damaligen Wohnsitz in Saint Vincent auf und gründete auf der Isle of Man die „Right-Livelihood-Stiftung“. 1983 hatte sie ihre Anschrift in London,[5] mittlerweile sitzt die Stiftung in Schweden.
Trotz der weit verbreiteten Bezeichnung „Alternativer Nobelpreis“ besteht keine institutionelle Verbindung zum Nobelpreis. Die Nobelstiftung und die Institutionen, die die Nobelpreise vergeben, sind nicht involviert wie auch das schwedische Königshaus sich nicht an der Verleihung des RLA beteiligt. Auch sonst genießt der Preis nur geringe öffentliche Aufmerksamkeit in Schweden. Die Preissumme ist beträchtlich niedriger als beim Nobelpreis. Sie stammt zudem aus Spenden, während der Nobelpreis aus Investitionseinnahmen finanziert wird. Weiterhin ist die Nominierung im Gegensatz zu den Nobelpreisen offen für jedermann.
Die Ursprünge der alternativen Bezeichnung sind unklar. Schon 1982 findet sie sich in manchen Publikationen.[6][7] In früheren Jahren wurde der Name den europäischen Medien zugeschrieben.[5] Seit spätestens 1985 verwendet ihn Jakob von Uexküll auch selbst.[3]
Die Bezeichnung „Alternativer Nobelpreis“ wird bis heute weitgehend nur in Anführungsstrichen gesetzt verwendet, vor allem in internationalen Medien. Deutsche Medien, in denen der Preis eine vergleichsweise hohe Aufmerksamkeit genießt, haben mittlerweile den Namen als quasioffizielle Bezeichnung übernommen.
Der Zweck des Right Livelihood Award ist es, Menschen zu ehren und zu unterstützen, die praktikable Lösungen für die dringendsten Probleme unserer Zeit finden und umsetzen. Dabei kennt der Preis keine strengen Kategorien. Die meisten Preisträger werden für Verdienste in den Bereichen Umwelt, Frieden, Abrüstung, Menschenrechte, Entwicklung, Kultur und Spiritualität, indigene Völker, Verbraucherschutz, Bildung, Gesundheit, Energie und Ressourcenschonung ausgezeichnet.
Der Preis wird an Personen, Organisationen und Repräsentanten sozialer Bewegungen vergeben, die sich mit praktischen Lösungen und Modellen für menschenwürdige Lebensweisen einsetzen.
Jedermann mit Ausnahme von Jurymitgliedern und den Mitarbeitern der Right-Livelihood-Stiftung darf Preisträger vorschlagen. Die Einsendefrist endet am 1. März eines jeden Jahres. Die Vorschläge müssen schriftlich eingereicht werden. Bis zum 1. Juni sollen Informationen über die Arbeit der Nominierten eingereicht worden sein. Fehlen solche Informationen, werden die Vorschläge wahrscheinlich nicht berücksichtigt.
Ein Kontakt zwischen Nominierten und Nominierer ist zulässig. Es ist erwünscht, dass die Arbeit des Preisträgers ausreichend gereift ist, um den Preis zu rechtfertigen. Weiterhin wird von den Preisträgern erwartet, dass sie bereit sind, ihr Wissen und ihre Erfahrung weiterzugeben.[8]
Die Preisträger werden im September des jeweiligen Jahres von einer internationalen Jury bestimmt. Diese setzt sich zusammen aus Mitgliedern des Vorstands der Stiftung, im Jahr 2010 unter anderem Jakob von Uexküll und Monika Griefahn, und weiteren Persönlichkeiten, die von der Stiftung eingeladen werden. Im Jahr 2010 war beispielsweise Ursula Schulz-Dornburg Mitglied der Jury.
In der Regel teilen sich drei Preisträger die dotierte Geldsumme. Seit 1982 wird weiterhin üblicherweise ein undotierter Ehrenpreis vergeben.[3] Jedoch wird von diesem Schema oft abgewichen. So können auch Teile des Preises an zwei Personen oder Organisationen gemeinsam vergeben werden. Von den bislang 32 Vergaben (Stand 2011) fanden nur 9 nach dem regulären Schema statt.
| Anzahl der Ehrenpreise | Anzahl der dotierten Preise | Jahre | Anzahl der Vergaben nach diesem Schema |
|---|---|---|---|
| 1 | 3 | 1984, 1988, 1990, 1994, 1996, 1999, 2006, 2009, 2011 | 9 |
| 0 | 4 | 1993, 1995, 2000, 2001, 2002, 2007, 2008, 2010 | 8 |
| 1 | 3 (einer davon geteilt) | 1985, 1986, 1992, 2003, 2005 | 5 |
| 1 | 4 | 1982, 1987 | 2 |
| 0 | 4 (einer davon geteilt) | 1997, 1998 | 2 |
| 0 | 2 | 1980 | 1 |
| 0 | 3 | 1981 | 1 |
| 1 | 3 (zwei davon geteilt) | 1991 | 1 |
| 1 (geteilt) | 3 | 2004 | 1 |
Das Preisgeld wird durch Spenden finanziert,[9] deren Aufkommen im Laufe der Zeit wuchs. Daher ist die Höhe des ausgeschütteten Geldes, das sich die Preisträger (unter Ausnahme eines möglichen Ehrenpreises) teilen, nicht konstant. Für die ersten Preisträger standen 1980 50.000 US-Dollar zur Verfügung, 2010 betrug das Preisgeld insgesamt 200.000 €.
| Jahr | Preisgeld (gesamt) | Historischer Gegenwert in schwedischen Kronen[10] |
|---|---|---|
| 1980 | 50.000 US-Dollar[2] | 225.000 |
| 1981 | 50.000 US-Dollar[11] | 275.000 |
| 1982 | 50.000 US-Dollar[12][13] | 375.000 |
| 1983 | 30.000 Britische Pfund[14] | 345.000 |
| 1984 | 350.000 Schwedische Kronen[15][16] | 350.000 |
| 1985 | 75.000 US-Dollar[4] | 575.000 |
| 2008 | 2.000.000 Schwedische Kronen[17] | 2.000.000 |
| 2009 | 150.000 Euro[18] | 1.550.000 |
| 2010 | 200.000 Euro[19] | 1.800.000 |
| 2011 | 150.000 Euro[20] | 1.375.000 |
In Anlehnung an die Gepflogenheiten beim Nobelpreis werden auch beim Right Livelihood Award die Preisträger des Jahres Ende September/Anfang Oktober im Pressezentrum des Schwedischen Außenministeriums bekanntgegeben – die eigentliche feierliche Preisverleihung findet dann kurz vor dem 10. Dezember, dem Tag vor der Nobelpreisverleihung, im Stockholmer Reichstagsgebäude statt.[21]
Im Juni 2005 fand anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Right Livelihood Award in Salzburg eine Tagung zum Thema Winning Alternatives statt, an der mehr als 70 Preisträger teilnahmen. Zum 30. Jubiläum des Preises trafen sich im September 2010 75 Preisträger in Bonn zu einer Tagung unter dem Motto „Weiter wie gehabt? – kursWECHSELN in die Zukunft; 30 Jahre ‚Alternativer Nobelpreis‘“.[22]
Die 2011 verstorbene Kenianerin Wangari Muta Maathai ist bislang die einzige Person, die sowohl den Right Livelihood Award (1984) als auch den Friedensnobelpreis (2004) erhalten hat.
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