| Rio Tinto Group | |
|---|---|
| Rechtsform | Public limited company |
| ISIN | GB0007188757 |
| Gründung | 1873 |
| Sitz | London + Melbourne |
| Leitung | Jan du Plessis, Tom Albanese |
| Mitarbeiter | 106.000 (2008)[1] |
| Umsatz | 41,83 Mrd. US-Dollar (2009)[2] |
| Branche | Bergbau |
| Website | www.riotinto.com |
Rio Tinto ist eine 1873 gegründete multinationale Bergbaugesellschaft. Sie ist mit einem Vorsteuergewinn von ca. 10,3 Mrd. US-Dollar (2008) bei einem Umsatz von 41,83 Mrd. USD neben Anglo American und BHP Billiton eines der drei größten Abbauunternehmen der Welt, sowie seit der Übernahme von Alcan der weltweit führende Aluminiumproduzent.
Seit 1995 ist Rio Tinto eine Dual-listed Company. Rio Tinto Limited, früher CRA, ist am Australian Stock Exchange notiert und mit Rio Tinto plc (früher RTZ) auch am London Stock Exchange sowie dem New York Stock Exchange (ticker RTP). Beide Gesellschaften werden bei gleichen Stimmrechten und Dividenden von einem gemeinsamen Vorstand geführt. Die RTZ-Eigner brachten 76,7 % des Vermögens ein, das von London aus verwaltet wird. Der Chief Executive Officer ist Tom Albanese, der Chairman Jan du Plessis.
Rio Tintos Ursprünge liegen in den schon in der Bronzezeit bekannten Kupfervorkommen bei Minas de Riotinto in Südspanien, die später auch das Römische Reich mit Kupfer versorgten. N M Rothschild & Sons (London) und Rothschild Frères in Paris kauften zusammen mit anderen Investoren 1873 die mit Verlust arbeitenden staatlichen Rio-Tinto-Minen. Die neuen Eigner strukturierten das Unternehmen ohne Rücksicht um und erwirtschafteten Gewinne. Durch den Einsatz von Produktionsmethoden, welche in England verboten waren, wurden viele Menschen vergiftet. Bei einer Protestkundgebung gegen die Missstände 1888 ließen die Eigentümer über 100 Menschen erschießen.[3] 1905 hielten die Rothschilds etwas über 30 % der Anteile von Rio Tinto. Nach Penguins „Geschichte des Spanischen Bürgerkrieges“ schloss Francisco Franco mit Adolf Hitler 1937 einen Vertrag zum Kauf deutscher Bomber, die mit Kupfer aus den Rio-Tinto-Minen bezahlt wurden. Ob Franco Rio Tinto dafür bezahlte oder entschädigte, ist nicht bekannt.
1962 übernahm die britische Rio-Tinto-Gesellschaft die Mehrheit an der australischen Consolidated Zinc und benannte sich in Rio Tinto-Zinc Corporation (RTZ) um. Das australische Unternehmen erhielt den Namen Conzinc Riotinto of Australia (CRA), behielt aber seine Unternehmensstruktur. Wesentliche Anteile werden von Australiern gehalten.
Zusammen mit der brasilianischen Companhia Vale do Rio Doce und der Xstrata erwog die Gruppe 2006 die Übernahme des drittgrößten Bergbaukonzerns Anglo American für 80 Mrd. US-Dollar.[4] Im Juli 2007 wurde außerdem die Übernahme von Alcan bekanntgegeben.
BHP Billiton beabsichtigte 2008 eine Übernahme von Rio Tinto, die wegen weltweit fallender Rohstoffpreise in Folge der Finanzkrise 2008 jedoch scheiterte.[5]
Rio Tinto gehört das Unternehmen Hamersley Iron, das allein oder mit Partnern in Westaustralien mehrere Bergwerke betreibt. Einige ihrer Partner sind chinesische Unternehmen. Weiter gehören Rio Tinto 53 % der Robe River Iron Associates und 59 % der Iron Ore Company of Canada. Mit Eisen erwirtschaftet das Unternehmen 28,5 % seines Umsatzes (2008) und ist damit der zweitgrößte Eisenerzförderer der Welt.
Rio Tinto betreibt Kohlebergwerke in Australien und Nordamerika, ferner die Energy Resources of Australia Ltd., welche die Ranger-Uran-Mine in der Nähe des Kakadu-Nationalparks ausbeutet. Die Gewinnung von Energierohstoffen trägt etwa 20 % zur Bilanzsumme des Unternehmens und 11 % zum Gewinn bei.
Neben anderen Mineralen werden Talkum, Titandioxid, Salz und Borax in Australien, den Vereinigten Staaten und in Afrika gewonnen. Das Geschäftsfeld entspricht 15 % der Rio-Tinto-Bilanz und 11 % des Gewinns.
Rio Tinto ist Eigner von Comalco, welche Bauxit (Aluminiumerz) in Weipa, Queensland, fördert und in Gladstone sowie auf Sardinien raffiniert. Weiter betreibt sie zwei Aluminiumelektrolysen in Bell Bay (Tasmanien) und Boyne Island (Queensland, 59 % Beteiligung), sowie eine weitere in Tiwai Point (Neuseeland) mit 79 % Anteil. Diese Werke bildeten nach der Übernahme von Alcan zusammen mit deren Werken die Subdivision Rio Tinto Alcan. Dadurch wurde Rio Tinto der weltgrößte Aluminiumproduzent.
Rio Tinto schürft rosafarbene Diamanten in der Argyle-Diamantenmine in Western Australia und hält damit 90 % Anteil an der Weltproduktion dieser Steine und ist der drittgrößte Förderer an Naturdiamanten. Ihr gehören 60 % der Diavik-Diamantenmine in Kanadas Nordwest-Territorien, die sie auch leitet, sowie Anteile an der Murowa-Diamantenmine in Simbabwe.
Die beiden Metalle werden, teilweise im Joint Venture, in Bergwerken Australiens, Indonesiens, Südafrikas, Chiles und den Vereinigten Staaten gewonnen. Zum Unternehmen gehört die Kennecott Utah Copper Corporation. Der Anteil dieser Sparte am Gesamtumsatz beträgt 23 % (55 % davon Kupfer), sein Gewinn 2003 32 %.
Die Gesellschaft unterhält eine Erkundungs- sowie eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung (Eisenschmelzprozess).[6]
| Produkt | Menge | Produkt | Menge |
|---|---|---|---|
| Aluminiumoxid | 3 Mio. t | Aluminium | 850.000 t |
| Bauxit | 15 Mio. t | Borate | 560.000 t |
| Kohle | 38,2 Mio. t | Kupfer | 1,1 Mio. t |
| Titandioxid | 1,3 Mio. t | Silber | 124 t |
| Diamanten | 35 Mio. Karat = 7,1 t | Gold | 48,2 t |
| Eisenerz | 124,5 Mio. t | Blei | 12.000 t |
| Molybdän | 15.600 t | Salz | 5,5 Mio. t |
| Talk | 1,4 Mio. t | Zink | 37.200 t |
| Uran | 6.500 t |
Von Umwelt- und Gewerkschaftsgruppen, hier besonders der Construction, Forestry, Mining and Energy Union (CFMEU), werden Bedenken wegen des Verstoßes gegen Umwelt- und Arbeitsrechte sowie mangelnde Sicherheitsbestimmungen angemeldet. Der CFMEU gelang eine Kampagne gegen die Auflösung der Gewerkschaften im Unternehmen, die das Unternehmen nach dem Workplace Relations Act 1996 der Regierung John Howard's in Australien durchzusetzen suchte.
Der Konflikt um die von Rio Tinto betriebene Pangunamine war der Auslöser des Bürgerkrieges auf Bougainville in Papua-Neuguinea seit 1989.[7]
Das Unternehmen gewann 1993 einen Preis für Nachhaltige Entwicklung, den „Tate and Lyle Award for Sustainable Development“. Obwohl von einem unabhängigen Komitee vergeben, war er wie andere Worldaward-Auszeichnungen von einem anderen multinationalen Unternehmen gesponsert worden, in dem Fall Tate & Lyle.[8] Im Gegenzug sponserte das Unternehmen ebenfalls eine Worldaware-Auszeichnung, den Rio Tinto Award for Long-term Commitment, der einigen lokalen und internationalen Unternehmen, wie etwa 1999 'Shell Pakistan', verliehen wurde.[9]
Am 10. September 2008 gab die norwegische Finanzministerin Kristin Halvorsen bekannt, dass der staatliche Government Pension Fund of Norway eine Beteiligung im Wert von 500 Millionen Pfund verkaufen wird, da das Unternehmen an massiven Umweltschäden direkt beteiligt sei.[10][11] Der Kurs der Aktie gab daraufhin um 4,03 Prozent nach.[12]
„Das Gremium für Ethik ist zur Schlussfolgerung gekommen, dass Rio Tinto durch die Teilnahme an dem Betrieb der Grasberg-Mine in Indonesien unmittelbar an massiven Umweltschäden involviert ist, die durch den Betrieb der Mine verursacht werden. Es gibt keine Anzeichen, dass das Unternehmen diese Praktiken in Zukunft ändern wird.“
David Lea: Corporate and Public Responsibility, Stakeholder Theory and the Developing World. In: Business Ethics: A European Review. Bd./Jg. 8, Nr. 3, 1999, S. 151-162.
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