Rucksacktourismus ist eine Art des Tourismus, wenn man als Gepäck lediglich einen Rucksack mit sich führt (Rucksacktourist) und meist nicht an einem Reiseziel verweilt, sondern zu vielen verschiedenen Orten reist. Die von Rucksacktouristen gerne genutzten Hostels werden (als (deutsche) Abkürzung des Begriffs Backpacker Hostels) ebenfalls Backpacker genannt.
Der Begriff Rucksacktourismus (am. engl. Backpacking) entstand im deutschsprachigen Raum in den 1970er Jahren. Vom Anthropologen und Tourismuswissenschaftler Eric Cohen wurde der Rucksacktourist 1972 auch als Drifter (abgeleitet vom engl. to drift - treiben, sich treiben lassen) bezeichnet.
Die Bezeichnung Backpacker kommt aus dem amerikanischen Englischen (backpack = Rucksack, im britischen Englisch ist rucksack gebräuchlich[1]).
Auch als Weltenbummler oder Globetrotter bekannt reisten junge Menschen aus dem angloamerikanischen Raum nur mit dem nötigsten Gepäck und meist ohne klare Vorstellung der Unterkunftsmöglichkeiten. Diese wurden erst vor Ort erkundet und sollten möglichst preiswert und abseits der sonstigen Unterkünfte der Pauschaltouristen, dafür aber in engerem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung sein. Der Rucksacktourismus verstand sich als Alternative zum Massentourismus.
Bekannt wurde der Hippie trail – eine stark frequentierte Reiseroute von Europa über Land nach Asien. Südostasien war generell ein beliebtes Reiseziel und wird auch als Wiege des Alternativtourismus bezeichnet. Einen wichtigen Anteil hatte der 1973 erstmals erschienene Reiseführer South-East Asia on a shoestring (Lonely Planet). Durch den Reiseführer wurden Routen vorgezeichnet, welche durch die Rucksackreisenden frequentiert wurden, und damit die Errichtung von touristischen Infrastrukturen (Hotellerie, Gastronomie) ermöglichten. Auf diese Weise wird der Rucksacktourismus oft zu einem Vorläufer der touristischen Entwicklung von Regionen.
Rucksacktouristen reisen auf unterschiedlichste Art und Weise und aus den unterschiedlichsten Beweggründen. Einige haben ein genaues Ziel, verweilen nur an einem Ort, andere kennen nur den ersten Aufenthaltsort und lassen sich dann treiben oder es gibt von vornherein eine feste Routenplanung. Auch der Rückreisetermin kann vorher festliegen oder unbestimmt sein. Die Reisekasse kann für die gesamte Reisedauer bemessen sein (Travellerschecks und Kreditkarten) oder es sind zwischenzeitlich vor Ort Arbeitstätigkeiten zur Unterhaltssicherung vonnöten, wobei vereinzelt längere Aufenthalte an einem Ort durchaus üblich sind. Zunächst hauptsächlich aus der Hippiebewegung der 1970er entstanden, haben heutige Rucksacktouristen einen sehr unterschiedlichen Hintergrund. Vor allem westliche Jugendliche nach einem ersten Bildungsabschluss (Abitur, Studium) begeben sich häufig auf eine längere Rucksacktour. Zu den beliebten Zielen zählen heute vor allem Australien, Neuseeland und Südostasien.
Als Ausdruck von Individualität begonnen, entwickelte sich jedoch auch diese alternative Form des Tourismus im Laufe der Jahre zu einer Massenbewegung. In vielen von Rucksacktouristen stark frequentierten Gegenden führte dies zu Begleiterscheinungen, wie sie auch im konventionellen Tourismus auftreten, der eigentlich ursprünglich abgelehnt wurde. Bisweilen schadet der Rucksacktourist langfristig den Zielregionen genauso wie der Massentourismus. Ferner hat auch nicht jeder Rucksacktourist eine ökologischere oder sozialere Gesinnung als der Massentourist. Für die Einschätzung der einheimischen Bevölkerung ist es auch meist unerheblich, ob es sich um Rucksack- oder konventionellen Tourismus handelt.
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Rucksacktourismus aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. |