Sünde ist ein Begriff insbesondere im Judentum, Christentum und Islam. Er bezeichnet vor allem im christlichen Verständnis den unvollkommenen Zustand des von Gott getrennten Menschen und seine falsche Lebensweise. Diese Trennung kam, der biblischen Erzählung (Gen 3 EU) zufolge, durch den Sündenfall zustande. Die Sünde besteht nach christlichem Verständnis in einer willentlichen Abkehr von Gottes gutem Willen, im Misstrauen Gott gegenüber, im Zulassen des Bösen oder im Sich-Verführen-Lassen. Bei Paulus erscheint die Sünde als eine unheimliche Macht, die das Leben sowie das Zusammenleben bestimmt und die Menschen zu Sklaven ihrer Leidenschaften macht, denen sie entsprechend ausgeliefert sind (Röm 6,12-14 EU). Der Begriff Sünde bezeichnet des Weiteren die einzelne verwerfliche und daher sündige Tat (Verfehlung), die mit dem bösen Gedanken beginnt (Mt 15,19 EU). Gedanken- und Tatsünden folgen aus der durch Unglauben verursachten Trennung (d.h. der Grundsünde). Böse Worte, verletzende oder unwahre Äußerungen also, sind nach biblischem Verständnis zu den Tatsünden zu zählen. Sünde kann auch als das Gegenteil von moralischer Verantwortung aufgefasst werden oder die Ursache für psychologisches Fehlverhalten sein.
Letztlich führt das In-der-Sünde-Bleiben dem christlichen Glauben zufolge zur Verurteilung im sogenannten Jüngsten Gericht Gottes, zu zweierlei Schicksal für Glaubende und Ungläubige. Ein Tatbestand gilt als verwerflich bzw. schlecht, weil Gott ihn als Sünde kennzeichnet, z. B. durch die Zehn Gebote. Durch Sünden kommen andere Mitmenschen und der Sünder selbst immer direkt oder indirekt zu Schaden. Somit ist der Sünder nicht nur durch die Übertretung selbst, sondern auch immer durch ihre Folgen mit einer Schuld behaftet. Im Judentum wurde in Jerusalem bis zum Ende des Zweiten Tempels durch die Darbringung von Opfern die Schuld gesühnt, d.h. zugedeckt. Im Islam hingegen hat das Tieropfer seine Sühnebedeutung verloren (siehe unten, vgl. das islamische Opferfest).
Eng verbunden mit der Sünde sind das Bekennen und Bereuen derselben sowie die Buße als Abkehr von Fehlhaltungen und Fehlverhalten. Durch diese Reue und aufgrund der Heilstat Jesu Christi erfahren die Menschen Vergebung.
In anderen Religionen wird die Vergebung durch das Gnädigstimmen der Gottheit(en) erreicht (Verdienst, Selbsterlösung). Im Hinduismus und anderen vedischen Religionen werden unter Sünde Handlungen verstanden, die Karma verursachen.
Umgangssprachlich wird unter Sünde oft eine als falsch angesehene Handlung verstanden, ohne dass damit eine theologische Aussage impliziert wäre. In trivialisierter Form begegnet der Begriff im Verstoß gegen Diätvorschriften ("gegen die Linie sündigen") oder gegen Verkehrsregeln ("Parksünder").
Der griechische Ausdruck ἁμαρτία (hamartia) des Neuen Testaments und das hebräischen Wort chat’at des Tanach bedeuten Verfehlen eines Ziels – konkret und im übertragenen Sinn, also Verfehlung – und wird in deutschen Bibelübersetzungen mit Sünde wiedergegeben.
Das deutsche Wort Sünde hat eine gemeinsame Wurzel mit Worten anderer germanischer Sprachen (Englisch sin, Altenglisch synn, Altnorwegisch synd). Der Ursprung ist nicht genau geklärt. Möglicherweise geht das Wort auf die indogermanische Wurzel *es- zurück, das Partizip des Verbes sein, soviel wie seiend im Sinne von „derjenige (der es war) seiend“ bedeutend. Im Deutschen wurde Sünde erstmals als christlicher Begriff gebraucht.
Eine falsche, volksetymologische Deutung führt es auf das germanische sund zurück, weil Sund eine Trennung bezeichne. Allerdings bezeichnet „Sund“ im Gegenteil etymologisch eine Enge, also eine Verbindung, zum Beispiel eine Landenge.
Im Judentum ist die Übertretung eines Gesetzes Gottes eine Sünde. Die Gesetze sind dabei die Gebote der Tora, andere Vorschriften im Tanach sowie die im Talmud zusammengestellten Auslegungen. Nach jüdischem Verständnis begeht jeder Mensch im Laufe seines Lebens Sünden. Gott gleicht dabei die angemessene Strafe durch Gnade aus.
Das allgemeine hebräische Wort für Sünde ist aveira. Nach der Auslegung des Tanach werden drei Formen der Sünde unterschieden:
Nach jüdischer Lehre ist kein Mensch perfekt, und alle Menschen haben mehrfach gesündigt. Diese Handlungen bedingen allerdings keine andauernde Verdammung; nur wenige Sünden sind (fast) unvergebbar. Nach dem babylonischen Talmud wird Gottes Gnade in dreizehn Attributen zusammengefasst:
Der Jude soll diese selben Prinzipien in seinem Umgang mit den Mitmenschen anwenden.
Nach der Bibel war ursprünglich die "Stiftshütte" und später der Jerusalemer Tempel der Ort, an dem die Hebräer bzw. die Israeliten ihre Sünden durch Opfer sühnen ließen (sühnen = zudecken, hebr.: kippär).[1] Priester führten die in der Tora festgelegten Rituale (Gesang, Gebet, Gaben, Tieropfer) durch. Der Feiertag Jom Kippur ist ein spezieller Tag, an dem das ganze jüdische Volk zur Vergebung seiner Sünden zusammenkommt.
In den späteren Büchern der Propheten werden leere Rituale abgelehnt und die Einstellung der Bittsteller in den Vordergrund gerückt. Gebet, aufrichtige Reue und Umkehr (Jona 3,5–10 EU), (Dan 4,27 EU) sowie das Geben von Almosen sind zentrale Elemente der Sühne.
Der Begriff der Sünde, und insbesondere seine Überwindung, hat im Christentum eine zentrale Bedeutung. Sünde bezeichnet hier den durch den Menschen verschuldeten Zustand des Getrenntseins von Gott und ebenso einzelne schuldhafte Verfehlungen gegen Gottes Gebote, die aus diesem Zustand resultieren. (Zu konfessionellen Unterschieden siehe unten.)
Die Lehre von der Sünde nennt man die Hamartiologie (auch, nicht ganz korrekt, „Hamartologie“). Im klassischen theologischen Denkgebäude ist die Hamartiologie ein Teil der Anthropologie (die Anthropologie wiederum ist ein Teil der Schöpfungslehre, die Schöpfungslehre ist ein Teil der Dogmatik, die Dogmatik ein Teil der Theologie). Grundsätzlich ist nach der Theologie der Christen jeder Mensch sündig. Jesus von Nazaret wurde allerdings nicht im Zustand der Sünde geboren und sündigte nicht.
Die christliche Sichtweise der Sünde bezieht ihre wichtigsten Aussagen aus alt- wie neutestamentlichen Texten und unterscheidet sich insofern teilweise von der jüdischen Theologie.
Danach zerstört die Sünde die vertrauensvolle Beziehung des Menschen zu Gott, die von diesem gewollt ist. Die vielen einzelnen Sünden (sündhaften Handlungen) werden als Symptome bzw. Folgen der einen Sünde gesehen, die im Leben ohne Gottesbeziehung besteht. Sünde im christlichen Sinn ist immer zugleich eine Verfehlung gegen Gott – das Sündig-werden an Mitmenschen als Gottes Geschöpfe ist implizit gegen deren Schöpfer gerichtet. Ein Beispiel gibt das Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk 15,11–32 EU), in dem der Sohn sich eigentlich nur zwischenmenschlich verfehlt, aber dann zur Erkenntnis kommt: „Vater, ich habe gesündigt, gegen den Himmel und vor dir“ (Lk 15,18 EU).
Im neutestamentlichen Verständnis ist kein Mensch von Natur aus frei von Sünde: „Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht in uns.“ (1 Joh 1,8 EU). Sünden haben die Tendenz, weitere Sünden nach sich zu ziehen. Der Mensch hat keine Chance, im Alleingang frei von Sünde zu werden.
Konkrete Sünden, die im Neuen Testament erwähnt werden, sind: Entweihung des Tempels (Mk 11,15–18 EU), Heuchelei (Mt 23,1–36) EU), Habsucht (Lk 12,15 EU), Gotteslästerung (Mt 12,22–37 EU), Ehebruch (Mt 5,27–32 EU), Prahlerei (Mt 6,1–18 EU). Sündenlisten gibt es an mehreren Stellen des Neuen Testaments: in der Apostelgeschichte, in den Briefen von Paulus, sowie in der Offenbarung des Johannes. Eine besondere Form der Sünde ist die Sünde wider den Heiligen Geist, welche nach Aussage des Neuen Testaments nicht vergeben wird.
Sünde ist der von Menschen verursachte Grund für die geistliche Trennung von Gott, welche von Gott nicht gewollt ist (Jes 59,1 EU). Diese Trennung von Gott wird auch als „Wandeln in der Finsternis“ bezeichnet (Apg 26,17f EU). Sünde bewirkt den Tod. Damit ist nicht nur die jetzige Trennung gemeint, sondern die ewige Trennung von Gott (Röm 6,23 EU). Umgekehrt bedeutet die Vergebung der Sünde Ewiges Leben. Sünde stört aber nicht nur die Beziehung mit Gott, sondern auch zu unseren Mitmenschen (Lk 15,21 EU). Hauptsächlich wendet sich Sünde jedoch gegen Gott (Ps 51,6 EU).
Die Bibel setzt Sünde auch mit Gesetzlosigkeit (1 Joh 3,4 EU) bzw. mit Ungerechtigkeit gleich (1 Joh 5,17 EU). Daraus ergibt sich der Zusammenhang von Sünde und Gesetzesübertretung. Durch Gottes Gesetz wird die Sünde erkannt (Röm 3,20 EU). Da jeder Mensch mindestens einmal in seinem Leben gegen Gottes Gesetz verstößt, ist jeder Mensch von sich aus ein Sünder (Röm 3,23 EU).
Die Zurechnung von Übertretungen setzt die Kenntnis (Röm 5,13 EU, Röm 1,20 EU, Röm 2,12-15 EU) und Gültigkeit (Röm 6,14 EU) des Gesetzes voraus. Nicht aus eigener Kraft wird der Mensch gerettet, sondern durch Gottes Gnade (Eph 2,8f EU).
Die Gebote Gottes (das Gesetz) machen die Sünde und die Sünden erkennbar, nämlich als Maßstab (Röm 7,7–13 EU). Das wird in Beichtspiegeln angewendet, etwa bei der Vorbereitung auf die Beichte durch ein Betrachten einer Liste der zehn Gebote mit möglichen Verstößen.
Anstelle einer Konzentration auf mögliche Sünden wird mitunter eher die Gottesbegegnung empfohlen. So erläutert das Bekenntnis der Baptisten:
Das selbstkritische Erkennen des eigenen Betroffenseins von Sünde fällt den meisten Menschen schwer. Leichter ist solches Erkennen in Bezug auf die Menschheit insgesamt, als Kollektiv also. Hier lässt sich Sünde erkennen an der mangelnden Offenheit auf Gott zu hören, an dramatischen Gräueltaten sowie an ungerechten gesellschaftlichen Strukturen. Ohne nun bestimmte Sünden individuell zuzuordnen (dem oft die komplexe Realität entgegen steht), kann der einzelne Mensch sich doch als mitverantwortlicher Teil des sündenverstrickten Kollektivs sehen.[3]
Die Orthodoxe Kirche hebt insbesondere den Effekt der Sünde auf die Beziehungen zwischen Mensch und Gott sowie die zwischenmenschlichen Folgen hervor. Daher wird bei der Erlösung die Aussöhnung und erneuerte Beziehung betont.
Westliche Kirchen (katholische Kirchen, evangelische Kirchen) sehen dagegen eher den rechtlichen Aspekt, der dann auch bei der Erlösung eine Rolle spielt. Die römisch-katholische Kirche versteht unter Sünde nur die Handlung selbst, während die Kirchen der Reformation die menschliche Natur selbst als sündhaft bezeichnen (vgl. Zitat Martin Luther).
In der römisch-katholischen Kirche beschäftigt sich die Moraltheologie mit der Sündenlehre.
Die römisch-katholische Kirche kennt eine begrifflich ausgearbeitete Lehre bezüglich der Sünde[4] und ihrer kirchlich vermittelten Vergebung.[5] Dazu gehören unter anderem die Unterscheidung von Todsünde und lässlicher Sünde. Todsünden bewirken nach gegenwärtigem Urteil die „ewige Verdammnis“ in der Hölle, lässliche erfordern eine Reinigung (Strafe) im Fegefeuer. Daneben gibt es den Ablass zum Erlass von „zeitlichen Sündenstrafen“ (Sündenfolgen in der Zeit), die im Falle des Ablebens das Purgatorium mildern.
Nach römisch-katholischer Lehre hat die Erbsünde zwar die ursprüngliche Perfektion des Menschen angeschlagen, aber nicht vollständig ausgelöscht. Durch die Taufe wird die Erbsünde bis auf einen kleinen Rest, der sogenannten Konkupiszenz, der als eine Art Zunder im Menschen verbleibt, vollständig negiert und kann keine weitere Schuld nach sich ziehen. Daher ist der gefallene Mensch von sich aus bestrebt, Gottes Vergebung und Erlösung zu suchen. Methodistische und wesleyanische Kirchen, die zu den evangelische Kirchen gehören, teilen diese Sichtweise.
Die Sündentaten lassen sich in sichtbare Handlungen wie Totschlag und Diebstahl und in Gedanken vollzogene Taten wie Neid und Habgier und Unterlassungssünden (Jak 4,17 EU) unterscheiden. Sünden, die jemand mit großer Erkenntnis verübt, wiegen schwerer als Sünden, die jemand mit wenig Erkenntnis verübt (Lk 12,47f EU).
In der Sündenlehre der römisch-katholischen Kirche kommt auch den Mitchristen des Sünders eine Verantwortung zu. Der Katholische Erwachsenenkatechismus kennt die „Pflicht zur brüderlichen Zurechtweisung“, die er in der christlichen Tradition als ein „Werk der Barmherzigkeit“ definiert (Mt 18,15–17 EU). Diese Pflicht zur brüderlichen Zurechtweisung setzt eine sogenannte „schwere Sünde“ voraus. Als Sünde kann auch religiöse Unwissenheit gelten (vgl. Joh 8,32 EU).
Der Katholische Erwachsenenkatechismus unterscheidet im Kapitel Sünde und Umkehr zwischen Tod- und lässlichen, bzw. schweren und leichten Sünden. Dabei wird ein Mord als zum Himmel schreiende Sünde bezeichnet (Gen 4,10 EU).
„Die Kirche hat den Unterscheidungen zwischen schwerer und leichter Sünde bzw. Todsünde und läßlicher Sünde im Zusammenhang mit dem Bußsakrament besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Diese Abgrenzungen können auch Mißverständnisse mit sich bringen und dazu führen, daß leichte Sünden entweder verharmlost oder überschätzt werden und in Gewissensängste treiben. (…) Oft tragen zu den Fehlentscheidungen Einflüsse von außen bei: das gesellschaftliche Umfeld, das Vorbild und die Ratschläge anderer Menschen oder die öffentliche Meinung. Doch heben solche Einflüsse nicht die Verantwortung des einzelnen auf. (…) Doch wie tief jemand auch in Sünde gefallen ist, er muß nicht darin bleiben.“
– Katholischer Erwachsenenkatechismus
Siehe auch: Soteriologie
Die Auswirkung der Erbsünde wird in vielen reformatorischen Kirchen anders gesehen. Am prägnantesten formulierte dies der Calvinismus, aber auch lutherische Kirchen kennen teilweise ähnliche Bestimmungen. Danach ist der Mensch durch die Erbsünde in einem Zustand „totaler Verderbtheit“ gefangen – also der vollständigen Abkehr von Gott, d. h. der Fixierung auf sich selbst[6] und die Welt (vgl. Samsara). Dies kann allein durch Gottes Initiative und Gnade (sola gratia) durchbrochen werden. Der damit geschenkte Glaube (Sola fide) erhalte den Menschen im Zustand der Gnade.
Die Frage, wer in den Genuss der Befreiung von der Sünde kommt, und wie dies geschieht, wird innerhalb christlicher Kirchen unterschiedlich gesehen. Es lassen sich jedoch einige Gemeinsamkeiten feststellen.
Im Vordergrund steht die Gnade, die dem Menschen ohne sein Zutun geschenkt wird: die sogenannte Gerechtmachung des Sünders oder auch Rechtfertigung. Umstritten ist, inwiefern der Mensch sich aus eigenen Kräften schon Gott zuwenden kann. Im Zustand der Gnade jedenfalls erkennt der Mensch an, dass Gott in Jesus Christus als dem Heiland die Sünde(n) vergibt. Von Bedeutung für die Befreiung von der Sünde sind die Sakramente der Taufe und des (nicht einheitlich verstandenen) Abendmahls: die Taufe zur Aufnahme in die Glaubensgemeinschaft („Leib Christi“), das Abendmahl als immer wieder aufs Neue zugesprochene Sündenvergebung durch Gott.
Der Christ wird durch den seelsorgerlichen Akt der Sündenvergebung von den Sünden freigesprochen und die Gnade Gottes wird ihm zugleich zugesprochen; im Laufe der Christentumsgeschichte entwickelte sich der formale Vorgang des Bekennens (Beichte) vor einem Priester und der von diesem auferlegten Buße. Im Einzelnen gibt es heute diesbezüglich jedoch Unterschiede:
Siehe auch: Ablass
Sühne ist der Vorgang, durch den der Sünder wieder mit Gott versöhnt wird. Diese ursprünglich jüdische Lehre wurde zu einer zentralen Lehre in der christlichen Theologie. Die Sünde wird durch die Sühne aufgehoben; nach christlicher Lehre geschah diese Erlösung „in, mit und unter“ Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi. Im Laufe der Geschichte gab es unterschiedliche Ansätze, um die Bedeutung dieser im Christentum so zentralen Gegebenheit zu erfassen.
Das Neue Testament geht von der Ähnlichkeit mit dem jüdischen Tieropfer (Sühneopfer) im Tanach aus, das die Sünden abträgt.
Die Fragen zur Bedeutung des Todes und den Grund des Sterben-müssens sind im Laufe der Geschichte folgendermaßen beantwortet worden:
Diese Ansichten lassen sich (mit Einschränkungen) folgendermaßen gruppieren:
Ein vollständiges Verständnis der christlichen Vorstellung von Sühne erfordert eine Kombination dieser Punkte.
Siehe auch: Sühnopfer (Christentum)
Das christliche Konzept der Erbsünde beschreibt einen überindividuell – für den Einzelnen von Geburt an – bestehenden Zustand der Sünde, der irreversibel ist und nur durch die Gnade Gottes beseitigt werden kann (evangelisch), oder aber der Neigung zur Sünde, der vom Individuum handelnd aktualisiert und dadurch bejaht wird, solange die Gnade ihm nicht zu Hilfe kommt (katholisch).
Im Islam ist der Mensch ständig der Versuchung ausgesetzt, Sünden zu begehen. Diese bestehen darin, Gottes Willen oder seine Schöpfung zu verletzen.
Der Islam versteht Sünde als Ungehorsam gegen Gott, seinen Auftrag oder sein Gesetz. Sünde ist die „absichtliche Übertretung der göttlichen Norm“ (S. Balic) in Gedanken, Worten und Taten.
Der Koran beschreibt die erste Sünde der ersten Menschen (Adam und Eva) als Folge der Irreleitung des Satans (2:36–38). Der Islam lehnt es aber ab, die Sünde dieser beiden auf ihre Nachkommen vererbt zu haben. Der Koran verweist in diesem Bezug auf die Barmherzigkeit Gottes und dessen Macht zu vergeben. Nach der islamischen Lehre also wird der Mensch von der sogenannten „Erbsünde“ und ihren Folgen entlastet. Ein Mensch wird rein geboren und wird so lange rein bleiben, bis er sich aus seinem eigenen Willen gegen Gott versündigt. Erst dann spricht der Islam über eine Sünde. Sünden kann man nicht an reine Menschen vererben, reine Menschen dürfen, allein aus Gottes Gerechtigkeit, nicht für die Sünden anderer Menschen verantwortlich gemacht werden.
Unterschieden werden drei Gruppen, nämlich leichte Verfehlungen (wie sündhafte Gedanken), schwere moralische Sünden und die Todsünde „Unglaube“. Unglaube selber kann auch wieder drei Formen haben: Die Nichtanerkennung Gottes (arab. kufr), 2. Vielgötterei (arab. schirk), 3. Abfall vom Glauben (arab. irtidad). Diese Unterscheidung gründet in der Aussage „Diejenigen, die die schweren Sünden und die schändlichen Taten meiden – abgesehen von leichten Verfehlungen – [dürfen auf Vergebung hoffen]. Wahrlich, dein Herr hat eine umfassende Vergebung.“ (Koran 53:32, vgl. auch 42:37; 4:31). Zum Unglauben wird gesagt: „Siehe, diejenigen, welche glauben und hernach ungläubig werden, dann wieder glauben und dann noch zunehmen an Unglauben, denen verzeiht Allah nicht und nicht leitet Er sie des Weges.“ (Sure 4:137 nach Max Henning; vgl. auch Sure 41:27).
Die Theologie ist sich jedoch uneins ob der Anzahl der schändlichen Sünden. Nach Stieglecker soll Mohammed benannt haben:
Der Unglaube (kufr) ist die größte Sünde und verwirkt das Heil des Betroffenen, er gelangt nicht ins Paradies.
Nach Al-Ghazzali (1059–1111) bewertete die Schwere der Sünden nach dem Schema: a) Betrifft es Gott? b) Betrifft es Menschen? c) Betrifft es lebensnotwendige Mittel? Sünden gegen Gott und die Offenbarung galten ihm als die schwerwiegendsten, da sie den Eintritt ins Paradies verwehrten. Darauf folgten Delikte gegenüber Mitmenschen wie Mord, Totschlag, Verstümmelung, Gewaltanwendung, Homosexualität oder Ehebruch. Die dritte Sparte enthielt Eigentumsdelikte, „Aneignung des Gutes der Waisen durch den bestellten Vormund“, „Beraubung des Mitmenschen mit Hilfe einer falschen Zeugenaussage“ und die „Aneignung fremden Eigentums durch einen Verhehlungseid“ (H. Stieglecker).
Der Islam kennt keine Erbsünde. Zwar erinnert der Koran (7:19–25; 2:35–39; 20:117–124) an Sündenfall und Vertreibung aus dem Paradies, (Gen 3,1–24 EU) doch übernimmt er nicht die paulinische Lehre von der Erbsünde (Röm 5 LUT). Somit kennt der Islam notwendigerweise keine Erlösungstheologie.
Alle Sünden werden vom Menschen selbst auf Erden angesammelt. Aus dieser Selbstverschuldung erwächst auch die Selbstverantwortung für das jeweilige Tun und Lassen des einzelnen Menschen.[7]
Der Koran preist an vielen Stellen die Barmherzigkeit und Vergebungsbereitschaft Gottes (z. B.: Sure 2:173.182.192.199.218). Gott vergibt dabei, „wem er will“ (z. B.: Sure 2:285; 3:129). Als unverzeihlich gilt jedoch der Unglaube in seinen vielfältigen Formen.
Dazu gehören Polytheismus und Götzendienst (4:48.116), die Apostasie (4:137; vgl. 16:106f; 2:217; 3,86–91), den Glauben nur vorzuheucheln (63:3) und ein Leben in Unglauben bis zum Tode (47:34; 4:18). Menschen, welche diese Sünden begangen haben, wird Gott nicht verzeihen (vgl. 9:80; 63:6), selbst wenn Mohammed für sie eine Fürbitte (shafa’a) einlegte.
Alle anderen Sünden können prinzipiell Vergebung erlangen, soweit wahrhaftiger Glauben (vgl. 20:73; 26:51; 46:31) und die Ausrichtung am Leben Mohammeds gegeben sind: „Sprich: ,Wenn ihr Gott liebt, dann folgt mir, so wird Gott euch lieben und euch eure Sünden vergeben. Und Gott ist voller Vergebung und barmherzig.‘“ (3,31) Unter dieser Prämisse ist die Vergebung auch schwerer Sünden mittels Reue und Buße möglich (42:25; 4:17). Deshalb fordert der Koran Reue und Buße (z. B.: 24:31; 66:8; 5:74), um Gott zu versöhnen (z. B.: 5:39; 25:71). Wer Vergebung erfleht, dem wird vergeben (3:135–136). Kleinere Vergehen kann der Muslime derweil schon durch die gewissenhafte Erfüllung der religiösen Pflichten tilgen.
Ein besonderer Fall ist Ho'oponopono, ein kulturelles, psycho-spirituelles Verfahren der Hawaiier, dessen Anwendung weit über achthundert Jahre zurückreicht[8]. Wenngleich der Begriff Sünde unbekannt ist, so macht man auch im polynesischen Kulturkreis nicht alles richtig. Das dabei entstandene Denken, Sprechen und Handeln wird etwas neutraler mit Fehlverhalten bezeichnet. Ausgeglichen wird es durch eine geistige Reinigung, eine Korrektur (ho'o-pono-pono wörtlich als etwas besonders gut richtig stellen). Als solche ist es eine vielstufige Gebets- und Atemrunde; darüber hinaus aber auch eine Philosophie und ein Lebensstil. Das Verfahren trägt durch Aussprache (bis zur Beichte), durch gegenseitiges Bereuen und Vergeben in versöhnlicher, friedlicher Weise zur Konfliktlösung (einschließlich einer Lossprechung) bei. Es reicht bis zur praktizierten Feindesliebe. Traditionell wurde das Verfahren, bei dem alle an einem Problem beteiligten Personen anwesend waren (im Geiste auch die Ahnen), durch einen kahuna mit Heilkräften geleitet, eine Art Schamane. Die zur Mithilfe angerufenen höheren Wesen waren vorwiegend Naturgeister, aber auch ein Familiengeist, genannt 'aumakua. Moderne Formen, deren Begründerin die kahuna Morrnah Simeona war, können allein durchgeführt werden. Sowohl bei traditionellen als auch bei modernen Formen hawaiischen Ursprungs gehören Mantras nicht dazu.
„Ich Jesus Christus sage euch, so wird auch Freude sein im Himmel über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die keine Buße brauchen!“
– Lukas 15,7; zit. nach der Schlachter-Bibel
„Denn das ist gewisslich wahr, dass kein Mensch jemals seine rechten Hauptsünden sieht, als da ist Unglaube, Verachtung Gottes, dass er nicht Gott fürchtet, ihm vertraut und ihn liebt, wie es wohl sein sollte, und dergleichen Sünde des Herzens, da die rechten Knoten drinnen sind.“
– Martin Luther: Das schöne Confitemini an der Zahl der 118. Psalm (1530)[9]
„Ich brauche keine Bequemlichkeit. Ich will Gott, ich will Poesie, ich will wirkliche Gefahren und Freiheit und Tugend. Ich will Sünde!“
– Aldous Huxley: Schöne neue Welt
Als Jugendsünde oder auch Jugendtorheit bezeichnet man im deutschen Sprachraum allgemein eine unüberlegte Handlung oder Torheit, die jemand im jugendlichen Alter begangen hat. Als übertriebener und oft scherzhaft gemeinter Begriff gilt der Terminus für eine Schöpfung in jungen Jahren oder zu Beginn eines Berufes, mit der sich der Betroffene später nicht mehr identifizieren kann und möchte.
Im juristischen Sinn ist die Jugendsünde eine Verfehlung, die aufgrund des Alters oder des Entwicklungsstadiums des Ausführenden als minderschwer eingeschätzt wird. Im Unterschied zur Sünde fehlt allerdings im Allgemeinen die religiöse Beurteilung der Tat. Unterscheiden lassen sich hierbei.
Mit dem Begriff Modesünde bringt man umgangssprachlich eine negative Beurteilung in Bekleidungsfragen zum Ausdruck; es ist nicht im eigentlichen Sinne eine Sünde.
Der Papst gilt in der katholischen Kirche nicht als sündenfrei. Entsprechend legt auch er die Beichte ab.[10]
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