Montag, 28. Mai 2012

Themen


Samnaun

Samnaun (rätoromanisch Samignun) ist eine politische Gemeinde im Kreis Ramosch, Bezirk Inn, am Ostrand des Kantons Graubünden in der Schweiz. Die Gemeinde besteht aus den fünf Fraktionen Compatsch, Laret, Plan, Ravaisch und Samnaun. Samnaun ist Zollausschlussgebiet.

Wappen

Wappen: In Rot ein durchgehendes silbernes (weißes) Kreuz, oben begleitet von zwei silbernen Muscheln

Die Muscheln als Symbol des Heiligen Jakobus des Älteren, des Patrons der Pfarrkirche von Compatsch, sind verbunden mit dem Kreuz als Hinweis auf die Grenzgemeinde.

Wirtschaft

Samnaun
Samnauner Skigebiet

Durch die geographische Lage bedingt, führte bis 1905 die einzige Zufahrtsstrasse über österreichischen Boden. Deshalb wurde Samnaun Schweizer Zollausschlussgebiet. Am Grenzübergang steht nur der österreichische Zoll. Der abgabenfreie Einkauf in Samnaun lohnt sich vor allem für Benzin, Zigarren, hochwertige Spirituosen, Kosmetikwaren, Schmuck, Butter, Zucker und Parfüm. Das Dorf ist nebst den Winterattraktionen auch deshalb sehr bekannt und zu einer Touristenattraktion geworden. Touristen aus der Schweiz müssen Waren, welche die Freigrenzen überschreiten, beim Grenzübertritt in Martina deklarieren und verzollen.

Die Lieferanten müssen die Ware bei der Einfuhr nach Samnaun nicht verzollen und können diese entsprechend günstiger an die einheimischen Wiederverkäufer weiterverkaufen. Allerdings erhebt die Gemeinde eigene Abgaben, die jedoch wesentlich tiefer liegen als die schweizerischen Zollsätze. Eine Klage gegen diese Abgaben wurde vom Schweizerischen Bundesgericht abgewiesen.

Bei der Einführung der schweizerischen Mehrwertsteuer zum 1. Januar 1995 wurde die Abschaffung des Zollfreistatus von Samnaun diskutiert. Aufgrund eines Gutachtens, das die Gemeinde bei der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich in Auftrag gegeben hatte, und das die negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Arbeitsplätze in dieser strukturschwachen Gegend aufgezeigt hat, und weil der Zollfrei-Tourismus dann vermutlich nach Livigno abgewandert wäre, wurde der Zollfreistatus zwar beibehalten, aber die schweizerische MwSt. mit einem Normalsatz von derzeit 8,0 % und den ermäßigten Sätzen von 3,6 % für Hotels und 2,5 % für Lebensmittel, Bücher usw. wurde auch in Samnaun eingeführt. Um nicht Millionen von Franken in den Bau neuer Zollanlagen investieren zu müssen, werden die Erträge in Höhe einstelliger Millionenbeträge geschätzt und von der Gemeinde aus den Erträgen aus den Abgaben auf Zollfrei-Produkte pauschal an die Eidgenössische Steuerverwaltung in Bern abgeführt. Im Gegensatz dazu wird im nicht weit entfernten italienischen Zollfreigebiet Livigno keine MwSt. erhoben.

Tourismus

Seilbahn

Samnaun betreibt ein über den Berggrat und die Grenze zusammengeschlossenes Skigebiet mit der Gemeinde Ischgl im Bundesland Tirol, Österreich.

Es ist eines der größten Skigebiete der Ostalpen. Samnaun hat dabei die erste doppelstöckige Seilbahn eingesetzt.

Verkehr

Samnaun - Sign - on 1830 m.jpg

Die 1905 ab Vinadi über schweizerischen Boden nach Samnaun führende Strasse ist sehr eng. Schwere Motorwagen können diese Strasse nicht benutzen. Problematisch ist beispielsweise das Zusammentreffen von zwei Gespannen in den einspurigen Tunneln. Der Hauptzufahrtsweg ist die besser ausgebaute Strasse auf Tiroler Boden über Spiss.

Samnaun ist auch an das Postauto-Liniennetz angeschlossen. Ausserdem verbindet der SamnaunBus sämtliche Ortschaften im Tal miteinander.

Bevölkerung

Sprachen

Die besondere topographische Lage und Beziehung zum benachbarten Tirol führte im 18. und 19. Jahrhundert dazu, dass die Samnauner Bewohner ihre einstige angestammte bündnerromanische Muttersprache Vallader aufgaben und den Oberinntaler Dialekt, eine Mundart Tirols, annahmen. Der Wortschatz des 'Samnauner Dialektes' wird daher im Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich erfasst. Die Anzahl der Bevölkerungsgruppen sind in der folgenden Tabelle von 1980 bis 2000 erfasst:

Sprachen in Samnaun
Sprachgruppe Volkszählung 1980 Volkszählung 1990 Volkszählung 2000
Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil
Deutsch 569 95,31 % 619 97,02 % 695 93,54 %
Rätoromanisch 4 0,67 % 10 1,57 % 6 0,81 %
Italienisch 1 0,17 % 3 0,47 % 6 0,81 %
Einwohner 597 100 % 638 100 % 743 100 %

In Samnaun sind inzwischen auch Portugiesen sowie Serben und Kroaten zugewandert. Ihr Bevölkerungsanteil in Samnaun betrug im Jahr 2000 etwa je 2 %.

Religionen und Konfessionen

Seit 1530 gab es in Samnaun Anhänger der Reformation. Da sich aber nur ein Teil der Bürger dieser Lehre anschloss, war Samnaun mehrere Jahrhunderte lang eine so genannte Paritätische Gemeinde (Reformierte und Katholiken im gleichen Ort). Um 1800 war die reformierte Minderheit durch den Einfluss der Kapuziner und Tirols abgewandert oder katholisch geworden.

Die Bruder-Klaus-Kapelle gehört noch heute jeweils zur Hälfte der römisch-katholischen Pfarrei und der reformierten Kirchgemeinde Tschlin-Strada-Martina. Letztere betreut die Diaspora in Samnaun und hat die Tourismusseelsorge inne.

Herkunft und Nationalität

Von den Ende 2005 824 Bewohnern waren 675 (= 82 %) Schweizer Staatsangehörige.

Persönlichkeiten

Weblinks

 Commons: Samnaun – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter
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Diese Seite wurde zuletzt am 23. April 2012 um 18:36 Uhr geändert.

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