Montag, 28. Mai 2012

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Sankt Ottilien

Erzabtei Sankt Ottilien

Die Erzabtei Sankt Ottilien ist ein Kloster der Missionsbenediktiner im oberbayerischen Landkreis Landsberg am Lech (nahe dem Ammersee), der zur Diözese Augsburg gehört. Die Erzabtei steht im Klosterdorf Sankt Ottilien und gehört zur Gemeinde Eresing. Sie wurde 1884 von dem Schweizer Andreas Amrhein gegründet. Der Ottilianer Kongregation gehören 1100 Mönche in 19 Ländern an. Etwa 110 leben in St. Ottilien. [1]

Gebäude

Außenansicht der Klosterkirche

Die Klosterkirche (Patrozinium Herz Jesu) wurde von 1897–99 erbaut. Ihr spitzer, 75 Meter hoher Turm ist bereits aus großer Entfernung zu sehen. Das dreischiffige Gotteshaus wurde im Stil der Neugotik errichtet und 1903 geweiht. Der Kirchenbau wurde – wohl aufgrund von Protesten der umliegenden Gemeindepfarreien – um ein Gewölbe kürzer ausgeführt als ursprünglich geplant.

Der Klausurbereich wurde nach Plänen des Klostergründers ebenfalls im neugotischen Stil errichtet. Der Bau begann im Jahr 1892. Schon 1910 machte das rasche Anwachsen der Gemeinschaft den Bau eines weiteren Traktes nötig, der im Jugendstil gehalten ist und südlich der Klosterkirche liegt. In diesem befindet sich das 1911 eingerichtete Missionsmuseum. Im Westen schließt sich seit 1955 ein Trakt mit Wohnzellen, Verwaltungsräumen und einem Gästebereich an.

In der Nähe der Klosterkirche befindet sich das „Ottilienheim“, das als Gästehaus dient. Ebenfalls der Aufnahme von Gästen dient das ihm stirnseitig gegenüberliegende Exerzitienhaus, das unmittelbar an die Reste des ehemaligen Gutes Emming angebaut wurde. Dieser alte, noch vorklösterliche Gebäudeteil schließt an die barocke Ottilienkapelle an. Das Exerzitienhaus wurde zunächst nur im Sommer für Exerzitien genutzt und beherbergte im Winter die Schüler der früher dort befindlichen Landwirtschaftsschule.

Orgeln

Seit 1994 beherbergt die Kirche zwei Orgeln der Firma Sandtner. Eine Hauptorgel mit drei Manualen und 47 Registern und eine Chororgel mit zwei Manualen und 17 Registern. Das Haupt- und das Pedalwerk der Chororgel stehen auf der Ostempore des nördlichen Querhausarmes, das Schwellwerk gegenüber auf der Westempore des Querhauses.

Hauptorgel

Hauptorgel
I Rückpositiv
1. Principal 8'
2. Rohrflöte 8'
3. Quintade 8'
4. Octave 4'
5. Spitzflöte 4'
6. Nazard 22/3
7. Dublette 2'
8. Tierce 13/5
9. Larigot 11/3
10. Fourniture 4f 11/3
11. Cromorne 8'
Tremulant
II Hauptwerk
12. Praestant 16'
13. Principal 8'
14. Copel 8'
15. Flûte harmonique 8'
16. Viole de Gambe 8'
17. Oktave 4'
18. Blockflöte 4'
19. Quinte 22/3
20. Superoctave 2'
21. Mixtur 5f 2f
22. Cornet 5f (ab c) 8'
23. Fagott 16'
24. Trompette 8'
25. Clairon 4'
III Schwellwerk
26. Bourdon 16'
27. Principal 8'
28. Flauto 8'
29. Salicional 8'
30. Voix céleste 8'
31. Prestant 4'
32. Flûte octaviante 2'
33. Octavin 2'
34. Plein jeu 3-4f 22/3
35. Cornet 3f 22/3
36. Trompette harmonique 8'
37. Hautbois 8'
38. Clairon harmonique 4'
Tremulant
Pedal
39. Principalbaß 16'
40. Subbaß 16'
41. Quintbaß 102/3
42. Octavbaß 8'
43. Gedecktbaß 8'
44. Choralbaß 4'
45. Mixtur 4f 22/3
46. Posaune 16'
47. Trompete 8'

Chororgel

Hauptwerk der Chororgel
I Hauptwerk
1. Principal 8'
2. Copel 8'
3. Octave 4'
4. Flageolet 2'
5. Mixtur 3f 2'
II Schwellwerk
6. Rohrflöte 8'
7. Salicional 8'
8. Voix céleste 8'
9. Spitzflöte 4'
10. Doublette 2'
11. Terz 13/5
12. Larigot 11/3
13. Hautbois 8'
Tremulant
Pedal
14. Subbass 16'
15. Octavbass 8'
16. Gedeckbass 8'
17. Choralbass 4'

Glocken

In der offenen Glockenstube befindet sich ein achtstimmiges Großgeläut, das zu den tontiefsten Glockenensembles Süddeutschlands zählt.[2] Außerdem ist es das tontiefste Geläute des Bistums Augsburg. Alle acht Glocken wurden von Karl Czudnochowsky (Erding) gegossen, die große Hosanna 1949 als einzige aus „Euphon“ (Kupfer-Zink-Legierung), die übrigen Glocken 1950 aus Glockenbronze. Sie hängen im Stahlglockenstuhl an geraden Stahljochen. Die ausführliche Läuteordnung berücksichtigt die musikalische Kombinationsvielfalt der Glocken. Feste Läutetermine unter der Woche sind das Angelusläuten morgens, mittags und abends mit der Annuntiata, das Gedächtnis an das Ölberggebet und die Todesangst Christi am Donnerstagabend mit der Gloriosa sowie die Erinnerung an das Leiden Christi am Kreuz freitags um 11 Uhr mit Gloriosa und Ottilia. Das Vollgeläut ist nur zu den höchsten Festtagen (Festum Summum) zu hören: Heiligabend und Weihnachtstag, Erscheinung des Herrn, Osternacht und Ostersonntag sowie am Herz-Jesu-Fest und Pfingstsonntag. Dabei wird nach clunyazensischer Art geläutet: 22 Minuten vor Beginn des Pontifikalamtes läuten alle Glocken zusammen; die kleineren Glocken schwingen dann aus, bis schließlich nur die Hosanna alleine erklingt. Der Reihe nach werden nun alle acht Glocken einzeln geläutet, bis schließlich die kleine Kapitelsglocke ertönt. Die übrigen, größeren Glocken fallen nun nacheinander wieder ein, bis schließlich wieder das Gesamtgeläut erklingt.

Nr.  Name  Nominal (HT-1/16) Gewicht (kg) Ø (mm) Liturgische Funktion (solistisch)
1 Hosanna – Salvatorglocke fis0 +1 5250 2180 Festum Summum/Hochfeste 1. Ordnung, Sterbeglocke Mönche, Angelus (Ostersonntag)
2 Gloriosa – Benediktusglocke a0 –1 3600 1830 Sonntage Weihnachts-/Osterzeit/Hochfeste 2. Ordnung
3 Assumpta – Jubiläumsglocke h0 –1 2250 1580 Sonntage im Advent/in der Fastenzeit/im Jahreskreis, Angelus (Osterzeit)
4 Annuntiata – Angelusglocke cis1 ±0 1750 1430 Angelus, Werktage Weihnachts-/Osterzeit, Sterbeglocke Gemeinde
5 Ottilia e1 +1 1050 1190 Werktage Jahreskreis
6 Bartholomäus – Apostelglocke fis1 +1 650 1020 Werktage im Advent/in der Fastenzeit
7 Ulrich gis1 +1 450 880 Vigil (außer an Hochfesten)
8 Burkard – Kapitelsglocke h1 +1 350 800 Komplet

Die fünf größten Glocken tragen Inschriften:

Glocke 1 − Hosanna
  1. Apparuit gratia Dei Salvatoris Nostri ominibus hominibus. Salvaor Cor sacratum / flagrans atque vulneratum / hoc in loco sit laudatum / incessanter et amatum. Hosanna. Jesu, Salvator, salva nos. Hosanna / Hosanna. Salva nos Salvator. Hosanna. („Erschienen ist die Gnade Gottes, unseres Erlösers, allen Menschen. Heiliges Herz des Erlösers glühend und verwundet, sei allezeit gepriesen und geliebt an diesem Ort. Hosianna, Erlöser Jesu, rette uns. Hosianna.“)
  2. Gloriose confessor domini monachorum pater et dux Benedicte intercede pro nobis. („Ruhmreicher Bekenner des Herrn, Vater und Lehrer der Mönche, bitte für uns.“)
  3. Assumpta est Maria in cælum gaudent angeli – In memoriam definitionis dogmaticæ assumptionis B. Mariæ V. Kal. Nov. Anni Sancti MCML.(„Es freuen sich die Engel: Maria ist aufgenommen in den Himmel – Zur Erinnerung an die Verkündigung des Dogmas von der Aufnahme Mariens in den Himmel. Im November des Heiligen Jahres 1950.“)
  4. Ave Maria gratia plena. („Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade.“)
  5. Sancta Ottilia lumen posce patrona cæcis. („Heilige Ottilia, du unsere Patronin, erflehe Licht den Blinden.“)

Geschichte

Ottilienkapelle

Die Wallfahrt zur Heiligen Ottilia in Emming ist bereits seit 1365 sicher nachgewiesen. Im 16. Jahrhundert wurde Emming zu einem Herrensitz ausgebaut. Es entstand die Ottilienkapelle und ein kleines Schloss. Im 17. Jahrhundert wurden Schloss und Kapelle barockisiert. Das Gut wechselte im Laufe der Zeit mehrmals seinen Besitzer; das Schloss wurde 1884 abgerissen. Schließlich erwarb Andreas Amrhein, ein Benediktiner der Erzabtei Beuron, 1886 den herrenlosen Weiler und gründete 1887 Sankt Ottilien.

Motivation der Neugründung

Amrhein hatte seine Vision, das benediktinische Leben mit einem Einsatz in der Mission zu verbinden, innerhalb der Beuroner Kongregation nicht verwirklichen können; daher begann er unabhängig von Beuron eine eigene Gründung. Nach einer ersten Gründung in Reichenbach 1884 wurde die Gemeinschaft 1887 nach Emming verlegt. Das Kloster nannte sich nach dem Wallfahrtsort Sankt Ottilien. Ebenfalls 1887 konnte bereits eine erste Gruppe von Mönchen als Missionare nach Afrika entsandt werden.

Entwicklung des Klosters

Innenansicht des Hauptschiffs der Klosterkirche

1902 wurde Sankt Ottilien zur Abtei erhoben. Nach Gründung dreier weiterer Abteien wurde Sankt Ottilien 1914 Erzabtei der Missionsbenediktiner; bis heute ist der Erzabt von Sankt Ottilien Präses der Benediktinerkongregation von Sankt Ottilien.

Bis 1930 wuchs das Kloster stark (weitere Missionsgebiete Südafrika, Korea, Republik China). Sankt Ottilien wurde in dieser Zeit ausgebaut, um den auf 396 Mönche angewachsenen Konvent aufzunehmen. 1941 wurden die Mönche von der Gestapo vertrieben; sie konnten erst nach Kriegsende 1945 zurückkehren. Bis 1948 gab es in Sankt Ottilien ein DP-Lager, gegründet von dem litauisch-jüdischen Arzt Zalman Grinberg, in dem aus Konzentrationslagern befreite Häftlinge versorgt wurden.

Neben den Aufgaben in der Mission und die damit verbundene Entwicklungshilfe in Ländern der Dritten Welt führt das Kloster ein großes Exerzitienhaus, einen eigenen EOS-Verlag, eine stattliche Landwirtschaft, das Rhabanus-Maurus-Gymnasium Sankt Ottilien für etwa 700 Schüler mit angeschlossenem Tagesheim und Internat und mehrere handwerkliche Betriebe. Ebenso betreibt das Kloster einen kleinen Sportplatz und einen Jugendzeltplatz.

Klosterstudie

Das Kloster nahm an der Klosterstudie teil. Nach den Ergebnissen leben Nonnen und Frauen der Allgemeinbevölkerung annähernd gleich lang, dicht gefolgt von Mönchen die eine im Schnitt ein bis zwei Jahre kürzere Lebenserwartung haben als beide Frauengruppen. Deutlich abgeschlagen Männer der Allgemeinbevölkerung die im Schnitt sechs Jahre kürzer leben als Nonnen und Frauen der Allgemeinbevölkerung und bis zu viereinhalb Jahre kürzer als Mönche.[3][4]

Generalobere und Erzäbte

Klosterfeuerwehr

Hauptartikel: Feuerwehr St. Ottilien

Siehe auch

Referenzen

  1. Broschüre des Klosters aus dem Jahre 2009
  2. Die Glocken der Erzabtei Sankt Ottilien
  3.  Marc Luy: Warum Frauen länger leben. Erkenntnisse aus einem Vergleich von Kloster- und Allgemeinbevölkerung. In: Materialien zur Bevölkerungswissenschaft. Nr. 106, Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, Wiesbaden 2002, ISSN 0178-918X, S. 117 ff., DNB 965668789 (Zugl. Diplomarbeit 1998, online, abgerufen am 1. Februar 2012).
  4.  Marc Luy, H. Ehlers, H. Kahlert, G. Linke, D. Raffel, B. Rudlof, H. Trappe (Hrsg.): Geschlechterdifferenz – und kein Ende?. Sozial- und geisteswissenschaftliche Beiträge zur Genderforschung. 1. Auflage. Band 8, LIT Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-8258-1647-6, 10 Jahre Klosterstudie – gewonnene Erkenntnisse und offene Fragen zu den Ursachen für die unterschiedliche Lebenserwartung von Frauen und Männern, S. 251-273 (online, abgerufen am 2. Februar 2012).

Literatur

  • Bals, Claudius: Die Erzabtei St. Ottilien. Missionarisches Mönchstum., St. Ottilien 2004, (ISBN 3-8306-7189-X), [1]

Weblinks

 Commons: Erzabtei St. Ottilien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.09694444444411.045555555556
Koordinaten:
48° 5′ 49″ N, 11° 2′ 44″ O

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Diese Seite wurde zuletzt am 22. April 2012 um 11:25 Uhr geändert.

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