| Vergleichende Klassifikation nach | ||||
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| ICD-10 | DSM-IV | |||
| F60.1 | Schizoide Persönlichkeitsstörung | 301.20 | Schizoide Persönlichkeitsstörung | |
| ICD-10 online | DSM IV online | |||
Die schizoide Persönlichkeitsstörung (griechisch: schizo = abgespalten; nicht zu verwechseln mit Schizophrenie, der schizotypischen Persönlichkeitsstörung oder der schizoiden Störung des Kindesalters) zeichnet sich aus durch einen Rückzug von affektiven, sozialen und anderen Kontakten mit übermäßiger Vorliebe für Phantastereien, einzelgängerisches Verhalten und eine in sich gekehrte Zurückhaltung. Die Betroffenen verfügen nur über ein begrenztes Vermögen, Gefühle auszudrücken und Freude zu zeigen.
Der Begriff schizoid wurde 1908 von Eugen Bleuler geprägt.
Eine tiefgehende Kontaktstörung prägt die betreffenden Personen, ihre emotionale Beziehung zur Umwelt und anderen Menschen ist zentral gelockert, die spontane Erlebnisfähigkeit und das unmittelbare Ansprechen der Gefühle sind stark gehemmt. Tiefsitzendes Misstrauen hält sie anderen Menschen gegenüber auf Distanz. Während einerseits der Wunsch nach inniger Gemeinsamkeit mit anderen oder einem Menschen vorhanden sein kann, sind andererseits Mitteilung und emotionaler Ausdruck blockiert. Einige dieser Persönlichkeiten treten starr und hölzern auf, andere wiederum überaus freundlich und vertrauenswürdig. Unter Druck gesetzt, durch z.B. zu enges Zusammenleben, reagieren sie oft abrupt und befremdlich. Sie ziehen sich dann für Außenstehende völlig unerwartet zurück, schotten sich ab und meiden für einige Zeit jegliche Kontakte. Sowohl perfekte Selbstkontrolle als auch plötzliches Ausbrechen sind zwei Seiten dieser Persönlichkeiten.
Im geselligen Umgang fällt Unzugänglichkeit als Wesenskern auf, obwohl formal ein perfekter und sogar eleganter Umgangsstil beherrscht werden kann. In vielem Neuen wird eine mögliche Gefahr gesehen, vor der es sich zu schützen gilt. Menschen mit einer solchen Störung bilden kompensatorisch oft ein hohes Maß intuitiver Fähigkeiten aus, mit denen sie sich zugleich schützen und Überlegenheit gewinnen. Diese antrainierte Fähigkeit bleibt oft ein Leben lang erhalten und schränkt die sozialen Kontakte ein.
Soweit die Voraussetzungen bestehen, entwickeln diese Persönlichkeiten nicht selten ein hohes Maß an intellektueller Differenziertheit. Beruflich fühlen sie sich fernab von Menschen in den abstrakten Wissenschaften wohl und können dort beachtliche Leistungen erbringen. Dabei kommt ihnen ihre soziale Ungebundenheit zugute. In der Schule liefern sie mitunter schlechte Leistungen, die nicht in Relation zu ihrem Intellekt stehen, und ziehen sich oft Hänseleien zu.
Der Begriff der Persönlichkeitsstörung meint die Fixierung auf die beschriebenen Merkmale. Unter günstigen Bedingungen jedoch, etwa indem Vertrauen gefasst werden kann, können sich diese Züge mildern, sodass Plastizität und damit eine gewisse Veränderung eintritt.
Es wird von weniger als einem Prozent Betroffener in der Bevölkerung ausgegangen, das heißt, dass die Störung im Vergleich zu anderen Persönlichkeitsstörungen relativ selten vorkommt.[1]
Nach vorherrschender Auffassung nimmt diese Persönlichkeitsstörung in der frühen Kindheit ihren Ausgang. Eine hochgradige angeborene Sensibilität und Irritierbarkeit wird ebenso als Voraussetzung für ihre Entstehung angesehen wie Formen starker emotionaler Vernachlässigung, chaotischer sozialer Verhältnisse oder auch Formen brüsker mütterlicher Fürsorge. In vielen Fällen weist ein Elternteil psychische Störungen auf und/oder konnte sein Kind nicht verstehen. Dem Säugling und Kleinkind fehlt ausreichender Schutz zum Ausbilden der ersten selbstständigen Kontakte mit der nächsten Umgebung – solche Versuche wurden entweder gar nicht beantwortet und konnten sich nicht weiterentwickeln, oder es wurde so stark auf sie reagiert, dass nicht die Freude an der Antwort, sondern die Beängstigung durch sie als bleibende Erfahrung im Gedächtnis bleibt.
Mindestens drei der folgenden Eigenschaften oder Verhaltensweisen müssen vorliegen:
A: Ein tief greifendes Muster, das durch Distanziertheit in sozialen Beziehungen und eine eingeschränkte Bandbreite des Gefühlsausdrucks im zwischenmenschlichen Bereich gekennzeichnet ist. Die Störung beginnt im frühen Erwachsenenalter und tritt in den verschiedensten Situationen auf. Mindestens vier der folgenden Kriterien müssen erfüllt sein:
B: Tritt nicht ausschließlich im Verlauf einer Schizophrenie, einer Affektiven Störung mit Psychotischen Merkmalen, einer anderen Psychotischen Störung oder einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung auf und geht nicht auf direkte körperliche Wirkung eines medizinischen Krankheitsfaktors zurück.
Die Behandlung erfolgt durch Psychotherapie, wobei es Personen mit schizoider Persönlichkeitsstörung häufig schwer fällt, eine engere Beziehung zu dem Therapeuten einzugehen. Hierbei kommen sowohl kognitiv-behaviorale Veränderungsstrategien als auch psychodynamische Verfahren zum Einsatz.
Eine ergänzende Psychopharmakotherapie ist indiziert, wenn die Symptomatik gleichzeitig eine schwere Depression und/oder Ängste umfasst. Eine ursächliche Behandlung mit Medikamenten ist jedoch nicht bekannt. [2]
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