| Anton Schlecker e.K. i.I. | |
|---|---|
| Rechtsform | Einzelunternehmen in der Insolvenz |
| Gründung | 1975 |
| Sitz | Ehingen, Deutschland |
| Leitung | Arndt Geiwitz, Insolvenzverwalter |
| Mitarbeiter | 36.000 (2012)[1][2] |
| Umsatz | 6,55 Mrd. EUR (2010)[3] |
| Branche | Drogerie |
| Website | www.schlecker.de |
Anton Schlecker e.K. ist ein 1975 von Anton Schlecker gegründetes Unternehmen mit Sitz in Ehingen. Schlecker betreibt Drogerie-Filialen (auch unter der Marke Ihr Platz), Versandhandel per Onlineshop und Katalog, Bau- und Möbelmärkte sowie Tankstellen.
Am 23. Januar 2012 stellte der Alleininhaber der Firma Anton Schlecker e.K., Herr Anton Schlecker, sowie die Tochtergesellschaften Schlecker XL GmbH und Schlecker Home Shopping GmbH[4] beim Amtsgericht Ulm Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.[5]
Am 28. März 2012 eröffnete das Amtsgericht Ulm die Insolvenzverfahren über die Vermögen der Anton Schlecker e.K., der Schlecker XL GmbH und der Schlecker Home Shopping GmbH.[6][7]
Von 1965 bis zur Firmengründung arbeitete Anton Schlecker (* 1944) als Metzgermeister in der Metzgerei seines Vaters, die damals aus 17 Metzgereien und einer Fleischfabrik bestand.
1967 eröffnete Schlecker das erste SB-Warenhaus („Schleckerland“) in Ehingen. Weitere Eröffnungen folgten in Neu-Ulm, Geislingen an der Steige, Göppingen und Schwäbisch Gmünd. Als 1974 die Preisbindung für Markenartikel als unzulässig erklärt wurde, eröffnete er ein Jahr später in Kirchheim unter Teck seinen ersten Drogeriemarkt. Bereits 1977 betrieb Schlecker mehr als 100 Drogerien. Er erhöhte deren Anzahl 1984 auf 1.000 Filialen und gilt seit 1994 als Marktführer.[8]
Nach und nach expandierte Schlecker deutschlandweit, ab 1987 auch europaweit. Nach Österreich folgte 1989 der Markteintritt in den Niederlanden und Spanien. Durch die Übernahme des französischen Unternehmens Superdrug konnte Schlecker 1991 in Frankreich Fuß fassen.[8] Im Jahr 1999 erfolgte die Expansion nach Italien, 2004 nach Polen und Dänemark. 2005 wurden Filialen in Tschechien und Ungarn, sowie ein Jahr später in Portugal eröffnet.[9] Neben Österreich und Spanien haben sich auch Italien sowie in Osteuropa vor allem Tschechien (wo Schlecker nach eigenen Angaben Marktführer ist) und Polen zu wichtigen Auslandsmärkten für Schlecker entwickelt. Andere Länder kamen bisher über ihre Start-up-Phase noch nicht weit hinaus.[10]
Das Ehepaar Anton und Christa Schlecker wurde im Jahre 1998 per Strafbefehl durch das Landgericht Stuttgart zu einer Freiheitsstrafe von je zehn Monaten auf Bewährung und zu einer Geldstrafe in Höhe von einer Million Euro verurteilt, weil den Schlecker-Beschäftigten vorgetäuscht worden war, sie würden nach Tarif bezahlt werden. Tatsächlich lagen die Löhne niedriger, was das Gericht als Betrug wertete.[11]
Nicht nur durch Expansion, sondern auch durch Akquisition weitete Schlecker das Geschäft aus. So wurden die 240 Sconti-Märkte der Rewe Group 2001 übernommen. 2005 konnte Schlecker 91 Filialen der Drogeriekette idea – die grüne Drogerie der Rewe Group in das eigene Filialnetz integrieren. Ende 2006 übernahm Schlecker die führende tschechische Drogeriekette Droxi, welche zum Feinkosthaus Julius Meinl gehörte. Zum 31. Dezember 2007 akquirierte Schlecker den einstigen Konkurrenten Ihr Platz für 150 Millionen Euro und führt ihn seither als Premiumzweitmarke weiter. Auch fast 100 größere Schleckerfilialen sollen unter Ihr Platz firmieren.[10] Ende August 2009 genehmigte das Bundeskartellamt die Übernahme von maximal 71 ehemaligen Woolworth-Filialen.
Im Jahr 2000 wurde der Onlineshop Schlecker Home Shopping eröffnet, dessen Sortiment nach Angaben des Unternehmens 100.000 Artikel umfasst. Die Artikel des Sortiments werden auch über einen Katalog vertrieben. Für das Versandgeschäft wurde 2004 ein neues Logistikzentrum nahe Ehingen-Berg in Betrieb genommen. In einer repräsentativen Kundenbefragung vom Bundesverband des Deutschen Versandhandels wurde der Onlineshop Ende 2009 unter die besten Einkaufs-Adressen im Internet gewählt.[12]
Seit Mitte 2007 ist Schlecker im Großhandelsgeschäft tätig und kauft für andere Händler ein. Hierdurch soll die firmeneigene Logistik besser ausgenutzt werden und durch die Volumenerhöhung die Einkaufspreise der Artikel weiter gedrückt werden.[10]
Seit Februar 2008 betreibt Schlecker im holländischen Heerlen die Versandapotheke Vitalsana.[13][14][15]
2008 existierten europaweit mehr als 14.000 Filialen mit ca. 50.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von mehr als 7 Milliarden Euro.[10][16] Der Aufstieg von Schlecker zur größten Drogeriemarktkette Europas könnte als Erfolgsgeschichte im europäischen Einzelhandel bezeichnet werden.[17]
Zum 1. Januar 2010 hat die zur Schwarz-Gruppe gehörende Handelskette Kaufland vier der fünf Schleckerland-Selbstbedienungs-Warenhäuser übernommen, umgebaut und auf das Kaufland-Konzept umgestellt. Das Schleckerland Neu-Ulm hingegen wurde als Einkaufszentrum mit Schlecker XL-Markt neu eröffnet, da Kaufland dort bereits zwei Filialen betreibt.[18]
Am 21. Januar 2010 kündigte Schlecker an, aufgrund „geschäftlicher Probleme“ noch 2010 500 Filialen schließen zu wollen.[19]
Im August 2010 wurde ein Datenleck bei dem renommierten[20] Bonner IT-Dienstleister Artegic AG öffentlich bekannt, von dem Schleckerkundendaten betroffen waren. Datensätze von 150.000 Schleckerkunden waren wegen einer Sicherheitslücke im Internet öffentlich zugänglich.[21] Laut dem Datenleckentdecker, dem Internetunternehmer Tobias Huch, ist Schlecker für das Leck nicht verantwortlich.[22] Das Datenleck wurde sofort nach seiner Entdeckung geschlossen. Die lancierten Datensätze beinhalteten unter anderem den vollständigen Namen des jeweiligen Kunden, die Adresse, die E-Mail-Adresse und sein Kundenprofil. Zudem waren die E-Mail-Adressen von 7,1 Millionen Newsletter-Abonnenten frei zugänglich.[23] Schlecker hat als Reaktion Strafanzeige gegen unbekannt erstattet und betroffenen Kunden einen Einkaufsgutschein für das Internet in Höhe von fünf Euro als Entschädigung angeboten. Zudem wurden Verbesserungen der Sicherheitsstandards initiiert.[24]
Im Oktober 2010 wurden die Schlecker-Betriebsräte der Bezirke Mayen und Fürth/Herzogenaurach mit dem Deutschen-Betriebsräte-Preis 2010 in Gold ausgezeichnet. Die Laudatio begründete dies mit dem Einsatz der Betriebsrätinnen gegen „Lohndrückerei, Missbrauch von Leiharbeit und Tarifflucht“, der öffentliche Aufmerksamkeit erfahren, die Politik mobilisiert und das Unternehmen letztendlich zur Einstellung der Zusammenarbeit mit der umstrittenen Leiharbeitsfirma Meniar gezwungen habe.[25]
Mitte November 2010 gaben Lars und Meike Schlecker, Kinder von Anton Schlecker und seit zehn Jahren im Unternehmen tätig, bekannt, nun für den Außenauftritt des Unternehmens verantwortlich zu sein. Bis Mitte 2012 sollen 230 Millionen Euro investiert werden, um die Filialen wettbewerbsfähiger zu machen.[12]
Seit dem Jahresanfang 2011 verwendet Schlecker ein neues, von der zur Düsseldorfer Grey-Gruppe gehörenden Design-Agentur KW 43 erarbeitetes[26]Logo.
Im Januar 2011 gab Schlecker im Zuge des Zukunfts- und Investitionsprogramms Fit for Future eine tief greifende Veränderung der internen Führungsstruktur bekannt:[27][28][29] Als zweite Führungsebene unterhalb der Inhaberfamilie wurde eine Vorstandsebene (C-Level) mit Thorben Rusch als COO (für Wareneinkauf, Marketing und Vertrieb) und Sami Sagur als CFO (für Verwaltung und Personal) gebildet. Neben diesen beiden neu gegliederten Bereichen berichten aber Stabsabteilungen u. a. für Immobilien, Personalentwicklung und Unternehmenskommunikation weiterhin direkt an die Familie Schlecker. Die neue Führungsstruktur mit ihrer klareren Gliederung soll Lars Schlecker und Meike Schlecker die Führung des Unternehmens im operativen Geschäft erleichtern. Für Schlecker ist es ein Novum, dass mit Sami Sagur ein von außen relativ neu ins Unternehmen gekommener Manager eine derart exponierte Führungsposition erhält. Das mit Hilfe von externen Beratern erarbeitete Programm Fit for Future soll zu einer umfangreichen Neupositionierung führen, das Image verbessern und Schlecker zu einem modernen Nahversorger entwickeln. Dies soll durch tief greifende Änderungen bei Sortiment und Ladenbau sowie bei Kommunikation und Marketing erreicht werden.[30]
Im Juni 2011 gab Schlecker bekannt, dass man seit drei Jahren Verluste erwirtschafte und dass man im Gesamtjahr 2011 vermutlich 500 bis 800 Filialen schließen wolle. Mit einem neuen Regelwerk für die Führungskräfte des Unternehmens soll der schlechte Ruf des Unternehmens in Bezug auf Arbeitnehmerrechte verbessert werden.[31][32] Die Schlecker-Führungsgrundsätze wurden – erstmals in der Unternehmensgeschichte – vorab mit der Gewerkschaft Ver.di abgestimmt. So erkennen Ver.di-Handelssekretär Achim Neumann und Ver.di-Chef Frank Bsirske diese auch als „nachvollziehbare Management-Methoden“ an.[33][34] Die neuen Führungsgrundsätze sollen den Umgang zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern verbindlich regeln, Konflikten vorbeugen und das diesbezüglich bisher problematische Image Schleckers korrigieren.
Im Sommer 2011 hat Schlecker neben der Unternehmens-Website drei weitere unternehmenseigene Internet-Seiten eingerichtet: Einen Unternehmensblog,[35] eine Ratgeberseite[36] sowie eine Website der ebenfalls neu ins Leben gerufenen Schlecker-Nachbarschaftsinitiative.[37] Diese neuen Internet-Angebote von Schlecker stehen offenkundig im Zusammenhang der Zielsetzung Schleckers, im Zuge der begonnenen grundlegenden Neuausrichtung des Unternehmens intensiver und offener zu kommunizieren. Die Aktivitäten der Nachbarschaftsinitiative umfassen etwa die Neugestaltung einer nachbarschaftlich genutzten Grünanlage, Unterstützung bei der Durchführung eines Dorffests oder Hilfe für eine Igelaufzuchtstation.[38]
Im Dezember 2011 berichtete Spiegel-Online über „massive Liquiditätsprobleme“ im Hause Schlecker. Nach Unternehmens-Verlusten in den vorangegangenen drei Jahren soll Unternehmenschef Anton Schlecker zur Abwehr der Liquiditätsprobleme einen hohen zweistelligen Millionenbetrag seines Privatvermögens in das Unternehmen investiert haben.[39]
Anton Schlecker der unter der Firmenbezeichnung Anton Schlecker e.K. (§ 17 HGB)handelt und die Tochtergesellschaften Schlecker XL GmbH und Schlecker Home Shopping GmbH stellten am 23. Januar 2012 wegen Zahlungsunfähigkeit[40] beim Amtsgericht Ulm einen Insolvenzantrag. Zunächst hatte es geheißen, dass die Tochter IhrPlatz von der Insolvenz nicht betroffen sei. Diese stellte jedoch am 26. Januar 2012 ebenfalls einen Insolvenzantrag. Dies ist somit bereits die zweite Insolvenz von IhrPlatz.[41]
Die Unternehmensleitung während des Insolvenzverfahrens obliegt dem Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz. Am 29. Februar 2012 gab Geiwitz bekannt, dass Schlecker jede zweite Filiale schließen werde; vom Arbeitsplatzabbau betroffen wären demnach etwa 11.500 Mitarbeiter in den Schlecker-Filialen.[42]
Die operative Geschäftsführung haben der COO, Thorben Rusch, und der CFO Sami Sagur.[43][44]
Am 11. März 2012 bestätigte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums einen Zeitungsbericht, dass Schlecker keine Hilfe von der bundeseigenen Förderbank KfW erhält.[45] Eine erste Liste mit ca. 2500 zu schließenden Märkten wurde am 13. März 2012, eine Entlassungsliste mit ca. 11.200 Beschäftigen am 20. März 2012 bekannt.[46][47] Die Bundesländer verhandeln über die Bildung einer Transfergesellschaft, für die aber ca. 70 Mio. Euro benötigt werden.[48] Am 28. März 2012 wurde bekannt, dass eine Transfergesellschaft unter Beteiligung aller Bundesländer gescheitert sei; stattdessen wollen die Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen eine Transfergesellschaft gründen, in der dann auch nur die Mitarbeiter der in diesen Bundesländern von den Filialschließungen betroffenen Schlecker-Mitarbeiter aufgenommen würden.[49] Eine Transfergesellschaft kam dann aber nicht zustande, weil Bayern eine Teilnahme abgelehnt hatte.[50]
Bis 24. März 2012 schlossen 2200 Schlecker-Filialen, die ca. 40 Prozent des Filialnetzes ausmachten.[51]
Am 28. März 2012 eröffnete das Amtsgericht Ulm das Insolvenzverfahren.
Schlecker beschäftigt nach eigenen Angaben europaweit rund 47.000 Mitarbeiter und sei somit das größte Drogeriemarktunternehmen Europas.[52] Sowohl Anton Schleckers Frau als auch die beiden Kinder sind in der Konzernleitung des Unternehmens tätig.[53] In Deutschland und im europäischen Ausland gibt es über 14.155 Schlecker-Märkte (Stand: 2008),[10][54] davon
Im Schnitt führt Schlecker auf 200 m² Verkaufsfläche ein Drogeriesortiment von rund 4000 Artikeln. Zudem unterhält Schlecker Metzgereifilialen auf der Schwäbischen Alb, in Oberschwaben und im Allgäu sowie einen Bau- und Möbelmarkt in Ehingen.
Innerhalb von zehn Jahren verdoppelte sich der Umsatz von Schlecker auf 6,6 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2005.[57]
| Quelle: manager magazin 2/2008[10] | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 |
|---|---|---|---|---|
| Umsatz Drogerien (in Mrd. €) | 5,7 | 5,5 | 5,6 | 5,5 |
| Umsatz sonstige Dienstleistungen (in Mrd. €) | 0,7 | 1,1 | 1,3 | 1,5 |
Schlecker stellte zeitweise 76 % der Drogeriemärkte in Deutschland, hatte 2007 einen Marktanteil von 38,1 % und war damit Marktführer unter den Drogeriemärkten. Hauptkonkurrenten sind dm-drogerie markt, Rossmann und Müller.
Durch den harten Konkurrenzkampf unter diesen Vieren stagnierten nach Einschätzung von Marktbeobachtern die Umsätze von verschiedenen Schlecker-Märkten in den letzten Jahren. Um dem entgegenzuwirken, startete Schlecker ein Standortoptimierungsprogramm, bei dem rund 1.000 kleinere und umsatzschwache Filialen geschlossen werden und neue rentablere Filialen eröffnet werden sollen.
Der Betriebsrat kritisierte dieses Programm, da Mitarbeitern bereits zuvor gekündigt worden sei oder eine Kündigung drohe. Ein Unternehmenssprecher wies die Information als unzutreffend zurück, da es zwar zur Schließung von Filialen kommen werde, aber insgesamt alleine im Jahr 2004 272 neue Verkaufsstellen eröffnet und den Beschäftigten entsprechende Übernahmeangebote für die neuen Märkte unterbreitet worden seien.
| Quelle: manager magazin 2/2008[10] | 2004 | 2005 | 2006 | 2007* |
|---|---|---|---|---|
| Anteil am deutschen Drogeriemarkt | 42,1 % | 41,5 % | 40,3 % | 38,1 % |
* = Schätzung.
Die Österreich-Tochter firmiert unter dem Namen Anton Schlecker Gesellschaft m.b.H., Firmensitz ist Pucking. 2010 wurde von ca. 3.500 Mitarbeitern in 974 Filialen ein Umsatz von rund 451 Millionen Euro erwirtschaftet, Schlecker gehört somit gemeinsam mit Dm-drogerie markt (364 Outlets, 616 Mio. Umsatz) und Bipa (572 Filialen, 543 Mio. Umsatz) zu den Top 3 im österreichischen Drogeriefachhandel.[58] Die Logistik wird über die Zentrallager in Gröbming und Pöchlarn abgewickelt, das Lager Wolfau ist seit Oktober 2011 stillgelegt, weil es auf Grund des Marktrückzuges aus Ungarn nicht mehr benötigt wurde.[59]
Ein langjähriger Vergleich zeigt: 1994 war Schlecker in Österreich mit 467 Filialen präsent. Dann expandierte das Unternehmen stetig, bis 2003 der Höchststand mit 1.248 Standorten erreicht wurde.
Seitdem nimmt die Zahl der Filialen ab: 2005 gab es noch 1.176, 2009 1.037 und Ende 2010 974 Filialen.[60] Zum Zeitpunkt der Insolvenz in Deutschland hat der Konzern in Österreich rund 970 Niederlassungen und beschäftigt etwa 3.000 Mitarbeiter.[61]
1995 hat Schlecker einen ersten Tarifvertrag mit den damaligen Gewerkschaften HBV und DAG abgeschlossen, in dem die Bindung Schleckers an den Einzelhandelstarif und die Modalitäten von Betriebsratsaktivitäten bei Schlecker festgeschrieben wurden. 1998 hatten sich bei Schlecker auf der Basis dieser Einigung 68 Betriebsratsgremien mit 140 Betriebsratsangehörigen erfolgreich etabliert.[62]
Heute gibt es laut Frank Bsirske, Chef der Gewerkschaft Ver.di, bei Schlecker 170 Betriebsratsgremien und einen Gesamtbetriebsrat. Schlecker gibt die Zahl der Betriebsratsangehörigen mit insgesamt rund 1000 an. Von den 34.000 Schlecker-Mitarbeitern in Deutschland sind 11.000 Ver.di-Mitglieder.[63][64][65]
Am 1. Juni 2010 hat Schlecker mit Ver.di drei neue Tarifverträge abgeschlossen: Einen Sozialtarifvertrag und einen Beschäftigungssicherungstarifvertrag für die Beschäftigten in den alten Schlecker-Märkten, sowie einen Vertrag zur Tarifbindung der neuen Schlecker-XL- Märkte, die zur rechtlich eigenständigen Schlecker XL GmbH gehören.[66] Mit diesen neuen Tarifverträgen wurde die Kontroverse um die neuen Schlecker-XL-Märkte beigelegt, in denen die Angestellten zunächst ohne Tarifbindung beschäftigt worden waren. Durch den Tarifvertrag hat sich die Situation der Beschäftigten von Schlecker XL verbessert.[67] Sie werden nun in ganz Deutschland nach dem Einzelhandelstarif von Baden-Württemberg bezahlt. Die Einigung wurde in Politik und Wirtschaft einhellig begrüßt.[68] Nach neuerlichen Vorwürfen der Gewerkschaft Ver.di hinsichtlich der Vergütung von Überstunden stand infrage, ob die tarifvertraglichen Vereinbarungen von Schlecker auch bereits lückenlos umgesetzt werden.[68] Schlecker hat sich aber inzwischen zur finanziellen Vergütung der Überstunden verpflichtet.[68]
Der für Schlecker zuständige Ver.di-Gewerkschaftssekretär Achim Neumann äußerte sich im November 2010 gegenüber dem Manager-Magazin positiv über die tarifvertraglichen Verpflichtungen von Schlecker: „Schlecker ist geradezu Vorreiter der Branche.“[69] Ver.di-Chef Frank Bsirske bestätigte diese Einschätzung in seiner Rede auf dem Leipziger Ver.di-Bundeskongress im September 2011 nochmals.[34]
Schlecker stand aufgrund seiner Arbeitsbedingungen in der Kritik von Gewerkschaften. So ist in den Läden bisweilen nur ein einziger Angestellter anwesend.[71] In der Regel arbeiten in einer Filiale eine Vollzeitkraft und zwei Halbtagskräfte, die je nach Bedarf eingesetzt werden.
Seit 2009 plant Schlecker sich im Drogeriebereich mit größeren Schlecker-XL-Märkten zum Teil neu aufzustellen, was vor allem mit der Schließung kleinerer Filialen im Umkreis der größeren XL-Märkte mit bis zu 800 Quadratmetern Verkaufsfläche, einhergeht.[72] Laut Ver.di soll dies bis zu 4.000 kleinere Filialen betreffen, den Mitarbeitern wird aufgrund der Schließungen betriebsbedingt gekündigt.
Den Mitarbeitern wurde teilweise eine Beschäftigung in den neuen Märkten ermöglicht. Da diese jedoch von der rechtlich selbständigen Schlecker XL GmbH betrieben werden, für welche die Tarifverträge der Fa. Anton Schlecker bis zum Juni 2010 nicht galten, erfolgte die Weiterbeschäftigung bis zu diesem Zeitpunkt zu vorübergehend deutlich schlechteren Konditionen.[73] Die Festangestellten waren bei Schlecker XL während dieses Zeitraums in der Minderheit: Mehr als zwei Drittel ihrer Beschäftigten rekrutierte die Schlecker XL GmbH damals als Leiharbeitskräfte von der Meniar Personalservice GmbH, deren Gründer und Geschäftsführer zuvor Personalbereichsleiter in der Firmenzentrale von Schlecker war. Da das Leiharbeitsunternehmen seinen Sitz in Zwickau hat, zahlte es auch den Mitarbeiterinnen in westdeutschen Filialen lediglich die niedrigeren Ostgehälter von teilweise weniger als 7 Euro.[74]
Das Arbeitsgericht Marburg hat Schlecker XL am 23. April 2010 im Rahmen einer einstweiligen Verfügung [75] verpflichtet, bis zum Abschluss des Hauptsacheverfahrens eine ehemalige Schlecker-Mitarbeiterin zu alten Konditionen weiterzubeschäftigen, da in der Umwandlung Schlecker zu Schlecker XL ein Betriebsübergang i.S.v. § 613a BGB zu sehen sei und daher, zum Zeitpunkt des Übergangs von Schlecker, bestehende Arbeitsverträge auf den neuen Schlecker XL übergegangen seien.
Mitarbeiter werden immer wieder u. a. durch Testkäufe kontrolliert, was immer wieder kritisiert wird, aber auch nach Ansicht von Ver.di bei anderen Unternehmen in weitaus problematischerer Form auftritt.[76]
Behauptungen, dass Schlecker-Filialen wegen unzureichender Sicherheitsvorkehrungen und kleiner Belegschaft häufiger überfallen werden, als diejenigen anderer Ketten, konnten bisher nicht bewiesen werden. Manche Arbeitnehmer fühlen sich dennoch in den Filialen nicht immer sicher.[71]
Firmeninterne Telefonate mussten in der Vergangenheit in österreichischen Schlecker-Filialen teils mit dem privaten Mobiltelefon geführt werden, da Diensttelefone gesperrt waren; Mitarbeiter beklagen, während der Arbeitszeit keine Toilette aufsuchen zu können.[71]
Die Mitarbeiter österreichischer Schlecker-Filialen müssen, damit die Lagerbestände stimmen, abgelaufene Waren zum Vollpreis selbst kaufen.[77] Die österreichische Gewerkschaft der Privatangestellten erhebt massive Vorwürfe gegen Schlecker wegen Verstößen gegen das Arbeitsrecht.[71]
In Deutschland hat nach erheblicher Kritik das Unternehmen 2010 angekündigt, keine neuen Verträge mit der umstrittenen Leiharbeitsfirma Meniar zu schließen. Die Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen beabsichtigte die Vorgänge prüfen zu lassen und sagte, es ginge ihr auch darum, „ob Gesetze verletzt oder umgangen worden sind“ und ob im bestehenden Gesetzesrahmen „Schlupflöcher und Lücken sind, die Zustände in der Leiharbeit zulassen, die nicht im Sinne des Gesetzgebers sind.“ Ver.di hatte Schlecker vorher vorgeworfen, dass festangestellte Mitarbeiter in neue Verträge mit deutlich schlechteren Arbeits- und Einkommensbedingungen gezwungen würden, was über die Zeitarbeitsfirma Meniar („Menschen in Arbeit“) mit Sitz in Zwickau erfolge. Sie zahle einen Stundenlohn von 6,78 Euro während der Tariflohn einer Verkäuferin im Bundesdurchschnitt hingegen bei 12,70 Euro liegt.[78] Auch der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels kritisierte das Vorgehen von Schlecker am 12. Januar 2010 scharf.[79] Die Maßnahmen von Schlecker sind mittlerweile auch Grund für die generelle Diskussion über Leiharbeit in Deutschland. „International fällt Deutschland durch eine Zweiklassen-Gesellschaft am Arbeitsmarkt auf“, sagte der Sprecher der OECD in Deutschland in diesem Zusammenhang.[80] Am 31. März 2010 wurde berichtet, dass in Schlecker-Filialen unerlaubt die Mitarbeiter gefilmt wurden.[81][82]
48.25349.7427
Koordinaten: 48° 15′ 12,2″ N, 9° 44′ 33,7″ O
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