Dienstag, 29. Mai 2012

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Schwarzer September (Aufstand)

Als Schwarzer September oder auch Jordanischen Bürgerkrieg bezeichnet man die gewalttätigen Auseinandersetzungen 1970–1971 zwischen jordanischen Sicherheits- und Streitkräften auf der einen sowie palästinensischen Guerillas und syrischen Truppen auf der anderen Seite. Die Gefechte endeten mit der Vertreibung der palästinensischen Organisationen aus Jordanien.

Hintergrund

Nach dem Sechstagekrieg 1967 verschlechterte sich das Verhältnis zwischen den Mitgliederorganisationen der Palestine Liberation Organization und dem jordanischen Königshaus deutlich. Die jordanische Niederlage im Krieg und der Verlust der West Bank führten zu einem Gesichtsverlust des Staates unter vielen Palästinensern. Die jordanische Regierung sah die mit ihr nicht abgesprochenen Angriffe auf israelisches Territorium als Verletzung ihrer Souveränität. So führte die Schlacht von Karame zu einem Zerwürfnis zwischen beiden Seiten. Die palästinensische Seite hatte rund 100.000 Bewaffnete in Jordanien und ihre Führungsschicht sah in der mehrheitlich palästinensisch-stämmigen Bevölkerung des Königreichs eine potentielle Machtbasis den Staat zu kontrollieren. So verdrängten palästinensische Milizen jordanische Sicherheitskräfte aus den Flüchtlingslagern und mehreren Städten. Ebenso unterwarf sich die Guerilla demonstrativ keiner Kontrolle durch das jordanische Militär. Im Oktober zerschlug das jordanische Militär die palästinenische Organisation An-Nasr (Der Sieg), welche sich ein Feuergefecht mit der Polizei geliefert hatte.[1][2] Ebenso kam es zur Eintreibung von Geld von der Bevölkerung, diese mitunter mit Waffengewalt. Versuche der jordanischen Regierungen, unangemeldete Waffenlager und öffentliches Tragen von Waffen einzuschränken, wurden von der PLO unter Protest zurückgewiesen.[3]

Im Juni 1970 wurde die Geheimdienstzentrale in Amman von palästinensischen Radikalen angegriffen und der König Hussein entging knapp einem Attentat. Daraufhin bombardierten Einheiten der jordanischen Armee zwei Flüchtlingslager mit Artillerie am Tag des Attentats. Auf Befehl König Husseins wurden die Truppen zurückbeordert und Hussein und Jassir Arafat gaben eine Erklärung ab die Kämpfe seien zu beenden. Die marxistische Palästinenserorganisation PFLP besetzte jedoch zwei Hotels in Amman und nahm die dortigen Zivilisten als Geiseln. Als Forderung stellten sie die Entlassung ihnen unliebsamer Staatsbeamter, Kabinettsmitglieder und Militärs. Arafat schloss sich trotz seiner vorhergehenden Beteuerungen diesen Forderungen an. Mit der Absicht die innenpolitische Lage zu beruhigen stimme König Hussein den Forderungen zu. Im September 1970 sorgte die Entführung von 5 Passagierflugzeugen mitsamt 435 -vorwiegend westlichen- Zivilisten durch die PFLP, welche den Waffenstillstand zwischen Hussein und Arafat ablehnte für eine weitere Provokation. Jassir Arafat begrüßte die Aktion öffentlich und brüskierte somit das Königshaus. Währenddessen kam es in Irbid, Zarqa und Ma'an zu bewaffneten Gefechten zwischen palästinensischen Freischärlern und dem jordanischen Militär. Am 16. September riefen palästinensische Militante in Irbid eine Volksregierung aus und forderten so offen die Legitimität des Königshauses heraus. In der darauffolgenden Nacht proklamierte König Hussein das Kriegsrecht und übergab die exekutive Kontrolle an ein Miltärkabinett unter dem palästinensischstämmigen Offizier Muhammad Daoud. Ebenso wurde Habas al-Madschali zum Generalstabschef der Streitkräfte ernannt. Damit gab der König der Armee das politische Signal gegen die militanten Palästinensergruppen vorzugehen.[4]

Jordanische Offensive

Kräfteverhältnisse

Die jordanischen Streitkräfte verfügten über rund 70.000 Soldaten. Die Armee verfügte über drei gepanzerte und eine mechanisierte Brigade. Diese waren mit modernen US-amerikanischen Panzermodellen der Typen M60 und älteren britischen Modellen des Typs Centurion L7 ausgerüstet. Die jordanischen Luftstreitkräfte bestanden aus 32 Hawker Hunter und 18 Lockheed F-104. Der PLO standen rund 25.000 Vollzeitsoldaten und 76.000 Milizionäre zur Verfügung. Diese Kräfte verfügten über keine schweren Waffen. Ebenso besaßen diese nur rudimentäres militärisches Training und einen geringgradigen Organisationsgrad.[1][5]

Die PLO kontrollierte große Teile der Hauptstadt Ammans. Dortige Hochburgen waren die örtlichen Flüchtlingslager. Ebenso waren einige Städte im Norden des Landes unter palästinensischer Kontrolle. Der jordanische Generalstab hatte für die Niederschlagung der palästinensischen Guerilla eine zweitägige Operation ihrer mechanisierten und gepanzerten Kräfte veranschlagt. [1][6]

Scheitern der jordanischen Offensive

Laut dem Zweitagesplan des jordanischen Militärs sollte der Schwerpunkt der Auseinandersetzung in der Sicherung der Hauptstadt Amman bestehen. Dabei sollte 1. Infanteriedivision über den leicht bebauten Südteil der Stadt ins Zentrum vorstoßen. Die Altstadt sollte von der 4. Mechanisierten Brigade und der 60. Panzerbrigade erobert werden. Der nördliche Teil des Landes, inklusive der strategisch wichtigen Städte Irbid, Aljun und Ar-Ramtha sollte von der 2. Infanteriedivison und der 40. Panzerbrigade gesichert werden. Die Operationen sollten zeitgleich am 17. September beginnen. Die mechanisierten Verbände blieben bereits am zweiten Kampftag in der Altstadt stecken und mussten in dem für gepanzerte Einheiten schwierigen Terrain durch mit RPGs ausgerüsteten Milizionären hohe Verluste hinnehmen. Die Offensive im Süden der Stadt musste ebenso nach geringen Geländegewinnen gestoppt werden. Die nördliche Offensive lief nur mit einer zeitlichen Verzögerung an, woraufhin die Palästinenser die Initiative ergriffen und zuerst die Kampfhandlungen eröffneten. Infolgedessen konnte die nördliche Offensive keines ihrer Ziele erreichen. Gleichzeitig stand die Armee vor einer inneren Krise da rund 5.000 Soldaten und Offiziere desertierten oder zu den Palästinensern überliefen. Selbst in der Armeeführung gab es Spannungen. So trat der Kommandeur der 2. Infanteriedivision, vermutlich aus Sympathie mit der PLO am dritten Kampftag von seinem Posten zurück.[1]

Syrische Intervention

Syrien entsandte bis zum 20. September die 5. Infanteriedivision und drei Panzerbrigaden in den Norden des Landes mit insgesamt 16.000 Soldaten und je nach Quelle 200 bis knapp 300 T-55-Kampfpanzern. Zunächst gelang es den syrischen Truppen in einem Gefecht bei Ar-Ramtha die jordanische 40. Panzerbrigade zurückzudrängen und so den Weg nach Irbid für die syrischen Truppen zu öffnen. Dabei verloren die Syrier 10 T-55. Die Jordanier 19 Centurion. Am 22. September entschied sich die jordanische Führung um König Hussein zu einem massiven Luftschlag der Jordanischen Luftstreitkräfte. Die Luftwaffe flog rund 200-250 Bodenangriffsmissionen gegen die syrischen Streitkräfte und zerstörte rund 120 Kampfpanzer und Panzerfahrzeuge. Infolgedessen zogen sich die syrischen Truppen am Folgetag wieder über die Grenze zurück. Der ehemalige Luftwaffenoberbefehlshaber und amtierende Verteidigungsminister Hafiz al-Assad hielt die Luftwaffe bewußt zurück da der Einmarsch von seinem politischen Rivalen Salah Dschadid ausgegangen war.[7]

Während der Kämpfe kam es zu israelischen Luftwaffenmanövern und Verstärkung der Truppen an der syrischen Grenze welche auf ein persönliches Hilfsgesuch König Husseins an die USA, Großbritannien und Israel zurückgingen.[7]

Weiterer Verlauf

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Ägyptens Präsident Nasser, Saudi-Arabiens König Faisal und PLO-Vorsitzender Arafat im September 1970 auf dem Gipfeltreffen der Arabischen Liga

Unter Vermittlung von Gamal Abdel Nasser kam es am 27. September 1970 zu einem Abkommen zwischen Hussein und Jassir Arafat. König Hussein lenkte unter dem Druck arabischer Staatschefs ein und einigte sich mit dem Palästinenserführer auf einen Waffenstillstand, der beiderseitigen Truppenrückzug aus Amman, das Freilassen aller Gefangenen und das Ende des jordanischen Kriegsrechtes enthielt. Die PLO hatte die Bereitschaft von Libyen, Ägypten und Syrien (alles von der Sowjetunion unterstützte Länder) überschätzt, einen Krieg gegen Jordanien (vom Westen unterstützt) zu riskieren. Als Konsequenz musste die PLO ihre Stützpunkte in den Libanon verlegen, und Jassir Arafat floh nach Kairo.

Siehe auch: Israelisch-palästinensischer Konflikt, Schwarzer September (Terrororganisation)

Einzelnachweise

  1. abcd Kenneth Pollack: Arabs at War, Lincoln, 2004; S. 335f
  2. Kamal Salibi : The Modern History of Jordan, 2. Auflage, London, 1998, S. 228-30
  3. Avi Shlaim : Lion of Jordan - The Life of King Hussein in War and Peace, London, 2007, S. 312f
  4. Kamal Salibi : The Modern History of Jordan, 2. Auflage, London, 1998, S. 233-35
  5. Kamal Salibi : The Modern History of Jordan, 2. Auflage, London, 1998, S. 228-30
  6. Kamal Salibi : The Modern History of Jordan, 2. Auflage, London, 1998, S. 228-30
  7. ab Kenneth Pollack: Arabs at War, Lincoln, 2004; S. 338-40 ; Kamal Salibi : The Modern History of Jordan, 2. Auflage, London, 1998, S. 233-35
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