| Seidewitz | ||
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Blick in das nördliche Seidewitztal, im Hintergrund die Talbrücke der Autobahn Dresden–Prag |
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| Daten | ||
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| Lage | Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Sachsen, Deutschland | |
| Flusssystem | Elbe | |
| Abfluss über | Gottleuba → Elbe → Nordsee | |
| Quelle | südwestlich Breitenau (Stadt Bad Gottleuba-Berggießhübel)50° 47′ 45″ N, 13° 52′ 38″ O50.79589913.877263592 | |
| Quellhöhe | 592 m ü. NN | |
| Mündung | in Pirna in die Gottleuba50.95451413.937389118 Koordinaten: 50° 57′ 16″ N, 13° 56′ 15″ O50° 57′ 16″ N, 13° 56′ 15″ O50.95451413.937389118 |
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| Mündungshöhe | 118 m ü. NN | |
| Höhenunterschied | 474 m | |
| Länge | 25 km | |
| Abfluss am Pegel Liebstadt 2[1]AEo: 25,3 km² Lage: 15,3 km oberhalb der Mündung | NNQ (20.08.1971)MNQ 1966/2005MQ 1966/2005Mq 1966/2005MHQ 1966/2005HHQ (12.08.2002) | 0 l/s 21 l/s 311 l/s12,3 l/s km²3,66 m³/s 45,0 m³/s |
| Rechte Nebenflüsse | Bahre | |
| Durchflossene Stauseen | Rückhaltebecken Liebstadt, Rhb. Niederseidewitz | |
| Bekannte Brücken | Seidewitztalbrücke | |
Die Seidewitz ist ein linker Nebenfluss der Gottleuba.
Der 1438 als an der sidewicz erstmals erwähnte Fluss entspringt etwa 1,5 km südwestlich des Ortes Breitenau (Stadt Bad Gottleuba-Berggießhübel) in einer Höhe von 592 m ü. NN. Ihren eigentlichen Flusscharakter erhält die Seidewitz aber erst unterhalb von Liebstadt. Auf älteren Karten trägt der Fluss bis zum Zusammenfluss mit dem Döbraer Bach oberhalb Liebstadts noch den Namen Hennersbacher Bach. Zuflüsse sind u. a. Grundbach (links), Döbraer Bach (links) und Börnersdorfer Bach (rechts) bei Liebstadt sowie die Bahre (rechts), das Dohmaer Wasser (rechts) und der Meusegastbach (links) zwischen den Pirnaer Ortsteilen Zuschendorf und Zehista. Nach 25 km mündet die Seidewitz in einer Höhe von 118 m ü. NN in Pirna in der Nähe des Senioren- und Pflegeheimes an der Einsteinstraße in die Gottleuba.
Zwischen Liebstadt und der Eulmühle hat sich der Fluss als Engtal teilweise bis zu 90 m tief in die Gesteine der Mittelsächsischen Überschiebung eingeschnitten und dabei einzelne Felsklippen freigelegt. Markanteste Klippe ist die sogenannte Bastei, die sich zwischen Liebstadt und der Schneckenmühle über dem Tal erhebt und eine gute Aussicht in Richtung West-Südwest bietet. Bezüglich der Pflanzenwelt lässt sich v. a. im mittleren Talteil der charakteristische Übergang vom Auwald der Talsohle zu den mäßig feuchten Laubmischwäldern mit eingestreuten trockenen Buschwaldstellen an den Talhängen noch gut nachvollziehen.
Die Seidewitz hat in der Vergangenheit nach Starkregenfällen in den oberen Lagen des Osterzgebirges wiederholt, insbesondere 1927 und 2002, schwere Hochwasserschäden in Liebstadt bzw. im Stadtgebiet von Pirna verursacht. 1927 waren in Liebstadt etwa 100 Einwohner von Flutschäden betroffen. 1957 traten erneut Schäden auf. Während der Jahrhundertflut 2002 entstanden in Liebstadt Schäden in Höhe von etwa 6 Mill. €. Im Pirnaer Stadtteil Zuschendorf rissen die Seidewitzfluten einen im Rettungseinsatz befindlichen Feuerwehrmann in den Tod. Die Talstraße wurde abschnittsweise weggespült.
Oberhalb von Liebstadt entstand 1961/67 das auf 389 Meter über NN gelegene Rückhaltebecken Liebstadt. Der Damm des Rückhaltebeckens ist 210 Meter lang und 24 Meter hoch. Der Stauraum umfasst 1,1 Mill. m³, das Einzugsgebiet ist insgesamt 11,4 km² groß.
Resultierend aus den Erfahrungen mit der Jahrhundertflut 2002 wurde der Plan zum Bau eines weiteren Rückhaltebeckens im Seidewitztal erarbeitet. Das kurz oberhalb der Seidewitztalbrücke an einer Engstelle des Seidewitztales geplante Rückhaltebecken wird als Grünes Becken (Wassereinstau nur bei Hochwasser) mit einem etwa 30 Meter hohen und 150 Meter langen Damm konzipiert. Der Stauraum soll 2,7 Mill. m³ umfassen. Im Falle eines Hundertjährlichen Hochwassers soll so der Abfluss der Seidewitz in Richtung Pirna von 43 m³ Wasser pro Sekunde auf 11 m³ Wasser pro Sekunde reduziert werden. Der Bau soll zwischen 2012 und 2014 realisiert werden.[2] Die Kosten werden auf etwa 25 Mill. € beziffert. Gegen das Rückhaltebecken gibt es in der Bevölkerung der umliegenden Gemeinden Bedenken, u. a. weil die Talstraße dadurch komplett abgeschnitten werden würde.[3]
Die Wasserkraft der Seidewitz wurde seit dem 15. Jahrhundert von zahlreichen Mühlen genutzt. Zwischen Walddörfchen und Niederweidewitz waren insgesamt 11 Säge-, Schrot-, Mahl- und Ölmühlen sowie eine Windmühle teilweise bis zum Ende des 20. Jahrhunderts in Betrieb. Dabei handelte es sich um folgende Mühlen:
Das enge und ehemals in Teilen wohl auch versumpfte Tal der Seidewitz eignete sich bis ins 19. Jahrhundert nicht für die Anlage von Verkehrswegen. Ein Bericht aus dem Jahr 1846 besagt, dass "der enge, aber schöne Grund der Seydewitz" (von Liebstadt aus) "weiter abwärts nicht überall gangbar" (ist).[4]Gleichwohl verliefen insbesondere auf den östlichen Höhenrücken die bereits vorgeschichtlich begangenen Pfade des Kulmer Steiges, später auch die Trasse der Alten Dresden-Teplitzer Poststraße. Verkehrswege kreuzten das Tal lediglich, so u.a. nahe der Schneckenmühle die vom Berggießhübeler Eisenbergbaurevier zu den Hammerwerken im Müglitztal und Weißeritztal verlaufende Eisenstraße oder die schon erwähnte Alte Dresden-Teplitzer Poststraße, die das Tal nahe der Eulmühle querte. Die letzte errichtete Querung ist die Seidewitztalbrücke, die im Zuge der Bundesautobahn 17 ebenfalls nahe der Eulmühle errichtet wurde.
Während des Ausgangs des 19. Jahrhunderts forcierten Eisenbahnbaus bemühte sich die Stadt Liebstadt wiederholt um einen Eisenbahnanschluss. Planungen, die eine Linienführung von Pirna durch das Seidewitztal über Liebstadt nach Böhmen bzw. einen Anschluss zur Müglitztalbahn oder zur Bahnstrecke Freiberg – Brüx (Most) vorsahen, kamen aber wegen mangelnder Rentabilität und dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges nicht zur Ausführung.
Dafür wurde unter Heranziehung französischer Kriegsgefangener 1871 die Seidewitztalstraße zwischen Pirna und Liebstadt gebaut (heute Staatsstraße S 176). Oberhalb von Liebstadt blieb das Tal allerdings bis heute straßentechnisch unerschlossen. Vorhandene Trassen nutzen hier die Täler des benachbarten Döbraer Baches bzw. des Molchgrundbaches.
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