| Basisdaten der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland | |
|---|---|
| Offizieller Name: | Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in DeutschlandKörperschaft des öffentlichen Rechts |
| Gründer: | Ellen Gould White, James White,Joseph Bates |
| Gründungsdatum: | 1863 (in den USA) |
| Gastmitgliedschaft: | in VEF und ACK[1] |
| Verbände: | 2 |
| Örtliche Gemeinden: | 570 |
| Gemeindemitglieder: | 35.195 (nur getaufte Mitglieder werden gezählt) |
| Krankenhäuser: | 1 |
| Kliniken für Suchtkranke: | 2 |
| Hospiz: | 1 |
| Schulzentrum mit Gymnasium, Kolleg und Realschule: | 1 |
| Grundschulen: | 4 |
| Kindergärten: | 15 |
| Altenheime: | 7 |
| Medienzentrum: | 1 |
| Verlage: | 2[2] |
| Beratungsstellen für Suchtgefährdete: | 3 |
| Psychosoziale Beratungsstellen: | 8 |
| Suppenküchen: | 7 |
| Selbsthilfe- und Abstinenzgruppen: | 37 |
| Übernachtungshaus für Frauen: | 1 |
| Hochschule: | Theologische Hochschule Friedensau |
| Offizielle Website: | www.adventisten.de |
Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten (STA) ist eine protestantische Freikirche, die im 19. Jahrhundert in den USA gegründet wurde. Die Kirche ist die größte adventistische Religionsgemeinschaft.
Der Name „Siebenten-Tags-Adventisten“ nimmt darauf Bezug, dass die Kirchenmitglieder Adventisten sind, also an eine baldige Wiederkehr von Jesus Christus glauben und den siebten Wochentag nach der biblischen Zählung, den Samstag (Sabbat), heilig halten; anders als die meisten Christen, die den ersten Wochentag (nach der kirchlichen Zählung der Sonntag) als Tag der Auferstehung feiern.
Die Siebenten-Tags-Adventisten selbst bezeichnen die Gläubigen in ihrer Gemeinschaft, wie auch andere reformierte Kirchen tun, als Gemeindeglieder, Glieder der Gemeinde oder meist kurz als Glieder.
1961 hatte die Kirche nach eigenen Angaben zum ersten Mal mehr als 1 Million Mitglieder, zur Jahrtausendwende verkündete sie eine Mitgliederzahl von 10 Millionen. Mitte 2010 betrug die Mitgliederzahl laut Angaben der Zentralredaktion des Adventistischen Pressedienstes ca. 16,6 Millionen.[3] Die Zahlen beziehen sich nur auf getaufte Glieder. Kinder aus adventistischen Familien sind nicht mitgezählt. Zusammen mit den noch nicht getauften Kindern und Jugendlichen besuchen weit über 25 Millionen Menschen die adventistischen Gottesdienste.
Zum Vergleich der Größenordnung: Weltweit gibt es derzeit etwa 71 Millionen Lutheraner (hier sind die Kinder auch offizielle Glieder, da die Kindertaufe praktiziert wird).
Innerhalb von fünf Jahren (2000–2005) verließen 1,5 Millionen Menschen die Kirche.[4]
| Jahr | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 2002 | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 | 2010[7] | |
| Gemeinden | 569 | 576 | 576 | 576 | 572 | 578 | 586 | 572 | 570 |
| Mitglieder | 35.948 | 35.990 | 36.030 | 36.127 | 36.022 | 35.925 | 35.651 | 35.386 | 35.195 |
| Taufen | 862 | 706 | 736 | 796 | 757 | 666 | 618 | 628 | 597 |
| Zuzug/Abwanderung | +166 | +134 | +58 | +66 | -32 | -4 | -39 | -119 | |
| Todesfälle | 588 | 535 | 503 | 530 | 556 | 525 | 533 | 532 | 488 |
| Austritte/Ausschlüsse | 295 | 263 | 251 | 240 | 274 | 231 | 300 | 242 | 304 |
| Nettowachstum | +125 | +42 | +40 | +92 | -102 | -97 | -274 | -265 | -191 |
In Österreich gab es am 1. Januar 2009 insgesamt 49 Gemeinden mit 3.871 getauften Mitgliedern, die von 29 ordinierten Pastoren betreut wurden.
In der Schweiz leben 4.400 erwachsene getaufte Siebenten-Tags-Adventisten. Die STA des Kantons Basel-Stadt haben seit 1973 einen Gaststatus bei der kantonalen Sektion der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen der Schweiz AGCK. Später kam der Gaststatus auch in den Kantonen Aargau, Baselland, Schaffhausen, Tessin und Zürich hinzu. Im Kanton Waadt sind die STA Mitglied der kantonalen AGCK-Sektion.[8]
In weiten Teilen ähnelt die Lehre der Siebenten-Tags-Adventisten der Lehre von anderen protestantischen und insbesondere baptistischen Kirchen. So gilt die Bibel als die einzige religiöse Autorität. Es gibt aber auch einige charakteristische Unterschiede.
Die Lehre wird derzeit in 28 Glaubenspunkten offiziell beschrieben.[9] Diese Glaubenspunkte beschreiben unter anderem das Gottesverständnis, die Rolle Jesu Christi, die Dreieinigkeit, das Bibelverständnis, die Lehre vom Sabbat, von der Gemeinde (Kirchenverständnis), von der Gemeindefinanzierung, vom christlichen Lebensstil, von Tod und Auferstehung, von der Endzeit, der damit verbundenen Wiederkunft Christi und der neuen Erde. Gemäß dem Vorwort der Glaubensartikel sind diese nicht statisch, sondern können und sollen je nach Erkenntnisstand durch eine Generalkonferenz angepasst werden.
Anders als die Mehrzahl der christlichen Kirchen, die den Sonntag für den regelmäßigen wöchentlichen Gottesdienst nutzen, beachten die Siebenten-Tags-Adventisten den Samstag - den siebten Tag der Woche - als gottesdienstlichen Ruhetag, der nach dem hebräischen Wort im Urtext, als Sabbat bezeichnet wird. Der Sabbat beginnt freitags mit dem Sonnenuntergang und endet samstags ebenfalls mit dem Sonnenuntergang. Die Freikirche beruft sich dabei auf den Schöpfungsbericht (1 Mose 2,3): „... und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn“) und das vierte der Zehn Gebote (2 Mose 20,8–11), in dem die Heiligung und das Gedenken des Sabbats von Gott geboten wird: „Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest ...“. Siebenten-Tags-Adventisten weisen darauf hin, dass auch Jesus nach seiner Gewohnheit am Sabbat den Gottesdienst besuchte (Lukas 4,16), und die Gültigkeit des Sabbats über seine Himmelfahrt hinaus festlegte (Matthäus 24,20): „Bittet aber, dass eure Flucht nicht geschehe im Winter oder am Sabbat.“ Die Sonntagsheiligung dagegen wird im Neuen wie alten Testament nirgendwo geboten. Auf Grund anti-jüdischer, heidnischer (besonders der Sonntagsfeier des Mithraskultes) und politischer Einflüsse habe der Sonntag erst später die Sabbatfeier verdrängt. „Diese Untersuchung zeigt, dass die Übernahme des Sonntags anstelle des Sabbats nicht in der urchristlichen Gemeinde von Jerusalem durch die Vollmacht apostolischer Autorität geschah, sondern schätzungsweise ein Jahrhundert später in der Kirche von Rom.“[10] Doch erst nachdem Kaiser Konstantin am 7.3.321 den Sonntag zum gesetzlichen Feiertag erklärte, sei er auch von den Christen als Ruhetag betrachtet worden. „Zu Anfang des 4. Jh. erscheint die Sonntagsheiligung als kirchliches Gebot.“[11]
Adventisten sehen den Samstag als eine Zeit der Ruhe, die Zeit für die Gemeinschaft mit Gott und mit dem Nächsten bietet. Er ist für sie nicht nur ein Gedenktag der Schöpfung, sondern auch ein wöchentliches Erinnern an die Erlösung in Christus, der Neuschöpfung des gläubig gewordenen Menschen. Darüber hinaus bietet er den Ausblick auf die Ruhe der Erlösten im Reich Gottes (Hebräer 4,3-10).
Die Siebenten-Tags-Adventisten praktizieren (wie auch viele andere Kirchen) die Glaubenstaufe durch Untertauchen. Sie sind der Auffassung, dass die persönliche Umkehr zu Gott, der persönliche Glaube an Jesus Christus als den Erretter und die bewusste Entscheidung Grundvoraussetzungen für die Taufe sind. Sie betrachten die Glaubenstaufe als Voraussetzung für die Mitgliedschaft. Vor der Taufe erfolgt ein gründliches adventistisches Bibelstudium. Die Gemeinde hat ein Recht darauf, Glaubensbekenntnis und Haltung der Person kennenzulernen, die in die Gemeinde aufgenommen werden möchte.[12] Daher stellt sich der Taufkandidat in der Regel der Gemeinde oder dem Gemeindeausschuss vor und kann dabei seinen Glauben bekennen. Die Taufe erfolgt in Taufbecken, die bei größeren Gemeindehäusern in den Gottesdienstsaal eingebaut sind, oder bei geeignetem Wetter auch in Flüssen oder Seen. Gleichzeitig mit der Taufe erfolgt die Aufnahme in die Gemeinde. Der Übertritt in die Freikirche ist ohne erneute Taufe möglich, wenn eine vorherige Glaubenstaufe aus einer anderen Kirche vorliegt. Eine als Säugling oder Kleinkind empfangene Taufe (Kindstaufe) wird nicht anerkannt.
Hinsichtlich der Hölle und des Zustandes der Toten vertreten die Siebenten-Tags-Adventisten den Standpunkt des Annihilationismus: Sie betrachten den Tod als einen Zustand des Schlafs und begründen dies mit Bibelstellen wie Koh 9,5+6+10 EU. Sie lehren, dass ein Mensch die Zeit seines Todes nicht bewusst erlebt und lehnen die Ansicht ab, dass die Menschen direkt nach dem Tod in den Himmel oder in die Hölle kommen (siehe 1 Thess 4,13ff EU). Diese Zeit endet mit der Auferstehung, die (im Falle der Gerechten) zur Wiederkunft Christi bzw. (im Falle der Gottlosen) nach dem Millennium (Offb 20 EU) geschieht. Es schließt sich dann das Jüngste Gericht an. Dieses endet für die Gottlosen nicht mit einer ewigen Qual in einer feurigen Hölle, sondern mit der endgültigen Vernichtung bzw. Auslöschung – wobei die formale Zugehörigkeit zu den Siebenten-Tags-Adventisten keine automatische Rettung bedeutet und auch Angehörige anderer Kirchen Rettung finden werden: Allein der lebendige Glaube an Jesus Christus als Erlöser und Herr ist entscheidend, wobei die Gläubigen sich nicht anmaßen sollen, entsprechende Urteile über andere Menschen zu sprechen.
Die Siebenten-Tags-Adventisten erwarten die baldige Wiederkunft Christi, ein christliches Konzept, welches keine Grundlage in den jüdischen Schriften hat. Diese Hoffnung, welche auf den Glaubensschriften des Neuen Testaments beruht, gründen sie auf die Auslegung der Erzählungen Jesu und der Apostel, die in der Wiederkunft Jesu die Vollendung der christlichen Erlösung versprechen (Joh 14,1–3 NeÜ; Mt 24,30 NGÜ; Hebr 9,28 EU). Was den Zeitpunkt seines zweiten Kommens betrifft, verweisen Siebenten-Tags-Adventisten einerseits auf die vorhergesagten Zeichen (Mt 24 LUT; Mk 13 LUT, Lk 21,25–28 LUT), die versprechen, dass der Tag, der seit nunmehr rund zweitausend Jahren naherwartet wird, nicht mehr fern sein kann. Zugleich warnen sie aber vor jeder zeitlichen Fixierung, weil der Zeitpunkt den Menschen verborgen bleibe (Mt 24,36 HFA). In dieser doppelten Betonung wird sowohl eine überhitzte Naherwartung als auch eine leichtfertige Gleichgültigkeit vermieden. Damit fühlen sie sich zu einem Leben in steter Bereitschaft berufen, die sich in tätigem Dienst für das Wohl dieser Welt und der Verkündigung des christlichen Evangeliums manifestiert (Mt 24,14–44 LUT; Mt 25,40 LUT).
Die Siebenten-Tags-Adventisten fassen den menschlichen Körper als ein Haus Gottes auf (1 Kor 6,19–20 NGÜ), daher legen sie hohen Wert auf eine gesunde Lebensführung und sollen Alkohol, Tabak und andere Rauschmittel meiden. Zudem werden einige biblischen Speisegebote (siehe 3. Mose, Kapitel 11 LUT ) eingehalten; Adventisten essen daher beispielsweise kein Schweinefleisch, kein Kaninchen und keine Schalentiere (Muscheln, Krabben). Viele Siebenten-Tags-Adventisten ernähren sich vegetarisch (fleischlos).
Im 19. Jahrhundert gehörten die Siebenten-Tags-Adventisten zu den Vorreitern der Lebensreform-Bewegung. Der Erfinder der Cornflakes, J. H. Kellogg, war Adventist. Im Reformhaus sind bis heute viele Produkte von Firmen mit adventistischem Ursprung (Beispiel: De-Vau-Ge Gesundkostwerk[13]) erhältlich.
Insgesamt sollen Adventisten ein Leben führen, das weder ausschweifend noch asketisch (enthaltsam) ist.
Ellen G. White (1827–1915) war Mitbegründerin der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten und gilt in dieser als „Bote“ bzw. „Botin“ (vgl. z. B. A Letter to Dr. Paulson: St. Helena, California – June 14, 1906 in Ellen G. White and Her Writings) [1].[14]
Ihre zahlreichen Schriften prägen die Freikirche bis heute. Die Kirche glaubt, dass sie ein fortwirkender, bevollmächtigter Ausdruck der Wahrheit sind und zu Trost, Führung, Unterweisung und Zurechtweisung taugen. Die Kirche betont, dass ihre Lehre nicht auf Ellen White zurückgeht; Ellen White habe die Lehren der Adventisten nachträglich (zum Teil durch Visionen) bestätigt und ihnen damit innerhalb der Gemeinschaft Geltung verschafft. Sie betont weiterhin, dass die Schriften von Ellen White nicht gleichwertig mit der Bibel seien.
Ellen White wies auch selbst darauf hin, dass man ihre Schriften nicht über oder gleichrangig neben die Bibel stellen solle, da ihre Botschaften nichts Neues brächten, sondern nur auf vergessene oder zu wenig berücksichtigte Bibelstellen hinwiesen. Ihre Schriften heben hervor, dass die Bibel der Maßstab ist, an dem alle Lehre und Erfahrung geprüft werden muss.
Die Rolle von Ellen White wurde von Anfang an kontrovers beurteilt und in der Geschichte der Freikirche immer wieder diskutiert. Ihre Geltung hat sich aber in der oben beschriebenen Art und Weise gefestigt. Manche Kritiker haben ihretwegen die Kirche verlassen, während andere einen wichtigen Beitrag dabei leisteten, dass die offizielle Stellungnahme der Kirche Ellen White gegenüber ausgewogen und nüchtern wurde.
Adventisten sehen die Bibel als verbindliches Wort Gottes[15] und höchste religiöse Autorität[16], wobei nur die in den protestantischen Kirchen gezählten 66 Bücher des Alten und Neuen Testamentes (ohne Apokryphen) als kanonisch angesehen werden.
Adventisten zeichnen sich in der Regel durch ein gutes Bibelwissen aus. Eine wichtige Rolle spielt dabei das wöchentliche Bibelgespräch, welches Bestandteil des adventistischen Sabbat-Gottesdienstes ist. Dabei wird quartalsweise anhand eines von der Generalkonferenz herausgegebenen Studienhefts ein biblisches Buch oder Thema in Gruppen besprochen. Ebenfalls gibt es in manchen Gemeinden die Möglichkeit, aktuelle Themen aus dem Weltgeschehen, sowie eigene biblische Themen zu diskutieren und anhand der Bibel zu beleuchten.
In der adventistischen Bibelauslegung wird den apokalyptischen Büchern Daniel und Offenbarung besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Die evangelikale Grundhaltung der Kirche hat auch Auswirkungen auf die Bibelauslegung, so werden beispielsweise die historisch-kritische Exegese und die Evolutionstheorie abgelehnt.[17]
Adventistische Gottesdienste sind länger als der klassische evangelische Gottesdienst. Sie dauern etwa zwei Stunden:
Abendmahlsgottesdienste werden in reformierter Tradition vierteljährlich gefeiert. Sie beginnen mit der Fußwaschung (Joh 13,1–17 NeÜ). Das Abendmahl wird als offene Kommunion gefeiert, alle gläubigen Christen sind dazu eingeladen. Beim Abendmahl werden ungesäuertes Brot und unvergorener Traubensaft verwendet, Reste sollen nach dem Gottesdienst „in angemessener Weise“[18] entsorgt werden. „Sie werden nicht in den alltäglichen Gebrauch zurückgenommen.“[19] Brot und Traubensaft werden durch die Reihen gegeben, in der Regel werden Einzelkelche angeboten. Voraussetzung für den Empfang des Abendmahls ist Einkehr und Buße. Dabei gibt es keine feste Beichtliturgie. Die Leitung darf nur durch ordinierte Pastoren und Älteste erfolgen, Diakone dürfen assistieren.
Die aktuellen Gesangbücher der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland sind Wir loben Gott mit alten und traditionellen Kirchenliedern, Leben aus der Quelle mit neuerer Lobpreis-Musik. Bis in die 1980er-Jahre hinein wurde das Buch Zionslieder verwendet.
In Europa sind die meisten Adventhäuser eher schlicht eingerichtet. Die typische Kirche gibt es selten. In Deutschland existieren davon nur drei, die anderen Gemeinden haben meist schlichte Gemeindehäuser oder Räumlichkeiten. In den USA gibt es prächtige Kirchen.
Organisatorisch bestehen große Parallelen zur methodistischen Kirche, aus der viele Gründungsmitglieder der STA stammten. Die Kirche ist presbyterianisch-synodal als Weltkirche organisiert. Sitz der Weltkirchenleitung, ebenfalls Generalkonferenz genannt, ist Silver Spring in Maryland (USA). Die Generalkonferenz ist ein parlamentarisch gewähltes Gremium, dem ein Präsident – zurzeit (2010) Ted Wilson[20] – vorsteht. Als Kirchenleitung ist sie für die Einheit im Glauben, Lehrfragen und Weltmission zuständig.
Als Generalkonferenz („General Conference Session“) wird zugleich auch die alle fünf Jahre stattfindende Vollversammlung der Kirche bezeichnet.[21] Hier finden sich aus allen Ländern gewählte Delegierte zusammen, um wichtige Beschlüsse zu fassen, ein neues Präsidium zu wählen, aber auch um gemeinsam mit ihren Glaubensfreunden aus aller Welt Gottesdienste zu feiern. Die Generalkonferenz dauert jeweils eine Woche, ist für alle Interessierten offen und findet an wechselnden Orten statt. Im Jahr 2000 fand sie in Toronto, Kanada statt, 2005 in St. Louis, Missouri (USA), 2010 in Atlanta, Georgia (USA).
Die Weltfelder (Divisionen) sind Teil der Generalkonferenz.[22] Davon bestehen zurzeit 13, Deutschland ist Teil der Euro-Afrika-Division mit Sitz in Bern, Schweiz. Zu dieser Division gehören die meisten Länder Mitteleuropas, Nordafrika, die Türkei, Rumänien und Bulgarien.
In der nächsten Organisationsebene folgen die Verbände oder Unionen[23] , die häufig einen Staat umfassen. In Deutschland gibt es 2 Verbände, den Norddeutschen Verband mit Sitz in Hannover und den Süddeutschen Verband mit Sitz in Ostfildern. Vereinigungsversuche beider Verbände waren bislang nicht erfolgreich, es bestehen unterschiedliche theologische Akzente. Der Norddeutsche Verband gilt als liberaler und progressiver, der Süddeutsche als konservativer und traditioneller.
Die Verbände unterteilen sich in Deutschland in Vereinigungen, die ein Bundesland, aber auch mehrere Bundesländer umfassen. In den Vereinigungen erfolgt die eigentliche Gemeindearbeit, sie sind die Arbeitgeber der Pastoren und Besitzer der Gemeindehäuser (Kirchen).
Die Ortsgemeinde (wird in Deutschland in der Regel Adventgemeinde genannt) ist die kleinste organisatorische Einheit. Sie wird von ordinierten Ältesten und von einem gewählten Gemeindeausschuss geleitet, dem immer auch der zuständige Pastor angehört. Pastoren können auch für mehrere Ortsgemeinden zuständig sein. Große Ortsgemeinden haben oft mehrere Pastoren. Die Größe der Ortsgemeinden bewegt sich zwischen 20 und 500 Mitgliedern (ohne Kinder, noch nicht getaufte Jugendliche und Gäste), im statistischen Mittel bei etwa 60 Mitgliedern je Ortsgemeinde.
Alle Dienste werden demokratisch bzw. (kirchen-)parlamentarisch gewählt. Die Kirche hat sich mit dem von der Weltkirchenleitung veröffentlichten Gemeindehandbuch (engl. Church Manual[24]) eine Verfassung gegeben, in der Organisation und Wahlen, die einzelnen Dienste (Älteste, Bibelgesprächsleiter, Diakone, Pastor etc.) ebenso wie Fragen der Mitgliedschaft (Taufe, Aufnahme, Austritt, Ausschluss, Umzug) und der Lehre geregelt sind.
In Deutschland ist die STA mit 35 anderen, bundesweiten Verbänden Mitglied im bka e. V., dem Bundesverband Kulturarbeit in der evangelischen Jugend e. V. Die Verbände sichern in ihrer Breite und mit Hilfe ihrer fachlichen Kompetenz die Vielfalt und Qualität der Jugendkulturarbeit im Bundesverband Kulturarbeit in der evangelischen Jugend e. V. und können nicht zuletzt durch den Verbund im bka e. V. bundesweit wirksam werden.
Im 19. Jahrhundert gab es in Europa und in den Vereinigten Staaten verschiedene religiöse Bewegungen. Christen auf unterschiedlichen Kontinenten berechneten unabhängig voneinander Daten, an denen Jesus Christus wiederkommen würde (so beispielsweise der württembergische Prälat Albrecht Bengel das Jahr 1836 und in den USA der Baptisten-Pastor William Miller das Jahr 1844, siehe Millerbewegung). Aus dem Zusammenbruch der Millerbewegung entwickelten sich christliche Gruppierungen, die die Bibel intensiv zu studieren begannen. Teile dieser Gruppierungen schlossen sich am 23. Mai 1863 in Battle Creek (Michigan)[25] zur Gemeinschaft bzw. später Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten zusammen.
Joseph Bates gilt als Mitbegründer der Siebenten-Tags-Adventisten. Er brachte den Sabbat-Gedanken in die Bewegung, den er von den Siebenten-Tags-Baptisten übernahm. Hiram Edson (1806–1882) war eine weitere wichtige Persönlichkeit in der Entstehungsphase der Adventisten. Er kam zu dem Schluss, dass das von Miller errechnete Datum richtig, aber dessen Interpretation falsch sei und dass Jesus vielmehr im Jahre 1844 im Himmel ins Allerheiligste eingetreten sei, um dort Gericht zu halten über die bisher Verstorbenen.
Die Adventisten betreiben - inzwischen weltweit - Missionstätigkeit, denn im Grundsatzprogramm der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten heißt es, dass das Evangelium allen Menschen gebracht werden müsse. Folglich haben Adventist-Gemeinden in einigen Ländern schon eine längere Tradition, während in vielen anderen erst in den letzten Jahren Gemeinden gegründet wurden.
Die erste adventistische Mission außerhalb der USA begann um 1865 in Italien und der Schweiz. Der Prediger Michael Belina Czechowski missionierte die dortigen Gemeinden. Allerdings stand er nicht mehr in Kontakt zu der Leitung in den USA, sodass diese Gruppen offizielle offiziellen Glieder der Kirche wurden.
Die durch die Missionstätigkeit angeregte Adventbewegung wurde in den USA hauptsächlich von ehemaligen Mitgliedern der Baptisten und Methodisten gegründet. In Deutschland spielte auch der Pietismus eine große Rolle bei der Mission. In Rumänien waren die ersten Anhänger der Freikirche deutschstämmige Sabbatianer. In Russland rekrutierten sich Adventisten aus der judaisierten Bewegung der Subbotniki[26], den Russlandmennoniten und den schwäbischen Radikalpietisten.
Die wichtigsten adventistischen Missionare waren:
Heutzutage entstammen durch Mission gewonnene neuer Gemeindeglieder verschiedensten Religionen und Konfessionen. Die Mission setzt auch auf Medien wie Radio und Fernsehen, z.B. Hope Channel. Die Zahl der Adventisten nahm in den letzten Jahren enorm zu. Zuwachs findet hauptsächlich in Südamerika und Afrika statt, während das Gemeindewachstum in Europa und den USA eher stagniert oder rückläufig ist. In Staaten, die keine Religionsfreiheit zulassen, gehören Siebenten-Tags-Adventisten zur Gruppe verfolgter Christen. Der Adventismus seinerseits will tolerant gegenüber anderen Religionen und Andersgläubigen sein.
Nachdem sich die Adventgemeinden in den USA etabliert hatten, wurden seit 1874 Missionare nach Deutschland ausgesandt. John Nevins Andrews begann damit, die Adventbotschaft auch hier zu verbreiten. Ein wichtiger Grundstein für die Gemeindegründungen in Deutschland waren die zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Bergischen Land entstandenen pietistischen Gemeinschaften. Heinrich Lindermann (1806–1892) gründete im Dezember 1852 unter den Erweckten die Getaufte Christen-Gemeinde. Seit 1867 kam diese Gemeinschaft zu der Erkenntnis, den Sabbat als den biblischen Ruhetag anzunehmen. Um 1875 gab es in Vohwinkel, Solingen und Mönchengladbach Anhänger dieser Gruppe. Im August 1875 hielt der Missionar Jakob Erzberger in einer Hotelhalle in Solingen erste Bibelstunden ab, an denen mehrere hundert Menschen teilnahmen. Zwar schloss sich Lindermann der Adventbewegung nicht an, dennoch ließen sich viele seiner Anhänger adventistisch taufen. Die erste Taufe fand am 8. Januar 1876 in der Nähe von Solingen statt. 1889 wurde in Hamburg ein Missionszentrum von Ludwig Richard Conradi gegründet. Von hier aus sollte die Botschaft auch nach Afrika und Asien verbreitet werden. In den Jahren darauf gründeten die Adventisten einen Verlag und die Theologische Hochschule Friedensau. Dort wurde 1905 das Gotteshaus fertiggestellt.
In der Zeit des Nationalsozialismus konnte die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten weiterhin bestehen, allerdings mit gewissen Einschränkungen. Mancherorts wurden die Adventisten stark diskriminiert und ihre Gotteshäuser wurden geschlossen, konnten jedoch bald wiedereröffnet werden, weil die Adventisten durch ihr Wohlfahrtswerk Ansehen genossen, so etwa in Kassel. Es gab unter den Adventisten auch Opfer des Holocausts, da ein Teil der Mitglieder jüdischer Herkunft war. Später, als die Situation sich verschärft hatte, wurden alle Juden oder mit Juden verheiratete Adventisten von der Gemeinschaft ausgeschlossen. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist die aus Galizien stammende Frieda Nagelberg. Vor einigen Jahren wurde ein offizielles Schuldbekenntnis von der Leitung der Siebenten-Tags-Adventisten veröffentlicht.
Jedoch gab es unter den Adventisten auch „Judenretter“, so hatte zum Beispiel der ungarische Prediger Laszlo Michnay 60 Juden versteckt und gerettet. Auch Jean Henri Weidner hat mit einer Untergrundorganisation Juden, abgeschossene alliierte Flieger und politisch Verfolgte ins sichere Schweizer Exil geleitet.[27] Er gründete 1942 eine der wichtigsten und erfolgreichsten Untergrundorganisationen (Réseau Dutch-Paris) zur Rettung von Juden vor dem Holocaust.[28] Etwa 300 Personen gehörten zu seiner Organisation. Über 150 Mitarbeiter wurden nach und nach festgenommen, 40 davon starben an den Folgen der Haft oder wurden getötet, darunter auch seine Schwester Gabrielle. Er selbst wurde einer der meistgesuchten Untergrundführer Frankreichs. Auf Weidners Festnahme setzte die Gestapo eine Belohnung in Höhe von fünf Millionen französischen Francs aus. In der Nachkriegszeit riefen sie den Rundfunk Stimme der Hoffnung (gehört dem Adventist World Radio an) ins Leben.
Seit der Wende im Jahre 1989 kamen auch verstärkt russlanddeutsche Adventisten aus der Sowjetunion nach Deutschland. Ihre Zahl beträgt ca 8000. Neben den deutschen Gemeinden existieren heute auch einige ausländische Gemeinden, zumeist ghanaische und südslawische.
Insgesamt beteiligt sich die Glaubensgemeinschaft weltweit und auch in Deutschland kaum an der ökumenischen Bewegung. Von der historisch stark ablehnenden Haltung zur Ökumene wird aber mehr und mehr Abstand genommen. So nehmen die Siebenten-Tags-Adventisten als Beobachter an den Versammlungen des Ökumenischen Rates der Kirchen teil und sind Gastmitglied in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen und der Vereinigung Evangelischer Freikirchen in Deutschland. Einzelne Ortsgemeinden sind auf lokaler Ebene Mitglied der Evangelischen Allianz. In Gesprächen mit dem Lutherischen Weltbund (LWB) haben beide Seiten fundamentale Gemeinsamkeiten festgestellt.[29] Die Übereinstimmungen zwischen den zwei Kirchen wurden vom Deutschen Nationalkomitee des Lutherischen Weltbundes lediglich mit deutlichen Einschränkungen anerkannt.[30]
Kritisiert wird die Kirche der STA sowohl von ehemaligen STA-Mitgliedern[31] als auch von Vertretern anderer Kirchen. Diese Kritik wendet sich meist gegen adventistische Sonderlehren:
Aufgrund einer Anfrage der Südbayerischen Vereinigung der Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten (2004) ordnete das Konfessionskundliche Institut des Evangelischen Bundes die Kirche den evangelischen Freikirchen zu, wobei das Gutachten von Walter Fleischmann-Bisten unterzeichnet wurde. Dazu kommen auch die verschiedenen Stellungnahmen namhafter Gelehrter, wie die der Universitätsprofessoren Erich Geldbach (Bochum), Reinhard Frieling (Marburg) und Helmut Obst (Halle-Wittenberg).
Ellen White
Von nichtadventistischer Seite wird der adventistische Umgang mit der Bibel als problematisch angesehen, sofern er von den Schriften Ellen Whites ausgeht und von ihrer Rolle als Prophetin bzw. als Trägerin des „Geistes der Weissagung/Zeugnis Jesu“ (Offb 12,17 EU; 19,10 EU). Das protestantische Sola scriptura wird den STA von Seiten der evangelischen Kirche daher nicht völlig zugestanden (vgl. z. B. Rüdiger Hauth, Adventisten oder Stellungnahme des DNK/LWB[30]). Die STA betonen ihrerseits jedoch, dass durch Ellen White keine neuen Lehren entstanden. Ellen White selbst wurde von ehemaligen adventistischen Theologen wie Desmond Ford, Walter Rea, Dale Ratzlaff u. a. der Vorwurf des Plagiats gemacht. Manche bezeichneten sie auch als „falsche Prophetin“. Von seiten ehemaliger Adventisten wird der in einzelnen Adventgemeinden übliche fundamentalistisch-legalistische Umgang mit ihren Schriften als sehr bedrückend beschrieben. Nach Ansicht der Kritiker gibt es innerkirchlich keinen sachlichen, positiv-kritischen Umgang mit Ellen White und ihrem Schrifttum, wie er bei anderen protestantischen Kirchen in Bezug auf ihre Kirchenlehrer stattfindet, z. B. Martin Luther bei der lutherischen Kirche, Johannes Calvin bei der reformierten Kirche oder John Wesley bei der methodistischen Kirche.
Adventisten-Sabbat
Der Adventisten-Sabbat stellt gesamtchristlich gesehen nur eine Minderheitsoption gegenüber der Sonntagsfeier und der Auffassung dar, es gäbe keinen verbindlichen christlichen Ruhetag. Andere Christen kritisieren die von den STA vertretene Auffassung, der Sabbat sei der verbindliche, rechtmäßige Ruhetag (und nicht nur eine Option), Zeichen der Treue gegenüber den Geboten Gottes, der in der Endzeit zum Prüfstein des wahren Glaubens an Gott werden wird (siehe Was Adventisten glauben, Kap. 12: Die Übrigen und ihr Auftrag). Diese Lehre findet sich auch in den Schriften von Ellen G. White (z. B. Der große Kampf, Kap. 38: Die letzte Warnung). In dieser spezifischen Sabbattheologie ist auch das adventistische Selbstverständnis als Gemeinschaft der Übrigen „… die da halten die Gebote Gottes und haben das Zeugnis Jesu“ (Offenbarung 12,17) begründet.
1844, Heiligtumsdienst, Untersuchungsgericht
Die Erweckungsbewegung um den Baptistenprediger William Miller erwartete 1844 die Wiederkunft Jesu. Nach dem Ausbleiben dieses Ereignisses interpretierte eine Gruppe von ihnen die errechnete Jahreszahl nicht als Datum der Wiederkunft, sondern als Beginn eines neuen Heilsabschnittes in der Geschichte, in dem Jesus Christus seinen Dienst als Hohepriester im himmlischen Heiligtum beginnt. Diese Lehre begründete zusammen mit dem Sabbat 1863 die STA-Glaubensgemeinschaft. Sie spielt im praktischen Leben der Gemeinde jedoch kaum noch eine Rolle. Außerhalb der STA konnte sich diese Lehre nicht etablieren und wird als unbiblisches Dogma abgelehnt (s. Literatur: Rüdiger Hauth). Unabhängig vom strittigen Geschehen findet auch das Datum (1844) außerhalb der STA keine Akzeptanz. Es basiert auf einer prophetischen Zeitkette aus dem Buch Daniel (bes. Kap. 8,13-19 EU), bei deren Anwendung nach adventistischer Auslegung die Kreuzigung Jesu im Jahre 31 n. Chr. stattgefunden hat. Das Datum der Kreuzigung Jesu wird dabei aufgrund der Prophezeiung von Daniel 9,24-27 EU berechnet.[32]
Primärliteratur
Monographien
Aufsätze
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