Das Simple Mail Transfer Protocol (SMTP, zu deutsch etwa Einfaches E-Mail-Transportprotokoll) ist ein Protokoll der Internetprotokollfamilie, das zum Austausch von E-Mails in Computernetzen dient. Es wird dabei vorrangig zum Einspeisen und zum Weiterleiten von E-Mails verwendet. Zum Abholen von Nachrichten kommen andere, spezialisierte Protokolle wie POP3 oder IMAP zum Einsatz. SMTP-Server nehmen traditionell Verbindungen auf Port 25 („smtp“) entgegen. Neuere Server benutzen auch Port 587, um für authentifizierte Benutzer Mails entgegenzunehmen, die an andere Mailserver ausgeliefert werden müssen („submission“). Damit soll Spam vermieden werden (→ Open Relay).
Vorgänger von SMTP waren im ARPANET das Mail Box Protocol (RFC 278) vom Juli 1971 und FTP Mail (RFC 458) vom Februar 1973. Mit der Entstehung des Internets aus dem ARPANET um 1980 schlug Jon Postel vor, die Abhängigkeit des E-Mail-Verkehrs vom FTP-Dienst abzukoppeln (RFC 772), und veröffentlichte 1982 SMTP unter RFC 821. In den frühen 1980er Jahren wurde es eine Ergänzung zu UUCP, das vor allem für den E-Mail-Verkehr periodisch verbundener Rechner genutzt wurde. SMTP wurde der Standard für Rechner, die ständig am Netz waren.
Einer der ersten Mail Transfer Agents, der SMTP implementierte und weitere Verbreitung erlangte, war sendmail. Inzwischen gibt es über 100 Programme, die SMTP als Client oder Server unterstützen, darunter weit verbreitete SMTP-Server wie Postfix, qmail, exim, usw.
SMTP begann als reines ASCII-Protokoll, so dass damit keine Binärdateien übertragen werden konnten. Erst Standards wie MIME (Multipurpose Internet Mail Extensions) schufen diese Möglichkeit durch ein Kodieren der Binärdateien in ASCII.
Die Abwicklung des SMTP-Verfahrens wird meist für den Anwender unsichtbar durch sein Mailprogramm vorgenommen, den sogenannten Mail User Agent (MUA). Dieses Programm verbindet sich mit einem SMTP-Server, dem Mail Submission Agent (MSA), der die Mail über ggf. weitere SMTP-Server, sogenannte Mail Transfer Agents (MTA), zum Ziel transportiert. Da SMTP als Protokoll zum Transport von lokal erstellten Mails zwischen Servern konzipiert wurde, übernahm dabei ursprünglich ein einzelner Server auf Port 25 („smtp“) die Rolle von MSA und MTA. Der dedizierte Port 587 („submission“) für MSAs wurde erst 1998 eingeführt, um den unterschiedlichen Anforderungen beider Aufgaben gerecht zu werden: Ein MSA akzeptiert ausdrücklich nur Nachrichten berechtigter Nutzer und bereitet sie vor der Einspeisung in das Mailsystem gegebenenfalls standardkonform auf. Wegen der nahen Verwandtschaft beider Dienste wird die Funktionalität von MSA und MTA üblicherweise immer noch von nur einem Programm, das dann auf beiden Ports Verbindungen annimmt, bereitgestellt.
Da SMTP ein textbasiertes Protokoll ist, kann mittels Telnet eine E-Mail auch „von Hand“ verschickt werden. Dabei sind, wie auch bei anderen Verfahren, Absender- und Empfängeradresse frei wählbar, und eine Authentifizierung findet nicht statt. Aus diesem Grund ist die Verlässlichkeit der Absenderangabe einer E-Mail nicht gegeben. Es können sich sogar die Adressen im MAIL FROM- und RCPT TO-Kommando (sog. Envelope-From bzw. Envelope-To) von den Adressen im From:- und To:-Mailheader unterscheiden.
Der Server antwortet auf Kontaktaufnahmen mit dreistelligen Statusnummern und kurzen Texten, die variieren oder auch entfallen können. Der Client muss mit festgelegten Zeichenfolgen auf die Statusmeldungen reagieren. Eine einfache SMTP-Sitzung zum Versenden einer E-Mail kann beispielsweise folgendermaßen aussehen:
| Client | Server | Erläuterung |
|---|---|---|
| telnet mail.example.com 25 | Client ruft Server | |
| 220 service ready | Server meldet sich bereit | |
| HELO foobar.example.net | Client nennt seinen Namen | |
| 250 OK | Server bestätigt | |
| MAIL FROM:<info@example.org> | Client nennt Absenderadresse | |
| 250 OK | Server bestätigt | |
| RCPT TO:<info@example.com> | Client nennt Empfängeradresse | |
| 250 OK | Server bestätigt | |
| DATA | Client kündigt Inhalt der E-Mail an | |
| 354 start mail input | Server bereit für diesen längeren Vorgang | |
| From: <info@example.org> To: <info@example.com> Subject: Testmail Date: Thu, 26 Oct 2006 13:10:50 +0200 Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipisici elit, sed eiusmod tempor incidunt ut labore et dolore magna aliqua. . | Client sendet Inhalt der E-Mail und markiert das Ende durch eine Zeile, die nur einen Punkt enthält. (Zwischen Header und Textkörper muss eine Leerzeile vorhanden sein, sonst wird beim Empfänger kein Textkörper angezeigt.) | |
| 250 OK | Server bestätigt und übernimmt die Verantwortung für die Nachricht | |
| QUIT | Client fordert Verbindungstrennung an | |
| 221 closing channel | Server kündigt Trennung an |
Das SMTP-Protokoll sieht zum Status der Kommunikation zwischen Mailserver und Mailclient folgende Fehlercodes vor:
Als SMTP 1982 in RFC 821 definiert wurde, gab es eine überschaubare Anzahl von Hosts im Internet. Da die Verbindungen langsam und instabil waren, wurde auf Zuverlässigkeit großen Wert gelegt. Authentifizierung war nicht vorgesehen, somit war jeder Mailserver ein Open Relay, über den Mails an jeden anderen Knoten weitergeleitet werden konnten. Mit der wachsenden Popularität des Internets entstand so das Problem des Spam.
1995 wurde mit Extended SMTP (ESMTP) in RFC 1869 das Protokoll erweitert (zuvor 1993 in RFC 1425 und 1994 in RFC 1651). Diese Erweiterung erlaubt, dass über ein modulares Konzept weitere Befehle (SMTP-Verben) definiert werden. Wenn der Sender sich beim Server nicht wie oben gezeigt mit HELO, sondern mit EHLO (Extended HELO) meldet, teilt der Server ihm im Gegenzug mit, welche Erweiterungen des Protokolls er unterstützt. Gängige Beispiele hierfür sind STARTTLS (Secure SMTP over TLS), 8BITMIME (8bit-MIMEtransport), DSN (Delivery Status Notifications) und AUTH (SMTP-Auth).
Zur Verschlüsselung über SSL/TLS wird heute das STARTTLS-Kommando empfohlen. Es läuft auf dem gleichen TCP-Port wie unverschlüsseltes SMTP. Alternativ kann SMTP über SSL (SMTPS) verwendet werden und benötigt einen eigenen TCP-Port, hierfür hat sich 465 eingebürgert.
| Merkmal | Definition | Konzepte |
|---|---|---|
| Zugangskontrolle | Nur zugelassene Benutzer dürfen den Mailserver benutzen | SMTP-After-POP, SMTP-Auth, SMTPS |
| Echtheitsprüfung | Eine eindeutige Zuordnung Absender↔Nachricht ist möglich | PGP, S/MIME (siehe Elektronische Unterschrift), SPF, DomainKeys |
| Integrität | Die Nachricht kann auf dem Weg durchs Netz nicht unbemerkt verändert werden | PGP, S/MIME |
| Vertraulichkeit | Die Nachricht wird nicht im Klartext übertragen, sondern verschlüsselt | PGP, S/MIME, SSL/TLS |
Einige der am häufigsten verwendeten SMTP-Server sind Sendmail, Exim, Postfix, qmail, MS Exchange, Groupwise und IBM Lotus Domino.
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