Dienstag, 29. Mai 2012

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Singapore Sling

Ein Singapore Sling, wie er im Raffles Hotel serviert wird.

Singapore Sling ist ein fruchtig-aromatischer Cocktail aus Gin, Kirschlikör, Bénédictine und weiteren Zutaten. Trotz des Namens handelt es sich bei der heute üblichen Version streng genommen nicht um einen Sling, sondern eher um einen Punch.[1] Der Longdrink dient als Signature Drink (Aushängeschild) des Raffles Hotel in Singapur. Sein Vorläufer bzw. die ursprüngliche Version eines Singapore Sling ist heute als Straits Sling bekannt.

Geschichte

Die Slings bilden eine sehr alte Gruppe von Mixgetränken und bestanden ursprünglich – nach einer Definition von 1675 – aus einer Spirituose, Zucker und Wasser,[2] sowie optional etwas Muskatnuss. Dementsprechend wurde auch 1806 das damals noch neue Wort „Cocktail“ als „bittered sling“ definiert, also als ein mit Bitters gewürzter Sling.[3] Es gab auch Sling-Varianten mit Sodawasser, Zitronenscheiben, Zitronenschale oder Zitronensaft, jedoch keine, die andere Früchte oder Fruchtsäfte enthielten.

Um 1900 wurden in Singapur dann Slings mit Gin und Kirschlikör gemixt, wie der Cocktail-Historiker David Wondrich 2011 anhand von alten Zeitungsberichten herausfand. Damals war Singapur eine britische Kronkolonie und Bestandteil der Straits Settlements. Von dieser zeitgenössischen Bezeichnung der Stadt stammt auch die Bezeichnung Straits Sling. Die damaligen Singapore oder Straits Slings galten zum Teil als unfein, wie ein von Wondrich zitierter Artikel des Singapore Weekly von 1913 nahelegt, demzufolge sie an der Bar des örtlichen Singapore Cricket Club nicht serviert wurden, es sei denn man bestellte nach einzelnen Zutaten: Gin, Kirschlikör, Limettensaft und Bénédictine sowie Eis und Wasser. Wenig später, um 1915, soll an der Long Bar des Raffles Hotels jener Sling entstanden sein, den das Hotel als die Urform des Singapore Sling sieht. Er wird dem Barkeeper Ngiam Tong Boon zugeschrieben, die Rezeptur ist allerdings nicht überliefert. Geschmacklich dürfte es sich um einen mehr oder weniger typischen Straits Sling jener Zeit gehandelt haben, sich also vom heute servierten Singapore Sling deutlich unterscheiden.[4]

In der Fachliteratur wird ein Straits Sling erstmals 1922 erwähnt, bestehend aus Gin, Kirschlikör, Bénédictine, Zitronensaft, Orangen- und Angosturabitter und Sodawasser.[5] Die Bezeichnung Singapore Sling verwendet erstmals Harry Craddock in seinem einflussreichen Savoy Cocktail Book aus dem Jahr 1930. Er besteht aus Gin, Kirschlikör und Zitronensaft und wird mit Sodawasser aufgefüllt. Direkt darunter folgt das Rezept eines Straits Sling für sechs Personen, der die gleichen Zutaten enthält, jedoch zusätzlich mit Bénédictine und Bitters verfeinert wird.[6]

Die Rezeptur des heute im Raffles Hotel servierten, fruchtigen Singapore Sling mit Ananassaft, Grenadine und Orangenlikör wurde erst um 1936 notiert – zu einer Zeit, als in den Restaurants von Trader Vic und Don the Beachcomber Tiki-Cocktails mit Rum und Säften in Mode kamen.

Zubereitung

Für einen Singapore Sling nach heutigem Raffles-Rezept werden 3 cl Gin, 1,5 cl Kirschlikör (im Raffles: Cherry Heering), 1 ½ BL Triple Sec (Orangenlikör, im Raffles: Cointreau), 1 ½ BL Bénédictine, 1 cl Grenadine, 1,5 cl Limettensaft, 1 Dash (Spritzer) Angosturabitter und 12 cl Ananassaft im Shaker auf Eis geschüttelt und in ein mit Eiswürfeln gefülltes Gästeglas abgeseiht.[7] Diese Version ist auch – mit gleicher Rezeptur – einer der Offiziellen Cocktails der International Bartenders Association;[8] daneben gibt es noch zahlreiche Vereinfachungen mit weniger Zutaten oder Varianten mit anderen Mischungsverhältnissen.

Ein Straits Sling kommt ohne Fruchtsaft, Grenadine und Orangenlikör aus, enthält dafür aber Sodawasser, und wird zum Beispiel aus 4 cl Gin, 2 cl Zitronensaft, je 1 cl Kirschlikör und Bénédictine und je 1–2 Dashes Orangen- und Angosturabitter zubereitet. Die Zutaten werden auf Eis geschüttelt, auf frisches Eis in ein Longdrinkglas abgeseiht und mit etwa 4 cl Sodawasser aufgefüllt.[9]

Literatur

  • Helmut Adam, Jens Hasenbein, Bastian Heuser: Cocktailian. Das Handbuch der Bar. Tre Torri, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-941641-41-9, S. 348f.
  • Ted Haigh: The Genealogy and Mythology of the Singapore Sling in: Jared Brown (Hrsg.): Mixologist. The Journal of the American Cocktail. Mixellany (Jared Brown), New York 2005, ISBN 0-9760937-0-7, S. 73–82.
  • Andrew F. Smith: The Oxford Companion to American Food and Drink. Oxford University Press 2007, ISBN 9780195307962, S. 567 (Auszug (Google))

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Cocktailian, S. 349.
  2. Edward R. Emerson: Beverages Past & Present. P. P. Putnam's Sons, New York 1908, zitiert nach: Ted Haigh, S. 78.
  3. Harry Croswell, Herausgeber der Wochenzeitschrift The Balance, and Columbian Repository (Hudson, New York), antwortete in der Ausgabe vom 13. Mai 1806 auf einen Leserbrief: „Cock tail, then, is a stimulating liquor, composed of spirits of any kind, sugar, water, and bitters – it is vulgarly called a bittered sling [...]“. Vgl. Anistatia Miller, Jared Brown: Spirituous Journey. A History of Drink. Book one: From the Birth of Spirits to the Birth of the Cocktail. Mixellany, London 2009, ISBN 978-0-9760937-9-4, S. 191ff.
  4. Ted Haigh, S. 81; Cocktailian, S. 349.
  5. Robert Vermeire: Cocktails and How to Mix them. Jenkins, 1922; zitiert nach: Ted Haigh, S. 79.
  6. Harry Craddock: The Savoy Cocktail Book. Nachdruck der Originalausgabe von 1930: Pavillon Books, London 2009, ISBN 978-1-86205-296-3, S. 190.
  7. Robert Hess: Singapore Sling (englischsprachig), mit Abbildung einer Rezeptkarte aus dem Raffles Hotel, abgerufen am 21. Februar 2012.
  8. IBA Official Cocktails (englischsprachig) Offizielle IBA-Cocktails mit Rezepten, abgerufen am 21. Februar 2012.
  9. Robert Hess, Anistatia Miller (Hrsg.): The Museum of the American Cocktail Pocket Recipe Guide. Mixellany, New York 2007, ISBN 978-0-9760937-3-2, S. 118. [Anm.: Die Mengen sind in US customary fluid ounces angegeben und wurden im Text vereinfacht mit 1 oz. = 2 cl, statt 1 oz. = 2,8413...cl umgerechnet.]
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Diese Seite wurde zuletzt am 13. April 2012 um 22:18 Uhr geändert.

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