Spin (von englisch spin ‚Drehung‘, ‚Drall‘) ist eine quantenmechanische Eigenschaft von Teilchen. Der Spin hat alle Eigenschaften eines mechanischen Drehimpulses, ausgenommen die, dass er durch die Drehbewegung einer Masse hervorgerufen wird. Er hat damit keine Entsprechung in der klassischen Mechanik.
Für jedes Teilchen hat der Spin einen unveränderlichen Betrag. Selbst wenn das Teilchen punktförmig ist und mit kinetischer Energie Null ruht, hat es seinen Spin, der deshalb auch als Eigendrehimpuls bezeichnet wird. Für die fundamentalen Teilchen der Elementarteilchenphysik kann der Spin nur einen der Werte
,
oder
,haben, wobei
das Plancksche Wirkungsquantum ist[1].
Wie zu jeder Quantenzahl gehört zum Spin ein Operator. Der Spinoperator ist neben dem Bahndrehimpulsoperator einer der zwei Drehimpulsoperatoren in der Quantenmechanik.
Der Spin der elementaren Teilchen ist von fundamentaler Bedeutung für das physikalische Weltbild. Er führt in Kombination mit dem Spin-Statistik-Theorem auf das Pauli-Prinzip, welches z.B. grundlegend für das Periodensystem der Elemente ist. Er spielt daher beim Aufbau der Materie bis hin zur Festlegung ihrer makroskopischen Eigenschaften eine bestimmende Rolle. Hierzu, sowie zur Entdeckung und Rezeption des Spins, siehe Elektronenspin.
Neben dieser grundsätzlichen Bedeutung des Spin bei den fundamentalen Teilchen wird das Wort Spin auch für gebundene Systeme mehrerer Teilchen benutzt und meint dann den Gesamtdrehimpuls, der sich aus den Bahndrehimpulsen und Spins der einzelnen Bausteine zusammensetzt. So für die aus Quarks zusammengesetzten Elementarteilchen (Hadronen, z B. Proton, Neutron) und auch für ganze, aus Protonen und Neutronen zusammengesetzte, Atomkerne. Solche Systeme können in verschiedenen Anregungsstufen mit möglicherweise verschieden großem Spin vorkommen, der Wert
eingeschlossen. Der Spin des Protons wird in der heute verbreiteten medizinisch-diagnostischen Methode der magnetischen Kernspin-Tomographie (MRT) ausgenutzt.
Dass Photonen (Lichtquanten) einen Eigendrehimpuls
haben, war Anfang der 1920er Jahre aus der Atomphysik bekannt, weil der Drehimpuls der Atome sich bei Emission oder Absorption eines Photons um diesen Betrag ändert. Ein direkter experimenteller Nachweis gelang 1936 anhand der Drehbewegung eines makroskopisches Objekts nach der Wechselwirkung mit Photonen[2].
Erstmals wurde 1925 dem Elektron ein Spin zugeschrieben, um eine Reihe unverstandener Details der optischen Spektren von Atomen mit einem einzigen Konzept konsistent erklären zu können[3]. Dem Proton wird der Spin seit 1928 zugeschrieben, weil eine Anomalie in der spezifischen Wärme von Wasserstoffgas nicht anders zu erklären war.[4] Während der ganzzahlige Spin
des Photons sich schon aus der Maxwellschen Elektrodynamik für eine zirkular polarisierte Welle gleicher Energie ergibt, bleibt in der klassischen Physik unerklärbar, wie oder wodurch der halbzahlige Spin der Quarks und Leptonen zustande kommt. Anschauliche oder semi-klassische Beschreibungen sind daher unvollständig. Eine Begründung wurde 1928 in der relativistischen Quantenmechanik entdeckt.
Das magnetische Moment des Elektronenspins ermöglichte im Stern-Gerlach-Versuch den ersten direkten Nachweis der Richtungsquantelung. Die Effekte der magnetischen Kernspinresonanz bzw. Elektronenspinresonanz werden in Chemie, Biologie und Medizin zur detaillierten Untersuchungen von Materialien, Geweben und Prozessen genutzt.
Der zum Spin gehörende Operator
gehorcht denselben drei Vertauschungsrelationen wie die Operatoren zum Bahndrehimpuls und Gesamtdrehimpuls:
Daher gelten hier auch alle anderen allgemeinen Regeln des quantenmechanischen Drehimpulses.
Der Spin
unterscheidet sich vom Bahndrehimpuls
darin, dass er mit allen anderen Operatoren für die am Teilchen beobachtbaren Observablen vertauschbar ist. Das erweitert den Wertevorrat seiner Quantenzahlen um halbzahlige Werte. [5] (Der Bahndrehimpuls erfüllt zusätzlich die Bedingung
, die natürlich auch für den (Bahn-)Drehimpuls der klassischen Mechanik gilt.)
Da (außer im Fall von Spin Null) die drei Komponenten nicht miteinander vertauschbar sind, wählt man als maximal möglichen Satz vertauschbarer Operatoren, analog zum Bahndrehimpuls, das Quadrat der Größe,
, und seine z-Komponente,
. Jeder Eigenzustand des Teilchens zu
erfüllt
; der Wertevorrat für die Spinquantenzahl
ist dabei
. Zur Abkürzung wird häufig ein Teilchen mit Spinquantenzahl
als „Teilchen mit Spin
“ bezeichnet. Damit ist gemeint, dass das Teilchens einen Eigendrehimpuls der Größe
hat.
Die Eigenwerte für
werden mit
bezeichnet. Darin hat die magnetische Spinquantenzahl einen der
Werte
, die alle zusammen je nach Wert
entweder nur halbzahlig (dann in gerader Anzahl) oder nur ganzzahlig (dann in ungerader Anzahl) sind.
Beobachtete Werte für die Spinquantenzahl sind
Zu
wird das Higgs-Boson erwartet, gilt aber derzeit, März 2012, noch nicht als nachgewiesen. Man kann, selbst im Falle nachgewiesener Existenz, auch nicht ausschließen, dass es sich letztlich als zusammengesetzt herausstellt (→ Higgs-Mechanismus).
Die Regeln für die Addition von zwei Drehimpulsen gelten völlig gleich für Bahndrehimpuls und Spin. Daher entsteht durch die Addition von zwei halbzahligen Drehimpulsen ein ganzzahliger (wie bei zwei ganzzahligen auch), während sich ein halbzahliger und ein ganzzahliger Drehimpuls zu einem halbzahligen Drehimpuls addieren. Ein System aus Bosonen und Fermionen hat daher genau dann einen halbzahligen Gesamtdrehimpuls, wenn es eine ungerade Anzahl Fermionen enthält.
Auch bei vielen weiteren Teilchen und Quasiteilchen wird in der Umgangssprache der Physik der Drehimpuls um den Schwerpunkt als Spin bezeichnet, der bei derselben Teichenart je nach angeregtem Zustand des Teilchens dann auch verschiedene Werte haben kann. Dies sind alles zusammengesetzte Systeme, deren Drehimpuls sich nach den allgemeingültigen Regeln der quantenmechanischen Addition aus den Spins und Bahndrehimpulsen ihrer fundamentalen Bestandteile bildet. Sie werden hier nicht weiter berücksichtigt.
Unter allen Drehimpulsen hat der Spin
besondere Eigenschaften (siehe weiter unten).
Gemäß dem Standardmodell der Elementarteilchenphysik bestimmt der Spin die grundlegende Klassifizierung der Elementarteilchen in Bosonen (Spin ganzzahlig) und Fermionen (Spin halbzahlig).
Aus dem Satz von der Erhaltung des Gesamtdrehimpulses eines Systems bei allen möglichen Prozessen folgt die Einschränkung, dass die Fermionen sich nur in Paaren erzeugen oder vernichten lassen, nie einzeln, weil sonst der Gesamtdrehimpuls nicht konstant bleiben könnte, sondern von einem ganzzahligen zu einem halbzahligen Wert springen müsste (oder umgekehrt).
Die Klasseneinteilung in Bosonen (Spin ganzzahlig) und Fermionen (Spin halbzahlig) hat starke Auswirkungen auf die möglichen Zustände und Prozesse eines Systems, in dem mehrere Teilchen gleicher Art vorhanden sind. Da wegen der Ununterscheidbarkeit gleichartiger Teilchen das Vertauschen von zweien von ihnen denselben physikalischen Zustand des Systems herstellt, kann auch der Zustandsvektor (oder die Wellenfunktion) bei dieser Vertauschung nur derselbe bleiben oder sein Vorzeichen wechseln. Alle Beobachtungen zeigen, dass für Bosonen immer der erste Fall gilt (Symmetrie der Wellenfunktion bei Vertauschung), für Fermionen aber immer der zweite (Antisymmetrie der Wellenfunktion bei Vertauschung). Unmittelbare Folge der Antisymmetrie ist das Pauli-Prinzip, nach dem es kein System geben kann, das zwei gleiche Fermionen im selben Einteilchenzustand enthält. Dies Prinzip bestimmt z. B. den Aufbau der Atomhülle und zählt damit zu den Grundlagen für die physikalische Erklärung der Eigenschaften der makroskopischen Materie (z. B. beim chemischen Verhalten der Elemente im Periodensystem sowie bei der (näherungsweisen) Inkompressibilität von Flüssigkeiten und festen Körpern). Die Tatsache, dass es zwei verschiedene Vertauschungssymmetrien gibt, erklärt die großen Unterschiede zwischen Vielteilchensystemen aus Fermionen bzw. Bosonen. Beispiele sind das Elektronengas im Metall (Fermionen) bzw. die Photonen in der Hohlraumstrahlung (Bosonen), aber auch die gesamte Astrophysik. In der Behandlung mit statistischen Methoden befolgen Fermionen die Fermi-Dirac-Statistik, Bosonen die Bose-Einstein-Statistik. Eine tiefliegende Begründung für diesen Zusammenhang liefert das Spin-Statistik-Theorem. Obwohl die von den Spins ausgehenden Kräfte meist vernachlässigbar sind (magnetische Dipol-Wechselwirkung!) und in der theoretischen Beschreibung in der Regel ganz vernachlässigt werden, zeitigt somit die bloße Eigenschaft der Teilchen, einen halb- bzw. ganzzahligen Spin zu besitzen, weitreichende Folgen in der makroskopisch erfahrbaren Welt.
Der Operator für den Spin
hat für
drei Komponenten, die jede für sich genau zwei Eigenwerte
besitzen. Da die drei Komponenten dieselben Vertauschungsrelationen wie bei jedem Drehimpulsoperator erfüllen, existieren aber keine gemeinsamen Eigenzustände. Wählt man (wie üblich) die Ausrichtung längs der z-Achse, dann werden die beiden Eigenzustände zu
mit den Quantenzahlen
als „parallel“ bzw. „antiparallel“ zur z-Achse bezeichnet.
und
haben dann die Erwartungswerte Null.
Über die allgemeinen Eigenschaften des quantenmechanischen Drehimpulses hinaus gibt es beim Spin
zusätzlich besondere Eigenschaften. Sie beruhen darauf, dass
nur zwei Eigenwerte besitzt. Daher ergibt die doppelte Anwendung des Auf- oder Absteigeoperators
stets Null:
.
Zur Vereinfachung der Formeln wurden von Wolfgang Pauli[6] durch
die drei Paulischen Spinoperatoren
eingeführt. Aus
folgt dann (für
)
(Die letzte Gleichung gilt außer für
auch für jeden anderen Vektoroperator, dessen Komponenten untereinander und mit
vertauschbar sind.)
Die unanschaulichen Folgerungen:
Anmerkung: Die Matrix-Darstellung der Paulischen Spinoperatoren sind die Pauli-Matrizen.
Die beiden Zustände
(im Sprachgebrauch „Spin parallel bzw. antiparallel zur z-Achse“, oft auch mit den anschaulichen Symbolen
bzw.
bezeichnet) bilden eine Basis im zweidimensionalen komplexen Zustandsraum
für den Spinfreiheitsgrad eines Spin-
-Teilchens. Auch der Zustand, in dem der Spin parallel zu einer beliebigen anderen Richtung ausgerichtet ist, ist eine Linearkombination dieser beiden Basisvektoren mit gewissen komplexen Koeffizienten. Für den Zustand mit Spin parallel zur x-Achse z.B. haben beide Koeffizienten gleichen Betrag, für den Zustand parallel zur y-Achse auch, aber mit anderer komplexer Phase. Auch wenn die Raumrichtungen x und y zueinander senkrecht stehen, sind die entsprechend ausgerichteten Zustände nicht orthogonal (der einzige zu
orthogonale Zustand
ist
).
Umgekehrt gilt, dass es zu jedem beliebigen Spinzustand (also zu jeder beliebigen Linearkombination von
und
) genau eine Richtung im dreidimensionalen Raum gibt, zu der der Spin dann so parallel liegt wie im Zustand
zur z-Achse. Das entspricht der Vorstellung von einem normalen Vektor im dreidimensionalen Raum, den man ja auch immer zur Definition der z-Achse benutzen kann. Dies gilt unter allen quantenmechanisch möglichen Drehimpulsen nur für die Quantenzahl
. Insofern kommt unter allen quantenmechanischen Drehimpulsen der Spin
der Vorstellung von einem Vektor am nächsten.
Hat ein physikalisches System nur zwei Basiszustände (zumindest in näherungsweiser Betrachtung, z.B. bei zwei benachbarten Energieniveaus, während die anderen, weiter entfernten, vernachlässigt werden), ist es formal ein genaues Abbild des 2-Zustands-Systems für den Spin
. Für dies System können ohne Rücksicht auf ihre physikalische Bedeutung drei Operatoren definiert werden: Ein Aufsteigeoperator und ein Absteigeoperator verwandelt den zweiten Basiszustand in den ersten bzw. umgekehrt, und ergibt sonst Null. Der dritte Operator gibt dem ersten Basiszustand den Eigenwert
und dem zweiten
. Nennt man diese Operatoren der Reihe nach
, erfüllen sie dieselben Gleichungen wie die gleichnamigen Operatoren für den Spin
. Sie können auch in den Vektoroperator
umgeschrieben werden, der wie jeder Drehimpulsoperator aufgrund seiner Vertauschungsrelationen die infinitesimalen Drehungen in einem (abstrakten) dreidimensionalen Raum beschreibt.
Mathematischer Hintergrund dieser Äquivalenz ist die Tatsache, dass die Basistransformationen im zweidimensionalen komplexen Hilbertraum eine Darstellung der Gruppe SU(2) bilden, die „doppelt so groß ist“ [7] wie die Gruppe SO(3) der Drehungen im reellen dreidimensionalen Raum. Der Unterschied zu den „normalen“ Drehungen im dreidimensionalen Raum liegt darin, dass die vom Spinoperator erzeugte Drehung mit dem Drehwinkel 360° nicht durch die Einheitsmatrix
wiedergegeben wird, sondern durch
. Dabei geht der physikalische Zustand zwar in sich selber über, der Zustandsvektor aber in sein Negatives. Das eine ist mit dem anderen verträglich, weil Zustandsvektoren, die sich nur um einen komplexen Faktor unterscheiden, denselben Zustand beschreiben.[8] Erst eine 720°-Drehung bringt wieder denselben Zustandsvektor hervor.
Nimmt man für die zwei Basiszustände verschiedene Elementarteilchen, etwa Proton und Neutron, oder Elektron und Elektronneutrino, wird die durch dies Vorgehen definierte physikalische Größe als Isospin des Teilchens bezeichnet. Dies bewährt sich auch für Mehrteilchensysteme, d. h. ihre Zustände lassen sich danach klassifizieren, wie die Isospins ihrer einzelnen Teilchen sich zum Gesamtisospin addieren, wobei die Regeln der Addition von quantenmechanischen Drehimpulsen volle Gültigkeit haben. In der Entwicklung der Elementarteilchenphysik hat dies Isospinkonzept eine bedeutende Rolle gespielt.
Der Gesamtspin kann hier die Werte
und
haben. Mit der Bezeichnung
für die Basiszustände jedes der Teilchen werden die Zweiteilchenzustände mit den Quantenzahlen
und
so gebildet:
Die beiden Fälle zu
(d. h. die z-Komponente des Gesamtspins ist Null) sind die einfachsten Beispiele für einen verschränkten Zustand aus jeweils zwei Summanden. Hier ergeben schon in jedem einzelnen der beiden Summanden
und
die z-Komponenten der beiden einzelnen Spins zusammen Null. Dies gilt nicht mehr, wenn man statt der (gleich großen) Spins andere Vektoroperatoren betrachtet, die für die beiden Teilchen unterschiedliche Größe haben. Z.B. unterscheiden sich die magnetischen Momente von Elektron und Proton im H-Atom um einen Faktor ca. 700. Wenn für das Elektron mit seinem großen magnetischen Moment zur Verdeutlichung
bzw.
geschrieben wird, heißen die beiden
-Zustände
. Während jeder einzelne der Summanden hier ein magnetisches Moment fast von der Größe wie beim Elektron zeigt, ausgerichtet in (+z)-Richtung bzw. in (-z)-Richtung, hat das gesamte magnetische Moment des Atoms in einem solchen verschränkten Zustand die z-Komponente Null. Daran ist zu sehen, dass beide Summanden
und
gleichzeitig präsent sein müssen, damit sich dies ergeben kann.
Der Triplettzustand ist symmetrisch, der Singulettzustand antisymmetrisch hinsichtlich der Spins, denn die Vertauschung der zwei Teilchen bedeutet hier, die beiden Pfeile für ihren Spinzustand in den obigen Formeln in umgekehrter Reihenfolge zu schreiben. Da der vollständige Zustandsvektor zweier gleicher Fermionen bei der Vertauschung aller ihrer Koordinaten das Vorzeichen wechselt, muss der neben dem Spinanteil existierende ortsabhängige Teil
auch eine definierte Symmetrie haben, antisymmetrisch im Triplett, symmetrisch im Singulett. Bei Vertauschung der räumlichen Koordinaten werden die Ladungsverteilungen beider Elektronen einfach ausgetauscht, bleiben der Form nach aber exakt dieselben wie vorher. Dennoch ergeben sich, wenn sich die Ladungsverteilungen überlappen, für die elektrostatische Abstoßungsenergie zwei verschiedene Werte: Im antisymmetrisch verschränkten Ortszustand ist der Energiebetrag kleiner als im symmetrischen, weil die Aufenthaltswahrscheinlichkeit beider Elektronen am gleichen Ort im antisymmetrischen Ortszustand sicher Null ist, im symmetrischen nicht (im Überlappbereich). Dieser rein quantenmechanische Effekt wird Austauschwechselwirkung genannt. Er begründet den starken Einfluss des Gesamtspins der Elektronen auf die Energieniveaus ihres Atoms, obwohl von den Spins selbst überhaupt keine elektrostatische und nur geringfügige magnetische Wechselwirkung ausgeht.
Bildet man den Zustandsvektor für den Singulettzustand nicht mit den in z-Richtung ausgerichteten Spinzuständen
sondern mit den in x-Richtung ausgerichteten
, so ist der Zustand trotzdem ein- und derselbe (denn es gibt ja nur einen):
Formal ist das eine Folge von
und
.
Hierzu gibt es ein Gedankenexperiment, das die Schwierigkeiten der Anschauung beim Verstehen der Superposition unteilbarer Teilchen beleuchtet:[8] . [9]
Die theoretische Begründung des Spins
beruht auf der 1928 von Paul Dirac entdeckten Diracgleichung, die als relativistisch korrekte Wellengleichung an die Stelle der nichtrelativistischen Schrödingergleichung tritt[10]. Eine Bedingung für relativistische Invarianz der zugehörigen Gleichung für die Energie ist, dass Energie und Impuls linear darin vorkommen. Das ist bei der Schrödingergleichung nicht der Fall, denn sie beruht nach der klassischen Mechanik auf
, in Operatoren:
. Dirac fand in
den gesuchten linearen Operator für den Betrag des Impulses. In der weiteren Ausformulierung dieses Ansatzes mussten die Paulischen
-Matrizen
gemäß
zu
-Matrizen erweitert werden. Damit zeigte sich, dass für ein freies Teilchen, für das man also Erhaltung des Drehimpulses ansetzen muss, nicht der Bahndrehimpuls
eine Konstante der Bewegung ist, sondern die als „Gesamtdrehimpuls“ identifizierte Größe
. Das konstante Zusatzglied
ist der Spin.
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