Montag, 28. Mai 2012

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Staatstheater Nürnberg

Opernhaus Nürnberg
Schauspielhaus Nürnberg

Das Staatstheater Nürnberg ist eines der großen Theater in Deutschland, das seit dem 1. Januar 2005 in der Rechtsform einer Stiftung öffentlichen Rechts geführt wird. Als vierte Staatsbühne im Freistaat Bayern ging es als 3-Sparten-Haus aus den ehemaligen Städtischen Bühnen Nürnberg-Fürth hervor. Prägnantestes Gebäude ist das in der Stadtsilhouette weithin erkennbare Nürnberger Opernhaus.

Theater- und Operngeschichte Nürnbergs

Vorläufer der Oper und Meistersänger

Die Nürnberger Operngeschichte lässt sich – mit all ihren Vorläufern – bis ins Mittelalter verfolgen. Die Kaiserburg war ein Zentrum für Minne- und Trouvaille-Gesang, in St. Sebald befand sich Mitte des 15. Jahrhunderts ein Schülerkreis des blinden Organisten Conrad Paumann, welcher somit die erste institutionelle Musikausbildungsstätte Nürnbergs war. Geistliche Mysterienspiele fanden vor allem zur Passions- und Osterzeit in der Sebalduskirche und den Klöstern St. Egidien, St. Katharina und St. Klara statt. Bedeutende kirchenmusikalische Zentren befanden sich in St. Lorenz, der Frauenkirche und der Heilig-Geist-Schule. Dort wurde auch die Pflege der Moresken, pantomimischer Charaktertänze und somit Urahn der Oper, betrieben. Zum Ende des 15. Jahrhunderts lösten die Fastnachtsspiele diese Frühformen der Oper ab. Sie wurden später vor allem durch Hans Sachs überaus beliebt. Singschulen mit Darbietungen in Wirtshäusern, Höfen, aber auch in der Spitalkirche von St. Martha, dem Übungsort der Meistersänger, waren eine zentrale Bewegung. Nürnberg entwickelte sich zu einem Zentrum der Minnesänger und Dichter: Walther von Stolzing war oft zu Gast auf der Kaiserburg, Tannhäuser und der Parzival-Dichter Wolfram von Eschenbach wurden in der Region geboren, ein Gastspiel von Oswald von Wolkenstein ist für das Jahr 1431 nachweisbar. Ein bedeutendes Werk in der Operngeschichte Nürnbergs ist Seelewig, komponiert vom Nürnberger Organisten Sigmund Theophil Staden. Dieses Stück ist die erste erhaltene deutsche Oper. Den Text schrieb Georg Philipp Harsdörffer, ein Mitbegründer der Literaten-Vereinigung Pegnesischer Blumenorden.[1]

Tag- und Nachtkomödienhaus 1628–1800

Am 16. Juni 1628 öffnete des Fecht- bzw. Tagkomödienhaus mit über 3000 Plätzen in drei Geschossen auf der Pegnitz-Insel Schütt seine Tore, in dem die ersten musikalischen Dramen zur Aufführung kamen. Es war das erste kommunale Theater in Deutschland. Die Konzeption war multifunktionell: Neben belustigenden Schaukämpfen, Artistikauftritten und blutdürstigen Tierhetzjagden oblag jedoch die Hauptnutzung dem Theaterbetrieb. Ein Nachteil dieser Spielstätte war, dass sie auf Grund fehlender Technik, lediglich im Sommer und tagsüber genutzt werden konnte. 1766 fanden hier die letzten Aufführungen statt. Nach der Folgenutzung durch eine Glasschleiferei, folgte 1811 der Abbruch.[2]

Der Umbau eines südlich der Lorenzkirche gelegenen Materialhauses im Jahr 1668 zum beheizten und beleuchtbaren Nachtkomödienhaus brachte Nürnberg eine neue Spielstätte. An selber Stelle wurden bis 1944 zwei weitere Theaterbauten betrieben: das Auernheimersche Nationaltheater und das Alte Stadttheater. Über 140 Jahre befand sich am Lorenzer Platz also eine zentrale Wirkungsstätte des Nürnberger Theaters. Uraufführungen von Singspielen des Organisten Johann Löhner (Der gerechte Zeleukus, 1686 und Theseus, 1688) sind überliefert. Nur selten fanden Gastspiele der umliegenden höfischen Musikzentren Ansbach, Amberg oder Erlangen statt. Die Eröffnung der Spielzeit 1714/15 bestritten die Hochfürstlich Bayreuthischen Hofkomödianten. 1754 und 1757 sind Ballette und Schauspiele der Anspachischen Hochfürstlich-Privilegierten Hof-Comödianten dokumentiert. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts konnten vermehrt Aufführungen von Opern wie Alceste von Christoph Willibald Gluck (1782) und Die Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart (1794) besucht werden. Am 17. September 1800 musste das Nachtkomödienhaus, längst von der Bevölkerung Opernhaus genannt, wegen Baufälligkeit geschlossen werden.[3]

Das Auernheimersche Nationaltheater 1801–1827

Ein neues Theatergebäude in Nürnberg errichtete auf eigene Kosten der Gastwirt Georg Leonhard Auernheimer. Das Auernheimersche Nationaltheater wurde am 6. April 1801 mit dem Schauspiel Bayard, der Mann ohne Furcht und Tadel von August von Kotzebue nach nur sechsmonatiger Bauzeit eröffnet. Es befand sich ebenfalls am Lorenzer Platz und war, außen schlicht mit drei verzierten Portalen, als klassizistisch orientierter Bau errichtet worden. Der Publikumsraum aus zwei Holzemporen und Parkett bot für 500 Zuschauer Platz. Ein Orchester mit zwanzig Musikern, einer für die Zeit üblichen Größe, konnte im Orchesterraum musizieren. Überwiegend fand hier jedoch Sprechtheater statt. Wirtschaftliche Probleme zwangen Auernheimer 1808 zum Verkauf seines Theaters.

Unter den nachfolgenden Direktoren wechselten auch die Schwerpunkte im Spielplan und die wirtschaftliche Lage des Theaters. Der Bassist und Opernregisseur Joseph Reuter (bis 1816) stellte das Musiktheater in den Vordergrund, seine Frau, die Koloratursopranistin Caroline Reuter (bis 1819) vor allem Opern Wolfgang Amadeus Mozarts und Domenico Cimarosas. Der nachfolgende Leiter des Hauses Georg Braun geriet jedoch wiederum in finanzielle Nöte. Ein Glücksfall rettete jedoch ihn und das Nationaltheater im Jahr 1822: Carl Maria von Webers Finanzen befanden sich in Schieflage. Daher bot er Braun, bereits ein Jahr nach der Uraufführung in Berlin, seine Oper Der Freischütz für das erstaunlich geringe Honorar von nur zwanzig Dukaten an. Noten, Libretto und sämtliche Aufführungsrechte waren inbegriffen. Am 26. August 1822 fand die erste Nürnberger Vorstellung statt. Das Werk wurde mit zunächst 17 Vorstellungen zu einem großen Publikumserfolg. Im Jahr 1823 lockte das Stück sogar König Maximilian I. nach Nürnberg. Voller Begeisterung beförderte er Georg Braun daraufhin zum Ökonomie-Inspector auf Lebenszeit am Münchner Hoftheater. In der Direktionszeit seiner Nachfolgerin Marianne von Trentinaglia, einer Schauspielerin, dominierten vor allem Werke Friedrich Schillers den Spielplan. Am 10. Juni 1827 wurde das 26 Jahre alte Theatergebäude wegen Baufälligkeit geschlossen.[4]

Interimstheater 1827–1833

Daraufhin wurden zunächst konzertante Opernaufführungen im Rathaussaal organisiert. Wenig später errichtete man ein hölzernes Provisorium, das sogenannten Interimstheater auf der Insel Schütt. Es war ein schmuckloser Zweckbau mit einem amphitheatralischen Zuschauerraum. Zur Eröffnung am 26. August 1827 wurde das Festspiel Kaiser Ludwigs Traum gespielt. Finanzielle Probleme mit einhergehenden Streiks der Ensemblemitglieder wegen ausbleibender Zahlungen zwangen Frau von Trentinaglia zur Flucht aus Nürnberg. Der Versuch den Betrieb aufrecht zu erhalten, brachte lediglich einige wenige bedeutende Aufführungen wie z.B. Carl Maria von Webers Oper Oberon, Ludwig van Beethovens Fidelio und sogar Giacomo Meyerbeers Robert der Teufel mit sich. Vor allem die schlechten Bedingungen für Schauspieler und Sänger sorgten für Unmut. Abstecher nach Fürth, Erlangen und Bamberg mit ihren festen Spielstätten häuften sich. Die letzte Aufführung wurde am 29. September 1833 gespielt, der Abbruch folgte im März 1834.[5]

Altes Stadttheater am Lorenzer Platz 1832–1945

Bereits am 30. April 1832 wurde der Grundstein des Neuen Stadttheaters (ab 1905 Altes Stadttheater) an der Stelle des ehemaligen Auernheimerschen Nationaltheaters am Lorenzer Platz gelegt. Der rund 1000 Zuschauer fassende Bau wurde am 30. September 1833 vollendet. Auch dieses Gebäude war relativ schmucklos und brachte enge Verhältnisse im Zuschauerraum und auf der Bühne mit sich, weshalb es bald im fränkischen Volksmund Vuglhäusla genannt wurde. Die Eröffnung erfolgte am 1. Oktober 1833 mit dem Schauspiel Die Krone von Cypern von Eduard von Schenk. Bis in die 1850er Jahre fanden häufige Wechsel in der Leitung statt, was eine mäßige künstlerische Qualität zur Folge hatte. Vereinzelte Höhepunkte wie z.B. der Auftritt der führenden deutschen Sopranistin Wilhelmine Schroeder-Devrient im Jahr 1835 als Leonore in Ludwig van Beethovens Oper Fidelio waren die Ausnahme. Gastspiel-Abstecher nach Fürth und Erlangen gab es immer wieder - jedoch auch lange Schließzeiten in Nürnberg. 1842 bis 1844 setzte die Direktion die Oper gänzlich ab, kurz darauf wurden in den Jahren 1844 bis 1848 unter der Leitung von Ferdinand Röder, einem erfahrenen Theaterdirektor (zuvor in Bamberg, Bayreuth, Meiningen, Regensburg), wieder insgesamt 285 Musiktheater-Aufführungen realisiert. Auf Grund finanzieller Probleme flüchtete Röder später aus Nürnberg.

Eine Konsolidierung schaffte ab 1850 Gustav Brauer. In seiner Zeit wurde das Theater-Privileg in Nürnberg abgeschafft (1868) und Subventionen durch die Stadt eingeführt. Nun konnte sich das Theater wirklich Stadttheater nennen. Die künstlerische Qualität stieg und erstmals konnten Opern von Giuseppe Verdi (Ernani, 1850) und Richard Wagner (Tannhäuser, 1856) dargestellt werden. Die Industrialisierung brachte die Professionalisierung des gesamten Berufsstandes mit sich. Durch beliebte Vorstellungen bei der rasant wachsenden Arbeiterschaft wurden verlässliche Einnahmequellen generiert.

Ab 1858 übernahm Maximilian Reck für 27 Jahre die Direktion. Diese Zeit sollte als eine glanzvolle Epoche in die Nürnberger Theatergeschichte eingehen. Es wurde ein nordbayerischer Theaterverbund gemeinsam mit Fürth und Erlangen, ab 1870 Bamberg und zeitweilig auch Coburg geschaffen. Eine regelmäßige Spielzeit wurde eingeführt und im Sommer Saisontheater mit überwiegend Operetten und Lustspielen gezeigt. Dies war im übrigen der Beginn einer hundertjährigen Periode intensiver Operettenpflege in Nürnberg. Im Jahre 1860 fanden erstmals Tanzabende mit einer Ballett-Compagnie aus Rom statt. Das Nürnberger Theater entwickelte sich zum zweitwichtigsten Haus in Bayern. Auch Gastspiele der Münchner Hofoper konnten nun geboten werden. Das Orchester umfasste rund vierzig feste Stellen, was unter anderem für die Nürnberger Erstaufführung der Wagner-Oper Die Meistersinger von Nürnberg am 28. März 1879 unabdingbar war. Dieses Werk ist seither die meistgespielte Oper in Nürnberg. Die bedeutende Lebensleistung des Direktors Reck hatte zuletzt weitere bauliche Verbesserungen und höhere städtische Zuschüsse zur Folge. Am 6. Mai 1885 verstarb Reck und wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Rochusfriedhof beerdigt. Der 28-jährige Sohn Hans Reck rückte als Nachfolger die Werke Richard Wagners weiter ins Zentrum. So wurde 1893 die erste zyklische Aufführung des Ring des Nibelungen in Nürnberg realisiert. Das nahe Bayreuth entsandte immer wieder junge sowie renommierte Gastsänger. Erste Gedanken an einen moderneren und größeren Theaterneubau entstanden durch die wachsende Bevölkerungszahl und den hohen Verschleiß des alten Stadttheaters am Lorenzer Platz. Am 100. Todestag Friedrich Schillers, dem 10. Mai 1905, wurde mit Wilhelm Tell die vorerst letzte Vorstellung gegeben.[6]

Im 20. Jahrhundert wurde das Alte Stadttheater erneut für Vorstellungen genutzt. Von 1924 bis zur endgültigen Zerstörung am 2. Januar 1945 war es die Heimat des Nürnberger Sprechtheaters. Zudem wich das Musikensemble im Jahr 1935 während Umbauten im Opernhaus für einige Monate in das über hundertjährige Gebäude aus.

Das Nürnberger Opernviertel am Altstadtring (Frauentorgraben) links/östlich der Oper das Sigmung-Schuckert-Haus, rechts/westlich davon das Hotel Deutscher Hof; im Hintergrund das 1959 eröffnete Schauspielhaus

Neues Stadttheater am Ring ab 1905

Die Anfänge zu Beginn des 20. Jahrhunderts 1905–1933

Die prunkvolle Eröffnung des Neuen Stadttheaters am Ring mit über dreihundert geladenen Gästen fand am 1. September 1905 unter anderem mit der Vorstellung der Festwiesen-Szene aus dem dritten Akt der Oper Die Meistersinger von Nürnberg von Richard Wagner statt. In seine erste Spielzeit startete das Ensemble mit 315 Vorstellungen, vorwiegend mit Werken Richard Wagners. Auf Grund von strengen Auflagen der Stadt in einem veralteten Pachtsystem, welches an das ehemalige Theater-Privileg erinnerte, war das künstlerische Niveau mit der Zeit auf einem nicht gerade hohen Stand. So beklagte sich Richard Strauss über die Qualität des Orchesters in einem Brief an den Oberbürgermeister und die Presse. In diesem forderte er einen Subventionsbetrieb und eine Verdoppelung der Orchesterstärke. Der erste Hausherr des Stadttheaters Richard Balder trat 1914 auf Grund der finanziellen Lage zurück. Der neue Direktor Alois Pennarini übernahm in der Folge nicht nur Regieaufgaben, sondern sang als Tenor auch selbst einige Titelrollen. Während des ersten Weltkrieges wurde der Spielbetrieb so gut es ging aufrecht erhalten. 1918 dominierten das Schauspiel und leichte musikalische Revuen. Pennarini überstand auch den Beginn der Weimarer Republik, sah sich jedoch 1920 großer Kritik bezüglich seiner Spielplan-Auswahl und schlechten Publikumszahlen ausgesetzt. Daraufhin gab er seine Intendanz zurück.

Dieser Rücktritt markierte einen großen Wendepunkt in der Geschichte des Opernhauses. Aus dem Lizenzunternehmen wurden die Städtischen Bühnen. Der neue Eigenbetrieb der Stadt Nürnberg brachte den Angestellten größere Sicherheiten und dem neu bestellten Intendanten künstlerische Planungssicherheit. Dieser hieß Willy Stuhlfeld und kam aus Würzburg. Er hatte jedoch in seiner Amtszeit bis Juni 1922 mit der Inflation und ihren Folgen, sowie internen Intrigen zu kämpfen. Sein Nachfolger Johannes Maurach war ein erfahrener Theatermann. Unter ihm fusionierten das 1890 gegründete Philharmonische Orchester Nürnberg und das Orchester des Stadttheaters zum Städtischen Orchester Nürnberg (heute Staatsphilharmonie Nürnberg). Erst jetzt erreichte das Orchester mit nun 110 Musikern die von Richard Strauss 1913 als Mindestgröße empfohlene Stärke. Nach überstandener Inflation stabilisierte sich auch die wirtschaftliche Situation des Theaters. Maurach und die Stadt Nürnberg trieben Pläne voran, das 90 Jahre Alte Stadttheater am Lorenzer Platz als Spielstätte für das Sprechtheater zu renovieren. Am 21. September 1924 wurde es wiedereröffnet. Das Neue Stadttheater am Ring trug nun mehr und mehr den Namen Opernhaus. Mauracher entwickelte beide Sparten weiter und machte die Nürnberger Bühne zu einem wahrhaften Sprungbrett-Theater für Talente. Ein großes Corps de ballett ermöglichte nun auch Ballettabende in Nürnberg. Schlechte Auslastungszahlen Ende der 1920er Jahre und die Wirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre zwangen das Theater zu Sparmaßnahmen. Dennoch urteilte der versöhnte Richard Strauss zum 25-jährigen Jubiläum des Hauses 1930: „Nürnberg hat ein erstklassiges Musiktheater.“[7]

Das Opernhaus in der NS-Zeit 1933–1945

Mit Beginn der NS-Diktatur wurde die Oper im Allgemeinen und das Nürnberger Opernhaus im Besonderen für Propaganda und Repräsentation missbraucht. Ab 1933 wurde vor allem die Oper Die Meistersinger von Nürnberg immer wieder für NS-Zwecke genutzt. Alle Reichsparteitage bis 1938 wurden mit einer Vorstellung dieses Werkes eröffnet. Hohe finanzielle Förderungen durch das NS-Regime „ermöglichten“ neben dem Umbau des gesamten Innenraumes nach ideologischen Vorstellungen auch eine hohe künstlerische Qualität. Intendant Johannes Maurach musste jedoch immer öfter Einschränkungen in der Planung des Spielplans hinnehmen. So wurden slawische, russische und jüdische Komponisten aus dem Konzertleben verbannt. Die Operette dagegen erfuhr eine verstärkte Hinwendung. Im Juni 1939 wurde der dem Regime zu eigensinnige Maurach aus dem Amt gedrängt. Sein Nachfolger Wilhelm Hanke war für fünf Spielzeiten während des Krieges verantwortlich. 1943/44 wurde als letzte Inszenierung erstmals der komplette Ring des Nibelungen gezeigt – mit der Vorstellung der Götterdämmerung am 31. August 1944 endete die 39. Spielzeit. Ein inoffizielles, letztes Konzert mit nicht einberufenen Orchestermitgliedern ist für den 15. April 1945, mitten im Geschützhagel, belegt – sieben Zuhörer waren vor Ort.[8]

Vom Stadttheater zum Staatstheater Nürnberg 1946 bis heute

Nach dem Wiederaufbau wurde das Nuremberg Opera House zunächst hauptsächlich durch die United States Army als Kino und Theater genutzt. Im großen Foyer des ersten Ranges war eine Bar, der sogenannte Stork-Club eingerichtet. Bereits am 1. Oktober 1945 wurde das Stadttheater Nürnberg wieder offiziell in Betrieb genommen. Die Besatzungsmacht erlaubte vereinzelten Spielbetrieb, welcher jedoch nur am Nachmittag und an höchstens zwei Wochentagen stattfand. Der Theaterkapellmeister Rolf Agop übernahm bei den ersten Vorstellungen nach dem Krieg (erstes Nachkriegskonzert im Opernhaus am 23. September 1945) die Leitung des Orchesters und betrieb in der Folge die wichtige Wiederaufbauarbeit. Als GMD Alfons Dressel nach erfolgreicher Entnazifizierung zurückkehrte, verließ Agop das Haus.

Da die Bühne am Lorenzer Platz im Krieg komplett zerstört wurde, befanden sich zunächst alle Sparten im Opernhaus. Ab 1947 bis in die 1950er Jahre wurden die Bucher Säle in Nürnberg-Thon als weitere Spielstätte genutzt. Mit dem Engagement des neuen, langjährigen Generalintendanten Karl Pschigode entspannte sich die räumliche Situation. 1946 hatte er das private Lessing-Theater für Schauspiel-Aufführungen gegründet. Dieses wurde 1959 zur offiziellen Spielstätte des Stadttheaters. Durch die Kooperation mit dem Stadttheater Fürth standen nun fünf Spielstätten zur Verfügung: das Opernhaus, die Bucher Säle, das Lessing-Theater, das Stadttheater Fürth und eine Schul-Aula als Spielort der Kammerspiele. Der Spielplan 1958/59 umfasste die Aufführung von insgesamt 48 musikalischen Werken, unter anderem die erste Ring-Tetralogie nach dem Zweiten Weltkrieg, sowie sechs Philharmonische Konzerte.

Inhaltliche Schwerpunkte in den 1950er und 1960er Jahren lagen auf der Pflege der Operette und zeitgenössischer Werke. Dies kam mit der Woche des Gegenwartstheaters ab 1952 sowie der Woche der Gegenwartsoper zum Ausdruck. Am 22. September 1951 wurden das Opernhaus und das Fürther Stadttheater von der amerikanischen Besatzungsmacht wieder vollständig zurückgegeben. 1955 konnte das 50-jährige Bestehen gefeiert werden. 1961 besuchten 900.000 Zuschauer die Spielstätten am Richard-Wagner-Platz, welche 1960 durch das neue Schauspielhaus erweitert wurden und 1963 durch die Meistersingerhalle am Luitpoldhain weitere Entlastung erfuhren.

Hans Gierster, ab 1965 Generalmusikdirektor, hatte in seiner 23-jährigen Dienstzeit einige Verdienste in der Organisation seines Klangkörpers. So wurde das Orchester von 77 auf 87 Stellen vergrößert und Ende der 1970er Jahre von einem B- in ein A-Orchester, nun Philharmonisches Orchester der Stadt Nürnberg genannt, erhoben. Zudem verhinderte er in den 1970er Jahren eine Abschaffung der Philharmonischen Konzerte und organisierte eine engere Zusammenarbeit mit den Nürnberger Symphonikern in sogenannten Kooperationskonzerten. In dieser Reihe kamen z.B. die Sinfonie der Tausend von Gustav Mahler (1977) und Arnold Schönbergs Gurre-Lieder (1980) zur Aufführung.

Eine überregional beachtete Erstaufführung war am 10. Mai 1970 die umgearbeitete, sogenannte Nürnberger Fassung des Werks Intolleranza 1960 von Luigi Nono. Die ursprüngliche Version wurde von Nono selbst mit elektronischer Musik erweitert und die Texte von Yaak Karsunke mit Themen wie dem Vietnam-Krieg und dem Prager Frühling aktualisiert.[9] Im Januar 1974 ging die Intolleranza 1970 genannte Produktion für vier Aufführungen an das Teatro Comunale nach Florenz.[10]

Am 14. Dezember 1974 fand die „Welle des eigenwilligen Regietheaters für das Genre Oper”[11] in Nürnberg ihren Auslöser. Hans Neuenfels erste Opernregie-Arbeit feierte mit Verdis Der Troubadour Premiere. Seither steht er an der „Speerspitze der Inszenierungsrevolution”.[12] Diese Aufführung wurde in der Folge und bis heute bundesweit nicht nur als Theaterskandal, sondern auch als Markstein der Opernregie reflektiert:

„Das Überraschende und eigentlich Überragende dieser Inszenierung ist nicht die theatralisch knallige, ungekünstelte Freilegung von Opern Unsinn hinter einer Unterhältungsfolie, sondern der Sinn, den Neuenfels der Oper wiedergibt. [...] Dieser eindringliche Operneinstand von Hans Neuenfels ist einzuordnen in die neuen Erzählweisen des Musiktheaters, die Endspiel Stimmung, die die Oper gegenwärtig beherrscht.“

Jens Wendland: DIE ZEIT, 20. Dezember 1974, Nr. 52[13]

„Wer diesen „Troubadour“ miterlebt hat, der hat die traumwahnhaften Bilder noch vor Augen. Das war eine neue Erfahrung, ein psychoanalytisch grundiertes Bilderrätsel, ein (so der junge Musikkritiker) Opernabend, „den man gesehen haben sollte, wenn man das Wort Musik-Theater ernst nimmt“.“

Rainer Wagner: Hannoversche Allgemeine, 21. August 2011[14]

„Sein Nürnberger Troubadour-Debüt 1974 führte denn auch ins Schreckenskabinett eines Sadomaso-Freaks, wo aus Entsetzen Slapstick, aus Komik Grauen wurde.“

Gerhard R. Koch: Frankfurter Allgemeine, 29. Mai 2011[15]

Hans Neuenfels, auf den am Nürnberger Opernhaus weitere inszenierende Schauspiel-Regisseure folgten, berichtet selbst über seine damalige Arbeit:

„Als ich meine erste Oper inszenierte, Troubadour 1974 in Nürnberg, da haben wir durchgesetzt, dass wir zwei Monate probieren durften, was damals ungewöhnlich lange war.“

Hans Neuenfels im Interview mit Antje Kaiser und Antje Schmelcher: Berliner Zeitung, 29. Oktober 2004[16]

„Der Kostümbildner protestierte am heftigsten [über das geplante Aussehen eines auftretenden Engels]. Die Diskussion dauerte sehr lange. Am nächsten Morgen spürte ich an der linken Kopfseite einen kühlen Schmerz. Vor dem Spiegel entdeckte ich eine ungefähr fünfmarkstückgroße kahle Stelle in meinem Haar. „Verdis Rache“, lächelte der Kostümbildner erfreut. Es war eine so genannte Alopecia areata, ein kreisrunder Haarausfall, mit dem schon der Surrealist Roger Vitrac in seinem Stück Der Coup von Trafalgar seine weibliche Hauptfigur versah. Aber ich war davon überzeugt, dass Verdi sich keinesfalls an mir rächen wollte, und bestand auf meiner Idee.“

Hans Neuenfels: DIE ZEIT, 05/2001[17]

Weiterhin unter Intendant Burkhard Mauer wurde Christian Thielemann 1988 zum damals jüngsten Generalmusikdirektor Deutschlands ernannt. Unter seiner Leitung fand vor allem die deutsche Hochromantik Beachtung. Mit einer Aufführung des Tristan gelang ihm der künstlerische Durchbruch. 1992 verließ er das Haus auf Grund interner Differenzen. Nach einem Politikwechsel in Nürnberg erfolgte auch am Opernhaus ein Neubeginn. Nach 4 Jahren wurde erstmals wieder ein Generalintendant mit Wulf Konold ernannt, welcher gemeinsam mit GMD Philippe Auguin das Haus programmatisch neu ausrichtete. Ein fast vollständiger Mahler-Sinfonien-Zyklus wurde von Auguin realisiert, im Sommer 2003 konnte zum ersten Mal nach 44 Jahren wieder ein vollständiger Ring des Nibelungen aufgeführt werden. Beim Beijing Music Festival 2005 gastierte das Haus mit dieser Inszenierung, wofür es den Sonderpreis des Festivals erhielt. Ein weiteres Gastspiel führte das Staatstheater Nürnberg in der Spielzeit 2005/2006 nach Asien: Im März des Mozart-Jahres 2006 führte die Oper vier mal Mozarts Don Giovanni beim Hongkong Arts Festival auf.

Am 21. Mai 2003 verkündete Ministerpräsident Edmund Stoiber die Beteiligung des Freistaates Bayern zur Hälfte an den Kosten des Vier-Sparten-Hauses. Somit wurden die Städtischen Bühnen Nürnberg zum Staatstheater Nürnberg erhoben. Mit der Gründung einer Trägerschafts-Stiftung am 1. Januar 2005 trat diese Regelung und Auszeichnung in Kraft.

Baugeschichte der heutigen Gebäude des Staatstheater Nürnberg

Opernhaus Nürnberg

Planung und Entwurf

Die Industrialisierung im 19. Jahrhundert hatte eine Verzehnfachung der Bevölkerung in Nürnberg zur Folge. Die Notwendigkeit eines neuen Theaters wurde schon 1887 erkannt, bis diese Pläne jedoch umgesetzt wurden, vergingen mehr als zehn Jahre. Ein Bauplatz wurde am Frauentorgraben auf dem Gelände des alten städtischen Krankenhauses gefunden. Auf Empfehlung mehrerer Fachleute wurde auf eine öffentliche Ausschreibung verzichtet und der erfahrene Berliner Theaterarchitekt Heinrich Seeling mit einem Entwurf beauftragt. Er hatte bereits Erfahrungen mit Form, Aufbau, Akustik, Sicht und Sicherheit moderner Theaterbauten. Im Juni 1898 wurde ein Vertrag verfasst, in dem Seeling angehalten wurde, sich an den Formen der Alt-Nürnberger Bauweise des 16. Jahrhunderts zu orientieren.

Den ersten Entwurf lieferte der Architekt im September 1898. Er bestand aus einem Baukomplex mit einem Theater- und einem Saalbau. Die Gebäude wurden durch einen länglichen Trakt zu einer Einheit verbunden. Verschiedenste Dachformen mit zahlreichen Giebeln und Türmen verzierten mit Stilelementen der Gotik und Renaissance die Fassaden. Zwei Türme – zum einen die Bühnenhauskuppel, zum anderen ein hoher schlanker Turm – waren diagonal im Gleichgewicht architektonischer Proportionen angeordnet. Das Gebäude orientierte sich am Kaiserjubiläums-Theater (heute Volksoper Wien) der Architekten Alexander Graf und Franz von Krauß. Generell wurde der erste Entwurf zunächst befürwortet, nach einer öffentlichen Ausstellung jedoch entbrannte eine vehemente, aber kontroverse Diskussion für und wider den Nürnberger Stil und zwischen einem vergangenheitsbezogenen Bauen und der Suche nach moderner Architektur.

Seeling gestaltete die Fassade in einem zweiten Entwurf neu, wobei er den Grundriss beibehielt. Im Mai 1900 wurde dieser eingereicht und nach erneuter öffentlicher Debatte umgesetzt. Jedoch entschied die städtische Seite auf Grund des Zeitdrucks (Fertigstellungstermin 1. Oktober 1902) und wegen höherer Kosten, lediglich das Theater, also das Bühnenhaus, ohne den Saalbau zu realisieren. Dieses Konzert- und Festsaalgebäude wurde nie realisiert.

Der Bau von 1901 bis 1905 verschlang Kosten in Höhe von 4,3 Millionen Reichsmark. Somit war der Theaterneubau der teuerste zu dieser Zeit in Europa. Mit der Eröffnung am 1. September 1905 verbesserte sich die Theaterkapazität in Nürnberg von rund 1000 Zuschauerplätzen im Alten Stadttheater auf 1421 Sitze im Neuen Stadttheater am Ring. Modernste Ausstattung mit Elektrizität, Heizungsanlagen und Bühnentechnik lieferte höchsten Komfort. Seeling wurde 1908 hauptverantwortlich für die stark gestiegenen Kosten gemacht, da er zeitgleich das Schauspielhaus Frankfurt errichtete und daher anscheinend den Kostenüberblick verlor.

Ausstattung und Architektur

Im Grundriss handelt es sich um einen längsrechteckigen Baukörper in ost-westlicher Ausrichtung entlang dem Frauentorgraben zwischen Lessingstraße und Treustraße. Ein langer schmaler Magazinbau u.a. für die Kulissen ist am süd-westlichen Eck angefügt. Der Aufbau des Hauptgebäudes orientiert sich an dem der Pariser Oper von Charles Garnier, welcher später auch als allgemein anerkanntes Schema galt. Es besteht somit aus drei Hauptgeschossen, gegliedert in drei Funktionsblöcke als traditionelle Theaterorte der Begegnung, der Sammlung und der Handlung: der Eingangsbereich mit Vorfahrtshalle, Vestibül und Haupttreppenhäusern, das Zuschauerhaus mit U-förmigem Auditorium einschließlich Foyer und das Bühnenhaus mit den Nebentreppenhäusern. Ein stilistisches Formgemisch von Renaissance, Barock und zaghaften Anklängen an den Jugendstil verkleidet die Fassaden. Diese bestehen aus Werksteinmauern aus Sandsteinquadern der Nürnberger Umgebung, der Sockel aus unterfränkischem Muschelkalkstein und die Dächer aus grün lasierten Falzziegel.

Der reiche Figurenschmuck ist abgestuft nach Wertigkeit an allen Fronten angebracht. Am reichsten dekoriert ist die östliche Seite als repräsentative Hauptfassade - die Südfront bleibt dagegen fast völlig schmucklos. Als Motivvorrat für Figuren und Plastiken dient die nordische Sagenwelt, die Musikdramen Richard Wagners, die Stadt Nürnberg und das Theaterwesen vor dem Hintergrund des dionysischen Kultes. Eine bedeutende Plastik ist die Figurengruppe über dem Haupteingang. Sie wurde, wie die meisten Bauplastiken, entworfen von dem Bildhauer Philipp Kittler aus Schwabach. Über dem Nürnberger Stadtwappen triumphiert die überlebensgroße Mittelfigur der Noris, zur ihren Füßen sitzen der Lustige Rat und der Meistersinger. Das Mosaikbild über der Hauptfassade war als Wettbewerb bayernweit ausgeschrieben. Der Nürnberger Maler Hermann Schwabe jun. ging als Sieger hervor und setzte das vorgegebene Thema Die drei Nornen unter der Weltenesche künstlerisch um. Ebenfalls an der Ostseite befindet sich im Grundriss des ersten Ranges ein Balkon, der über den Erfrischungsraum (heute Gluck-Saal) betreten wird.

Das Auditorium bestand ursprünglich aus Parkett, drei Rängen, Galerie, Logen und Vorlogen. Der erste Rang ist in Logen unterteilt. Die beiden Prozeniumslogen und die Mittelloge erhielten eine Vorloge bzw. einen vorgelagerten ovalen Salon. Zwei repräsentative Treppen im Umgang des Parketts führen zum ersten Rang, weitere drei Treppenaufgänge zu den Rängen.

Die Innenausstattung wurde von Scheeling gemeinsam mit Karl Selzer, einem Passauer Dekorationsmaler und Professor an der Staatsschule für angewandte Kunst Nürnberg, konzipiert. Vertraglich nicht festgelegt, entschieden sie sich für eine Dekoration im damals modernen, üppigen Jugendstil. Vor allem die Foyers, der Zuschauerraum und das als Erfrischungsraum erweiterte Foyer des ersten Ranges erhielten eine aufwendige Ausstattung.

Dieser, heute Gluck-Saal genannte, Raum, welcher sich quer zur Tiefenachse des Theaters befindet und mit einer Tonne überwölbt ist, öffnete sich mit fünf Rundbogenarkaden zum Zuschauerraum bis zum dritten Rangumgang. Die Tonnendecke war in Freskotechnik bemalt und eröffnete illusionistisch durch reiche Vegetation und Laubenarchitektur hindurch mittig den Blick zum Balkon und in den freien Himmel. Eine gemalte Parklandschaft mit zentralem zweiteiligen Brunnen und Menschenstaffage erweiterte an der nördlichen Stirnseite den Raum. Die Vier Jahreszeiten wurden durch plastische Figuren des Berliner Bildhauers Hermann Feuerhahn dargestellt.

Weitere nennenswerte Zierde befand sich über der Flügeltür der Mittelloge des ersten Rangs mit einem versilberten Fries. Es zeigte spielende Kinder vor der Stadtsilhouette Nürnbergs. Außerdem war im Parkettumgang ein Grottengewandbrunnen zwischen zwei Pfeilern eingebaut. Er wurde den Grottenbergen der Barockgartensälen des 18. Jahrhunderts nachempfunden.

Zerstörung und Wiederaufbau

Unter der NS-Diktatur wurde das Opernhaus 1935 durch Paul Schultze-Naumburg im Inneren komplett umgestaltet. Sämtliche Jugenstilelemente wurden eliminiert. Die Innenräume sollten im Sinne des Nationalsozialismus versachlicht werden mit dem Ziel den Geist des Jugendstils zu verbannen. Die wertvolle Ausstattung musste einer vereinfachten neuklassizistischen Gestaltung weichen.

Auch nach dem Krieg und der starken Zerstörung des Hauses 1945 wurde die Innenausstattung lediglich in schlichter Form wiederhergestellt. Die äußere Hülle dagegen wurde rekonstruiert und komplett wieder aufgebaut.

Die Generalsanierung seit 1989

Im Jahr 1989 begannen die Vorwegmaßnahmen zur Generalsanierung des Nürnberger Opernhauses: eine Asbestsanierung, die Sanierung der Balustrade der Ostfassade und die Errichtung der Laterne über dem Bühnenhaus. 1991 folgte die eigentliche, erste Baustufe mit der Erneuerung der Werkstätten und Probenräume und dem Einbau neuer Sanitäranlagen im Besucherbereich. In der zweiten Baustufe von 1993 bis 1996 wurden die Fassaden renoviert und die Bronzefiguren im Ostgiebel rekonstruiert und aufgestellt. Die umfangreiche dritte Baustufe erfolgte im Jahr 1998 vorwiegend im Innenraum. Der Zuschauerraum wurde entkernt, die Klimaanlage erneuert, eine neue Beleuchtung eingebaut und die Ton- und Lichtanlagen im Bühnenbereich verbessert. Nur ein halbes Jahr dauerte dieser größte Abschnitt. Zu guter Letzt wurden die Kassenhalle, die Wandelgänge und das Foyer neu gestaltet. Weitere Umbauten, wie z.B. der Einbau eines Behindertenaufzugs, neue Fenster im gesamten Gebäude, neue Räume für Personal und Werkstätten u.v.m. wurden ebenso ausgeführt wie die Umgestaltung des Richard-Wagner-Platzes vor dem Opernhaus.

Das Haus war nur achteinhalb Monate gesperrt und konnte im Herbst 1998 wiedereröffnet werden. Die Generalsanierung kostete mehr als 40 Millionen DM, wovon ca. 50 Prozent durch den Freistaat Bayern gefördert wurden. Abschließend wurde die erneuerte Walküre wieder auf den Westgiebel des Opernhauses gesetzt.[18]

Nicht beachtet wurden bei den bisherigen Sanierungen die Heizungsanlage, welche heute noch auf dem Stand von 1905 ist, die Obermaschinerie, welche vom TÜV nur noch zögernd für den Betrieb freigegeben wird, sowie das Problem der zu kleinen Hinterbühne. Diese hat zur Folge, dass Bühnenbilder, die früher zweidimensional, heute aber meist dreidimensional angefertigt werden, komplett zerlegbar sein müssen.[19] Durch den zu engen Durchgang zur Bühne müssen Kulissen teilweise sogar zersägt und wieder zusammengesetzt werden. Gastspiele und Kooperationen mit anderen Häusern sind daher in Nürnberg derzeit seltener der Fall. Im Jahr 2012 wird dem Nürnberger Opernhaus erneut eine mehrjährige Generalsanierung und eventuelle Schließung prognostiziert.[20]

Schauspielhaus Nürnberg

Das Schauspielhaus Nürnberg wurde 1959 hinter dem Opernhaus erbaut. Auf dem Gelände befand sich zuvor das Hercules-Velodrom und in der Nachkriegszeit ein amerikanisches Armeekino. Am 9. September 1959 eröffnete es mit Friedrich Schillers Wallenstein.

Von Mai 2008 bis Oktober 2010 wurden das Schauspielhaus Nürnberg und die Kammerspiele wegen einer dringend notwendigen Generalsanierung vorübergehend geschlossen. Als Ausweichspielstätten fungierten die Tafelhalle, das Theater im KaLi (ehemalige Kammer-Lichtspiele am Plärrer) sowie der Konzertsaal der Nürnberger Symphoniker in der Kongresshalle auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände.

Neben der Fassade wurden der Eingangsbereich, das Foyer, die Zuschauerräume und die komplette Bühnentechnik für rund 37 Million Euro erneuert.[21] Mit einem Festakt am 17. Oktober 2010 wurde das generalsanierte Schauspielhaus feierlich wiedereröffnet. Ein großzügiges Treppenhaus mit Bars und offene Foyers auf drei Ebenen verbindet nun die Kammerspiele mit 205 Zuschauerplätzen, das Schauspielhaus mit 538 Plätzen und die neue BlueBox, welche vor der Sanierung unmittelbar vor dem Eingang als Zeltanbau aufgestellt war.

Das Opernhaus bei Nacht

Sparten und Veranstaltungen

Das Programm am Staatstheater Nürnberg teilt sich auf in die Sparten Oper, Ballett und Tanz und Schauspiel. In der Saison 2005/2006 kamen mehr als 20 Inszenierungen des Musiktheaters zur Aufführung. Die Staatsphilharmonie Nürnberg ist das Orchester des Staatstheaters mit einer eigenen Konzertreihe in der Meistersingerhalle.

Einige der regelmäßigen Veranstaltungen am Staatstheater Nürnberg sind:

  • seit 2000: die philharmonischen Open-Air-Konzerte im Luitpoldhain mit jährlich rund 100.000 Zuschauern
  • seit 2001: der Nürnberger Opernball Albrecht Dürer
  • seit 2005: die Internationalen Gluck-Opern-Festspiele zu Ehren des im nahen Erasbach geborenen Christoph Willibald Gluck, alle zwei Jahre
  • Neujahrskonzerte im Opernhaus mit der Staatsphilharmonie Nürnberg

Personen

Die Intendanten

Zeitraum Name
1905–1914 Richard Balder
1914–1920 Alois Pennarini
1920–1922 Willy Stuhlfeld
1922–1939 Johannes Maurach
1939–1945 Wilhelm Hanke
1946–1947 Walter Bruno Iltz
1947–1971 Karl Pschigode
1971–1985 in dieser Zeit gab es keinen Generalintendanten
1986–1991 Burkhard Mauer
1991–1994 Lew Bogdan
1996–2008 Wulf Konold
2008– Peter Theiler

Die Generalmusikdirektoren

Zeitraum Name
1923–1925 Ferdinand Wagner
1925–1938 Bertil Wetzelsberger
1938–1946 Alfons Dressel
1946–1948 Rolf Agop
1948–1955 Alfons Dressel
1956–1964 Erich Riede
1965–1988 Hans Gierster
1988–1992 Christian Thielemann
1993–1998 Eberhard Kloke
1998–2005 Philippe Auguin
2006–2011 Christof Prick
2011– Marcus Bosch

Die BallettdirektorInnen

Zeitraum Name
1955–1975 Hildegard Krämer
1975–1991 Horst Müller
1991–1994 David Sutherland [Anmerkung 1]
1994–1998 Jean Renshaw
1998–2008 Daniela Kurz
2008– Goyo Montero
  1. Chefchoreograph, „Doppelspitze“ mit Horst Müller, der weiterhin „Oberleiter des Balletts“ war

Weitere

Die Direktion des Schauspielhauses hat seit 2000 Schauspieldirektor Klaus Kusenberg.

Geschäftsführender Direktor war bis zu seinem Tod am 1. September 2010 Albrecht Döderlein. Seinen Posten übernahm in der Spielzeit 2011/12 Christian Ruppert.

Literatur

  • Jens Voskamp u.a.: Staatstheater Nürnberg 1905 - 2005; Opernhaus, Staatsoper; Vom Neuen Stadttheater am Ring zum Staatstheater. Hrsg.: Staatstheater Nürnberg. Nürnberg: Müller, 2005, 195 S., ISBN 3-924773-12-2
  • E. Weber: Zur Einweihung des neuen Stadttheaters in Nürnberg am 1. September 1905. Mit: „Im neuen Hause“. Festspiel zur Einweihung des neuen Stadttheaters in Nürnberg, verfasst von F. von Jäger. Nürnberg: Tümmels Verlag, 1905, 47 S.
  • Friedrich Bröger [Red.]: Schauspielhaus am Richard-Wagner-Platz. Städtische Bühnen Nürnberg-Fürth; Geleitheft zum Festakt der Eröffnung des Schauspielhauses 1959. Nürnberg: Städtische Bühnen Nürnberg-Fürth, ALVA, 1959, 68 S.
  • Gisela Schultheiß, Ernst-Friedrich Schultheiß: Vom Stadttheater zum Opernhaus. 500 Jahre Musiktheater in Nürnberg. Geleitwort von Oberbürgermeister Dr. Peter Schönlein. Nürnberg: Verlag A. Hofmann, 1990, 234 S., ISBN 3-87191-151-8

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Staatstheater Nürnberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Voskamp u.a.: Staatstheater Nürnberg 1905 - 2005; Opernhaus, Staatsoper; Vom Neuen Stadttheater am Ring zum Staatstheater, 2005, S. 12 ff.
  2. http://www.nuernberginfos.de/bauwerke-nuernberg/fechthaus-tagkomoedienhaus.html
  3. Voskamp u.a.: Staatstheater Nürnberg 1905–2005; Opernhaus, Staatsoper; Vom Neuen Stadttheater am Ring zum Staatstheater, 2005, S. 16
  4. Voskamp u.a.: Staatstheater Nürnberg 1905–2005; Opernhaus, Staatsoper; Vom Neuen Stadttheater am Ring zum Staatstheater, 2005, S. 17 f.
  5. Voskamp u.a.: Staatstheater Nürnberg 1905–2005; Opernhaus, Staatsoper; Vom Neuen Stadttheater am Ring zum Staatstheater, 2005, S. 19
  6. Voskamp u.a.: Staatstheater Nürnberg 1905–2005; Opernhaus, Staatsoper; Vom Neuen Stadttheater am Ring zum Staatstheater, 2005, S. 20–25
  7. Voskamp u.a.: Staatstheater Nürnberg 1905–2005; Opernhaus, Staatsoper; Vom Neuen Stadttheater am Ring zum Staatstheater, 2005, S. 26-39
  8. Voskamp u.a.: Staatstheater Nürnberg 1905–2005; Opernhaus, Staatsoper; Vom Neuen Stadttheater am Ring zum Staatstheater, 2005, S. 40-47
  9. http://www.operone.de/opern/intoller.html
  10. Voskamp u.a.: Staatstheater Nürnberg 1905 - 2005; Opernhaus, Staatsoper; Vom Neuen Stadttheater am Ring zum Staatstheater, 2005, S. 62
  11. http://nmz6.werk21system.de/online/lohengrin-ein-rattenmaerchen-hans-neuenfels-inszenierung-eroeffnete-die-bayreuther-festspiele
  12. welt.de, aufgerufen am 3. Mai 2012, 22:06 Uhr
  13. DIE ZEIT, 20. Dezember 1974, Nr. 52, online aufgerufen am 3. Mai 2012, 22:19 Uhr
  14. Hannoversche Allgemeine, 21. August 2011, online aufgerufen am 3. Mai 2012, 22:21 Uhr
  15. Frankfurter Allgemeine, 29. Mai 2011, online aufgerufen am 3. Mai 2012, 22:25 Uhr
  16. Berliner Zeitung, 29. Oktober 2004, online aufgerufen am 3. Mai 2012, 21:55 Uhr
  17. DIE ZEIT, 05/2001, online aufgerufen am 3. Mai 2012, 22:15 Uhr
  18. Voskamp u.a.: Staatstheater Nürnberg 1905–2005; Opernhaus, Staatsoper; Vom Neuen Stadttheater am Ring zum Staatstheater, 2005, S. 78–91
  19. Nürnberger Nachrichten, 6. März 2012, online aufgerufen am 5. Mai 2012, 12:34 Uhr
  20. Abendzeitung Nürnberg, 28. März 2012, online aufgerufen am 5. Mai 2012, 12:34 Uhr
  21. http://www.nuernberg.de/internet/referat6/schauspielhaus.html

49.44638888888911.075138888889
Koordinaten:
49° 26′ 47″ N, 11° 4′ 31″ O

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