Der Begriff der Subversion (lat. subversor „Umstürzer“, engl. „Zersetzung“) hat mehrere Bedeutungen. Allgemein bezieht er sich auf Vorgänge, Bestrebungen oder Darstellungen, welche die bestehende soziale Ordnung (Autoritäten, gesellschaftliche Zugehörigkeiten und Hierarchien, Ausbeutung von Gruppen, Machtkonzentrationen, usw.) in Frage stellen bzw. verändern wollen.
Als politische Subversion bezeichnet man eine Tätigkeit im Verborgenen, deren Ziel der Umsturz einer bestehenden Ordnung durch Unterwanderung und Untergrabung ist. Der Begriff wird häufig auch diskriminierend oder manipulativ für Gruppierungen verwendet, die nur vermutlich oder angeblich Subversion betreiben. In manchen Regimen wird zusammenfassend die gesamte tatsächliche, vermutete oder angebliche politische Opposition als Subversion bezeichnet.
Methoden der Subversion können sein:
Geheimdienste können sich ebenfalls dieser Methoden bedienen, im Heimatland jedoch meist mit dem Ziel der Aufrechterhaltung eines bestimmten Regimes, siehe dazu Strategie der Spannung. Die vom KGB praktizierte Subversion gegenüber Ländern außerhalb der Grenzen der damaligen UdSSR bestand aus 4 Etappen : 1. Demoralisierung 2. Destabilisierung 3. Krise 4. "Normalisierung" Die meisten Aktionen zur Demoralisierung sind offen, verwenden Methoden welche im Zielland legal sind und sind nicht leicht zu identifizieren, denn sie erstrecken sich über sehr lange Zeiträume. Das fundamentale Prinzip der Demoralisierung und der Destabilisierung ist das Richten der Kräfte des Gegners gegen sich selbst.[1]
Tatsächliche oder vorgebliche Subversion können auch Taten wie organisierter oder fortgesetzter Ladendiebstahl, regelmäßiges Schwarzfahren, Bemalen öffentlicher Anlagen, Kommunikationsguerilla oder Sachbeschädigung sein, wenn sie ganz oder unter anderem in der bewussten Absicht begangen werden, dem angenommenen politischen oder gesellschaftlichen Gegner zu schaden und damit geeignet sind, die bestehende Ordnung zu untergraben.
In poststrukturalistischen Theorien (z. B. bei Michel Foucault) wird der Begriff explizit positiv verwendet.
In den südamerikanischen Militärdiktaturen der 1970er und 1980er Jahre wurde der Begriff „Subversive“ praktisch unterschiedslos als Oberbegriff für alle politischen Gegner gebraucht. Dies lieferte die Rechtfertigung für die Verhaftung und Ermordung zehntausender Menschen (siehe Die Verschwundenen).
In der Rhetorik besteht die Taktik der subversiven Argumentation darin, Inkonsistenzen und Selbstwidersprüche in Ideologie und Argumentation des Gegners wahrheitsgetreu, aber offensichtlich und in für den Gegner möglichst peinlicher Weise herauszuheben. Unter anderem kann der gegnerische Standpunkt mit offensichtlich schlechten, aber vom Gegner nicht ablehnbaren Argumenten verteidigt werden. Diese Art der Argumentation findet insbesondere gegenüber dogmatisch-ideologischen Gedankengebäuden Anwendung.
Beispiele für subversive Argumentation sind das Hervorheben von Selbstwidersprüchen in der Bibel oder die Feststellung der Tatsache, dass in gewissen Homöopathika keinerlei Wirkstoffe enthalten sind. Voltaire benutzt in seinen kirchen- und religionskritischen Schriften ausgiebig subversive Argumentationsmuster („Si Dieu n'existait pas, il faudrait l'inventer.“, zu deutsch „Wenn es Gott nicht gäbe, müsste man ihn erfinden.“). Das konkret wohl berühmteste Beispiel für die Anwendung subversiver Methoden in einer modernen Debatte ist die Sokal-Affäre.
Auch Witze/Humor gelten als eine Form subversiver Argumentation. Dazu George Orwell: „Jeder Witz ist eine kleine Revolution“. Loriot: „Humor entsteht, wenn Ordnung durchbrochen wird“. Nicht zufällig empfanden viele Diktaturen Witze als subversiv und verurteilten Witzeerzähler zu teils drakonischen Strafen.[2][3] In der Kunst wurde dies unter dem Begriff der Kommunikationsguerilla als künstlerische Strategie zur Subversion von Kommunikationsstrukturen bekannt. Eine kritische Auseinandersetzung mit derartigen Strategien der Überaffirmation und dem Verhältnis von Kunst und Politik findet sich im Sammelband "Kunst, Krise, Subversion. Zur Politik der Ästhetik" zur Subversivmesse Linz09.[4]
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