Die deutsche Telekommunikations-Überwachungsverordnung (TKÜV) wurde am 22. Januar 2002 vom Bundesministerium für Wirtschaft erlassen. Sie beinhaltet Regelungen, welche technischen Vorkehrungen von wem bereitzuhalten sind, damit im Falle einer möglichen, späteren Telekommunikationsüberwachung alle erforderlichen Schnittstellen bereits vorhanden sind. Die Überwachung der Kommunikation selbst richtet sich hingegen nach den anderen Vorschriften, insbesondere der Strafprozessordnung.
Die Telekommunikations-Überwachungsverordnung löste die bisherige Fernmeldeverkehr-Überwachungs-Verordnung (FÜV) ab.
Mit der Rechtsverordnung sollen:
Diese Verordnung gilt für die Betreiber von Telekommunikationsanlagen, mittels derer Telekommunikationsdienstleistungen für die Öffentlichkeit (§ 3 Nr. 19 des Telekommunikationsgesetzes) angeboten werden.
Dies bedeutet, dass grundsätzlich alle Betreiber von Telekommunikationsanlagen, die ihre Dienste der Öffentlichkeit anbieten, zur Aufzeichnung und Weiterleitung der Kommunikationsdaten an die Strafverfolgungsorgane verpflichtet sind. Dabei ist gleichgültig, ob es sich dabei um Sprache oder Daten handelt.
Die Technik muss von den Telekommunikationsanbietern selbst finanziert werden. Vor der Inbetriebnahme der Anlagen ist eine Abnahme der Überwachungsausrüstung durch die Bundesnetzagentur einzuholen. Die Frist zur Einführung der technischen Maßnahmen durch die Telekommunikationsanbieter endete am 31. Dezember 2004.
Seit Anfang 2005 verfügen das Bundeskriminalamt, das Bundesamt für Verfassungsschutz, das Zollkriminalamt, der Generalbundesanwalt sowie einige Landesämter über die notwendige Technik, um die protokollierten Daten abzuspeichern und auszuwerten. Zu den „berechtigten Stellen“ gehören aber auch einfache Polizeipräsidien. Diese können derzeit bei den zuvor genannten, besser ausgerüsteten Stellen um Amtshilfe bei einer Überwachungsmaßnahme bitten.
Eine Überwachungsverfügung, wie sie dem Telekommunikationsanbieter (z. B. dem E-Mail-Provider) des Überwachten zugestellt wird, enthält unter anderem:
Nach derzeitiger Informationslage sind alle Betreiber betroffen, die mehr als 10.000 Vertragspartner haben.
Kritik an der Rechtsverordnung kommt von den betroffenen Unternehmen und Datenschützern. Telekom-Unternehmen und Internetdienstanbieter beschweren sich über die entstehenden Kosten, die auf die Betreiber abgewälzt wurden. Datenschützer hingegen kritisieren die ihrer Meinung nach viel zu weit gehende umfassende Überwachung. Hacker kritisieren vor allem, dass die Schaffung von Abhörmöglichkeiten auch immer Missbrauchsmöglichkeiten schafft.
Hochgradig problematisch erscheint die aktuelle Praxis, dem Telekommunikationsanbieter im Überwachungsfall nicht nur die zu überwachende E-Mail-Adresse, sondern auch den vorgeworfenen Tatbestand zu übermitteln.
Für die TKÜV wurde im Herbst 2002 der verantwortliche Bundesminister Werner Müller mit einem Big Brother Award in der Kategorie „Kommunikation“ ausgezeichnet.
Heinz Fromm, der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, war im Jahr 1994 Initiator der Fernmeldeverkehr-Überwachungs-Verordnung, dem Vorgänger der Telekommunikations-Überwachungsverordnung.
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