| Theologisches Seminar Elstal (Fachhochschule) | |
|---|---|
| Motto | Biblisch fundiert, wissenschaftlich reflektiert, gemeindebezogen |
| Gründung | 1880 (als Predigerseminar der Deutschen Baptisten in Hamburg-Horn) |
| Trägerschaft | Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland |
| Ort | Wustermark-Elstal |
| Bundesland | Brandenburg |
| Staat | Deutschland |
| Leitung | Prof. Dr. Volker Spangenberg |
| Studenten | 81 (Wintersemester 2011/12) |
| Website | www.theologisches-seminar-elstal.de |
Das Theologische Seminar Elstal (Fachhochschule) ist die theologische Ausbildungsstätte des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland, wurde 1880 in Hamburg-Horn als Predigerseminar der deutschen Baptisten gegründet und verlegte 1997 seinen Sitz nach Wustermark-Elstal bei Berlin. Eng mit dem Theologischen Seminar verbunden ist das Zentrale Oncken-Archiv des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden.
Die Vorgeschichte des 1880 gegründeten Predigerseminars beginnt 1849, als die erste Bundeskonferenz der deutschen Baptistengemeinden die Ausbildung von so genannten "Missionsarbeitern" beschloss.
Im September 1849 begann der erste Kurs mit fünf Studierenden.
Über Bedingungen und Inhalt eines Missionsarbeiterkurs, der Ende Februar 1859 begann, berichtete der Missionsschüler Eduard Scheve in seinen Tagebuchaufzeichnungen[1]: Die 18 Schüler des Kurses bewohnten ein kleines Gartenhaus auf dem Grundstück der Baptistenkirche an der Hamburger Böhmkenstraße, wobei sich jeweils zwei ein Bett teilen mussten. Der Lehrsaal im ersten Stock des Gebäudes diente auch als Frühstücks- und Abendbrotmensa. Mittags aß man in einem nahen Speisehaus. Josef Lehmann[2] war für den Unterricht in Kirchengeschichte und "verschiedenen anderen Fächern" verantwortlich. Johann Gerhard Oncken gab in seinem Gartenhaus in Hamburg-Altona "von 10 bis 12 Uhr" eine Einführung in das Matthäus-Evangelium. Sein Sohn Gerhard Oncken unterrichtete Englisch und Jakob Braun Noten- und Gesangskunde. Ein Lehrer namens Hunde lehrte die deutsche Sprache und andere allgemeinbildende Fächer. Am 18. September 1859 wurde der Kurs mit einer Feier beschlossen. Von den 18 Schülern ordinierte Oncken zwölf, fünf mussten eine weitere Probezeit absolvieren, und einer kehrte in seinen Schuhmacherberuf zurück.
Die Baptistenkirche an der Böhmkenstraße wurde 1870 aufgestockt, wodurch zwei Lehrsäle und zehn Schlafräume entstanden. Rechtlich gegründet wurde das Prediger- und spätere Theologische Seminar 1880.
Im September 1888 zog das Seminar in ein neues Gebäude in Hamburg-Horn an der Rennbahnstraße 115, nachdem bereits 1868 der Deutsch-Amerikaner Professor August Rauschenbusch den Bau eines Seminargebäudes angeregt hatte. Das Grundstück war ein Geschenk des amerikanischen Industriellen John D. Rockefeller. Inzwischen gab es 44 Studenten, und die zweijährige Missionsarbeiter-Ausbildung war in ein vierjähriges Studium umgewandelt worden. 1915 öffnete nach zweijähriger Bauzeit ein neues Lehrgebäude seine Pforten. Bereits ein Jahr später musste das Seminar kriegsbedingt schließen. Erst im Januar 1919 konnte es seinen Lehrbetrieb wieder aufnehmen. 1926 wurden offizielle Abschlussprüfungen eingeführt. Im September desselben Jahres wurde die Studiendauer auf fünf Jahre verlängert. Die ersten beiden dienten vor allem dem Erlernen der alten Sprachen (Hebräisch und Griechisch) und der Einführung in die theologischen Wissenschaften, die nächsten drei dem Theologiestudium.
Im März 1935 musste das erste Seminargebäude (siehe Bild) dem Bau der Autobahn weichen. Zwei weitere Gebäude wurden dafür ersatzweise errichtet: das Studentenwohnheim und die Aula. 1936 erfolgte die Einweihung.
Zum Sommersemester 1940 wurde ein slawischsprachiger Kurs für baptistische Studenten aus den von Deutschen besetzten Teilen Osteuropas eingerichtet. 11 Studenten nahmen daran teil.
1941, 1942 und 1943 trafen bei Luftangriffen mehrere Bomben das Seminargebäude. Zwischen dem 25. und 29. Juli 1943 kam es zum Großangriff der Alliierten auf Hamburg. Dabei wurde das Seminar total zerstört.
Im September 1943 verlegte das Theologische Seminar seine Unterrichtsarbeit nach Wiedenest in die Bibelschule der Brüdergemeinden. Die Gestapo schloss 1944 die Wiedenester Einrichtung; die Studenten und Bibelschüler wurden als Arbeiter in der Bergneustädter Rüstungsindustrie dienstverpflichtet.
1948 kehrte das Seminar nach Hamburg-Horn zurück. Mit Unterstützung des britischen Baptistenbundes wurden die Kriegsschäden beseitigt. Das Theologische Seminar stellte sich in den Dienst der Völkerverständigung und lud zu internationalen Studententagungen ein. Zwischen der Evangelischen Fakultät der Universität Hamburg und dem Theologischen Seminar entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit. 1959 wurde für die DDR ein eigenes Theologisches Seminar eröffnet. Acht Studierende sowie zwei hauptamtliche Lehrkräfte begannen am 14. Oktober 1959 mit dem Unterrichtsbetrieb in der Kleinstadt Buckow in einem Haus des Diakoniewerks Bethel.
Studenten aus der UdSSR erhielten Ende der 1960er Jahre die Möglichkeit, mit einem theologischen Aufbaukurs am Seminar Hamburg zu beginnen; in der Zeit des Kalten Krieges war dies ein außergewöhnliches Ereignis.
Nach der deutschen Wiedervereinigung vereinigten sich auch die getrennten freikirchlichen Gemeindebünde, darunter auch die Theologischen Seminare Buckow und Hamburg-Horn, was eine Erweiterung des Raumangebotes notwendig machte.
Nach langjährigen Überlegungen entschloss sich der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, einen Teil des ehemaligen Olympischen Dorfes in Wustermark-Elstal aufzukaufen und zu einem Bildungszentrum umzubauen. 1997 zog das Seminar nach Wustermark-Elstal um. Die alten Hamburger Seminargebäude an der Rennbahnstraße wurden abgebrochen; auf dem Gelände befindet sich heute (Juli 2004) ein Lidl-Markt.
Am 1. Oktober 2003 wurde das Theologische Seminar staatlich anerkannte Fachhochschule. Die zunächst auf fünf Jahre befristete Akkreditierung durch den Wissenschaftsrat erfolgte auf dessen Sitzung vom 11. bis 13. Juli 2007.[3] Die Befristung ist entsprechend den Akkreditierungsregeln des Wissenschaftsrates die derzeit höchstmögliche Dauer für "neuerrichtete Hochschulen".[4] Gemäß Wissenschaftsrat bildet das Theologisches Seminar Elstal „vorrangig pastorales Personal für die eigene Kirche aus“; die „theologische Arbeit“ sei „auf die Erfordernisse der freikirchlichen Gemeindepraxis fokussiert“.[5]
Aus Sicht der evangelisch-theologischen Fakultäten sind an der FH Elstal erbrachte Studienleistungen „grundsätzlich nicht“ anerkennungsfähig, da Kriterien wie dasjenige der „Orientierung des Studiums am Selbstverständnis wissenschaftlicher Theologie“ nicht erfüllt werden.[6] In einer Stellungnahme weist das Theologische Seminar Elstal (FH) darauf hin, dass es vom Wissenschaftsrat und einer Akkreditierungsagentur entsprechend den Vorgaben der deutschen Hochschulpolitik akkreditiert worden sei. Mit dem seit 2007 vom Land Brandenburg verliehenen Status einer staatlich anerkannten privaten Fachhochschule in kirchlicher Trägerschaft seien die Durchlässigkeit zu anderen staatlich anerkannten Studiengängen sowie die Anschlussfähigkeit der Abschlüsse des Theologischen Seminars verbunden. „Wir halten es daher für problematisch, wenn Fakultäten staatlicher Universitäten künftig verweigern würden, Studienleistungen von staatlich anerkannten privaten Hochschulen in kirchlicher Trägerschaft anzuerkennen.“ [7]
Seit dem Wintersemester 2010/11 gibt es einen neuen Masterstudiengang „Freikirchliche Diakonie“. Dieser soll Studierende, die bereits über einen berufsqualifizierenden Bachelor-Abschluss im sozialwissenschaftlichen Bereich verfügen, auf den diakonischen Dienst in freikirchlichen Gemeinden vorbereiten.[8]
Am 9. November 2011 wurde innerhalb der Fachhochschule ein Institut für Diakoniewissenschaft und Sozialtheologie (IDuS) feierlich eröffnet.[9] Zu den Aufgaben des Instituts gehören sowohl Forschungsprojekte zum Themenfeld Diakonie im Gesundheitswesen als auch die theologische Reflexion der politischen Gestaltung einer gerechten Gesellschaft. Der Einrichtung, die unter der Leitung von Professor Dr. Ralf Dziewas steht, ist auch die Peter-Dienel-Forschungsstelle angeschlossen. Sie wurde nach dem 2006 verstorbenen baptistischen Theologen und Soziologieprofessor Peter Dienel benannt. Er gilt als Erfinder des Bürgerbeteiligungsverfahren Planungszelle . Sein gesamter schriftlicher Nachlass befindet sich als Sondersammlung im Oncken-Archiv, das auf dem Gelände der Elstaler Fachhochschule angesiedelt ist.
Die Studiengebühren am Theologischen Seminar Elstal belaufen sich pro Semester auf 250,- Euro. Für Studierende aus Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden übernimmt der BEFG diese Kosten als Stipendium. Darüber hinaus sind alle Studierenden im B.A.- und M.A.-Studiengang zur Abnahme des Semestertickets der BVG verpflichtet. Das Semesterticket kostet etwa 115,- Euro pro Semester (Stand Wintersemester 2010/11).
Studierende können innerhalb von sechs Semestern einen Bachelorabschluss in Evangelischer Theologie erwerben. Darauf aufbauend kann ein viersemestriger Masterstudiengang in Evangelischer Theologie absolviert werden. Der Erwerb des Masterabschlusses ist eine der Voraussetzungen, um Pastorin bzw. Pastor des BEFG werden zu können. Daneben wird ein achtsemestriger, berufsbegleitender Bachelorstudiengang in Diakonik angeboten.
Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland bietet Wohnraum auf dem Campus an. Grundsätzlich gehört es zum Studienkonzept, dass die Studierenden auf dem Campus leben sollen.[10]
| Jahr | Anzahl der Studierenden | Bemerkungen |
|---|---|---|
| 1880 | 7 | Missions- und Predigerschule |
| WS 1895 | 44 | Von den 44 Studierenden sind 33 in der sogenannten „1. Klasse“ – die höchste Anfängerzahl in der Geschichte des Theologischen Seminars. |
| 1912 | 72 | Das Seminargebäude bietet nicht mehr genügend Platz; eine benachbarte Villa wird hinzugemietet. |
| 1916 | 10 | Die meisten Studierenden sind zum Militär eingezogen. Das Seminar wird am im Juli 1916 bis zum Kriegsende geschlossen. |
| 1936 | 26 | Das alte Seminargebäude muss dem Bau der Reichsautobahn weichen. Ein neues Seminargebäude mit einem Wohnheim für 34 Seminaristen wird in einiger Entfernung von der Autobahn jedoch auf demselben Grundstück errichtet. |
| 1942 | 6 | Die überwiegende Zahl der Studenten wurde zur Wehrmacht eingezogen. Das Seminargebäude wird durch Bombardierung schwer beschädigt. |
| 1943 | 18 | Das Seminargebäude wird durch einen Luftangriff völlig zerstört. Der Lehrbetrieb wird an der Bibelschule Wiedenest im Oberbergischen weitergeführt. |
| 1948 | 43 | Wiederaufnahme des Lehrbetriebes in Hamburg |
| 1952 | 69 | |
| 1959 | 78 | In Buckow öffnet das Theologische Seminar des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in der DDR seine Pforten. 3 Seminaristen aus dem Osten Deutschlands nehmen dort ihr Studium auf. |
| 1975 | 79 | Unter den Studierenden sind erstmalig zwei Seminaristinnen. |
| 1979 | 55 | |
| 1991 | 89 | Das Theologische Seminar Buckow wird nach der Wiedervereinigung der beiden Evangelisch-Freikirchlichen Gemeindebünde geschlossen. Die Buckower Seminaristen wechseln nach Hamburg. |
| 2007 | 89 | Der Anteil der weiblichen Studierenden liegt im Jahr 2007 bei circa 40 Prozent. |
| 2009 | 99 | |
| 2010 | 88 | Bedingt durch den Weggang eines sehr großen Abgangssemesters ist die Studierendenzahl zum Wintersemester 2010/11 auf 88 Studierende gesunken.[11] |
Quelle: Günter Balders: Festschrift, S. 101–154; Statistikmaterial des Theologischen Seminars Elstal, Michael Rohde:Mutig von Auferstehung und Gericht predigen - Semestereröffnung mit 23 neuen Studierenden, in: Infobrief 03/2009, S. 1-2, hier S. 2.
Quelle: Statistikmaterial des Theologischen Seminars Elstal
In den ersten Jahrzehnten seines Bestehens lag die verantwortliche Leitung ausschließlich bei der Seminarabteilung des Bundes der Baptisten, auch Schulkommission genannt. Die Vorsitzenden dieser Abteilung waren:
Die Seminarabteilung bestand als Bindeglied bis zur Umstrukturierung der kirchenleitenden Gremien des BEFG im Jahre 2002. 1914 wurde das Amt des Seminardirektors für die Leitungsaufgaben vor Ort eingeführt. Inhaber dieses Amtes:
Die nachfolgende Liste ehemaliger Studenten ist alphabetisch sortiert.
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