Nicolaas Thomas Bernhard (* 9. Februar 1931 in Heerlen, Niederlande; † 12. Februar 1989 in Gmunden, Österreich) war ein österreichischer Schriftsteller. Er zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Autoren der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Thomas Bernhard wurde als uneheliches Kind in Heerlen (Niederlande) geboren, wo seine Mutter Herta Bernhard (1904–1950) als Dienstbotin arbeitete. Herta Bernhard war die Tochter Anna Bernhards und des Schriftstellers Johannes Freumbichler. Thomas Bernhards Vater war der Tischler Alois Zuckerstätter, den er jedoch nie kennen lernte.
Ab dem Herbst 1931 lebte Thomas Bernhard gemeinsam mit seinen Großeltern mütterlicherseits in der Wernhardtstraße Nr. 6 in Wien-Ottakring. Die schlechte finanzielle Situation veranlasste den Salzburger Heimatschriftsteller Freumbichler jedoch 1935 gemeinsam mit Anna Bernhard und deren Enkel Thomas, von Wien nach Seekirchen am Wallersee zurückzukehren.[1]
Diese Zeit beschrieb Bernhard im Rückblick als die glücklichste seines Lebens. Seine Mutter heiratete 1936 den Friseurgesellen Emil Fabjan, mit dem sie 1937 nach Traunstein übersiedelte.[2] Seinen leiblichen Vater, der im Jahr 1940 in Berlin[2] durch eine Gasvergiftung starb, wobei man Suizid vermutet, hat Bernhard nie kennengelernt. 1941 wurde Bernhard nach Konflikten mit der Mutter in ein nationalsozialistisches Erziehungsheim im thüringischen Saalfeld geschickt, wo er traumatische Erfahrungen machte. Ab 1943 wurde er im NS-Internat „Johanneum“ in Salzburg untergebracht. Hier ermöglichte ihm sein Großvater erstmals Violinunterricht. Nach den schweren Bombenangriffen auf Salzburg verbrachte Bernhard einige Zeit beim Großvater in Traunstein, kehrte jedoch noch 1945 ins nunmehr katholische „Johanneum“ zurück. 1946 siedelte die ganze Familie von Traunstein in den Salzburger Stadtteil Maxglan über. Der Großvater setzte sich trotz ärmlicher Lebensverhältnisse nachhaltig für die künstlerische Ausbildung Bernhards ein. 1946 brach er seine Schullaufbahn ab und bezeichnete später die Institution Schule als „Geistesvernichtungsanstalt“. 1947 begann er eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann beim Salzburger Lebensmittelhändler Karl Podlaha.
Seit Januar 1949 litt Thomas Bernhard an einer schweren Lungentuberkulose, die zahlreiche Aufenthalte in Sanatorien nach sich zog. Im Februar desselben Jahres verstarb der Großvater nach einer ärztlichen Fehldiagnose. Die Mutter starb im Herbst 1950 an Krebs.
Bernhard verarbeitete seine Kindheit und Jugend literarisch in den fünf autobiographischen Werken: Die Ursache, Der Keller, Der Atem, Die Kälte und Ein Kind.[3]
1950 veröffentlichte Bernhard unter dem Pseudonym Thomas Fabian[4] mehrere Kurzgeschichten – damit begann eine lange schriftstellerische Karriere. Der Tod und die Relativierung aller anderen Werte angesichts der steten Bedrohung durch ihn wurden in seinen Werken zu einem der wichtigsten Motive. Seine Romane, die Autobiographie und ein Gedichtband tragen Titel wie In hora mortis, Frost, Die Kälte, Verstörung und Auslöschung.
Es gab in seinem Leben zwei für ihn „existenzentscheidende“ Menschen: einerseits seinen Großvater, der ihm den Sinn für die Philosophie, für das „Höchste, Allerhöchste“ mitgegeben und der ihm Montaigne, Schopenhauer oder Pascal nähergebracht hatte; andererseits seinen „Lebensmenschen“ Hedwig Stavianicek. Mit ihr verband ihn bis zu ihrem Tod 1984 eine innige Beziehung und Freundschaft. 1951 hatte er die um 35 Jahre ältere Frau während seines Aufenthalts in der Lungenheilstätte Grafenhof bei St. Veit im Pongau kennen gelernt. Die „Tante“ wurde für ihn zum Mutterersatz, führte ihn in die Wiener Gesellschaft ein und unternahm mit ihm erste Reisen. Ihren Tod verarbeitete er in dem Band Alte Meister als den Tod der Frau des Protagonisten und betonte auch sonst, wie viel er von ihr gelernt habe.
Während der 1950er Jahre arbeitete er als Journalist (u.a. von 1952 bis 1955 als freier Mitarbeiter bei der sozialdemokratischen Zeitung Demokratisches Volksblatt) und war als freier Schriftsteller tätig. Im Salzburger Mozarteum nahm er Musik- und Schauspielunterricht.
Im Jahr 2009 entdeckte der Cheflektor des Suhrkamp-Verlags ein (bislang unbekanntes) Manuskript, das einen Vortrag Bernhards am 9. November 1954 in Salzburg darstellt. Darin drückt Bernhard seine Bewunderung für Arthur Rimbaud aus; er schreibt, Rimbaud sei „keusch und tierhaft zugleich“ gewesen. Dies ist weiterhin die erste bekannte Äußerung Bernhards zu seinem Selbstverständnis als Autor sowie zum staatlichen Kulturbetrieb; er bespöttelt einen typischen „Herrn vom Kulturamt“, der sich bei Dichterlesungen wichtigtuerisch vor den Autor schiebt.[5]
Bernhard, der in seiner Jugend das Gymnasium abgebrochen hatte, um „entgegengesetzt“ eine Lehre in einem Kolonialwarenladen in der Salzburger „Scherzhauserfeldsiedlung“, einer Armensiedlung, zu absolvieren, widmete bald sein ganzes Leben dem Schreiben. Die Zeit seiner kaufmännischen Ausbildung in Salzburg schilderte er im autobiographischen Text „Der Keller“, erschienen im Jahr 1976. In seinen oft verschachtelten Sätzen spürt man die Atemlosigkeit, unter der er infolge seiner Lungenkrankheit Zeit seines Lebens zu leiden hatte. Seine Erregungen, seine innere Wut, die Ausdruck immer wieder erlittener Verletzungen und Enttäuschungen des jungen Bernhard sind, kommen in den Monologen seiner Theaterfiguren und den Gedanken seiner Ich-Erzähler in den Prosatexten oft zum Vorschein.
Thomas Bernhard, der seine schriftstellerische Laufbahn 1957 mit Lyrik, dem Gedichtband Auf der Erde und in der Hölle begann, fand schließlich seinen unverwechselbaren Stil in der Prosa, innerhalb dieser bevorzugt in den Gattungen Roman und Erzählung und im Drama.
Auf dem Tonhof des Komponisten Gerhard Lampersberg in Maria Saal kam Bernhard in Kontakt mit Schriftstellerkollegen wie H. C. Artmann, Peter Turrini, Christine Lavant, Wolfgang Bauer, Peter Handke und Gert Jonke. Lampersberg hegte ihm gegenüber ambivalente Gefühle, die sich anlässlich der Veröffentlichung von Holzfällen zu einer offenen Feindschaft entwickelten. 1984 ließ Lampersberg den Roman seines ehemaligen „Schützlings“ einziehen, da er sich in der Figur des Auersberger wiedererkannte.
Prägend für Bernhards Entwicklung als Schriftsteller war das seit frühester Kindheit, die er bei seinem Großvater, dem Dichter Johannes Freumbichler verbrachte, empfundene Gefühl, von seiner Mutter und dem Vater alleingelassen, ungeliebt, unerwünscht zu sein. Dazu kam ein schweres Lungenleiden und später das Schaumann-Besnier Syndrom Morbus Boeck. Mit schweren Krankheiten hatte er seit seiner Jugend zu leben, sie hielten ihm ausweislich seiner autobiographischen Werke stets die Nähe des Todes vor Augen.
In einem seiner sehr selten gewährten Interviews erläuterte Bernhard im Jahr 1974 im Verlauf von drei Tagen den Einfluss seines persönlichen Lebenshintergrundes auf sein Werk.[6]
Seit 1965 lebte Bernhard hauptsächlich in Obernathal, Gemeinde Ohlsdorf, Bezirk Gmunden (Oberösterreich). Das Preisgeld des Bremer Literaturpreises, den er für seinen Roman Frost erhalten hatte, ermöglichte ihm im selben Jahr die Anzahlung zum Kauf seines Vierkanthofes über den Realitätenhändler (= Immobilienmakler) Hennetmair. Bernhard beschrieb diesen Vorgang eingehend in seinem postum erschienenen Band Meine Preise sowie in Andeutungen im Roman Ja. Auf diesem Hof betrieb er auch im Nebenerwerb Landwirtschaft und war für 14 Jahre Mitglied im Bauernbund.[7] Bernhard liebte es, neben der Schreibarbeit ausgedehnte Spaziergänge zu unternehmen; bekannt ist seine Passion für Kaffeehäuser, die er zwischen Wien, wo das „Bräunerhof“ sein Stammcafé wurde, Gmunden und Salzburg oft besuchte und die ihm bald zur „zweiten Wohnstube“ wurden. Er beteiligte sich auch rege am kommunalen Leben und unterstützte verschiedene Bürgerinitiativen.
Ende November 1988 erlitt Bernhard eine Lungeninfektion. Sein Halbbruder Peter Fabjan, in Gmunden niedergelassener Facharzt für Innere Medizin, betreute ihn zu diesem Zeitpunkt bereits rund zehn Jahre. Am 12. Februar 1989 starb Thomas Bernhard in seiner Gmundner Wohnung an Herzversagen.
Am 16. Februar wurde er auf eigenen Wunsch im Grab seines „Lebensmenschen“ Hedwig Stavianicek auf dem Grinzinger Friedhof (Gruppe 21, Reihe 6, Nr. 1) in Wien beerdigt. Bernhard wurde wunschgemäß nur in Anwesenheit der engsten Angehörigen beigesetzt. Die Öffentlichkeit erfuhr erst nach der Beerdigung von seinem Tod.
Viele Romane und Erzählungen Bernhards bestehen zum Großteil oder zur Gänze aus Monologen des Ich-Erzählers und einem fiktiven stummen oder beinahe stummen Zuhörer oder Schüler, wie zum Beispiel dem fiktiven Erzähler Franz-Josef Murau und seiner Schülerfigur Gambetti im späten Hauptwerk Auslöschung. Anlässlich einer häufig überspitzt und grotesk dargestellten Alltagssituation oder einer von ihm selbst konstruierten philosophischen Frage referiert der Ich-Erzähler seine Sicht der Dinge. Auch in Bernhards Dramen findet sich häufig eine ähnliche Konstellation.
In den Prosawerken erzielt Bernhard eine Distanzierung von den Tiraden des Monologisierenden, indem er sie den stillen Zuhörer sozusagen aus zweiter Hand wiedergeben lässt. Einschaltungen wie „sagte er“, „so Reger“ etc. sind kennzeichnend für den Stil Bernhards.
Die Monologisierenden sind nicht selten Wissenschaftler, durchweg – um Bernhards eigene Terminologie zu verwenden – „Geistesmenschen“, die in langen Schimpftiraden gegen die „stumpfsinnige Masse“ Stellung beziehen und mit ihrem scharfen, geradezu (selbst-)zersetzenden Verstand alles angreifen, was dem Österreicher heilig ist: den Staat selbst, den Bernhard gerne als „katholisch-nationalsozialistisch“ bezeichnet; anerkannte österreichische Institutionen wie das Wiener Burgtheater, allseits verehrte Künstler etc.
Bernhards Stärke sind kategorische Behauptungen, das Absolutsetzen jeder Aussage durch seine Hauptfiguren. Kennzeichnend für die Monologe seiner Protagonisten sind Ausdrücke wie „naturgemäß“, „alle“, „nichts“, „immer nur“, „fortwährend“, „durchaus“ etc. Von vornherein schalten sie mit Sätzen wie „darüber gibt es doch gar nichts zu diskutieren“, „da kann man sagen, was man will“ u. ä. jeden möglichen Einwand aus.
Ein besonderes stilistisches Merkmal von Bernhards Prosa ist eine Technik der Steigerung, der Übertreibung, des sich Hineinsteigerns beziehungsweise des sich Versteigens in fixe Ideen, was jeweils sehr kunstvoll durch eine Wiederholungstechnik orchestriert wird, in der zum einen bestimmte Themen, Versatzstücke und abfällige Bezeichnungen mit hoher Frequenz wiederholt (aber immer auch leicht variiert) werden und dabei – gerade wenn der Leser denken mag, das sei nicht mehr möglich – zudem nochmals gesteigert werden. Diese Technik Bernhards erinnert an Kompositionsmethoden der Barockmusik und der seriellen Musik, diese Passagen sind oft komische Höhepunkte der neueren deutschsprachigen Literatur.
Bernhards Texte sollten aber nicht nur als gallige oder komische Ergüsse gegen alles und jeden gelesen werden. Zudem darf man nicht – auch wenn dies mitunter verlockend erscheint – derselben Versuchung wie ein Großteil der mittlerweile äußerst umfangreichen Bernhard-Forschung erliegen und das bernhardsche Werk allzu biographisch lesen: Zwar gibt es zahlreiche Parallelen zwischen den Protagonisten und Bernhard, doch handelt es sich immer um Rollenprosa. Es geht in den Romanen immer auch um die Tragik, die Vereinsamung, die Selbstzersetzung eines Menschen, der nach Vollkommenheit strebt. Ein immer wiederkehrendes Thema ist die Vollkommenheit der Kunst sowie ihre Unmöglichkeit, da Vollkommenheit den Tod bedeutet.
Dass für den ihm geneigten Leser trotz einiger Voraussetzungen dazu nicht der Eindruck einer billigen Selbsterhöhung eines Größenwahnsinnigen mittels der Erniedrigung aller anderen entsteht, ist einerseits Bernhards sprachlicher Virtuosität, andererseits seinem Humor zu verdanken. Für seine Schriften hat er eine Sprache entwickelt, die gekonnt elegant mit der Wiederholung von Wörtern beziehungsweise Wortgruppen sowie mit langen, oft kompliziert verschachtelten Sätzen operiert. Bernhards Werke haben eine große melodische Wirkung, weshalb sie sich auch besonders gut zur Rezitation eignen.
Zudem sind seine Werke meist, verglichen mit anderer avantgardistischer Literatur, gut verständlich, da Bernhard philosophischen Passagen stets alltägliche, oft geradezu banale Betrachtungen gegenüberstellt, wodurch er ihnen – und gleichzeitig den Sprechern, die sie hervorbringen – ihren allzu großen Ernst nimmt.
In seinen Werken lässt sich Bernhard immer wieder über die „bessere Gesellschaft“ Wiens und Salzburgs aus, die er oft mit ätzender und schmähvoller Kritik überzieht. Österreich beschrieb er gern als Land der Spießer, wobei er die Verhältnisse in finstersten Tönen schilderte. Dabei trägt er seine Kritik in stets wiederkehrenden Monologen vor, was auf viele besonders verächtlich wirkt. Viele Personen des öffentlichen Lebens, aber auch zahlreiche Bekannte Bernhards, fühlten sich parodiert oder verunglimpft. All dies bewirkte, dass viele seiner Veröffentlichungen und Theaterpremieren Skandale und Tumulte auslösten.
Neben all dieser harten Kritik an den bestehenden Verhältnissen gibt es in seinem Werk viele berührende und radikal ehrliche Momente. Diese finden sich vor allem in seinen autobiographischen Werken Der Keller, Der Atem, Die Kälte, Ein Kind, Die Ursache. Sie sind eine gute Einführung und Erklärung für sein gesamtes Werk. Hier beschreibt Bernhard Demütigungen, die er in der Kindheit erlebt hat (als Bettnässer hatte ihm die Mutter das uringetränkte Leintuch unter die Nase gerieben und dann am Balkon aufgehängt), und die für ihn überlebensnotwendige Bindung an den Großvater. Hier spricht er auch über die alles prägende Lungenerkrankung, durch die er schon als 18-Jähriger ein „Sterbezimmer“ eines Krankenhauses erleiden musste. Dorthin wurde er von Ärzten geschoben, die in Kürze mit seinem Ableben rechneten. Als ein nasser Lappen knapp neben seinem Gesicht heruntergefallen war, entschied er sich, seinen ganzen Willen darauf zu konzentrieren, zu überleben.
Anlässlich des 80. Geburtstags, den Thomas Bernhard am 9. Februar 2011 gefeiert hätte, veröffentlichte der Berliner Hörbuchverlag Der Audio Verlag im Oktober 2010 zu Ehren des Autors eine Hörbuchedition der Autobiographischen Schriften[8] , gelesen von Peter Simonischek, Wolfram Berger, Burghart Klaußner, Gert Voss sowie von Ulrich Matthes.
Bernhard provozierte vor allem in seiner österreichischen Heimat immer wieder heftige Kritik, viele seiner Aufführungen wurden von publikumswirksamen Skandalen überschattet, die Politik, Boulevardpresse und Kunstbetrieb gleichermaßen in Atem hielten. Die in seinen Texten beschriebene Abneigung gegenüber Österreich[9] löste regelmäßig heftige Gegenreaktionen aus, die Kronen-Zeitung und populistisch agierende Politiker forderten lauthals Aufführungsverbote und Ausbürgerung Bernhards – der pauschale Vorwurf des „Vaterlandsverräters“ und „Nestbeschmutzers“ war schnell zur Hand. Chauvinistische, kleinbürgerliche Geister erhitzen sich an der wenig konfliktscheuen und leicht narzisstischen Persönlichkeit Bernhards, der nicht davor zurückscheute, die Pauschalvorwürfe seiner Literatur öffentlich zu wiederholen. Die öffentliche Entrüstung steigerte den Buchabsatz Bernhards erheblich, durch die täglichen Schlagzeilen wurde er schnell bekannt.
Es ist alles lächerlich, wenn man an den Tod denkt, sagte er 1968 anlässlich der Verleihung des Förderungspreises zum Staatspreis; in seiner Dankesrede löste er, nicht zuletzt durch die Behauptung, die Österreicher seien Geschöpfe der Agonie, einen der vielen Skandale aus, die auch einen Teil seines Ruhmes ausmachen.[10] Andere Äußerungen bei Preisverleihungen wie: Der Staat ist ein Gebilde, das fortwährend zum Scheitern, das Volk ein solches, das ununterbrochen zur Infamie und zu Geistesschwäche verurteilt ist. und: Wir haben nichts zu berichten, als dass wir erbärmlich sind lösten empörte Reaktionen von staatlicher Seite aus.[11]
1972 kam es bei der Uraufführung seines Stückes Der Ignorant und der Wahnsinnige im Rahmen der Salzburger Festspiele zum Bruch mit der Festspielleitung, weil Bernhard am Ende der Aufführung absolute Dunkelheit verlangte und selbst die Löschung des Notlichts forderte. Die feuerpolizeilichen Bestimmungen ließen dies jedoch nicht zu, was Bernhard aber nicht zu vermitteln war.
Im September 1985 musste er sich anlässlich der Uraufführung des Schauspiels Der Theatermacher (zu dessen Hauptmotiven ebenfalls das Löschen des Notlichts zählt) bei den Salzburger Festspielen vom damaligen Finanzminister Franz Vranitzky in Anspielung auf die Kultursubventionen vorwerfen lassen, „sich unter Einstreichung guter Steuerschillinge die eigene Verklemmung über dieses Land vom Leib zu schreiben“.
Die Skandale mit der größten Publikumswirksamkeit waren der um seinen 1984 veröffentlichten Roman Holzfällen sowie der um das Drama Heldenplatz, das er zum 50. Jahrestag des „Anschlusses“ Österreichs an NS-Deutschland geschrieben hatte.
Zum letzten Mal sorgte Bernhard nach seinem Tod im Februar 1989 mit seinem Testament für Aufregung, in dem er ein allgemeines Aufführungs- und Publikationsverbot aller seiner Werke innerhalb der Grenzen Österreichs verfügt hatte. Jedoch erlaubte sein Universalerbe Peter Fabjan Ausnahmen, so dass ab 1999 Neuinszenierungen von Bernhards Dramen möglich wurden. Zuvor war schon die weitere Aufführung bereits im Spielplan befindlicher Bernhard-Inszenierungen gestattet worden, was vor allem dem Wiener Burgtheater unter seinem damaligen Direktor Claus Peymann, das zum Zeitpunkt von Bernhards Tod (1989) vier Bernhard-Stücke im Repertoire hatte, zugute kam. Die meisten seiner Stücke wurden unter der Regie Peymanns uraufgeführt, zwischen dem Theatermann und dem Autor bestand zeitlebens eine spannungsvolle Freundschaft.
Das von ihm verfügte Aufführungsverbot seiner Stücke in Österreich wurde mit der Gründung der Thomas Bernhard-Privatstiftung durch Peter Fabjan aufgehoben. Bernhards Forderung, mit der er „jede Einmischung“ und „jede Annäherung dieses österreichischen Staates“ gegenüber seiner Person und seinem Werk verboten hatte, wird in den öffentlichen Veranstaltungen dadurch Rechenschaft getragen, dass diese ohne die Patronanz und ohne Anwesenheit von Politikerprominenz stattfinden.
Unter dem Einfluss der Arbeit Bernhards stehen und standen viele deutschsprachige Literaten und Künstler. Einer der wenigen bekennenden Bernhard-Verehrer war der Kabarettist Hanns Dieter Hüsch, der Ende der 1970er Jahre seine Alter Ego-Figur „Hagenbuch“ ganz offen auf Bernhards Kunst, Figuren in verschachtelten Gedankensprüngen erzählen zu lassen, begründete. Ebenso stellt neben den sehr intensiv dargebotenen Bühnenfiguren, den Themen, der Gedankenführung und Sprache des Kabarettisten Georg Schramm schon der Titel seines seit 2005 aufgeführten Programms „Thomas Bernhard hätte geschossen“ den direkten Bezug zu Bernhards Werk her.
(In der zeitlichen Reihenfolge ihrer Erstveröffentlichung)
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