Tom Segev (* 1. März 1945 in Jerusalem) ist ein israelischer Historiker und Journalist. Er wird der losen Gruppe „Neue Historiker“ zugeordnet, die mit einer Neubewertung der Geschichte des Zionismus und des Landes Israel begonnen haben.
Segevs Eltern flohen 1933 aus Deutschland und ließen sich schließlich in Palästina nieder. Sein Vater Heinz Schwerin war Architekt, seine Mutter Ricarda Schwerin (geborene Meltzer) war Fotografin.[1] Sein Vater starb 1948 im israelischen Unabhängigkeitskrieg.
Tom Segev studierte Geschichte und Politikwissenschaften an der Hebräischen Universität Jerusalem und wurde in Boston mit einer Arbeit über die KZ-Kommandanten promoviert.
Segev schreibt für Haaretz, eine der großen israelischen Zeitungen, und hat mehrere Bücher veröffentlicht, mit denen er international bekannt wurde.
Insbesondere sein Buch Die siebte Million, in dem sich Segev mit den Juden in Palästina zur Zeit des Zweiten Weltkrieges befasst, wurde kontrovers diskutiert. Zentrales Thema ist Segevs These, dass die Juden in Palästina mehr an der Schaffung ihres eigenen Staates interessiert waren als an der Rettung europäischer Juden. Dies und seine Kritik an David Ben-Gurion lösten in Israel scharfe Reaktionen aus.
In seiner Studie Es war einmal ein Palästina arbeitet er die Geschichte Palästinas unter britischer Herrschaft auf. Er zeigt, dass jüdischer und arabischer Nationalismus in jener Zeit zwangsläufig dazu führten, dass die beiden Gruppen nicht konfliktfrei miteinander leben konnten. Er weist zudem auf eine pro-zionistische Haltung der Mandatsmacht Großbritannien hin, wie sie in der gängigen Literatur eher unterbewertet und von der jüdischen Bevölkerung zu der Zeit wahrscheinlich so auch nicht empfunden wurde (vgl. hierzu auch die Erinnerung von Amos Oz in Eine Geschichte von Liebe und Finsternis über jene Zeit). Die arabisch-palästinensischen Nationalisten hätten laut Segev den Fehler gemacht, sich aus dem Verdruss über die vermeintliche Ungleichbehandlung der Briten heraus auf die vollständige Ablehnung jeder Kooperation mit den Zionisten zu versteifen und sich im Vorfeld des Endes der britischen Mandatszeit auf die Hilfe der arabischen Nachbarstaaten zu verlassen, was sie schließlich einen unabhängigen Staat kostete.
In seinem Buch 1967 befasst sich Segev mit dem Sechstagekrieg. Es ist 2007 auf deutsch erschienen. Hier lautet seine Kernthese, dass für Israel im Vorfeld des Krieges aus rein militärischen Gesichtspunkten keine existenzielle Bedrohung bestanden hätte. Auch zweifelt Segev daran, dass die arabischen Nachbarn Israel wirklich angegriffen hätten. Jedoch habe es in weiten Teilen der israelischen Gesellschaft eine authentische Angst vor der Vernichtung gegeben, die durch die Drohungen und den militärischen Aufmarsch Ägyptens und Syriens hervorgerufen worden sei. Dies habe den politischen Druck auf die damalige Regierung so stark erhöht, dass schließlich ein Präventivangriff durchgeführt wurde. Der Angriff der jordanischen Armee auf Westjerusalem habe Israel einen willkommenen Grund geliefert, Ostjerusalem zu erobern. Die Besetzung Ostjerusalems sei zwar politisch nicht konkret geplant, jedoch stets herbeigesehnt worden.
(in deutscher Übersetzung)
Segev schreibt regelmäßig im Aufbau, Zürich, mit bislang 7 Beiträgen seit 2006, z. B.:
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