Montag, 28. Mai 2012

Themen


Traditionelle Architektur

Ein traditionelles Bregenzerwaldhaus im Bregenzerwald
Ein traditionelles Batak-Haus auf Sumatra
Handwerkstraditionen spielen eine wichtige Rolle in der Traditionellen Architektur

Der Begriff Traditionelle Architektur oder Traditionelles Bauen beschreibt Baukonstruktionen und Bauverfahren, bei denen lokale Ressourcen und Bautraditionen zum Einsatz kommen, um konkrete Bauaufgaben zu erfüllen. Die entstehenden Bauwerke definieren in ihrer Gesamtheit eine wiedererkennbare regionale Architektursprache mit typischen Bauformen.

Oft sind diese Bauformen auch nach einer Region benannt, wie zum Beispiel das Schwarzwaldhaus. In der Regel bezeichnet der Begriff im heutigen Sprachgebrauch historische Bauformen, die in dieser Form heute nicht mehr errichtet werden.

In Abgrenzung zu der von Fachleuten bewusst entworfenen und geplanten Architektur, die einer definierten Gestaltungsabsicht folgt, entsteht Traditionelle Architektur aus der pragmatischen Anwendung handwerklicher Traditionen zur Befriedigung eines akuten Raumbedarfs. Sie ist stark beeinflusst von lokalen Gegebenheiten wie Klima, Umweltbedingungen, verfügbaren Baumaterialien und der Gesellschaftsform. Die Realisierung erfolgt durch Handwerker und Laien, oft als Gemeinschaftswerk. Im Gegensatz zur repräsentativen Architektur sind die Bauaufgaben meist einfachere Wohn- und Nutzgebäude, oft für die Landwirtschaft mit einem beschränkten Budget.

In vor-moderner Zeit und in traditionellen Kulturen folgt die Traditionelle Architektur keiner akademischen Architekturströmung und wollten in der Regel nicht bewusst neue Wege beschreiten. Die Inhalte waren vielmehr eher konservativ ausgelegt und folgten im Wesentlichen dem Prinzip des Bewährten. Über viele Jahre wurden Struktur und Gestaltung in kleinen Schritten entwickelt und an die lokalen Gegebenheiten angepasst. Doch auch Traditionelle Architektur entwickelt und verändert sich – wie jede Tradition – kontinuierlich. Einflüsse aus anderen Regionen, Veränderungen der gesellschaftlichen Umstände, neue Materialien und Moden spielen eine Rolle. Die Übergänge zur professionell geplanten Architektur sind fließend, beide Bereiche haben sich schon immer stark gegenseitig beeinflusst. Auch heute basieren viele Architekten Elemente ihrer Entwürfe auf lokalen Traditionen.

Abgrenzung

Weitere Begriffe, die ähnliche Sachverhalte beschreiben sind

  • Vernakuläre Architektur: Vom lateinischen vernaculus = „einheimisch“, in vielen Sprachen ist dieser Begriff klar definiert und weiter verbreitet als im Deutschen.
  • Architektur ohne Architekten / Anonyme Architektur: Ein Buchtitel des Autors Bernard Rudofsky. Anonyme Architektur im strengen Sinne bedeutet, dass der Entwurfsverfasser nicht dokumentiert oder der Öffentlichkeit / Fachöffentlichkeit nicht bekannt ist. Weiter gefasst wurde der Begriff von Rudofsky aber auch synonym für Traditionelle Architektur benutzt.
  • Volksarchitektur: Begriff, der offenbar vor allem in Böhmen beziehungsweise Tschechien benutzt wird[1]

Einzelnachweise

  1. Liste der Publikationen zum Thema „Volksarchitektur“

Literatur

  • Bernhard Rudofsky: Architektur ohne Architekten – Eine Einführung in die anonyme Architektur, Residenz Verlag, 1989, ISBN 3-7017-0565-8

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Traditionelle Architektur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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