Der Turing-Test wurde 1950 von Alan Turing vorgeschlagen, um festzustellen, ob eine Maschine ein dem Menschen gleichwertiges Denkvermögen hat. Der aus der Anfangszeit des Informatik-Teilbereichs Künstliche Intelligenz stammende und seither legendäre Test trug dazu bei, den alten Mythos von der denkenden Maschine für das Computerzeitalter neu zu beleben.
Im Zuge dieses Tests führt ein menschlicher Fragesteller über eine Tastatur und einen Bildschirm ohne Sicht- und Hörkontakt mit zwei ihm unbekannten Gesprächspartnern eine Unterhaltung. Der eine Gesprächspartner ist ein Mensch, der andere eine Maschine. Beide versuchen, den Fragesteller davon zu überzeugen, dass sie denkende Menschen sind. Wenn der Fragesteller nach der intensiven Befragung nicht klar sagen kann, welcher von beiden die Maschine ist, hat die Maschine den Turing-Test bestanden, und es wird der Maschine ein dem Menschen ebenbürtiges Denkvermögen unterstellt.
Der totale Turing-Test verwendet zusätzlich ein Videosignal, mit dem die optische Wahrnehmung der Programme getestet werden kann.
Es ist eine Reihe von Argumenten vorgebracht worden, die den Turing-Test als ungeeignet zur Feststellung von Intelligenz ansehen:
Turing vermutete, dass es bis zum Jahr 2000 möglich sein werde, Computer so zu programmieren, dass der durchschnittliche Anwender eine höchstens 70-prozentige Chance habe, Mensch und Maschine erfolgreich zu identifizieren, nachdem er fünf Minuten mit ihnen „gesprochen“ hat. Dass sich diese Vorhersage bisher nicht erfüllte, sehen viele als einen Beleg für die Unterschätzung der Komplexität natürlicher Intelligenz.
Programme wie ELIZA sind Versuchspersonen gegenüber kurzzeitig als menschlich erschienen, ohne dass sie den Turing-Test formal bestehen könnten. In ihrer Antwortstrategie gingen sie nur scheinbar auf ihr Gegenüber ein; den Versuchspersonen war nicht bewusst, dass sie es mit nichtmenschlichen Gesprächspartnern zu tun haben könnten.
Im Oktober 2008 wurde bei einem Experiment an der University of Reading, bei dem sechs Computerprogramme teilnahmen, die 30-Prozent-Marke knapp verfehlt. Das beste Programm schaffte es, 25 Prozent der menschlichen Versuchsteilnehmer zu täuschen.[3]
Am 3. September 2011 nahm die KI-Webapplikation Cleverbot zusammen mit wahren Personen an einem formellen Turing-Test beim technischen Festival 2011 am indischen Institut IIT Guwahati teil. Die Ergebnisse wurden am 4. September bekannt gegeben. 59,3 % von 1334 Personen hielten Cleverbot für einen Menschen. Die menschlichen Konkurrenten hingegen erzielten 63,3 %.[4] „Welch durchaus überraschendes Ergebnis. Sogar höher als selbst ich erwartet oder gar erträumt hätte“, sagte der britische Informatiker Rollo Carpenter während einer Vorlesung beim Technischen Festival. „Die gestrigen Ergebnisse überstiegen 50 % und man könnte meinen, dass Cleverbot den Turing-Test (...) bestanden hat.“
Bei der Abwehr von Spam ist es erforderlich, automatisierte Eingaben von solchen zu unterscheiden, die von Menschen stammen. Das CAPTCHA-Verfahren leitet seinen Namen vom Turing-Test ab. Human Interaction Proof (HIP) ist eine andere Bezeichnung für diese Methode.
Der Loebner-Preis ist seit 1991 ausgeschrieben und soll an das Computerprogramm verliehen werden, das als erstes den Turing-Test besteht. Der Preis ist nach Hugh G. Loebner benannt und mit 100.000 US-Dollar und einer Goldmedaille dotiert. Bisher konnte jedoch kein Computerprogramm die nötigen Voraussetzungen erfüllen. Weiterhin wird jährlich ein Loebner-Preis an das Computerprogramm verliehen, das einem menschlichen Gespräch am nächsten kommt. Dieser ist mit 2.000 US-Dollar und einer Bronzemedaille dotiert.
Philip K. Dick verwendete in seinem 1968 erschienenen Roman Träumen Androiden von elektrischen Schafen? (1982 verfilmt unter dem Titel Blade Runner) den so genannten Voight-Kampff-Test, eine Variante des Turing-Tests. In einer gar nicht fernen Zukunft (2019) werden dort künstliche Menschen, so genannte Replikanten, die physisch den Menschen gleichen, einem Empathietest unterzogen, der durch lange Befragungen ihre emotionale Reaktion prüft und hervorbringen soll, ob sie Mensch oder Replikant sind.
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