Udo Reiter (* 28. März 1944 in Lindau) ist ein deutscher Journalist. Er war seit dessen Gründung 1991 bis zum 31. Oktober 2011 Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR).[1]
Reiter studierte nach dem 1963 abgelegten Abitur Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft in München und Berlin. Seit einem Autounfall 1966 ist er querschnittgelähmt. 1970 promovierte er über den expressionistischen Lyriker Jakob van Hoddis. Er wurde freier Mitarbeiter beim Bayerischen Rundfunk (BR) und später Redakteur in der Wissenschaftsredaktion des Senders. 1972 erhielt er den Kurt-Magnus-Preis der ARD für verschiedene Hörfunkdokumentationen, unter anderem zum Thema Meditation. Er führte Interviews u.a. mit Golo Mann, Konrad Lorenz, Franz Josef Strauß, Carl Friedrich von Weizsäcker und dem Dalai Lama. 1983 wurde er Chefredakteur des BR-Hörfunks, 1984 stellvertretender Hörfunkdirektor, 1986 Hörfunkdirektor. Mit „B5 aktuell“ führte er den ersten Informationskanal im deutschen Hörfunk ein.
Am 7. Juli 1991 wurde Reiter zum ersten Intendanten des neu gegründeten Mitteldeutschen Rundfunks gewählt, den er anschließend als Dreiländeranstalt für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aufbaute. In seinem Amt wurde er 1996, 2002 und 2008 bestätigt.
In Reiters Amtsperiode fielen große Programmerfolge (der MDR ist seit 1997 das meistgesehene Dritte Programm der ARD), aber auch Skandale (im Jahr 2000 verlor der MDR 2,6 Millionen Mark in Hochrisiko-Anleihen in Ecuador, im Jahr 2001 wurde bekannt, dass einige MDR-Moderatoren für die Stasi gearbeitet hatten, im Sommer 2005 wurde dem Sportchef Wilfried Mohren fristlos gekündigt, wegen Schleichwerbung zu Ungunsten des MDR).
Im Oktober 2010 geriet Reiter wegen eines von ihm über den Mikroblogging-Dienst Twitter veröffentlichten Witzes über Muslime und den Bundespräsidenten in die Kritik.[2][3]
Am 26. Mai 2011 kündigte er an, dass er noch 2011 von seinem Amt als MDR-Intendant zurücktreten möchte.[4] Zum 1. November 2011 ging er in den Ruhestand[5]
Udo Reiter ist Träger des Gregoriusordens, des Bayerischen Verdienstordens und des Bundesverdienstkreuzes. Er ist verwitwet und hat eine Tochter.
„Seine Entscheidungen trifft er im Stil eines Managers, das charmante Auftreten kann er gut gebrauchen. ‚Leute, die wütend zu ihm ins Zimmer reinkamen“, erzählt einer, der ihn aus dieser Zeit gut kennt, ‚die kamen wie besoffen wieder raus.’ Wahrscheinlich deshalb ist Reiter nicht überall beliebt, freilich flexibel und wendig. Ein Redakteur sagt rückblickend, „wer Mut zum kämpfen hat, fährt mit Reiter gut.“ (Frankfurter Rundschau, 4. Dezember 1996, Georg Löwisch)
„Er ist schlitzohrig, unerschrocken und durchsetzungsfähig.“ (Friedrich Nowottny, 1992)
„Der im BR von vielen als Hardliner eingeschätzte Redakteur hat ein zweites, gleichsam bubenhaftes Gesicht: er ist in die anarchische Leichtigkeit von Thomas (Gottschalk) geradezu vernarrt und weiß, dass man ein solches Talent nicht mit der normalen Personalelle messen darf.“ (Gerd Heidenreich: Thomas Gottschalk, Die Biografie, dva 2004)
„Er hat das MDR-Fernsehen zum Marktführer der dritten Programme gemacht, der Sender wirkt identitätsstiftend. Aus der Ferne mag das Programm ostalgisch wirken, es bindet das Publikum in einer Weise, die andere beneiden.“ (FAZ, „Der ewige Intendant“, Michael Hanfeld, 2008)
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