Ein unbemanntes Luftfahrzeug, auch Drohne genannt, ist ein Fluggerät der Unbemannten Luftfahrt, das zur Überwachung, Erkundung, Aufklärung, als Zieldarstellungsdrohne und mit Waffen bestückt in Kampfeinsätzen verwendet werden kann.
Drohnen werden sowohl in militärischen und geheimdienstlichen als auch in zivilem Einsatz verwendet. Eine Drohne fliegt ohne einen Piloten an Bord, kann entweder automatisiert über ein Programm oder vom Boden aus über Funksignale bzw. über Satellitenfunk gesteuert werden. Je nach Einsatzgebiet und Ausstattung können Drohnen Nutzlasten tragen, wie z. B. Raketen für einen militärischen Angriff. Die Abmessungen reichen dabei von nur einigen Millimetern (Mikrodrohne) bis zur Größe eines Verkehrsflugzeuges mit 60 m Spannweite (Boeing Condor).[1]
Im weiteren Sprachgebrauch ist die Abkürzung UAV für unmanned, uninhabited oder unpiloted aerial vehicle gebräuchlich. Dabei werden ferngesteuerte UAVs als RPV remotely piloted vehicle bezeichnet.
Zusätzlich hat sich die Abkürzung UAS für unmanned aircraft system eingebürgert. Die Bezeichnung umfasst das Gesamtsystem aus der fliegenden Drohne, der Bodenstation zum Start und ggf. Landung sowie der Station zur Führung und Überwachung des Fluges.
Drohnen werden zunehmend zu militärischen Zwecken eingesetzt. Dabei können sie als unmanned combat air vehicle (UCAV) bewaffnet sein, wie etwa die amerikanische MQ-9 Reaper, und zur Erdkampfunterstützung eingesetzt werden. Oder wie die Boeing X-45, die 2002 als Experimentalflugzeug zur Erprobung von Drohnen als Kampfflugzeug, insbesondere der Bekämpfung von Luftzielen, diente.
Andere militärische Typen, wie der Global Hawk, dienen der Aufklärung und Überwachung.
Einem Bericht des Guardian[2] zufolge planen die Luftstreitkräfte der USA (USAF) eine enorme Aufstockung ihrer UAV-Flotte bis 2047. Diese Pläne sind durch ein verändertes militärisches Denken, angespornt auch durch den Tod von Baitullah Mehsud, motiviert.
Die USAF bildet schon heute mehr Soldaten in der Bedienung von UAVs als im Fliegen von Flugzeugen aus, die maximale Anzahl gleichzeitig lenkbarer Drohnen ist von zwölf (2006) auf 50 (August 2009) gestiegen.
1998/1999 setzt die Bundeswehr im Kosovokrieg Aufklärungsdrohnen vom Typ CL 289 ein. Ferner hat die Bundeswehr die Drohne LUNA seit 2000 im operationellen Einsatz. Auch die Inspektionen der UN-Waffeninspektoren im Irak 2003 wurden von Drohnen unterstützt. Bis 2008 wurden zudem sechs Gesamtsysteme der allwetterfähigen Aufklärungsdrohnen vom Typ KZO („Kleinfluggerät-Zielortung“) eingeführt. Zur Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung (SIGINT) hat die Bundeswehr die fünf Großdrohnen EuroHawk bestellt, deren Prototyp 2010 fliegen sollte.
2003 versuchte die Hamas im Gazastreifen in den Besitz einer Drohne zu kommen. Israel präparierte diese mit Sprengstoff, zündete diesen während des Zusammenbaus am 16. Februar 2003 und tötete damit drei ranghohe Führer der Qassam-Brigaden.[3]
2004 wurde bekannt, dass die Schweizer Armee bei Trainingsflügen mit der Aufklärungsdrohne Ranger ADS 95 zufällig ausgewählte Privatautos und Zivilpersonen filmte.[4]
2006 lieferte der Iran UAVs vom Typ Ababil an die Hisbollah, die diese unter der Bezeichnung Mirsad 1 zur Aufklärung oder wie Marschflugkörper einsetzt. Das UAV Ababil ist 83 kg schwer, hat einen Gefechtskopf von höchstens 40 kg und eine Maximalgeschwindigkeit von 290 km/h.[5][6] Am 7. August 2006 hat ein israelisches Kampfflugzeug vom Typ F-16 10 km vor der Küste von Haifa mit einer Luft-Luft-Rakete vom Typ Python 5 ein UAV vom Typ Ababil der Hisbollah abgeschossen.
Am 6. August 2009 wurde durch den Angriff einer US-Drohne der pakistanische Talibanführer Baitullah Mehsud getötet (→ siehe auch Hauptartikel Drohnenangriffe in Pakistan). Ende Januar 2012 hat US-Präsident Obama erstmals offiziell eingeräumt, dass man Drohnenangriffe über pakistanischem Gebiet durchführt. Bisher war dies zwar bekannt, wurde jedoch vom Pentagon nicht bestätigt. Obamas Darstellung, dass die Angriffe ein "minimales Risiko" für Zivilisten darstellen wird von Experten bezweifelt. Allein bis August 2011 kamen bei über 300 Angriffen über 2400 Menschen ums Leben - darunter über 400 Zivilisten.[7]
Verschiedene Stellen u.a. in den USA betreiben F&E-Programme, wie z.B. das Joint Unmanned Combat Air Systems Program der DARPA, USAF und United States Navy, um Kampfdrohnen zu entwickeln.[8][9]. DARPA und NASA forschen und entwickeln auch unbemannte Systeme mit Morphing Adaptable Structures (MAS), die dank Smart Materials, ihre Form, Oberflächenstruktur und aerodynamischen Eigenschaften verändern und an verschiedene Flugphasen anpassen können, wie z.B. der Cormorant.[10][11] Auch in Europa wird an Kampfdrohnen (Unmanned Combat Aerial Vehicle) wie z.B. Dassault Neuron und ETAP geforscht und entwickelt.
Die unbemannte Kriegsführung steht in der Kritik, da die Souveränität von Staaten und die Rechtsstaatlichkeit verletzt wird und bei Drohnenangriffen häufig auch unbeteiligte Zivilisten ums Leben kommen.Bislang ist unbekannt, wie viele Zivilpersonen irrtümlich getötet wurden.[12][13]
Der Drohneneinsatz in Friedenszeiten verstößt gegen die UN-Charta. Die Rechtslage ist jedoch nach Interpretation der US-Regierung umstritten, die auch unter Präsident Obama auf die Bush-Doktrin verweist (Präemptivschlag).[14]
Bereits 1931 rüstete die britische Royal Air Force drei Maschinen des Typs Fairey IIIF unter der Bezeichnung Fairey Queen mit Funksteuerung aus und setzt sie als Zieldrohnen, Übungsziele, für Jagdpiloten ein.
→ Siehe Abschnitt Kurzchronologie im Hauptartikel Unbemannte Luftfahrt
Irakische Hacker fingen 2009 die unverschlüsselt übertragenen Videodaten einer US-Militär-Drohne ab und konnten so den Einsatz der Drohne verfolgen.[15]
Auch im zivilen Einsatz werden Drohnen verstärkt getestet. Die deutschen Bundesländer Niedersachsen und Sachsen beispielsweise nutzen Polizei-Drohnen der Typen MD4-200 und MD4-1000 testweise für die polizeiliche Aufklärung. Die verwendeten Drohnen haben noch Schwierigkeiten im praktischen Einsatz (Stand 2010). Hohe Anlaufkosten und Kosten durch Abstürze sorgen dafür, dass deren Einsatz in den Parlamenten derzeit noch umstritten ist.[16] Zudem gibt es datenschutzrechtliche Bedenken.[17] Bei der Begutachtung von Schäden durch Sturm, Brand oder Wasserschäden auf Dächern werden Drohnen professionell eingesetzt, da man mit einer dort eingebauten Kamera in geringer Höhe den Schadensort überfliegen und so einen einzigartigen Überblick erhalten kann.[18][19]
Laut Bundesregierung entwickelten die Technische Universität Dortmund, die Universitäten Paderborn und Siegen sowie die Unternehmen GIS Consult (Haltern), Microdrones (Kreuztal) und die Gesellschaft für Gerätebau (Dortmund) gemeinsam eine Drohne, die mit Gasmessgeräten ausgestattet ist und bei Katastrophen von Feuerwehren oder dem THW eingesetzt werden soll. Das vom BMBF geförderte Projekt trägt den Namen Airshield. „AirShield“ steht für „Airborne Remote Sensing for Hazard Inspection by Network Enabled Lightweight Drones“ [20]
Die Lakeside Labs GmbH in Klagenfurt entwickelt ein Mikrodrohnensystem für das Katastrophenmanagement.[21]
Darüber hinaus existiert eine experimentelle Szene in Deutschland im Rahmen der Hobbyfliegerei.[22]
Seit April 2010 betreiben NASA und National Oceanic and Atmospheric Administration ein Projekt zur Atmosphärenforschung bei dem Global Hawk-UAS mit zusätzlichen Sensorpaketen für wissenschaftliche Zwecke eingesetzt werden.[23][24][25] Im August und September 2010 sammelte eine Drohne Informationen über die Hurrikans Earl und Frank[26][27]
In der Luftbildarchäologie und Luftbildfotografie werden Drohnen für die Datensammlung verwendet, ebenso in Windparks um den Windpark-Effekt zu erforschen. [28][29]
Die NASA entwickelt (Stand 2010) eine Drohne mit dem Namen Aerial Regional-scale Environmental Survey, die im Rahmen des Mars-Scout-Programms auf dem Planeten Mars eingesetzt werden soll.[30]
Im März 2011 wurden Global Hawks der USAF im Rahmen der Operation Tomodachi eingesetzt um die Schäden des Tōhoku-Erdbebens und Tsunamis, insbesondere am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi, einzuschätzen.[31] Im Juni 2011 kam es zu einer Notlandung einer T-Hawk, die für Strahlungsmessungen auf dem Reaktorgelände eingesetzt war, auf einem Reaktorgebäude.[32]
Im Dezember 2011 setzte die Umweltschutzorganisation Sea Shepherd Conservation Society eine Drohne ein, um die Nisshin Maru, das Flaggschiff der japanischen Walfangflotte, auf hoher See zu lokalisieren.[33][34]
Auf der CeBIT 2011 und 2012 wurden Drohnen gezeigt. Im Dezember 2011 gab der Bundestag eine Änderung des Luftverkehrsgesetzes ohne Diskussion in die Ausschüsse. Tritt es in Kraft, werden Drohnen - "unbemannte Luftfahrsysteme" - den anderen elf Klassen von Luftfahrzeugen gleichgestellt.[35][36]
UCAV/URAV: RQ-1 Predator der US Air Force
Camcopter S-100 mit Raketenbewaffnung
Wichtige Hersteller für unbemannte Luftfahrzeuge für das Militär sind Northrop Grumman, Lockheed Martin und Boeing sowie auch kleinere Unternehmen wie General Atomics, Sikorsky und AAI. Auch nicht-amerikanische Hersteller wie EADS, Dassault Aviation, TAI, IAI, Saab und BAE Systems entwickeln und bauen unbemannte Luftfahrzeuge.
Kleinere Hersteller unbemannter Luftfahrzeuge sind auch:
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