| Union Cycliste Internationale (UCI) | |
|---|---|
| Gründung | 14. April 1900 |
| Ort | Aigle |
| Präsident | Pat McQuaid |
| Website | UCI.ch |
Die Union Cycliste Internationale (abgekürzt UCI) ist der internationale Radsport-Verband. Die UCI ist eine Nichtregierungsorganisation, die die nationalen Radsportverbände repräsentiert. Der Sitz der UCI befindet sich in Aigle in der Schweiz. Mitglieder in der UCI sind derzeit (2005) über 170 nationale und fünf kontinentale Verbände mit rund 600.000 lizenzierten Radsportlern. Die UCI selbst wiederum ist Mitglied von Sportaccord, der zentralen Dachorganisation der Sportverbände weltweit.
Die UCI wurde am 14. April 1900 in Paris durch die nationalen Verbände Belgiens, Frankreichs, der USA, der Schweiz und Italiens gegründet. Erster Präsident war der Belgier Emile De Beukelaer. Die Vorgängerorganisation war der erste internationale Verband International Cyclist Association (ICA), die 1892 gegründet wurde und bereits 1893 die ersten Weltmeisterschaften ausrichtete.
Im Gründungsjahr der UCI fanden die ersten offiziellen UCI-Bahn-Weltmeisterschaften statt. 1921 erfolgte die erste UCI-Straßen-Weltmeisterschaft, nur für Amateure; erst 1927 kamen die Profis hinzu. 1950 wurden die ersten Weltmeisterschaften im Querfeldein-Rennen und 1956 im Hallenradsport erstmals ausgetragen. 1984 kamen die ersten Trial-und 1990 die ersten offiziellen Mountainbike-Weltmeisterschaften zur Austragung. 1993 folgten die erste BMX-Weltmeisterschaften.
2002 verlegte die UCI, die bis dahin wie viele andere internationale Sportverbände in Lausanne ansässig war, ihren Sitz nach Aigle.
Im Jahr 1965 wurden die Fédération Internationale Amateur de Cyclisme (FIAC, dt.: Internationale Amateurradsport-Föderation) und die Fédération Internationale de Cyclisme Professionnel (FICP, dt.: Internationale Profiradsport-Föderation) gegründet. Diese Unter-Verbände der UCI organisierten fortan den schon vorher getrennten Amateur- und Profiradsport. Gemeinsame Wettbewerbe von Amateuren und Profis waren selten und wurden als Open-Rennen (engl. für "offen") bezeichnet. FIAC und FICP wurden 1992 wegen der Aufhebung der Trennung von Amateuren und Profis („Einheitslizenz“) im Zuge der Reformierung der Zulassungsregeln für die Olympischen Spiele aufgelöst.[1] Die letzten nach den Kategorien „Profi“ und „Amateur“ getrennten UCI-Weltmeisterschaften fanden auf der Bahn 1992 und auf der Straße 1995 statt. Die höchste Leistungskategorie im Männer- und Frauenradsport wird seitdem einheitlich als Elite bezeichnet.
Die UCI hat ihre Aufgaben folgendermaßen formuliert (freie Übersetzung aus dem Englischen):
Ohne Diskriminierung von irgendjemandem und in enger Zusammenarbeit mit den nationalen Verbänden und anderen Organisationen alle Aspekte des Radfahrens weiterzuentwickeln und zu bewerben. Alle Aspekte des Radfahrens steht dabei für
Die UCI vertritt die Interessen der folgenden sieben Disziplinen des Radsports und organisiert für diese jeweils Weltmeisterschaften bzw. Weltcups:
Bis einschließlich 1995 wurden Bahn- und Straßen-Weltmeisterschaften im selben Land terminlich aufeinanderfolgend ausgetragen, zuweilen auch in Verbindung mit der WM im Hallenradsport. Seit 1996 werden alle Weltmeisterschaften an verschiedene nationale Verbände vergeben. Während die Straßen-Wettbewerbe zur Beendigung der Saison im Herbst stattfinden, werden die Bahn-Wettbewerbe seit 2005 im Frühjahr - meist im März - als Abschluss der Bahnrad-Weltcupsaison in den Wintermonaten ausgetragen.
Für die Disziplin Straßenradsport wurde im Jahr 2005 der Rad-Weltcup und die UCI-Weltrangliste durch die UCI ProTour, seit dem Jahr 2011 durch die UCI World Tour ersetzt. Diese stellt eine Rennserie der wichtigsten Eintages- und Etappenrennen dar. Auf einer unteren Stufe gibt es die kontinentalen Rennserien, die UCI Continental Circuits, z.B. die UCI Europe Tour.
Organisation und inhaltliche Positionen der UCI sind zum Teil stark umstritten. Die Glaubwürdigkeit ihres früheren Präsidenten Hein Verbruggen gilt als angeschlagen, seit dieser vor Bekanntwerden der Dopingaffäre um Lance Armstrong eindeutig Stellung für den mehrfachen Toursieger bezog und erklärte, er wisse, dass Armstrong keine Doping-Präparate verwende,[2].
Der UCI wird vorgeworfen, in der Vergangenheit wiederholt nachlässig mit Dopingnachweisen umgegangen zu sein und gegenüber der Öffentlichkeit auf Vertuschung statt auf Aufklärung gesetzt zu haben. Im Gegensatz zur technischen Entwicklung würde demnach der Fortschritt des Dopings trotz tödlicher Fälle wie Tom Simpson nie energisch behindert und lange Zeit durch geringe Strafen geradezu in Kauf genommen. Im Rahmen der Wahl des UCI-Präsidenten Pat McQuaid im September 2005 wurden der UCI und Verbruggen Manipulation vorgeworfen. Die Tour de France 2008 wurde unter Oberaufsicht des französischen Radsportverbands und nicht mehr der UCI durchgeführt. Als Reaktion darauf drohte die UCI teilnehmenden Teams mit Bestrafung und suspendierte den französischen Radsportverband.[3][4]
Im Zuge der Untersuchungen gegen den spanischen Radprofi Alberto Contador kam die UCI im Oktober 2010 in den Verdacht, Dopingfälle bewusst zu vertuschen, um eine negative Berichterstattung über den Radsport zu vermeiden.[5]
Kritiker bemängeln außerdem eine zu starke Reglementierung der technischen Entwicklung des Radsports. So werde die Entwicklung neuer Rahmenformen durch Festhalten am althergebrachten Diamantrahmen behindert. Aerodynamische Sitzpositionen und Lenker – wie sie beim Stundenweltrekord zum Einsatz kamen – reglemetiere man ebenfalls zu stark. Auch alternative Konzepte wie das Liegerad würden außen vor gelassen, was deren breitensportliche Entwicklung hemme. Demgegenüber betonen Befürworter der Reglementierung den Aspekt der objektiveren Vergleichbarkeit der sportlichen Leistung.
Seit 2010 gibt es eine Athletenkommission, deren Mitglieder von den Sportlern gewählt oder von der UCI ernannt werden. Präsident der Kommission ist Florian Rousseau. Der Straßenradsport wird vertreten von Dario Cioni (ITA/ernannt), Cadel Evans (AUS/gewählt) und Philippe Gilbert (BEL/gewählt), die Straßenradrennfahrerinnen von Judith Arndt (GER/ gewählt) und Marianne Vos (NED/ gewählt). Anna Meares (AUS/gewählt) und Teun Mulder (NED/gewählt) vertreten den Bahnradsport. Die Athleten aus dem Bereich MTB werden vertreten von Georgia Gould (USA/gewählt) und Greg Minnaar (RSA/ernannt), der Bereich BMX von Vilma Rimsaite (LTU/ernannt) und Roger Rinderknecht (SUI/ernannt) und der Bereich Cyclo-Cross von Sven Nys (BEL/ernannt). Jiri Jezek (CZE/ gewählt) und Lukas Weber (SUI/ernannt) vertreten den Bereich Paracycling.[6]
Die UCI unterhält das internationale Radsportcenter, genannt CMC (Centre Mondial du Cyclisme) oder WCC (World Cycling Center). Zu dem WCC, das 2002 eröffnet wurde, gehören eine 200 Meter lange Radrennbahn aus Holz, mehrere Gymnastik- und Fitness-Hallen, Außenanlagen für Mountainbike- und BMX-Training, ein Feld für Radball und Kunstradfahren, mehrere Seminar- und Unterrichtsräume sowie das internationale Radsportmuseum und ein Archiv. Auch die Büroräume der UCI befinden sich ebenfalls innerhalb des Gebäudes.
Junge Radsportler aus der ganzen Welt, die ein olympisches Stipendium erhalten haben, trainieren hier die olympischen Radsportdisziplinen auf der Bahn und Strasse, auf Mountainbikes und BMX. In einer Akademie werden zudem professionelle Trainer ausgebildet. Der Innenraum der Bahn wird für andere Sportarten wie Kunstturnen, Trampolin und Leichtathletik genutzt.[7]
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