Die Union pour un mouvement populaire (UMP; deutsch Union für eine Volksbewegung) ist eine französische Partei, die aus der politischen Rechten und der Mitte hervorgegangen ist und sich zur Idee des Gaullismus bekennt. Die Union ist pluralistisch, demokratisch und dezentral ausgerichtet. Sie gehört der Europäischen Volkspartei und der Internationalen Demokratischen Union, einem weltweiten Forum konservativer Parteien, an. Die UMP stellte seit ihrer Gründung – mit Nicolas Sarkozy – in Frankreich den Staatspräsidenten.
Die UMP bildet gleichzeitig, über den Status der Partis associés (assoziierte Parteien), auch ein Parteienbündnis. Gemeinsam mit noch weiteren Parteien bildet sie das Comité de liaison de la majorité présidentielle (Verbindungskomitee der Mehrheit des Präsidenten), das die Parteien der politischen Rechten und der politischen Mitte umfasst, die bei Wahlen und in der Nationalversammlung den Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy unterstützen.
Die UMP entstand zunächst als Parteienbündnis am 23. April 2002, zwei Tage nach dem ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahl 2002, bei der überraschend Jean-Marie Le Pen vom rechtsextremen Front National den zweiten Wahlgang gegen den bürgerlichen Kandidaten Jacques Chirac erreicht hatte. Die UMP sollte die bürgerlichen Wähler für den zweiten Wahlgang sowie die folgenden Parlamentswahlen sammeln. Aus diesem Grund trug das Bündnis den Namen Union pour la majorité présidentielle (Union für eine Mehrheit des Präsidenten). Dem Bündnis gehörten unter anderem das gaullistische RPR von Chirac, die liberale Démocratie libérale sowie Teile des zentristischen Parteienbündnisses UDF an.
Nachdem das Bündnis den zweiten Wahlgang der Präsidentschaftswahl und die Parlamentswahlen zugunsten des bürgerlichen Lagers entscheiden konnte, wurde es weiter in eine Partei überführt. Da der ursprüngliche Name für eine Partei ungeeignet erschien, wurde er auf dem Gründungsparteitag am 17. November 2002 in Union pour un Mouvement Populaire (Union für eine Volksbewegung) geändert. In der UMP gingen das RPR und die Démocratie libéral auf. Andere kleinere Parteien dagegen wie die Parti radical valoisien blieben eigenständige Organisationen als assoziierte Parteien der UMP.
Erster Vorsitzender (président) der UMP war Alain Juppé. Geprägt waren die ersten Jahre vor allem durch die Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern Jacques Chiracs (vor allem Dominique de Villepin) und den Anhängern Nicolas Sarkozys.
Beim ersten Härtetest seit den Wahlsiegen 2002 erlitt die UMP eine schwere Niederlage bei den Regionalwahlen 2004 (Verluste in 20 von 22 Regionen). Auch bei den Wahlen zum Europäischen Parlament im gleichen Jahr schnitt die Partei nicht besonders gut ab. Angetreten mit dem Anspruch, die gesamte politische Rechte zu vertreten, konnte sie nur 17 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinigen, während der stärkste Konkurrent, die Sozialistische Partei (PS), 29 Prozent der Wählerstimmen bekam.
Nach einer Verurteilung wegen Vorteilsnahme trat Juppé am 16. Juli 2004 als Parteivorsitzender zurück. Auf dem darauf folgenden Parteitag in Le Bourget wurde Nicolas Sarkozy zu seinem Nachfolger gewählt. Dieser setzte sich auch im innerparteilichen Wettstreit um die Präsidentschaftskandidatur 2007 gegen Jacques Chirac (der erst am 11. März 2007, gut einen Monat vor dem ersten Wahlgang endgültig erklärte, nicht wieder zu kandidieren) und Dominique de Villepin durch. Letzterer verzichtete in Folge der Clearstream-Affäre auf eine eigene Bewerbung. Bei seiner Nominierung am 14. Januar 2007 war Sarkozy einziger verbliebener Bewerber.
Bei den Präsidentschaftswahlen im Mai 2007 errang Nicolas Sarkozy den Sieg gegen die sozialistische Gegenkandidatin Ségolène Royal. Bei den unmittelbar folgenden Parlamentswahlen im Juni verteidigte die UMP die Mehrheit in der Nationalversammlung, verlor allerdings 49 Mandate.
Sarkozy trat nach seinem Sieg bei der Präsidentschaftswahl 2007 vom Amt des Parteipräsidenten zurück. Nach einer Satzungsreform vom 7. Juli 2007 bleibt das Amt des Parteipräsidenten unbesetzt, wenn der Amtsinhaber zum Staatspräsidenten gewählt wird; die Funktionen werden dann vom Generalsekretär (Secrétaire général) ausgeübt. Dieses Amt wechselte in vergleichsweise schneller Folge von Pierre Méhaignerie (dieser hatte das Amt bereits 2004 noch unter dem Parteivorsitzenden Sarkozy angetreten und übte es bis November 2007 aus) über Patrick Devedjian (November 2007 bis Dezember 2008) und Xavier Bertrand (Dezember 2008 bis November 2010) zu Jean-François Copé (seit November 2010).
Bei den Kommunal- und Kantonalwahlen 2008 erlitt die Partei mit ihren Bündnispartnern erneut eine Niederlage. Sie verlor unter anderem die Mehrheit in 10 Städten über 100.000 Einwohnern und in 8 Départements.
Bei den Europawahlen 2009 gewann die UMP – auch hier in einem Parteibündnis angetreten – über 11 Prozentpunkte gegenüber der Wahl 2004 hinzu und wurde mit großem Abstand vor der Parti socialiste und den Grünen stärkste Partei.
Bei den Regionalwahlen 2010 dagegen konnte die UMP das schlechte Ergebnis von 2004 nicht verbessern, sondern verlor auch noch Korsika an die Linke und regiert damit bei den europäischen Regionen nur noch im Elsass. In Übersee konnte sie Guyana und Réunion gewinnen.
Nach einer weiteren Niederlage der UMP und der mit ihr verbundenen Parteien bei den Kantonalwahlen 2011 verlor die majorité présidentielle 2011 auch die Mehrheit im französischen Senat an die politische Linke.
Am 6. Mai 2012 verlor der Kandidat der UMP und amtierende Präsident Nicolas Sarkozy die Stichwahl um das Präsidentenamt gegen den Sozialisten François Hollande. Erstmals in ihrer Geschichte wird die Partei damit in die Opposition gehen.
Der Parteipräsident sitzt den Gremien auf nationaler Ebene vor und vertritt die UMP politisch und juristisch. Seine Amtszeit beträgt drei Jahre. Ihm stehen ein Vizepräsident (Vice-président délégué) und ein Generalsekretär (Secretaire général) zur Seite.
Die drei Personen der Parteispitze werden in einem gemeinsamen Wahlgang durch Urwahl von allen Parteimitgliedern gewählt. Dabei entscheiden sich die Parteimitgliedern zwischen Wahllisten, die jeweils einen Vorschlag für den Parteipräsidenten, den Vizepräsidenten und den Generalsekretär enthalten; Panaschieren zwischen den Listen ist unzulässig. Im ersten Wahlgang ist die Liste gewählt, die die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen erhalten hat. Erreicht dies keine Liste, findet eine Stichwahl zwischen den beiden Listen statt, die im ersten Wahlgang die meisten Stimmen erhalten haben.
Wird der amtierende Parteipräsident zum Staatspräsidenten gewählt, bleibt das Amt unbesetzt, es finden auch keine Wahlen während der Amtszeit des Staatspräsidenten statt. Die Funktionen des Parteipräsidenten werden dann vom Generalsekretär (secretaire général) und dem Präsidium des Parteitags (Bureau du Conseil National) ausgeübt.
| Präsident | Beginn der Amtszeit | Ende der Amtszeit | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
| Alain Juppé | 17. November 2002 | 16. Juli 2004 | Rücktritt |
| Jean-Claude Gaudin | 16. Juli 2004 | 28. November 2004 | kommissarisch |
| Nicolas Sarkozy | 28. November 2004 | 14. Mai 2007 | |
| Jean-Claude Gaudin | 14. Mai 2007 | 7. Juli 2007 | kommissarisch |
| unbesetzt | seit 7. Juli 2007 | Parteipräsident zum Staatspräsidenten gewählt |
Stellt die UMP nicht den Staatspräsidenten (bzw. war dieser bei Amtsantritt nicht Parteipräsident der UMP), hat der Generalsekretär in der Partei die Aufgabe, die laufenden Geschäfte der Partei zu führen. Ihm stehen dabei beigeordnete Generalsekretäre (secretaires généraux adjoints) zur Seite, die vom Parteipräsidenten ernannt werden. Gewählt wird der Generalsekretär in dieser Zeit gemeinsam mit dem Parteipräsidenten und dem Vizepräsidenten in einer gemeinsamen Urwahl (siehe unter Parteipräsident)
Wird ein amtierender Parteipräsident zum Staatspräsidenten gewählt, erweitert sich der Aufgabenkreis des Generalsekretärs um einige Funktionen, die sonst dem Parteipräsidenten zustehen. Er sitzt dann dem politischen Büro vor, ist für die Durchführung von dessen Entscheidungen verantwortlich und vertritt die UMP juristisch. Gewählt wird der Generalsekretär gemeinsam mit zwei beigeordneten Generalsekretären in dieser Zeit in einem gemeinsamen Wahlgang durch das politische Büro; dieses kann ihn jederzeit abberufen.
| Präsident | Beginn der Amtszeit | Ende der Amtszeit | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
| Philippe Douste-Blazy | 17. November 2002 | 28. November 2004 | |
| Pierre Méhaignerie | 28. November 2004 | 25. September 2007 | ab 7. Juli 2007 mit erweiterten Rechten bei Vakanz des Parteipräsidenten |
| Patrick Devedjian | 25. September 2007 | 5. Dezember 2008 | mit erweiterten Rechten bei Vakanz des Parteipräsidenten |
| Xavier Bertrand | 8. Dezember 2008 | 17. November 2010 | mit erweiterten Rechten bei Vakanz des Parteipräsidenten |
| Jean-François Copé | seit 17. November 2010 | mit erweiterten Rechten bei Vakanz des Parteipräsidenten |
Dieses Gremium besteht nur, wenn ein amtierender Parteipräsident zum Staatspräsidenten gewählt wurde. Es besteht aus einem Ersten Vizepräsidenten (Premier Vice‐président) und zwei weiteren Vizepräsidenten. Dieses Gremium sitzt dem Parteitag (Conseil National) vor, was sonst in den Aufgabenbereich des Parteipräsidenten fällt. Gewählt wird das Präsidium durch den Parteitag.
Das politische Büro ist die politische Leitung der UMP und mit dem Parteivorstand einer deutschen Partei vergleichbar. Es besteht aus dem Parteipräsidenten, dem Vizepräsidenten, dem Generalsekretär und den beigeordneten Generalsekretären sowie dem Schatzmeister. Hinzu kommen 10 Mitglieder, die von den Strömungen der Partei benannt werden; 5 dieser Mitglieder werden nach dem Stimmengewicht der Strömungen auf dem Parteikongress auf die Strömungen verteilt, 5 nach dem Anteil der Strömungen an den Abgeordneten unter den Parlamentariern. 30 weitere Mitglieder wählt der Parteitag. Kraft Amtes gehören dem politischen Büro außerdem die früheren von der UMP gestellten Staatspräsidenten, der amtierende und die früheren Premierminister, der Präsident der Nationalversammlung sowie die Fraktionsvorsitzenden in Nationalversammlung, Senat und im Europaparlament (hier auch der Vorsitzende der Gruppe der UMP-Abgeordneten in der Fraktion der Europäischen Volkspartei) sowie die ehemaligen Parteipräsidenten. Ist der amtierende Parteipräsident zum Staatspräsidenten gewählt worden, gehören an seiner Stelle die Mitglieder des Präsidiums des Parteitags dem politischen Büro an.
Der Parteitag ist das höchste Organ der UMP zwischen den Parteikongressen. Er ist insbesondere für die grundsätzlichen Entscheidungen über die politische Ausrichtung der UMP verantwortlich.
Der Parteitag tagt mindestens zwei Mal im Jahr. Ihm gehören der Parteipräsident (der dem Parteitag vorsitzt) und der Vizepräsident, der Generalsekretär sowie die beigeordneten Generalsekretäre, der Schatzmeister, alle Mitglieder der UMP aus der Regierung, der Nationalversammlung, dem Senat und dem Europaparlament, die früheren Staatspräsidenten und Premierminister, die Präsidenten der Parteigliederungen, von den Parteimitgliedern in den Wahlkreisen und den Départements gewählte Delegierte sowie weitere benannte Personen an. Ist der amtierende Parteipräsident zum Staatspräsidenten gewählt worden, übernimmt den Vorsitz des Parteitags ein Präsidium, bestehend aus einem ersten Vizepräsidenten und zwei weiteren Vizepräsidenten, die durch den Parteitag gewählt werden.
Der Parteikongress ist das höchste Organ der UMP. An ihm können alle Mitglieder der UMP mit Stimmrecht teilnehmen. Er entscheidet über die grundsätzliche politische Orientierung der UMP und nominiert den Kandidaten der UMP für die Präsidentschaftswahlen. Der Kongress findet alle drei Jahre statt.
Auf nationaler Ebene bestehen neben den ausführlicher beschriebenen Gremien eine Reihe von Ausschüssen, unter anderem zur Vorbereitung und Durchführung von Wahlen sowie für Entscheidungen in Schiedsverfahren.
Die Partei hat eine Jugendorganisation namens Jeunes Populaires, der Vorsitzende ist Benjamin Lancar.
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Union_pour_un_mouvement_populaire aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. |