| Universität Kassel | |
|---|---|
| Gründung | 1971 |
| Trägerschaft | staatlich |
| Ort | Kassel |
| Bundesland | Hessen |
| Staat | Deutschland |
| Präsident | Rolf-Dieter Postlep |
| Studenten | 21.518 (WS 2011/12)[1] |
| Mitarbeiter | 2.550 (2011) |
| davon Professoren | 314 (2011) |
| Jahresetat | 174,3 Mio.€ (2009) |
| Netzwerke | Netzwerk Mittelgroße Universitäten |
| Website | www.uni-kassel.de |
Die Universität Kassel ist die nördlichste Universität Hessens. Die heutige Universität Kassel wurde 1971 als Gesamthochschule Kassel (GhK) gegründet; sie war die erste Hochschule dieser Art und die einzige Gesamthochschule außerhalb Nordrhein-Westfalens. Der erste gestufte Diplomstudiengang nach dem singulären Lehrkonzept des Kasseler Modells beginnt 1974.
Das Kasseler Gesamthochschulkonzept beinhaltet die Integration verschiedener Vorgänger-Hochschulformen, hier waren es die Hochschule für Bildende Künste, die Ingenieurschule sowie die Höhere Wirtschaftsfachschule, in einer einzigen Hochschule. Zusätzlich wurde begonnen, die Gebäude vieler Fachbereiche und Institute am Campus Holländischer Platz zu konzentrieren. Die stadträumliche Konzentration ist jedoch noch nicht abgeschlossen: Fachbereiche sind außerdem in Kassel an den Standorten Heinrich-Plett-Straße, Menzelstraße, Wilhelmshöher Allee und Damaschkestraße und in der Stadt Witzenhausen angesiedelt. Die Verwaltung befindet sich seit 1985 nordöstlich der Innenstadt im Stadtbezirk Nord-Holland auf dem ehemaligen Gelände der Firma Henschel, dem heutigen Campus Holländischer Platz. Langfristig ist vorgesehen, weitere über die Stadt Kassel verteilten Einrichtung an den Holländischen Platz zu verlegen. Die dafür bereits im Jahr 2002 durch das Land erworbenen Flächen der ehemaligen Zeltfabrik Gottschalk & Co werden auf Grundlage des 2005 beschlossenen Baustrukturkonzeptes für die Hochschule umgenutzt. Im Bereich zwischen Moritzstraße und Mombachstraße, nördlich dem Campus anschließend wurden daher erneut zahlreiche Bestandsgebäude und Grünflächen abgerissen.
Bereits 1633 durfte sich Kassel für zwanzig Jahre Universitätsstadt nennen, bevor die hessische Landesuniversität aus dem Renthof in das wiedergewonnene Marburg zurückverlegt wurde. Landgraf Friedrich II. gründete 1777 die heutige Kunsthochschule als Akademie der Künste, die nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst Werkkunstschule und später Hochschule für bildende Künste (HbK) war, bis sie heute unter dem Namen kunsthochschule kassel firmiert. Auch die 1832 gegründete Höhere Gewerbeschule (Polytechnikum), an der u. a. die Chemiker Heinrich Buff, Friedrich Wöhler und Robert Wilhelm Bunsen lehrten und forschten, und die Staatsbauschule Kassel (ab 1963 Staatliche Ingenieurschule)[2] können als Vorläufer der Kasseler Universität angesehen werden. Bereits 1866 gab es Pläne, das Polytechnikum zu einer technischen Hochschule oder Universität auszubauen; aus Geldmangel konnte das Vorhaben in Kassel nicht realisiert werden (statt dessen wurde 1870 die Technische Hochschule Aachen gegründet). Die praxisorientierte und experimentelle Schwerpunktsetzung in den gestuften Diplomstudiengängen, die seit 1973 als Kasseler Modell entwickelt wurde, basiert aus dem Zusammenschluss der unterschiedlichen Teilbereiche Kunst, Technik, gesellschafts- und umweltbezogene Disziplinen, die in die Neugründung der „Gesamthochschule Kassel“ 1971 mit eingingen und seither als Reformansatz bis in die ausgehenden 1990er Jahre praktiziert wurden. Ebenfalls kennzeichnend für die Neugründung der Hochschule in den 1970er Jahren war die Umnutzung des in unmittelbar zur Innenstadt gelegenen Industriestandorts der 1810 gegründeten Lokomotivfabrik Henschel, die bereits im Verlauf der 60er Jahre durch die Eingliederung in das Unternehmen ThyssenKrupp abgewickelt worden war. Entgegen vielfacher Bemühungen des Erhalts der damaligen Gebäude und Hallen auf dem Gelände und deren alternative Umnutzung (Konversion und Transformation) als Hochschule, wurde in einem langwierigen Prozess das heutige Campus-Gelände neubebaut.
Am Nebenstandort Witzenhausen wurde 1898 die Deutsche Kolonialschule (Tropenschule) gegründet, um Menschen für eine Übersiedlung in die deutschen Kolonien landwirtschaftlich auszubilden. Heute befindet sich am Standort Witzenhausen der Fachbereich 11 Ökologische Agrarwissenschaften der Universität.
Erste Forderungen nach Gründung einer Universität in Kassel wurden 1958 laut. Später erfolgte die Gründung einer Bürgerinitiative zur Erreichung dieses Ziels. 1970 beschloss der hessische Landtag die Gründung einer integrierten Gesamthochschule. Ludwig von Friedeburg, der hessische Kultusminister, gilt als Gründer der Kasseler Gesamthochschule. Am 25. Oktober 1971 wurde der Lehrbetrieb aufgenommen. Gründungspräsidentin wurde ein Jahr später Vera Rüdiger.
Der erste gestufte Diplomstudiengang nach dem neuen Kasseler Modell begann 1974. Ein Jahr später wurde Ernst Ulrich von Weizsäcker neuer Präsident der GhK. Der Studiengang Wirtschaftswissenschaften wurde zum Wintersemester 1978 in der damaligen „Organisationseinheit Wirtschaft“, heute Fachbereich 07 (Wirtschaftswissenschaften) eingerichtet. Erster neugebildeter Fachbereich am „Holländischen Platz“ (Hopla) wurde der interdisziplinär ausgelegte Studiengang Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung (ASL) zu dessen Gründungsgeneration u.a. Lucius Burckhardt, Michael Wilkens und K.H. Hülbusch zählen. Auf der Fläche der ehemaligen Henschelei befindet sich nach dessen großflächigen Abriss der seit Beginn der achtziger Jahre in mehreren Phasen neuentstandene Campus. Beim 20-jährigen Jubiläum der Hochschule 1991 waren mehr als 16000 Studenten eingeschrieben. Der Hochschulkonvent beschloss zwei Jahre später die Änderung des Namens in „Universität Gesamthochschule Kassel“. Seit diesem Jahr ist die Uni weiterhin Mitglied der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Zum Wintersemester 2001 wurden mit Hilfe externer Sponsoren zwei neue interdisziplinäre Studienangebote eingerichtet: Informatik und Wirtschaftsingenieurwesen. Die Universität feierte am 15. Februar 2002 − dreißig Jahre nach Gründung der Hochschule − ihren ersten Universitätstag. Mit einem Senatsbeschluss fiel 2003 der Namensteil „Gesamthochschule“ weg, die Uni heißt seitdem nun nur noch „Universität Kassel“. Ein Jahr später wurden neue Bachelor- sowie Masterstudiengänge eingerichtet und noch im selben Wintersemester kamen weitere Diplom-Studiengänge wie Mechatronik und Nanostrukturwissenschaften zum Angebot der Universität hinzu. Mit der Modularisierung unter den Rahmenbedingungen des Bolognaprozesses begann die Vorbereitung von Credit-Point-System und zentraler, automatisierter Studienleistungserfassung.
Bereits seit dem Jahr 2008 laufen Abrissarbeiten zur Umsetzung des 2007 beschlossenen zweistufigen Wettbewerbsergebnisses, das auf Grundlage des 2005 vom Senat beschlossenen Baustrukturkonzeptes eine bauliche Konzentration der im AVZ in Kassel-Oberzwehren angesiedelten Fachbereiche und damit eine Zusammenführung auf dem Gelände der ehemaligen Firmen Henschel (K18/K19), Gottschalk&Co. sowie Kohlen Koch am zentralen Standort Holländischer Platz vorsieht. Der in den 1980er und 1990er Jahren entwickelte Campus der Gesamthochschule, der maßgeblich nach Plänen des Stuttgarter Ingenieurbüros Höfler und Kandel ausgeführt wurde, soll damit als in Richtung Norden erweiterte Verdichtungsfläche überbebaut werden. Die planungsrechtliche Grundlage hierfür bildet das von der Bauverwaltung erarbeitete Baustrukturkonzept, das 2005 im Senat der Universität verabschiedet wurde. Die Ergebnisse des zweistufigen städtebaulichen Wettbewerbs sehen als wesentliche Bestandteile auf dem 8,5 Hektar großen Gelände Gebäude für den Fachbereich Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung (ASL), die Naturwissenschaften sowie ein Studentenwohnheim und weitere Cafeterien vor. Die Bestandsgebäude wurden nur teilweise in der Masterplanung berücksichtigt. Ein weiterer nachgeschalteter Wettbewerb sieht die Entwicklung eines ScienceParks für Existenzgründer und uninahe Unternehmen vor.
Seit Oktober 2011 laufen die Bauarbeiten für den Ausbau des Campus-Geländes. In einem ersten Schritt entstehen ein Hörsaal- und Campus-Center, neue Gebäude für den Fachbereich Architektur sowie neue Wohnungen des Studentenwerks und ein Kindergarten. Bereits seit Frühjahr werden entlang der Moritzstraße die Zentralmensa um 400 Plätze erweitert und ältere Gebäude saniert. Die Kosten für den Aus- und Umbau belaufen sich auf ca. 70 Mio Euro und sollen bis 2014 abgeschlossen sein.[3]
Die Forschung an der Universität Kassel ist traditionsgemäß vielfältig und transdisziplinär verknüpft z. B. seit 1978 über die mittlerweile umstrukturierten Wissenschaftlichen Zentren I bis III.[4] Zusammengefasst werden können die Aktivitäten im Universitätsprofil „Natur, Technik, Kunst, Gesellschaft“. Arbeitsschwerpunkte liegen einerseits im Bereich der interdisziplinären Umweltforschung und -lehre (z.B. CLIMA, KLIMZUG-Nordhessen, GradZ), den technischen Ingenieurwissenschaften (Umformtechnik), der neu gegründeten Informatik (Nutzung aktueller Technologien unter Berücksichtigung der informationellen Selbstbestimmung) sowie der Nanostrukturwissenschaften, andererseits in den Erziehungswissenschaften (Schulforschung, Reformpädagogik), den Sozialwissenschaften (Globalisierungsforschung, Soziologie), der Linguistik (Pragmatik, Sprachgeschichte) und in Kunst und Design. Die wissenschaftlichen Zentren für Umweltsystemforschung (CESR), Hochschulforschung (INCHER) und das Kompetenzzentrum für Klimaschutz und Klimaanpassung (CliMA) sind in ihrer Form einmalig und international wirksam. Die auf den Gebiet der thermischen Bauphysik und deren Umsetzungs- und Anwendungsforschung tätigen Einrichtungen des Zentrums für Umweltbewusstes Bauen (ZUB) und der benachbarten Repräsentanz des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik (IPB) sind für die Hochschule ebenso profilbildend.
Über insgesamt 22 Hochschulpartnerschaften, mehr als einhundert internationale Fachbereichskooperationen, Partnervereinbarungen im Rahmen von Kooperations- und Austauschprogrammen innerhalb der EU (Sokrates und Erasmus) fördert die Universität die Internationalisierung der Ausbildung und den Austausch zwischen Studierenden sowie Wissenschaftlern in aller Welt. Seit 1998 bietet die Universität Kassel als damals erste Hochschule einen Aufbaustudiengang "Public Administration" als berufsbegleitendes Studium für Angehörige des Öffentlichen Dienstes an.
Die Hochschule kooperiert mit der Global Labour University und hat damit einen liberal-gewerkschaftlich, betriebswirtschaftlich ausgerichteten Beratungs- und Kompetenzschwerpunkt entwickelt.
Die Lehre an der Uni Kassel ist vom sogenannten Kasseler Modell, einem Lehrkonzept mit großem Praxisbezug und gestuften Abschlüssen geprägt, das durch die bei ihrer Einrichtung reformierten Lehramtsstudiengänge, des Projektstudiums in den Studiengängen Sozialwesen und Architektur, Stadtplanung und Landschaftsplanung sowie in der Geschichte als Gesamthochschule begründet ist. In sämtlichen Studiengängen müssen schon recht früh Berufspraktika absolviert werden. So lernen beispielsweise Lehramtsstudenten den Lehreralltag bereits im Grundstudium kennen, während an anderen Universitäten Schulpraktika bislang erst gegen Ende des Studiums anstanden. In einigen Studiengängen wurde zudem besonderer Wert auf das Lernen in Projekten gelegt, die einen stärkere Selbständigkeit der Studenten im Studium, eine Einheit von lehren und lernen sowie einen Praxisbezug im umfassenden Sinne anstrebten.
Auch wenn insbesondere der Bereich der akademischen Ethik bisher nicht als traditionalisiert empfundenes Verständnis von Seiten der ehemaligen Gesamthochschule ausgehend vermittelt wird, so bestehen zumindest im Zusammenhang mit dem Anspruch der benachbarten Murhard-Bibliothek ein hohes Maß an egalitärer Einsicht und die Bereitschaft, die in Verbindung mit der Brüder-Grimm-Professur aufrechterhaltende Bescheidenheit der Universität an literarischem Aktualitätsbezug kooperativ zu stärken. Der seit 1991 an der Kasseler Hochschule verliehene Literaturpreis, der als Gastprofessur [5] eine verknüpfende Figur und Botschaft darstellt und in diesem Jahr um eine Stiftungsprofessur Brüder Grimm [6] erweitert wurde, kennzeichnet den bisherigen Leidensweg der jüngeren Kasseler Hochschulentwicklung nach, als das sie auch die Möglichkeiten einer stillen Genügsamkeit und versteckten Schönheit zu offenbahren sucht, um die heimatlichen Schätze zu bergen und zu bewahren.
Darüber hinaus besteht seit 1987 eine eingerichtete Gastprofessur zu Ehren des religionstheologischen Bildungsphilosophen Franz Rosenzweig
Eine enge, langentwickelte Tradition an der GhKassel besteht in Projektverbindungen nach Lateinamerika. Sie sind heute in der Struktur der Universität Kassel eng verwoben aber nicht oder kaum als Herausstellungsmerkmal qualifiziert. Verschiedene Fachbereiche wie Architektur, Gesellschafts- und Sozialwissenschaften sowie Didaktik/Erziehungswissenschaften und Ökonomie sind in diesem Bereich fortschrittliche Wege gegangen. Die Empirik und Sozialforschung ist derzeit kaum noch als Merkmal ersichtlich. Das Forschungsfeld kritische Geschichte im Bezug zur Auseinandersetzung mit integrierten Sozialwissenschaften ist ein jüngerer Entwicklungsansatz in Aufarbeitung und Dokumentation.
Pünktlich zur Documenta XI 2002 nahm das studentische Kulturzentrum „K19“ seinen Betrieb auf. Eingerichtet als Studentenclub in einer alten Wartungshalle der Henschel-Werke und großzügig ausgestattet mit Veranstaltungstechnik bietet es einen offenen Raum für vielfältige Kulturveranstaltungen. In der Zeit zwischen 1982 und 1987 wurde in direkter Nähe zu den Hallen K18/K19 das Mahnmal "Die Rampe" der Künstlerin und Bildhauerin E.R. Nele aufgebaut. Es mahnt dem Holocaust und gedenkt den Opfern des Faschismus. Des Weiteren befinden sich auf dem Gelände ein Gedenkstein für das Scheitern des "Nordstadtparks" und die umzäunten Reste des Architekturexperimentalaußenlabors im Ahnapark.
Neben der studentischen Selbstverfasstheit des StuPas und des AStAs tragen darüber hinaus das Café DesAStA und die Struktur der Autonomen Referate maßgeblich zur Bereicherung studentischen Kulturlebens auf dem Campus und darüber hinaus bei. Seit den späten 1980er Jahren besteht das Autonome Behindertenreferat (ABeR), seit Beginn der neunziger Jahre das Autonome Referat für Frauen und Geschlechterpolitik (FreiRaum) und das Autonome Schwulenreferat (ASR).
Das Studentenwerk Kassel ist als eigenständige Körperschaft anteilstragend an der sozialen und beratenden Unterstützung und Versorgung fester Bestandteil des studentischen Lebens. Es befindet sich in unmittelbarer Nähe des offiziellen Campus am HoPla mit seinen Einrichtungen zum Angebot und einem Wohnheim. Daneben betreibt es unter anderem die gastronomische Versorgung aller Standorte der Universität Kassel. Bei dem von UNICUM.de veranstalteten Wettbewerb „Mensa des Jahres 2010“ konnte das am Campus „Holländischer Platz“ angesiedelte Bistro K10 den dritten Platz erreichen.
Neben der medium², die seit einigen Jahren von der verfassten Studierendenschaft herausgegeben wird, erscheint seit einem Jahr die Hochschulzeitung publik im Magazinformat. Die publikativen Inhalte sind großformatig und illustrativ und bieten eine umfassende Übersicht. Die ursprüngliche Fassung der publik wurde 2011 nach über dreissig Jahren Erscheinen gegen das neue Format eingetauscht.
Das Archiv der Universität Kassel wird als Depositum im Hessischen Staatsarchiv Marburg (Bestände 420 bis 429) aufbewahrt. Es umfasst u.a. das archivwürdige Schriftgut der Zentralverwaltung[8], der einzelnen Fachbereiche[9] und der Vorgängereinrichtungen, darunter der Werkkunstschule.[10] Damit besteht eine über Jahrhunderte währende, wenn auch nur bisher mittelbare Kooperation fort.
51.3227749.507562
Koordinaten: 51° 19′ 22″ N, 9° 30′ 27″ O
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