Dienstag, 29. Mai 2012

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Uniwagnis

Uniwagnis (auch UNIWAGNIS, Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft (HIS) oder Wagnisauskunft) ist eine gemeinsame Warn- und Hinweisdatenbank der im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) organisierten Versicherungsunternehmen. Das Hinweis- und Informationssystem (HIS) wird seit dem 1. April 2011 von der informa Insurance Risk and Fraud Prevention GmbH, einem Tochterunternehmen der Arvato AG,[1] betrieben.[2]

Einträge

Es werden Daten der Versicherungsnehmer und von Nichtversicherten gespeichert. Die Datei dient nach Aussage des GDV der Aufdeckung von Versicherungsbetrug und -missbrauch.

Die Einträge erfolgen in sieben Kategorien:

  1. Kfz
  2. Unfall
  3. Rechtsschutz
  4. Sach
  5. Leben (Wagnisstellen: Sonderwagnis, Berufsunfähigkeit, Pflegerente)
  6. Transport (inkl. Reiserücktritt, Reisegepäck)
  7. Haftpflicht

Derzeit (Stand 2010) sind über alle Versicherungszweige hinweg 9 Millionen Datensätze gespeichert.[3]

Einträge über Private Krankenversicherungen werden nicht gespeichert, hier besteht das System der Versichertenumfrage.[4]

Selbstauskunft

Entsprechend dem BDSG kann jedermann jährlich eine unentgeltliche Auskunft über die über ihn gespeicherten Daten anfordern.[5]

Aufnahme von Datensätzen

Datensätze werden in Verdachtsfällen angelegt. Hier ist also demjenigen, der über die Aufnahme eines Falles entscheidet, eine hohe Verantwortung übertragen. Die Risiken werden nach einem Punktesystem gemeldet. Punkte gibt es z. B., wenn jemand mehrfach in einem Jahr seine Rechtsschutzversicherung in Anspruch nimmt oder wenn jemand Beteiligter, aber auch etwa Zeuge in einem Verkehrsunfall ist, bei dem der Verdacht besteht, der Unfall sei fingiert worden.

Überschreiten die mit Punkten bewerteten Verdachtsmomente im Hinblick auf möglichen Versicherungsbetrug oder -missbrauch eines gemeldeten Versicherungsfalls einen bestimmten Schwellenwert (der für die Versicherungssparte spezifisch ist), so erfolgt ein Eintrag in der Uniwagnis-Datei. Dieser Eintrag erfolgt in kodierter Form, so dass nicht vom Uniwagnis-Eintrag auf eine konkrete Person zurückgeschlossen werden kann.

Einmal erfasste Datensätze werden nach fünf Jahren gelöscht.[6]

Nutzung

Das System ist ein Programm, in dem die kodierten Namen miteinander abgeglichen werden, mit dem Ziel, weiteren Versicherungsbetrug und -missbrauch zu verhindern.

Ergibt sich eine Übereinstimmung, dann kann der Abrufende die beteiligten Versicherungsunternehmen zu den übereinstimmenden Datensätzen sehen und sich für einen direkten Datenaustausch an den jeweils anderen beteiligten Versicherer wenden. Mit diesem Datenaustausch hat das Uniwagnis-System bzw. der GDV nichts mehr zu tun.

Je betrugsanfälliger eine Versicherungssparte ist, desto sorgfältiger werden die entsprechend interessierenden Daten gesammelt. Die Eckdaten über gemeldete Kfz-Diebstähle beispielsweise werden immer eingegeben. Auch Rechtsschutzversicherer verwerten die Informationen des Uniwagnis-Systems für sich, um überproportional hohe Wagnisrisiken auszuschließen.

Kritik

Nach Meinung von Kritikern ist die Datei eine Schwarze Liste von Personen, die eine angeschlossene Versicherung für ein besonders hohes Risiko hält.

Kritiker bemängeln das System aus datenschutzrechtlichen Erwägungen und haben hierfür einen Big Brother Award 2006 in den Kategorien „Verbraucherschutz“ und „Publikumspreis“ vergeben.

  • Es wird bemängelt, dass Daten ohne Wissen der Betroffenen erfasst werden.
  • Versicherungen, die einen „Treffer“ beim Abgleich mit den kodierten Daten finden, sind nicht gezwungen, die Versicherung zu kontaktieren, die den Datensatz eingestellt hat. Hierdurch können u.U. Antragsteller ungerechtfertigterweise abgelehnt werden, weil die Kodierung das gleiche Ergebnis wie bei einem auffälligen Versicherten liefert. Immer mehr Vermittler/innen und Makler/innen nutzen daher die Möglichkeit einer Vorabanfrage, um einen Eintrag zu umgehen.
  • Die Möglichkeit einer Selbstauskunft existiert erst seit September 2010.[7]

Quellen

  1. http://www.arvato-infoscore.de/de/onlineservice/downloads/index_20100624151644.html?send=1
  2. informa Insurance Risk and Fraud Prevention GmbH. Abgerufen am 1. April 2011. 
  3. http://www.gdv.de/Downloads/Themen_2010/GDV_HIS-Fragen_und_Antworten_final_020310.pdf
  4. Das Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft (PDF-Datei) auf der Website des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft
  5. Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft: Das Hinweis- und Informationssystem (HIS) der Versicherungswirtschaft. 1. April 2011, abgerufen am 27. April 2012. 
  6. Elke Dolle-Helms: Versicherungsdatenbank - Auf der schwarzen Liste. Süddeutsche Zeitung, 17. November 2006, abgerufen am 3. Oktober 2010. 
  7. HIS-Informationsseite beim GDV, abgerufen am 14. September 2010

Weblinks

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
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