Eine Unkonventionelle Spreng- oder Brandvorrichtung (USBV) (engl. improvised explosive device, IED) ist eine nicht industriell, häufig von Experten hergestellte Brand- oder Sprengladung, die eine Explosion oder einen Brand herbeiführen kann. Teilweise wird eine USBV getarnt als Gegenstand des alltäglichen Gebrauchs am Tatort abgelegt, beispielsweise in einem Postpaket, einer Einkaufstasche, einem Rucksack oder Koffer. Als Autobombe kann eine größere USBV transportiert werden.
USBVs können aus frei verfügbaren Mitteln (beispielsweise Dünger) chemisch hergestellt werden. Im Gegensatz zu industriell gefertigten Sprengstoffen enthalten solche USBVs aber meist stärkere Verunreinigungen, wodurch der Sprengstoff weniger brisant oder stabil wird. Eine andere Methode besteht darin, Munition – insbesondere Artilleriegranaten und Bomben – mit einer geringen Menge Sprengstoff zur Detonation zu bringen. Diese Variante wird vor allem von Widerstandskämpfern und Partisanen in Kriegsgebieten angewandt, da die Materialien unter anderem in Form von Blindgängern leicht in Besitz zu bringen sind.
USBV sind auch möglich mit radioaktiven, biologischen oder chemischen Kampfstoffen, abgekürzt USBV-A, USBV-B und USBV-C, erstere auch Schmutzige Bombe genannt.
USBV werden häufig bei politisch motivierten Straftaten sowie bei Terroranschlägen oder in Asymmetrischen Kriegen von Guerillas oder Kommandotrupps eingesetzt. Sie kommen aber auch manchmal bei persönlichen Konflikten zur Anwendung. Im Irakkrieg oder in der Zeit nach dem Afghanistankrieg verwenden Selbstmordattentäter USBVs für Anschläge oder als ferngezündete Sprengfallen. Im Irakkrieg werden USBVs großflächig gegen Soldaten der Koalitionsstreitkräfte zum Einsatz gebracht. Bis Ende 2007 wurden rund 40 Prozent aller Toten auf Seiten der Koalition auf den Einsatz von USBVs zurückgeführt.[1] Auch eine französische Studie[2] zeigt, dass im Irak von März 2003 bis November 2006 von 3070 getöteten Soldaten der US-geführten Koalition 41 Prozent (1257) durch USBV und 33 Prozent (1027) durch Kampfhandlungen ums Leben kamen. Insbesondere durch die Ausbildung von USBVs als projektilbildende Ladung wurde die Anzahl der Todesopfer erhöht. Zurückliegend wurden USBV häufig eingesetzt von links-, aber auch von rechtsterroristischen Gruppen, wie von den Revolutionäre Zellen, der Roten Zora, der Militanten Gruppe , der Bewegung 2. Juni, oder den Deutschen Aktionsgruppen. Auch die Tamilischen Tiger setzen dieses Mittel häufig gegen militärische und zivile Ziele ein.[3]
In Deutschland werden für die Beseitigung einer potentiellen Gefahr durch eine USBV in den meisten Bundesländern Polizeibeamte, in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern aus Gründen der Effizienz und der Verwaltungsökonomie Angehörige des Kampfmittelräumdienstes, beziehungsweise des Munitionsbergungsdienstes, eingesetzt. Sie haben Speziallehrgänge beim Bundeskriminalamt durchlaufen und werden als Entschärfer bezeichnet. Das Bundeskriminalamt verfügt ebenfalls über solche Spezialisten. In Niedersachsen sind es beim Landeskriminalamt Niedersachsen Mitarbeiter, die von der Bundeswehr und der hier ehemals stationierten britischen Rheinarmee im Umgang mit Sprengsätzen ausgebildet worden sind. Im militärischem Sprachgebrauch wird für USBV die Abkürzung IED (Improvised Explosive Device) verwendet.
Im April 2010 stellte die Bundeswehr das Zentrum Counter-IED, ein Forschungsinstitut zur Entwicklung von Abwehrmaßnahmen gegen unkonventionelle Sprengvorrichtungen, am Standort Grafschaft in Dienst.[4][5]
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