Die Urgeschichte Bayerns umfasst den Zeitraum vom frühesten Auftreten des Menschen im heutigen Freistaat Bayern während der Altsteinzeit bis zum Beginn der Frühgeschichte, die in Bayern mit dem Aufkommen schriftlicher Quellen während der Römischen Kaiserzeit beginnt. Während der urgeschichtlichen Epochen gab es bereits bevorzugte Siedlungsräume, die denen der jüngeren Geschichte Bayerns ähneln. Eine bedeutende Rolle spielte zu allen Zeiten das Donautal: zunächst als angenommene Route der Einwanderung des Cro-Magnon-Menschen, später (seit dem Neolithikum) zunehmend als Fernhandelsweg.[1] Im Gegensatz dazu ist der Siedlungsausbau der Mittelgebirge oft erst in der vorrömischen Eisenzeit erfolgt.[2]
Siedlungsspuren aus dem Altpaläolithikum sind in Bayern bislang nicht eindeutig belegt. Aus der Lössgrube von Attenfeld (Lkr. Neuburg-Schrobenhausen) wurde ein 1989 gefundener Faustkeil (bzw. Proto-Faustkeil) aus Quarzit publiziert, dessen Schichtzusammenhang ihn in die frühe Mindeleiszeit stellt.[3][4] Der Artefaktcharakter des Proto-Faustkeils und weiterer Quarzitobjekte aus den Löss-Schichten von Attenfeld und Hagelstadt (Lkr. Regensburg) wird von anderen Prähistorikern rundweg abgelehnt.[5]
Auch etwa 100, als Fundkomplex schwer zu beurteilende Geröllgeräte aus Weißenbrunn (OT Hummendorf) und von der Wachtersmühle (beide Landkreis Kronach) sind nach morphologischen Kriterien ins Altpaläolithikum zu stellen.[6][7] Die von den Erlanger Prähistorikern Gisela Freund und Lothar Zotz als Artefakte klassifizierten Objekte (Chopper und Chopping Tools) sind aus meist flachen Lyditgeschieben hergestellt und stammen aus Schottern der Rodach. Die Lage auf der 25m- bzw. 40m-Terrasse der Rodach spreche trotz der Tatsache, dass es sich um Oberflächenfunde handelt, für eine „älterpleistozäne“ Einstufung.[6] Später wurde die Einstufung mit „Ende des Riss-Würm-Interglazials“ spezifiziert.[8]
Von Flussterrassen und ihren Schotterkörpern gibt es diverse Einzelfunde von Faustkeilen, wovon die meisten wahrscheinlich in das Jungpleistozän (die frühe Würmeiszeit) zu datieren sind.[9] Eine mögliche Ausnahme bildet der 1961 von Georg Kagermeier gefundene Quarzit-Faustkeil aus Pösing (Lkr. Cham), der wahrscheinlich aus Schottern der Riss-Eiszeit stammt, die der Regen in der Cham-Further Senke abgelagert hat.[10] Als damit ältester bekannt gewordener archäologischer Fund der Oberpfalz hat er inzwischen Eingang ins Pösinger Gemeindewappen gefunden.[11] Er wird heute im Historischen Museum Regensburg präsentiert, wo sein Alter mit 250.000 Jahren angegeben wird.[12] Andere Altersangaben gingen von etwa 100.000 Jahren aus, was damit zusammenhängt, das die Verlagerung der umgebenden Schotter ursprünglich für die Eem-Warmzeit angenommen wurde.[13]
Faustkeile mit Merkmalen, die dem mittelpleistozänen Acheuléen zugeschrieben wurden, stammen aus den Gemarkungen Ried (Lkr. Neuburg/ Donau)[14][15][6], Biburg (Lkr. Kelheim)[16], Saal an der Donau [17] und Wörleschwang (Lkr. Augsburg).[18] Typische Merkmale wurden gemäß François Bordes aus Umrissform und Größenproportionen abgeleitet, die dieser in den 1950-er Jahren zur Unterscheidung von Faustkeilen der letzten und vorletzten Kaltzeit postuliert hatte.[16] So seien die Faustkeile von Pösing, Biburg und Saal aufgrund ihrer gestreckt herz- bis mandelförmigen Umrissform einem mittleren bis oberen Acheuléen zuzuordnen, obwohl der Faustkeil von Saal stratigraphisch eindeutig aus Niederterrassenschottern der Würmeiszeit stammt.[17] Eine Revision bezüglich der Objekte, die aus gesichert mittelpleistozänen Terrassen stammen und damit geologische Argumente ihrer Altersstellung liefern, würde ihre Zahl und damit die Beweise für die Anwesenheit von Homo heidelbergensis in Bayern stark eingrenzen.[19] So schreibt Wolfgang Weißmüller im Jahre 2002: „Profile mit archäologischen Relikten stehen im bayerischen Donauraum erst für den Zeitraum nach der letzten Warmzeit...zur Verfügung.“[5]
Aus dem Mittelpaläolithikum stammen die ältesten Menschenreste Bayerns: In der Schicht M2 der Sesselfelsgrotte bei Essing wurde das Fragment eines Milchbackenzahns (m2 sup. sin.) eines Neandertalers gefunden (Fossilbezeichnung Sesselfelsgrotte 2), das nach dem Schichtzusammenhang mindestens etwa 70.000 Jahre alt ist.[20] Aus derselben Höhle stammt ein weiterer Neandertaler-Milchbackenzahn (m2 inf. sin.) aus den G-Schichten, gemäß dieser Schichtzugehörigkeit etwa 50-40.000 Jahre alt (Fossilbezeichnung Sesselfelsgrotte 3).[20] Hinzu kommt das teilweise erhaltene Skelett eines Neandertaler-Fötus, der offenbar in einer Grube innerhalb der G-Schichten deponiert worden war (Fossilbezeichnung Sesselfelsgrotte 1).[20] In der schräg im Tal gegenüber liegenden Unteren Klausenhöhle fand Manfred Moser aus Regensburg ein stark s-förmig gekrümmtes Schlüsselbeinfragment, für das das Kürzel „Neuessing 3“ vorgeschlagen wurde und das möglicherweise von einem Neandertaler stammt.[20] Ein heute verschollener Milchschneidezahn eines Neandertalers aus der Klausennische wurde 1936 von Wolfgang Abel publiziert.[21] Ein zunächst ebenfalls dem Neandertaler zugeschriebener Weisheitszahn (m3 inf. dex.) aus der Schicht F2 der Höhlenruine Hunas (Hersbrucker Land)[22] wurde in einer Neubestimmung hingegen als rezenter Homo sapiens klassifiziert.[23]
Die größte Kollektion mittelpaläolithischer Artefakte Bayerns (insgesamt etwa 400.000 Objekte) stammt von Ausgrabungen am Speckberg bei Meilenhofen, von denen eine Kollektion in der Archäologischen Staatssammlung ausgestellt ist.[24][25]
Als Siedlungsraum weist das untere Altmühltal und deren Seitentäler in Bayern die größte Fundstellendichte des Mittelpaläolithikums aus der Würmeiszeit auf:
Den fundreichsten Platz der Blattspitzen-Gruppe (ca. 60–40.000 vor heute) in Bayern bilden die Weinberghöhlen bei Mauern (OT. von Rennertshofen) im Wellheimer Trockental. Hier wurden seit 1935 durch den Neuburger Kreisheimatpfleger Michael Eckstein erste mittelpaläolithische Funde geborgen. Ausgrabungen wurden 1937 unter Leitung von Robert Rudolf Schmidt, 1937–1939 durch Assien Bohmers[34][35][36] und 1947–1949 unter Leitung von Lothar Zotz durchgeführt.[37] Mittelpaläolithische Blattspitzen gibt es auch aus Kösten, einem Vorort von Lichtenfels (Oberfranken).[38] Im Hohlen Fels bei Happurg (Nürnberger Land) fand Konrad Hörmann schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts mittelpaläolithische Funde und Reste eiszeitlicher Fauna.[39]
Ein sehr früher Fundplatz des Aurignacien liegt bei Regensburg an der Fundstelle Keilberg-Kirche.[40] Funde des Aurignacien gibt es außerdem in der Fischleitenhöhle bei Mühlbach (Gde. Dietfurt an der Altmühl) sowie der Obernederhöhle (bei Essing).[32]
Einer der in Bayern seltenen Fundplätze des Gravettiens ist das Abri im Dorf (auch: „Abri Schmidt“'', nach dem Grundbesitzer K. Schmidt) oberhalb der Gemeinde Neu-Essing. Hier wurde 1959 durch Otto Prüfer (Cleveland Museum of Natural History, Ohio/ USA) und dem Erlanger Prähistoriker Lothar Zotz die bisher einzige systematische Grabung durchgeführt.[41][42] Eine aus der basalen Fundschicht (Schicht E) stammende „Schaufel“ aus Mammutelfenbein hat Ähnlichkeiten mit Objekten aus Pavlov und Předmosti (Vorort von Přerov) in Mähren, die aus dieser Kultur stammen.[43] Bei den 1948/49 von Lothar Zotz geleiteten Grabungen in den Weinberghöhlen bei Mauern wurden neben den mittelpaläolithischen Funden in den höher liegenden Schichten auch Funde des Gravettien geborgen, darunter am 24. August 1948 die Rote von Mauern, eine 7,2 Zentimeter große, mit Rötel eingefärbte Kalksteinfigur (Fundlage am äußeren Hang zwischen Höhle 2 und 3).[37] Als Finder dieser so genannten Venusfigurine wird Graf Christoff von Vojkffy genannt.[37] Ein weiterer Fundplatz des Gravettiens liegt bei Salching (Lkr. Straubing-Bogen).[44] In Spardorf bei Erlangen wurde in Löss-Ablagerungen ein Klingenkratzer gefunden, der ebenfalls dem Gravettien zugeschrieben wird.[45]
Der Speckberg bei Meilenhofen enthielt neben dem umfangreichen Inventar des Mittelpaläolithikums auch Schichten des Jungpaläolithikums. Trotz des stratigraphisch oft unklaren Zusammenhangs lässt sich dieses Inventar sehr wahrscheinlich einem späten Jungpaläolithikum zuordnen, mit Anklängen an das Badegoulien.[46] Aus demselben Zeithorizont (kurz nach dem Kältemaximum der Würmeiszeit) stammt die Bestattung aus der Mittleren Klausenhöhle bei Essing, zugleich die älteste erhaltene Bestattung in Deutschland. Das Grab wurde auf 18.590 ± 260 BP (OxA-9856) (14C-Jahre)[47] und von Ferdinand Birkner aufgrund von assoziierten Funden der Solutré-Stufe zugewiesen.[48] In der Oberen Klausenhöhle wurden eine Reihe von Artefakten in zwei Schichten des Magdaléniens gefunden, unter anderem ein verzierter Lochstab. Das Magdalénien ist in Bayern – von wenigen unsicheren Altfundstellen[49] abgesehen – ausschließlich auf den Donauraum und deren Nebentäler (Unteres Altmühltal, Unteres Naabtal) beschränkt. Eine Reihe von Magdalénien-Fundplätzen gibt es in der Umgebung von Regensburg[50][51][52] und im Nördlinger Ries.[53]
Eine gravierte Kalksteinplatte aus dem Hohlenstein (Gemeinde Ederheim, Lkr. Donau-Ries) zeigt einen Pferdekopf und drei schematische Frauensilhouetten vom Gönnersdorfer Typ (spätes Magdalénien).[54] Als magdalénienzeitliche Gravuren bezeichnete Linien an den Felswänden der Mäanderhöhle (Lkr. Bamberg) sind bislang unbestätigt.[55][56]
Für das Magdalénien in Nordbayern wurde nur ein Fundplatz der Fränkischen Schweiz ins Feld geführt (Rennerfels, Schicht VI)[49], was später jedoch revidiert wurde.[57]. Stattdessen gibt es hier eine große Anzahl spätpaläolithischer Fundplätze (Rückenmesser-Gruppen)[58], die vom Heimatforscher Werner Schönweiß im Jahre 1974 als „Atzenhofer Gruppe“ bezeichnet wurden.[59] Der namengebende Fundplatz liegt auf einer Düne im heutigen Fürth, die gemäß Schönweiß an das Ende der Jüngeren Dryas zu datieren sei, was der norddeutschen Ahrensburger Kultur entsprechen würde.[60] Der Prähistoriker Friedrich Naber ging später für Fürth-Atzenhof von einem „frühpostglaziales Alter“ der Düne aus, das heißt er stellt das Rückenspitzen-Inventar der Hauptfundschicht ins Frühmesolithikum.[61] Demzufolge wäre der Begriff „Atzenhofer Gruppe“ völlig ungeeignet, um anhand dieser Typlokalität die spätglazielen nordbayerischen „Rückenspitzen-Gruppen“ zu umschreiben. Naber schlug 1974 eine Gliederung in die „Colmberger Gruppe“ vor, die er mit dem Alleröd synchronisierte und synonym auch als Endpaläolithikum bezeichnete, und eine enger gefasste „Atzenhofer Gruppe“ im Epipaläolithikum (hier im Sinne von Frühmesolithikum).[62]
Unabhängig von lokalen Terminologie-Vorschlägen lassen sich die in Bayern das gesamte Postmagdalénien umfassenden „Rückenspitzen-Gruppen“ kaum mit dem überregional gebräuchlichen Begriff Federmesser-Gruppen in Einklang bringen, der ansonsten nur für Fundkomplexe des Alleröd-Interstadials gebräuchlich ist. In Nordbayern wird von einer Laufzeit der Rückenspitzen bis ins Frühmesolithikum ausgegangen.[63] Lediglich der Trend der Mikrolithisierung dieser Leitform kann als chronologischer Anhaltspunkt für solche Inventare dienen. Am Fundplatz Sarching wird die Rückenspitzen-Schicht von einer frühmesolithischen Schicht überlagert, die anhand von 14C-datierten Knochenkohlen auf etwa 8.800 v. Chr. anzusetzen ist. Demzufolge bestehe für die größeren Rückenspitzen eine chronologische Laufzeit von etwa 4.000 Jahren, die nicht näher eingrenzbar sei.[63]
Bedeutend war zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Fund eines „Schädelnestes“ von 33 Kopfbestattungen in der Großen Ofnethöhle bei Nördlingen. Da diese Form prähistorischer Teilbestattungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts nur aus der Höhle von Mas d’Azil bekannt war, wurden die Funde zunächst dem Azilien (der ausgehenden Altsteinzeit) zugeschrieben.[64] Später wurden die Schädel mittels Radiokohlenstoffdatierung auf ca. 7.700 v. Chr. und damit ins Spätmesolithikum datiert.[65]
Der Bauingenieur und Hobby-Archäologe Carl Gumpert führte in den 1920-er Jahren in Abris der Fränkischen Schweiz und des Unteren Altmühltals Ausgrabungen durch, auf deren Grundlage er das regionale Mesolithikum gliederte.[66] Der Prähistoriker Friedrich Naber unternahm in den Jahren 1963–64 weitere Grabungen in Abris der Fränkischen Schweiz, von denen viele bereits durch unwissenschaftliche Grabungen im Schichtzusammenhang zerstört waren. [67] Eine intakte Stratigraphie wies der Abri Schräge Wand im Bärental bei Weismain auf, der neben typischen Mikrolithen auch Siedlungsspuren der Mittelsteinzeit enthielt.[68][69]
Mesolithische Freilandfundplätze wurden auch in den 1970-er Jahren auf einem Sanddünengelände der rechten Donauseite in den Gemarkungen Barbing und Sarching (Lkr. Regensburg) ausgegraben.[63]
Großflächige Ausgrabungen zum Frühmesolithikum wurden im Jahre 2005 nahe dem Hopfensee im Allgäu durchgeführt.[70] Der Fundplatz war bereits seit den 1980-er Jahren durch verschiedene Sondagen bekannt[71]. Er ist Teil einer mesolithischen Siedlungslandschaft, zu der auch der Forggensee gehört.[72][73]
Für das Spätmesolithikum wurde lange Zeit überregional der Begriff Tardenoisien verwendet[74][75], nur in Bayern ist dieser Begriff auch noch in jüngerer Zeit in Verwendung.[76] Die Stufengliederung des südwestdeutschen Beuroniens für das Frühmesolithikum fand indes keinen Eingang in die bayerische Terminologie.
Die frühneolithische Kultur der Linearbandkeramik (LBK) ließ sich ab ca. 5500 v. Chr. vor allem auf den fruchtbaren Lößflächen sowie entlang größerer Flüsse nieder. Die älteste LBK ist in Bayern mit den Fundplätzen Buchbrunn (Lkr. Kitzingen) und Schwanfeld (Lkr. Schweinfurt)[77] vertreten. Neben den bereits länger bekannten Siedlungen von Zilgendorf und Altenbanz[78] wurde in Oberfranken im Jahre 2010 nördlich von Ebensfeld auf dem Gemeindegebiet von Bad Staffelstein eine große Siedlung der ältesten LBK untersucht.[79]
Ein weiteres Beispiel geben Funde von Bergheim, Lkr. Schrobenhausen. [80] Die Kultur der Linearbandkeramik zeichnet sich durch große Gräberfelder, den Bau von Langhäusern und religiöse Vorstellungen aus, die sich grundlegend von denen der vorangegangenen Jäger- und Sammlergruppen unterschieden. In der Jungfernhöhle bei Tiefenellern wurden in der jüngeren Bandkeramik Sekundärbestattungen niedergelegt.
Auf die Linearbandkeramik folgt um 4900 v. Chr. das Mittelneolithikum mit der Stichbandkeramik, eine Kulturgruppe, die sich kontinuierlich aus der Kultur der Linearbandkeramik entwickelte. Die Verzierungen auf den Gefäßen wurden nun nicht mehr geritzt, sondern setzten sich aus einzelnen Stichen zusammen. Ein bekannter Fundort aus dieser Zeit ist z. B. Regensburg-Harting. Seit dieser Zeit gibt es im Feuersteinbergwerk von Abensberg-Arnhofen einen unter Tage betriebenen Abbau gebänderter Jurahornsteine.[81] Auch am Ortsrand von Flintsbach gab es Abbaustellen für Jurahornsteine.[82][83]
In Niederbayern und Böhmen bis zum Pilsener Becken bildete sich im Anschluss an die Stichbandkeramik die so genannte Oberlauterbacher Gruppe, eine regionale Entwicklung mit einer einzigartigen Gefäßverzierung (nach Oberlauterbach, Lkr. Landshut).[84] Von dieser archäologischen Kultur sind kaum Gräber bekannt. Wichtige ergrabene Siedlungen der Gruppe Oberlauterbach sind Kothingeichendorf, Künzing-Unternberg (beide mit Kreisgrabenanlage), Geiselhöring und Hienheim (Lkr. Kelheim).
In Unterfranken, besonders dem Main-Gebiet, folgte auf die Linearbandkeramik die mittelneolithische Großgartacher Kultur.
Bereits in die Kupferzeit, nach anderen Chronologieschemata ins Jungneolithikum datierend, gehört die Münchshöfener Kultur, benannt nach dem gleichnamigen Fundort Münchshöfen bei Straubing. Diese Kultur ist stark von Böhmen und Mähren beeinflusst. Typisch in der Keramik sind große Fußschalen, so genannte Pilzschultergefäße und flächig ritzlinienverzierte Gefäße. Kupferfunde aus dieser Zeit sind äußerst selten (z. B. ein Ohrring in der Doppelbestattung vom Straubinger Wasserwerk), doch finden sich am Mitterberg bei Mühlbach am Hochkönig Anzeichen dafür, dass bereits zu dieser Zeit Kupfer abgebaut wurde. Gräber sind bislang nur wenige bekannt. Der jüngste Abschnitt der Münchshöfener Kultur („Spät-Münchshöfen“) war hauptsächlich in Niederbayern verbreitet und gleichzeitig mit der westlich angrenzenden Pollinger Gruppe. Beide Gruppen markieren den Übergang vom frühen zum späten Jungneolithikum, was vor allem an der zunehmenden Verzierungslosigkeit der Keramik und einiger neuer Gefäßformen wie etwa Tassen und Krügen abgelesen werden kann.
Auf die Spät-Münchshöfener Kultur bzw. Pollinger Gruppe folgt um etwa 3800 v. Chr. die Altheimer Gruppe (nach Altheim, einem Ortsteil von Essenbach). Ihre Keramik ist vor allem durch sog. Arkadenränder sowie durch die Verzierungslosigkeit der Feinkeramik gekennzeichnet. Mit dieser Kultur ist in Bayern nun auch ein neuer Siedlungstyp verbunden, da hier erstmals Feuchtbodensiedlungen auftreten. Neben den feucht situierten Wohnplätzen finden sich aber auch Siedlungen auf Mineralböden. Gräber aus dieser Zeit sind so gut wie unbekannt.
Auf das Jungneolithikum folgt um 3400/3300 v. Chr. das Spätneolithikum mit der Chamer Kultur. Diese wird in Bayern traditionell schon dem Endneolithikum zugerechnet. Im Endneolithikum gibt es außerdem reiche Funde der Schnurkeramik[85][86] sowie der Glockenbecherkultur.[87][88]
Während der Schnurkeramik gab es eine Besiedlung der Fränkischen Schweiz, wie die Siedlung am Motzenstein bei Wattendorf (Lkr. Bamberg) zeigt.[89]
Die Frühbronzezeit Bayerns wird vor allem durch die Straubinger Gruppe repräsentiert. Es folgt die mittlere Bronzezeit mit den typischen Hügelgräbern. Die Befestigung bei Bernstorf (Oberbayern) datiert in das 14. Jahrhundert v. Chr.
Ein bedeutender Fundplatz mit Hortfunden der spätbronzezeitlichen Urnenfelderkultur (1200–800 v. Chr.) ist der Bullenheimer Berg bei Ippesheim. Als Opferplatz der Urnenfelderzeit nimmt die „Schellnecker Wänd“ bei Essing eine herausragende Stellung ein.[90] Während der Urnenfelderzeit gab es in der Umgebung von Erlangen einige mit Sandsteinplatten eingefasste Gräber („Erlanger Zeichensteine“), die mit eingeritzten Zeichen – wie zum Beispiel der so genannten Dolmengöttin, Sonnensymbolen oder Tannenzweigmustern – versehen waren.[91] Sehr wahrscheinlich stammen diese Ornamente aber aus dem spätkupferzeitlichen bzw. endneolithischen Kulturkreis, und die Platten wurden in der Urnenfelderzeit sekundär als Grabeinfassungen verbaut.[92]
In einem 1913 entdeckten Grabhügel bei Kosbach nahe Erlangen wurden bedeutende Funde der Älteren Urnenfelderzeit (Ha A, 12.–11. Jh. v. Chr.), der späten Hallstattzeit (Ha C-D, 8.-6. Jh. v. Chr.) sowie der Latènezeit (Lt A, 6./5. Jh. v. Chr.) gemacht. Der Fuß des Hügels stößt an den sogenannten „Kosbacher Altar“, eine quadratische Steinsetzung mit vier größeren Ecksteinen und einem phallusartigen Pfeiler in der Mitte. Es handelt sich dabei um einen singulären Grabbau aus der jüngeren Hallstattzeit. Eine Rekonstruktion der Anlage kann heute im Gelände besichtigt werden.[93][94]
Einen weiteren interessanten Fund der späten Hallstattzeit (Hallstatt D) stellt das eiserne Kurzschwert mit Antennenknauf von Möhrendorf dar.[95]
Die Heunischenburg bei Kronach war während der Urnenfelderzeit eine befestigte Höhensiedlung. Für viele Perioden der älteren Urgeschichte ist außerdem der Staffelberg (Gde. Bad Staffelstein (Oberfranken) bedeutend. Davon zeugen heute noch die Reste der Wehranlagen, die die Kelten seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. erbaut und mehrfach erneuert haben.[96] Ein seit dem Neolithikum (Michelsberger Kultur, Schnurkeramik) besiedelter Tafelberg im südlichen Oberfranken ist auch die Ehrenbürg bei Forchheim. Während der Eisenzeit war der Sattel der Ehrenbürg eines der bedeutendsten befestigten Zentren Bayerns. Aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. ist eine Ummauerung des gesamten Plateaus nachgewiesen, mit einer Gesamtlänge der Befestigung von 3,5 km.[97] Im Zuge der Keltenwanderungen des 4. Jahrhunderts v. Chr. wurde die Anlage aufgegeben.
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