Ein Wehrbereichskommando (WBK) ist die territoriale nationale Kommandobehörde der Bundeswehr in einem Wehrbereich und wird von einem Befehlshaber geführt. Ein Wehrbereich kann ein oder mehrere Bundesländer umfassen. Die Wehrbereichkommandos gehören zur Streitkräftebasis und unterstehen dem Streitkräfteunterstützungskommando. Die WBKs werden aufgelöst. Für territoriale Aufgaben sind in Zukunft das Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr in Berlin sowie die ihm unterstellen Landeskommandos zuständig.[1][2]
Schon in der Weimarer Republik war das Staatsterritorium in Wehrkreise eingeteilt. Die Wehrkreiskommandos hatten jedoch andere Funktionen als die Wehrbereichskommandos.
Mit Aufstellung der Bundeswehr wurden die Wehrbereiche als Verwaltungsbezirke geschaffen. Je nach Größe umfassten sie ein oder mehrere Bundesländer (z. B. waren Bayern oder Baden-Württemberg je ein Wehrbereich, Saarland, Rheinland-Pfalz und Hessen zusammen war ein Wehrbereich). Innerhalb eines Wehrbereichs gibt es als mittlere Bundesbehörden des Bundesministeriums der Verteidigung die Wehrbereichsverwaltungen und als militärische Kommandobehörden die Wehrbereichskommandos, beide mit nachgeordneten Dienststellen bzw. Truppenteilen.
Die militärischen Dienststellen / Truppenteile waren
In der DDR gab es zwei Militärbezirke, für den südlichen Teil der DDR den Militärbezirk III mit Sitz in Leipzig und für den nördlichen Teil den Militärbezirk V mit Sitz in Neubrandenburg. Die Wehrbezirke waren höhere Kommandobehörden der Landstreitkräfte der Nationalen Volksarmee. Ihnen unterstanden neben anderen Truppenteilen vor allem jeweils zwei Mot.-Schützen-Divisionen und eine Panzerdivision.
1956 begann die Aufstellung „territorialer Kommandostäbe“ für jeweils einen Wehrbereich, die 1957 in Wehrbereichskommando umbenannt wurden. Ebenso wurde als deren oberste nationale Kommandobehörde 1957 das „Amt für territoriale Verteidigung“ – später in „Kommando Territoriale Verteidigung“ umbenannt – aufgestellt, das direkt dem Bundesministerium der Verteidigung unterstand.
Im gleichen Jahr wurde mit der Aufstellung von „VP-TV Stäben“ für jeden Regierungsbezirk (in kleinen Bundesländern ohne Regierungsbezirke nur ein Stab) begonnen, die 1963 in Verteidigungsbezirkskommandos (VBK) umbenannt wurden. Es gehörten zum
Den VBKs unterstanden Verteidigungskreiskommandos (VKK) auf der Ebene der Landkreise und eigene nichtaktive Truppenteile (Jägerregiment, Fernmeldekompanie, Nachschubkompanie, Transportkompanie, Wallmeistertrupps). Den VKKs unterstanden für Aufgaben der Objektsicherung nichtaktive Heimatschutzkompanien und Sicherungszüge. Ihre Zahl hing jeweils von der Anzahl und Größe der zu sichernden Objekte ab. Diese Dienststellen und Truppenteile wurden bis 1969 aufgestellt.
1969 wurde die bisherige „Territoriale Reserve“, die ursprünglich als eine eigene Teilstreitkraft geplant war, als „Territorialheer“ in das Heer integriert.
Bis 2002, dem Beginn der „Transformation der Bundeswehr“, war der Auftrag der WBKs
und bestand neben der fachlichen und truppendienstlichen Führung der unterstellten Truppenteile vor allem in Planungsarbeiten auf der Grundlage einer sehr genauen Kenntnis von „Land und Leuten“. Bis dahin war auch im Verteidigungsfall die Zusammenarbeit mit den Korps der NATO vorgesehen.
Dieser Auftrag unterschied sich sehr von dem heutigen, oben bereits genannten Auftrag und beinhaltete im Einzelnen [3] :
Die Art und Stärke der den WBKs neben den VBKs direkt unterstellten Truppenteile war unterschiedlich und richtete sich teilweise nach geographischen Gegebenheiten (Küste, wichtige Flussübergänge für Nachschubstraßen (Main Supply Road, MSR) oder Eisenbahntransportlinien (ETL)), teilweise nach militärischen Notwendigkeiten (Anteil der Rückwärtigen Kampfzone („Rear Combat Zone“) im Raum des WBK / Entfernung zu den Grenzen zum Ostblock). Immer wurden ihnen im Laufe der weiteren Aufstellung der Bundeswehr die Truppenübungsplatzkommandanturen, Feldjägerkräfte, Transport- und Lazarettverbände unterstellt.
Ab 1972 wurden in den Wehrbereichskommandos zunächst je ein teilaktives Heimatschutzkommando (HschKdo) (Nummern 13–18) aufgestellt. Damit verfügte das Territorialheer erstmals über Verbände, die nicht rein infanteristisch gegliedert, sondern auch mit gepanzerten Gefechtsfahrzeugen ausgestattet waren. Sie wurden 1982 in Heimatschutzbrigaden (HschBrig) (Nummern 51–56) umbenannt.
Zum Stab eines WBKs gehörten die Stabsabteilungen der Führungsgrundgebiete G1 (Personal/Innere Führung), G 2 (militärisches Nachrichtenwesen), G 3 (Führung/Organisation/Ausbildung) und G 4 (Logistik) sowie die Abteilungen
Auf Grund der Mittlerfunktion zwischen Bundeswehr und ziviler Verwaltung einerseits und alliierten Truppen andererseits gehörten zur Abteilung G3 entsprechende große Verbindungskommandos.
Ab 1982 wurde bei jedem WBK eine weitere, nichtaktive Heimatschutzbrigade aufgestellt (Nummern 61–66).
Ab 1985 wurden im Rahmen des Wartime Host Nation Support – Abkommens mit den USA Unterstützungskommandos (Ukdo) aufgestellt, die teilweise den WBKs unterstellt waren.
Als Beispiel für die Vielzahl der Truppen eines WBKs kann die Gliederung des WBK V gelten:
Der Stab selbst war teilaktiv und sollte im Spannungsfall von rund 250 auf rund 800 Soldaten aufwachsen.
Dazu kamen noch die im Wehrbereich stationierten Truppenteile des Territorialkommandos Süd:
Im Frieden unterstanden die gekaderten Wehrleitersatzbataillone (WL/ErsBtl) des Territorialkommandos Süd einzelnen VKKs. In Baden-Württemberg waren dies u. a. die zum Feldausbildungsregiment 86 (München) gehörenden Wehrleitersatzbataillone 866 (Kirchzarten, bei VKK 533), 867 (Hechingen, bei VKK 541), 868 (Amstetten, bei VKK 542), 869 (Weingarten, bei VKK 543), 870 (Renningen, bei VKK 511), 871 (Schorndorf, bei VKK 512), 872 (Siegelsbach, bei VKK 513), 873 (Ludwigsburg, bei VKK 511), 874 (Oftersheim, bei VKK 522), 875 (Pforzheim, bei VKK 523) und 876 (Neuhausen ob Eck, bei VKK 532).
Nach der Wiedervereinigung wurde im Oktober 1990 in den neuen Bundesländern zunächst ein neuer Wehrbereich für Sachsen, Thüringen, Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt geschaffen. Die bei der Übernahme der Nationalen Volksarmee am 3. Oktober 1990 bestehenden Kommandos der Militärbezirke III in Leipzig und V in Neubrandenburg wurde am 1. Dezember 1990 in die Wehrbereichskommandos VII mit Sitz in Leipzig und VIII mit Sitz in Neubrandenburg umgegliedert und am 1. Juli 1991 in Division(Div)/WBK VII (Leipzig) und Division(Div)/WBK VIII (Neubrandenburg) umbenannt. Ihnen unterstanden die VBKs 71 (Erfurt), 72 (Suhl), 73 (Gera), 74 (Leipzig), 75 (Chemnitz), 76 (Dresden), 81 (Halle), 82 (Magdeburg), 83 (Cottbus), 84 (Potsdam), 85 (Frankfurt (Oder)), 86 (Schwerin), 87 (Neubrandenburg) und später das VBK 100/StOKdo Berlin.
Im Rahmen der Heeresstruktur 5 (Nachsteuerung) (1993–1997) wurden die WBKs als eigenständige Kommandobehörden aufgelöst und mit bestehenden Divisionen fusioniert, die den entsprechenden neuen Namen erhielten:
| Bisheriges WBK | bisherige Division | neuer Name |
|---|---|---|
| WBK I | 6. Panzergrenadierdivision (Bundeswehr) | WBK I / 6. PzGrenDiv |
| WBK II | 1. Panzerdivision | WBK II / 1. PzDiv |
| WBK III | 7. Panzerdivision | WBK III / 7. PzDiv |
| WBK IV | 5. Panzerdivision | WBK IV / 5. PzDiv |
| WBK V | 10. Panzerdivision | WBK V / 10. PzDiv |
| WBK VI | 1. Gebirgsdivision | WBK VI / 1. GebDiv |
| Div / WBK VII | WBK VII / 13. PzGrenDiv | |
| Div / WBK VIII | WBK VIII / 14. PzGrenDiv |
Die Wehrbereiche als Raum blieben unverändert bestehen. Als einziges befand sich der Sitz des WBK V / 10. PzDiv nicht in der Landeshauptstadt Stuttgart sondern in Sigmaringen.
Der größte Teil der nichtaktiven Verbände und Einheiten der bisherigen WBKs wurde aufgelöst, einzelne als sogenannter „WBK-Anteil“ innerhalb der Division ausdrücklich gekennzeichnet. Die neuen Stäbe erhielten einen zusätzlichen “Stellvertretenden Divisionskommandeur und Kommandeur WBK-Truppen“ (ab 1996 umbenannt in „Stellvertretender Befehlshaber und General Nationale Territoriale Angelegenheiten“). Im Spannungsfall wären die Stäbe der WBKs geteilt worden in einen normalen mobilen Divisionsstab ( NATO-unterstellt) und einen nationalen, am Standort verbleibenden Stab WBK und die Truppenteile wären entsprechend unterstellt worden.
Veranschaulicht am Beispiel des Jägerregiment 10 „Linzgau“ des WBK V / 10. PzDiv:
Im Frieden unterstanden alle vier Bataillone dem Regiment. Das aktive Jägerbataillon 101, das teilaktive Jägerbataillon 102 und das nichtaktive Sicherungsbataillon 108 (vorgesehen zur Sicherung der Divisions-Gefechtsstände) wären bei der 10. PzDiv geblieben, das nichtaktive Jägerbataillon 852 wäre dem WBK unterstellt worden.
Im Rahmen der Umgliederung zur „von Grund auf erneuerten Bundeswehr“ 2001 wurde das Territorialheer aufgelöst und verbliebene nationale Strukturen und Aufgaben in den neu geschaffenen Organisationsbereich Streitkräftebasis eingegliedert. Die Verantwortung für die „Nationalen Territorialen Aufgaben“ wechselte am 1.Oktober 2001 vom Heeresführungskommando zum neuen Streitkräfteunterstützungskommando, neuer „Nationaler Territorialer Befehlshaber“ wurde der Befehlshaber des Streitkräfteunterstützungskommandos. Gleichzeitig wurden die Divisionen / WBKs defusioniert und die Anzahl der Wehrbereiche / WBKs von sieben auf vier reduziert, die dem Streitkräfteunterstützungskommando unterstellt wurden. Außerdem wurden einzelne VBKs und die noch bestehenden nichtaktiven Truppenteile der WBKs aufgelöst.
Die vier neuen Wehrbereiche umfassen die Länder
Da die verbliebenen VBKs ihre alte Nummer (die erste Ziffer zeigt die Zugehörigkeit zum früheren WBK) behielten, ist mit deren Zuordnung zu den neuen WBKs die neue Raumordnung deutlich sichtbar.
Sein Sitz war in Kiel. Dem WBK I waren die VBKs 10, 11, 20, 23, 24, 25, 86 und 87 unterstellt.
| Internes Verbandsabzeichen des Wehrbereichskommandos | Interne Verbandsdabzeichen der Verteidigungsbezirkskommandos | Karte des WBK I mit den VBKs | |
|---|---|---|---|
Sein Sitz war in Mainz. Dem WBK II waren die VBKs 31, 34, 35, 42, 46 und 47 unterstellt.
| Verbandsabzeichen des Wehrbereichskommandos | Interne Verbandsabzeichen der Verteidigungsbezirkskommandos | Karte des WBK II mit den VBKs | |
|---|---|---|---|
Sein Sitz war in Erfurt. Dem WBK III waren das VBK 71, 75, 76, 81, 82, 84, 85 und das Standortkommando (StOKdo) Berlin unterstellt.
| Verbandsabzeichen des Wehrbereichskommandos | Interne Verbandsabzeichen der Verteidigungsbezirkskommandos | Karte des WBK III mit den VBKs | |
|---|---|---|---|
Sein Sitz ist in München. Dem WBK IV waren die VBKs 51, 52, 63, 65, 66 und 67 unterstellt.
| Internes Verbandsabzeichen des Wehrbereichskommandos | Interne Verbandsabzeichen der Verteidigungsbezirkskommandos | Karte des WBK IV mit den VBKs | |
|---|---|---|---|
Ein Wehrbereichskommando ist verantwortlich für die Wahrnehmung territorialer militärischer Aufgaben und arbeitet innerhalb des Wehrbereichs mit den dort stationierten Truppenteilen der Teilstreitkräfte (seit 2000 auch mit dem Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr), den Dienststellen der Bundeswehrverwaltung, den mittleren Bundesbehörden und den jeweiligen Landesbehörden zusammen.
Der Auftrag im Einzelnen umfasst
Mit der Auflösung der Verteidigungsbezirkskommandos (VBK) und Aufstellung der Landeskommandos (LKdo) haben die Wehrbereichskommandos im Wesentlichen ihre Zielstruktur 2010 im Rahmen der „Transformation der Bundeswehr“ [5] eingenommen. Ihnen sind mit unterschiedlichem Schwerpunkt verschiedene Truppenteile und Dienststellen unterstellt.
In den Ländern, in denen die vier Wehrbereichskommandos stationiert sind, ist das Landeskommando in das WBK integriert. Die LKdos führen entsprechend der politischen Strukturen der Bundesländer 34 Bezirksverbindungskommandos (BVK) als Verbindungskommando zu den Bezirksregierungen/Regierungspräsidien und 429 Kreisverbindungskommandos (KVK) als Verbindungskommando zu den Kreisen. Die BVKs und KVKs bestehen ausschließlich aus Reservisten.
Mit der Veröffentlichung des Stationierungskonzepts der Bundeswehr im Oktober 2011 wurde bekannt, dass die Wehrbereichskommandos aufgelöst werden. Aus dem Personalkörper des WBK III in Erfurt wird das Logistikkommando der Bundeswehr aufwachsen, dem alle Logistikverbände der Streitkräftebasis, die Logistikschule und das Logistikzentrum der Bundeswehr unterstellt sind. Die an der Standorten der WBK integrierten Landeskommandos werden selbständig und unterstehen in Zukunft dem Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr mit Sitz in Berlin.
Das Wehrbereichskommando I ist für die Bundesländer Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein zuständig. Sein Sitz ist in der Scharnhorst-Kaserne in Kiel. Der Schwerpunkt des WBK I ist die Logistik. Dem WBK I sind unterstellt
Befehlshaber im Wehrbereich I:
| Nr. | Dienstgrad | Name | Beginn der Berufung |
|---|---|---|---|
| 4. | Brigadegeneral | Wolfgang Brüschke[6] | 27. Juni 2011 |
| 3. | Konteradmiral | Jens-Volker Kronisch | 18. Januar 2008 |
| 2. | Generalmajor | Heinz-Georg Keerl | Januar 2005 |
| 1. | Konteradmiral | Uwe Kahre | 28. März 2003 |
Das Wehrbereichskommando II ist für die Bundesländer Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland zuständig. Sein Sitz ist in Mainz. Der Schwerpunkt des WBK II ist die Führungsunterstützung.
Dem WBK II sind unterstellt
Befehlshaber im Wehrbereich II:
| Nr. | Dienstgrad | Name | Beginn der Berufung |
|---|---|---|---|
| 3. | Generalmajor | Gerhard Stelz | 12. Dezember 2008 |
| 2. | Generalmajor | Bernd Diepenhorst | 1. März 2004 |
| 1. | Generalmajor | Christian Otto Eduard Millotat | 2002 |
Das Wehrbereichskommando III ist für die Bundesländer Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zuständig. Sein Sitz ist in Erfurt. Der Schwerpunkt des WBK III ist die Führungsunterstützung.
Dem WBK III sind unterstellt
Befehlshaber im Wehrbereich III:
| Nr. | Dienstgrad | Name | Beginn der Berufung |
|---|---|---|---|
| 4. | Generalmajor | Heinrich Geppert | 27. März 2009 |
| 3. | Generalmajor | Johann G. Oppitz | 14. September 2005 |
| 2. | |||
| 1. |
Das Wehrbereichskommando IV - Süddeutschland - (WBK IV) ist für die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg zuständig. Sein Sitz ist in der Fürst-Wrede-Kaserne in München. Der Schwerpunkt des WBK IV ist die Logistik.
Dem WBK IV sind unterstellt
Befehlshaber im Wehrbereich IV:
| Nr. | Dienstgrad | Name | Beginn der Berufung |
|---|---|---|---|
| 3. | Generalmajor | Gert Wessels | 27. September 2007 |
| 2. | Generalmajor | Justus Gräbner | 29. September 2003 |
| 1. | Generalmajor | Kersten Lahl | 1. Juli 2001 |
Die Wehrbereichskommandos der Bundeswehr sollen gemäß dem neuem Stationierungskonzept der Bundeswehr aufgelöst werden. Die Aufgaben der WBK´s werden innerhalb der Bundeswehr umverteilt:
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