Als Weichzeichnen (Englisch blur für verwischen) wird die bewusste Veränderung eines Fotos bezeichnet, bei der die Zeichnung (des Bildes) verringert wird. Das Ergebnis dieser Bildgestaltung ist eine Weichzeichnung des Bildes oder von bestimmten Teilen des Bildes.
Das Weichzeichnen eines Fotos ist eine besondere Art der Kontraständerung.
Aus technischer Sicht wird der Kontrast verringert, denn es entstehen kontrastarme Flächen. Diese Kontrastverringerung kann sehr differenziert verwendet werden
Aus gestalterischer Sicht stellt diese Kontrastverringerung eine Stilisierung lokaler Bildbereiche dar und wirkt daher als Differenzierung gegenüber anderen Bildinformationen. Diese Stilisierung erhöht die Wahrnehmung erwünschter Bilddetails und stellt daher eine besondere - gestalterische - Kontrasterhöhung dar.
Weichzeichen ist ein bewusst erzeugter Vorgang der Bildveränderung (zur Verringerung der Zeichnung) und damit etwas anderes als die Sichtbarkeit von Unschärfe. Unschärfe ist ausschließlich ein Maß zur Qualitätsbeurteilung von Bildern, weichzeichnen dagegen ein Mittel der Inszenierten Fotografie zur Veränderung der Bildaussage.
Weichzeichnen ist eine Veränderung der Bildaussage mit Hilfe technischer Mittel. Die ästhetische Qualität dieser Veränderung wird als Bokeh bezeichnet. Ein Bokeh ist ausschließlich ein Begriff der Ästhetik, kein Maß für die Stärke oder Differenzierung einer Weichzeichnung.
Es gibt sehr viele Möglichkeiten, um ein Bild weichzuzeichnen.
Eine Sonderstellung nimmt das automatische Optimierungverfahren von Foto-Großlabore ein. Hier befindet sich im Lichtschacht - zwischen Film und Fotopapier - eine transparente Spezial-Scheibe. Diese transparente Scheibe kann durch Strom partiell geschwärzt werden. Diese Schwärzung bildet immer ein weichgezeichnetes Abbild des Fotos ab. Mit Hilfe dieses Verfahrens werden seit Beginn der 1990er Jahre alle in Grosslaboren gefertigten Fotos optimiert.
Die zur Weichzeichnung verwendeten Objektive werden als Weichzeichner bezeichnet. In manchen Epochen der Fotografie, wie in der Zeit am Beginn des 20. Jahrhunderts wurde dies als bewusste Abkehr von der naturalistischen Darstellung akribisch genauer und scharfer Aufnahmen angesehen.
Beispiel für Weichzeichnerobjektive sind:
Eine typische Softwarelösung zur Weichzeichnung von digitalen Fotos ist der Gaußsche Weichzeichner. Der Name beruht dabei auf der „Gaußschen“ Normalverteilung, die durch Johann Carl Friedrich Gauß entwickelt wurde.
Ein in der klassischen Fotografie verwendetes Weichzeichnerobjektiv oder ein Weichzeichnerfilter erzeugt ein scharfes Bild, dem ein Anteil Unschärfe überlagert ist. Hierdurch wirkt das Bild, welches immer noch als scharf empfunden wird, als romantisch und traumhaft. Derartige Effekte sind beispielsweise in der Portrait-Fotografie beliebt, da grobporige Haut deutlich glatter wirkt.
Weiterhin gibt es Weichzeichnungsfilter, die nur flächenhafte Objekte erfassen, aber Bildkanten unverändert lassen, sogenannte Despeckle- oder Medianfilter.
Digitale Weichzeichnung ist eine Tiefpass-Filterung. Kleine Strukturen (die „Zeichnung“) werden damit herausgefiltert. Darum kann Weichzeichnung auch eingesetzt werden, wenn Rasterungen[1] entfernt werden sollen.
Weichzeichnen wird gerne bei Porträtfotografie verwendet, wobei insbesondere bei der digitalen Nachbearbeitung zwecks Weichzeichnen die Augen ausgespart bleiben, da diese bei Portraits immer scharf abgebildet sein sollten. Ebenso kommen Weichzeichner in der Aktfotografie zum Einsatz. Dagegen wird in der Landschaftsfotografie das Weichzeichnen gewöhnlich nicht eingesetzt.
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